Michael Krupp (* 1938 in Elbing) ist ein deutscher evangelischer Theologe und Judaist.
Leben Michael Krupp verlebte seine frühe Kindheit im ostpreußischen Elbing. Seine Eltern waren aktive Gegner des Nationalsozialismus. Krupps Vater Gerhard war Dekan der Bekennenden Kirche und wurde für mehrere Monate wegen seiner Kritik an der Judenverfolgung inhaftiert.
Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Familie vertrieben. Die Kinder wurden zunächst zu Verwandten in den Harz geschickt, später zog die Familie nach Essen. Hans-Jürgen Krupp ist sein älterer Bruder. Zwei jüngere Schwestern Krupps starben an den Strapazen des Nachkriegshungers und aufgrund fehlender Medikamente. Krupp fand Trost in der Bibel, insbesondere den Schriften des Alten Testaments.
Mit Gründung der Bundeswehr im Jahr 1955 wurde er zur Musterung aufgefordert. Als einziger Schüler an seinem Gymnasium verweigerte er den Kriegsdienst. Krupp beschäftigte sich in dieser Zeit intensiv mit dem Staat Israel und lernte etwas Neuhebräisch. Nach Aufnahme des Studiums der Theologie an der West-Berliner Freien Universität besuchte er einen Kurs über Zionismus. Im Jahr 1959 reiste er zum ersten Mal nach Israel und lebte einige Zeit als Freiwilliger in einem Kibbuz.
Nach seiner Rückkehr gehörte Krupp zu den Gründerinnen und Gründern der Deutsch-Israelischen Studiengruppe an der Kirchlichen Hochschule Berlin.Jonas Hahn: Die Deutsch-Israelischen Studiengruppen und die frühen studentischen Kontakte mit Israel 1948–1972, Göttingen 2025, S. 77f. Daneben setzte sich Krupp innerhalb linker politischer Gruppierungen, wie dem Sozialistischen Deutschen Studentenbund, für den Staat Israel ein. Neben Theologie studierte Krupp Judaistik und Islamwissenschaften. 1966 promovierte er bei Helmut Gollwitzer. Kurz darauf heiratete er seine Frau Danièle, eine aus Algerien stammende französische Jüdin.
Aufgrund seiner Ehe mit einer jüdischen Frau wurde Krupp von der Evangelischen Kirche im Rheinland nicht als Pastor eingestellt. Die West-Berliner Evangelische Kirche der Union hingegen ordinierte Krupp und entsandte ihn 1970 nach Jerusalem, um ein kirchliches Begegnungszentrum aufzubauen.
In Jerusalem betreute Krupp deutsche Theologiestudenten an der Hebräischen Universität, leitete das Büro von Aktion Sühnezeichen, war Beauftragter für das interkonfessionelle Gespräch und später Vorsitzender der Israel-Interfaith-Association. 1978 gehörte er zu den Mitbegründern des Programms Studium in Israel, dessen Studienleiter er seit Gründung war und bis ins Jahr 2003 blieb.
Michael Krupp brach mit der antijüdisch-antisemitischen Tradition der christlichen Kirche. Das Judentum gilt in seiner Theologie nicht als verstockte religiöse Gemeinschaft, die Jesus Christus nicht als den Messias anerkennt, sondern als religiöses Gegenüber. Judenmission lehnt Krupp strikt ab. Diese Einstellung hat sich inzwischen weitgehend in der Evangelischen Kirche durchgesetzt.
Krupp schrieb mehrere Bücher über den Talmud und über den Zionismus. Seit 2002 gibt er die Mischna in einer deutsch-hebräischen Version heraus. Nach seiner Pensionierung als evangelischer Pfarrer in Jerusalem baute er eine deutsche evangelische Gemeinde in Belgrad auf.
Danièle und Michael Krupp sind die Eltern vier jüdischer Kinder. Im Sommer 2003 erhielt Krupp erstmals einen israelischen Personalausweis.
Auszeichnungen Mount Zion Award (2019) Bundesverdienstkreuz am Bande (2025)Pionier christlich-jüdischer und interreligiöser Begegnung mit Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet, Meldung vom 7. März 2025, abgerufen am 13. März 2025
Ausgewählte Werke
Weblinks Michael Krupp - Der alte Grenzgänger, Jüdische Allgemeine vom 8. Mai 2008 Michael Krupp - ein Pionier des christlich-jüdischen Dialogs, Arbeitskreis Kirche und Israel in der Evangelischen Kirche Hessen und Nassau Ein Porträt des Grenzgängers Michael Krupp, Südwestrundfunk (RTF, 32 kB) Bücher von Michael Krupp im TVT-Verlag mit Inhaltsangabe
Einzelnachweise
Kategorie:Evangelischer Theologe (20. Jahrhundert) Kategorie:Evangelischer Theologe (21. Jahrhundert) Kategorie:Judaist Kategorie:Deutscher Kategorie:Deutscher Emigrant Kategorie:Mitglied der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste Kategorie:Geboren 1938 Kategorie:Mann Kategorie:Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande