Liebstadt ist eine im Übergangsgebiet von Osterzgebirge und Elbtalschiefergebirge gelegene Landstadt im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Mit etwa 1400 Einwohnern ist sie die kleinste Stadt Sachsens und weist auch die geringste Bevölkerungsdichte aller sächsischen Städte auf.

Geographie mini|hochkant=1.40|Blick von Schloss Kuckuckstein auf die Stadt mini|hochkant|Blick vom Markt zum Schloss Geographische Lage Das Gemeindegebiet von Liebstadt befindet sich etwa 15 km südwestlich von Pirna. Es umfasst vor allem den zwischen der Müglitz und der Seidewitz liegenden Höhenrücken. Die Stadt Liebstadt selbst befindet sich in einem schmalen Talkessel am Zusammenfluss der Seidewitz mit dem Döbraer Bach auf etwa 333 m ü. NN (ehem. Gasthof „Zum schwarzen Kleeblatt“ am Markt). Die ländlichen Ortsteile sind aber alle höher gelegen und reichen bis auf 583 m ü. NN (nahe Waltersdorf). Der niedrigste Punkt befindet sich auf 208 m ü. NN im Müglitztal nahe Mühlbach. Einige markante Erhebungen auf dem Stadtgebiet sind die Napoleonschanze bei Herbergen (428 m ü. NN), der Käferberg (414 m ü. NN), der Galgenberg (427 m ü. NN), der Ziegenrücken (453–499 m ü. NN) und einige namenlose Erhebungen im Süden (bis 595 m ü. NN).

Geologie Die im Raum Liebstadt lagernden Untergrundgesteine sind dem Freiberger Grauen Gneis zuzuordnen. Dieses Gestein entstand im Laufe der Heraushebung des Erzgebirges bei der Umwandlung älterer Sedimente unter hohem Druck. Nördlich von Liebstadt befindet sich mit dem Elbtalschiefergebirge (Mittelsächsische Überschiebung) ein schmales, aber auf engstem Raum geologisch vielgestaltiges Übergangsgebiet zur Elbtalweitung. Widerstandsfähige Granite und Porphyre bilden schmale Höhenrücken mit Härtlingskuppen.

Naturraum Naturräumlich gehört das Gebiet um Liebstadt dem unteren Osterzgebirge an. Das Oberflächenbild wird durch die weiten, reliefenergieschwachen und nach Süden hin ansteigenden Gneishochflächen geprägt. Sie werden von Flüssen und Bächen zerschnitten, die konsequent der Abdachung des Osterzgebirges folgen und die Hochflächen zum Teil stark zerschneiden. So hat sich zum Beispiel die Seidewitz zwischen Liebstadt und Pirna in einzelnen Abschnitten als Durchbruchstal über 70 m tief in die Untergrundgesteine des Elbtalschiefergebirges eingeschnitten und dabei einzelne Felsklippen freigelegt. Im Raum um Liebstadt liegen die Jahresmitteltemperaturen zwischen 7 und 8 °C und im Mittel werden 750–800 mm Niederschlag im Jahr erreicht. Etwa 10 % des Niederschlages können als Schnee fallen. Die Vegetationsperiode ist im Schnitt über 200 Tage lang. Für die Bodenausbildung sind Braunerden und Braunstaugleye dominierend. Die vergleichsweise günstigen naturräumlichen Bedingungen haben die Besiedlung des Gebietes bis in die Kammlagen des Osterzgebirges frühzeitig gefördert. In der Folge führten landwirtschaftliche und bergbauliche Nutzungen zu einer großflächigen Entwaldung der Region zwischen Elbtal, Liebstadt und Osterzgebirgskamm. Dadurch begünstigte Hochwasser haben in der Vergangenheit wiederholt, zuletzt insbesondere 1927 und 2002, schwere Schäden verursacht. Deshalb wird die Seidewitz zum Hochwasserschutz südlich von Liebstadt seit 1967 durch ein Rückhaltebecken gestaut.

