mini|Oberaufseß mini|Burg Unteraufseß und Kirche

Aufseß ist eine Gemeinde im oberfränkischen Landkreis Bayreuth. Sie ist Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Hollfeld.

Geografie Geografische Lage Aufseß liegt inmitten der Fränkischen Schweiz an der Burgenstraße und der Fränkischen Bierstraße. Der gleichnamige Fluss durchfließt den Ort.

Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind (von Norden beginnend im Uhrzeigersinn): Hollfeld, Plankenfels, Waischenfeld, Wiesenttal, Heiligenstadt in Oberfranken und Königsfeld.

Gemeindegliederung Es gibt 10 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):

Die Einöde Neuhausermühle zählt zum Gemeindeteil Neuhaus.

Es gibt die Gemarkungen Aufseß, Hochstahl (Gemarkungsteil 0), Neuhaus, Sachsendorf, Schressendorf (Gemarkungsteil 0) und Zochenreuth. Die Gemarkung Aufseß hat eine Fläche von 8,182 km². Sie ist in 1152 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Flurstücksfläche von 7102,24 m² haben. In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Heckenhof und Oberaufseß.

Geschichte Adelsgeschlecht von Aufseß Das Adelsgeschlecht von Aufseß wurde 1114 erstmals erwähnt. Die beiden Burgen Unteraufseß und Oberaufseß sind noch Wohnsitze des Adelsgeschlechtes der Freiherren von Aufseß. Der bekannteste Angehörige des Adelsgeschlechts war Hans von und zu Aufseß, der Gründer des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg. Die Herrschaft der Freiherren von Aufseß, die auch zum Fränkischen Ritterkreis gehörten, wurde 1806 mediatisiert und kam mit der Rheinbundakte zu Bayern. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeinde.

mini|„Am Turm von Aufseß...“: Bergfried der Burg Unteraufseß. (Bild ist annotiert, Linksklick und Mauszeiger über das Bild bewegen, um Notizen zu sehen) Der Dichter Joseph Victor von Scheffel erwähnte das Dorf Aufseß im Liederzyklus Exodus cantorum, in dem er die „Rose auf blauem Schilde“ grüßte: „Am Turm von Aufseß grüßt uns dann Die Rose aus blauem Schilde, Ein schriftgelehrter Rittersmann Hegt sie in ernster Milde. In der Kapelle hat er sich Schon Gruft und Sarg bestellt, Doch zecht er noch frisch tugendlich, Wenn er den Hirz gefället.“

Jüdische Gemeinde in Aufseß mini|links|Jüdischer Friedhof in Aufseß mini|Der Fluss Aufseß bei Aufseß mini|Furt und Brücke (auf 1,5 t beschränkt) über die Aufseß In Aufseß existierte eine jüdische Gemeinde, deren Geschichte wahrscheinlich bis in das 14. Jahrhundert zurückreicht.Die Synagoge in Aufseß bei alemannia-judaica.de, abgerufen am 15. Dezember 2023 Nachdem die Zerstörung des gesamten Ortes im Dreißigjährigen Krieg und die Pest die Geschichte der ersten jüdischen Ansiedlung beendet hatte, ließen sich seit dem frühen 18. Jahrhundert unter dem Schutz von Carl Heinrich von Aufseß abermals Juden in Aufseß nieder. 1722 wurden dort eine Synagoge und der noch bestehende jüdische Friedhof errichtet. 1840 hatte der jüdische Bevölkerungsanteil mit 17,5 % (105 von insgesamt 600 Einwohnern) den Höhepunkt erreicht und sank anschließend durch Abwanderung wieder. Zu Beginn der Zeit des Nationalsozialismus 1933 lebten in Aufseß noch elf jüdische Personen, von denen drei in die Vereinigten Staaten emigrieren konnten und einer im Ort verstarb. Die letzten Juden verließen den Ort nach den Novemberpogromen 1938. SA-Männer aus Heiligenstadt und SS-Männer aus Bayreuth hatten im November 1938 die Wohnungen von fünf Juden verwüstet, die anschließend verhaftet und misshandelt wurden. Auch vier Hoheitsträger aus Aufseß waren an der Gewaltaktion beteiligt.Als Hitler die Teufelshöhle besuchte in: Nordbayerischer Kurier vom 9. Dezember 2019, S. 15. Mindestens 16 in Aufseß geborene oder zeitweise wohnhafte Juden fielen dem Holocaust zum Opfer.Gedenkbuch – Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft 1933–1945. Stand 19. Mai 2011.

Der Bereich an der Brunnengasse war das „jüdische Viertel“ von Aufseß.Spuren jüdischen Lebens in Aufseß - Jüdischer Friedhof in Aufseß bei wdb-franken.org, abgerufen am 15. Dezember 2023 Im Haus Nummer 47 lebte das Ehepaar Rosalie und Samuel Fleischmann, das über eines der ersten Telefone im Ort verfügte. Das Hinweisschild „Fernsprechstelle“ an der Hauswand wies darauf hin, dass es öffentlich genutzt werden konnte.Der jüdische Friedhof kommt in die Denkmalliste in: Nordbayerischer Kurier vom 14. Dezember 2023, S. 15.

Feuerbachs Fall von Sachsendorf Sachsendorf ist durch den berühmten Juristen Paul Johann Anselm von Feuerbach (1775–1835) in Aktenmäßige Darstellung merkwürdiger Verbrechen weltweit bekannt geworden. 1808/09 war der prominente Johannes Jagenholz, genannt „Satrap“, der dortige Freiherrlich Heußlein von Eußenheim’sche Justizamtmann. Bei dessen Trauung mit Elisabetha Dorothea Kammer aus Kissingen war der Amtmann Karl-Eugen Schell aus Kainach Trauzeuge und später auch zweimal Taufpate. Die Jagenholz waren mit dem königlich-bayerischen Justizamtmann Wolfgang Konrad Glaser in Kasendorf und dessen Frau befreundet. Frau Glaser wurde am 26. August 1808 durch ihre Haushälterin Anna Margaretha Zwanziger mit Arsen ermordet. Sachsendorf und seine prominente Juristenfamilie Jagendorf sind durch die Veröffentlichung des Giftmordes durch Feuerbach sowie zahlreiche Nachdrucke und Erzählungen bekannt geworden.

Eingemeindungen Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurde am 1. April 1971 die Gemeinde Sachsendorf nach Neuhaus eingemeindet. Am 1. Mai 1978 kamen Neuhaus und der Hauptteil der aufgelösten Gemeinde Hochstahl zu Aufseß.

Einwohnerentwicklung Im Zeitraum 1988 bis 2018 sank die Einwohnerzahl von 1313 auf 1287 um 26 bzw. um 2 %. Ein Höchststand wurde am 31. Dezember 2003 mit 1397 Einwohnern erreicht.

Politik Bürgermeister Bürgermeister ist seit 2020 Alexander Schrüfer (WG Sachsendorf-Neuhaus). Vorgänger war Ludwig Bäuerlein (CSU/Unabhängige Wähler).

Gemeinderat Die Kommunalwahlen 2020 führten zu der folgenden Sitzverteilung im Gemeinderat: Wahlgemeinschaft Sachsendorf-Neuhaus 5 Sitze Gemeinsame Liste Aufseß 4 Sitze Wahlgemeinschaft Hochstahl 3 Sitze

Wappen

Interkommunale Zusammenarbeit Die Gemeinde ist seit 1999 Mitglied im Verein für Regionalentwicklung „Rund um die Neubürg – Fränkische Schweiz e. V.".

Sehenswürdigkeiten Baudenkmäler Als Baudenkmäler sind in und um das Pfarrdorf Aufseß insgesamt 17 Objekte klassifiziert, darunter Schloss Unteraufseß, die evangelisch-lutherische Pfarrkirche, die ehemalige Vogtei und das Pfarrhaus.

mini|Osterbrücke über die Aufseß

Osterbrauchtum Als Variante der vor allem in der Fränkischen Schweiz üblichen Tradition, zu Ostern Brunnen zu schmücken, wird von Palmsonntag bis zum Sonntag nach Ostern die zum Schloss Unteraufseß führende Brücke über die Aufseß als Osterbrücke geschmückt.

Brauereienweg mit Weltrekordbrauereien mini|hochkant|Wegweiser am Brauereienweg Die Gemeinde verfügte 2001 über die höchste Brauereidichte und erhielt dafür einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde.World's Best Beers: One Thousand Craft Brews from Cask to Glass von Ben McFarland (englisch) Es gibt vier Brauereien in der Gemeinde: Brauerei Reichold, Hochstahl – Brauerei Rothenbach, Aufseß (bekannt für ihr 2021 so benanntes Wegseidla, ein naturtrübes HellesMartin Droschke: Was trinken wir heute? Ein Wegseidla. In: Franken 2024. Franken-Wissen für das ganze Jahr. Emons Verlag, Köln 2023, ISBN 978-3-7408-1797-8, Blatt 27. August.) – Brauerei Stadter, Sachsendorf – Kathi-Bräu, Heckenhof. Diese sogenannten Weltrekordbrauereien sind mit einem etwa 13 Kilometer langen Brauereienwanderweg verbunden,Verlauf des Brauereienwanderweg (Abgerufen am 3. März 2013) der an allen vier Brauereien vorbei führt.

Söhne und Töchter der Gemeinde Albrecht von und zu Aufseß (1925–2013), Forstwirt und Vorstandsvorsitzender des Evangeliums-Rundfunk (ERF) Sebastian Adam Karl Sommer (1796–1865), ev.-luth. Pfarrer und Schriftsteller Hans von und zu Aufseß (1801–1872), Altertumsforscher und Gründer des „Germanischen Museums“ (heute Germanisches Nationalmuseum) Ludwig Ott (1900–1979), Förster und Mitglied hessischen Kommunallandtags (NSDAP) Max Kraussold (1833–1901), Pfarrer, Reichstags- und Landtagsabgeordneter Magda Kelber (1908–1987), Sozialarbeiterin, Sozialpädagogin, Quäkerin Matthias Neukirch (* 1963), Schauspieler Günther Reichold (* 1965), Fußballspieler Johann Schoberth (1922–1988), SS-Unterscharführer und Angehöriger der politischen Abteilung im Konzentrationslager Auschwitz

Bedeutende Personen Hans Max von Aufseß (1906–1993), Schriftsteller

Literatur

Weblinks

Gemeindeverwaltung Brauereienweg

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Landkreis Bayreuth

Kategorie:Geographie (Fränkische Schweiz) Kategorie:Ersterwähnung 1114 Kategorie:Gemeindegründung 1818 Kategorie:Kirchdorf (Siedlungstyp) Kategorie:Gemarkung im Landkreis Bayreuth