Ortsgliederung Liebstadt ist eine der kleinsten Städte Sachsens und besteht aus den acht Ortsteilen (von Süden nach Norden):

Geschichte mini|Liebstadt, Berthelsdorf, Herbergen und Seitenhain auf der Oberreitschen Karte von 1821 mini|Blick auf Liebstadt und Schloss Kuckuckstein (um 1840) Die Geschichte der Stadt ist untrennbar mit der des Schlosses Kuckuckstein verbunden. Bereits unter Heinrich I. wurde die Burg vermutlich zwischen 930 und 940 erbaut. Sie beherrscht damit die Handelswege von Pirna über das Seidewitztal nach Börnersdorf und dann weiter auf der Alten Dresden Teplitzer Poststraße nach Breitenau und Fürstenwalde über den Kamm des Osterzgebirges nach Kulm in Böhmen. Diese Strecke ist weniger anstrengend als der Weg durch das Müglitztal von Dohna über Bärenstein, Lauenstein und Voitsdorf nach Graupen und wie die östlichere Strecke über den Geiersberg und nur wenig länger als der Weg über den Nollendorf-Kulmer-Pass (Neue Dresden Teplitzer Poststraße von Pirna über Gottleuba und Oelsen nach Aussig bzw. Teplitz).

Die Entstehung der Stadt ist dabei sehr eng mit den Burggrafen von Dohna verbunden. Sie waren ein edelfreies Geschlecht, welches durch Kaiser Friedrich I. mit der reichsunmittelbaren Burggrafschaft Donin (heute Dohna bei Pirna) belehnt wurden. Der erste nachweisbare Besitzer von Liebstadt war Otto von Dohna, der am 19. Oktober 1286 Liebstadt an das Bistum Meißen verleiht. In dieser Urkunde wird nur das Städtchen (civitas Libenstat), nicht die Burg erwähnt.

Auch die heutigen dörflichen Ortsteile sind wie alle Dörfer der Region größtenteils im 13. Jahrhundert als Waldhufendörfer entstanden.

Liebstadt wird erst wieder 1410 erwähnt, nachdem die Donins in der Dohnaischen Fehde 1402 dem Meißner Markgrafen Wilhelm I. unterlegen waren und damit alle ihre Besitzungen verloren hatten. Der Markgraf belehnte die Brüder Günther und Heinrich von Bünau für ihre Treue zu ihm und ihre militärischen Verdienste unter anderem auch mit Liebstadt. Die Bünaus werden bis 1691 die Geschicke der Stadt und ihres Umlandes lenken. 1492 erhält Liebstadt erneut das Stadt- und Marktrecht. Das Schloss und damit auch die Stadt wechselt seinen Besitzer nach den Bünaus mehrfach, bis das Schloss 1774 von Hans Carl August von Carlowitz ersteigert wird und bis 1931 im Besitz der Familie von Carlowitz verbleibt.

Zudem wurde auch Liebstadt und die Dörfer in der Umgebung von den kriegerischen Auseinandersetzungen mit den Hussiten, im Dreißigjährigen und im Siebenjährigen Krieg und im Napoleonischen Krieg hart von Verwüstungen, Not, Elend und Krankheiten betroffen.

Das heutige Stadtgebiet entstand mit der sächsischen Gemeindegebietsreform von 1994.

2000 haben sich die Städte Bad Gottleuba-Berggießhübel, Liebstadt und die Gemeinde Bahretal zu einer Verwaltungsgemeinschaft zusammengeschlossen mit Bad Gottleuba-Berggießhübel als erfüllender Gemeinde.

Wappen und Name mini|Stadtwappen Das Stadtwappen zeigt in Rot eine grüne Lindenstaude mit sieben silbernen Lilien. Es wird im frühen 16. Jahrhundert erstmals erwähnt und lehnt sich an die Lilien im Wappen der früheren Schlossbesitzer der von Bünaus an. Bei der Übernahme von Schloss und Stadt fügte Hans Carl August von Carlowitz 1774 dem Wappen eine Adelskrone und einen die Lilien umrankenden Lorbeerkranz hinzu.

Der Name Liebstadt kann als Synonym für eine liebliche Stätte (Wohnstätte) gedeutet werden und verweist vermutlich auf die geschützte Tallage. Als Schreibweisen sind u. a. Libenstat (1286), Libinstat (1338), Lybinstad (1423), Libstat (1435), Liebestadt (1492) und Leybenstath (1495) überliefert.

Eingemeindungen 1973: Berthelsdorf, Herbergen, Seitenhain 1994: Döbra, Großröhrsdorf, Waltersdorf

Entwicklung der Einwohnerzahl Die folgende Tabelle gibt die Einwohnerentwicklung der gesamten Stadt unter Berücksichtigung der Eingemeindungen wieder. Zahlen zur Bevölkerungsentwicklung der Ortsteile sind in den Ortsteilartikeln enthalten. Jahr Einwohner Gebäude Bemerkungen 1300 150 (1) 1500 250 1530 500 71 1550 387 (2) 1688 350 52 Rückgang durch Stadtbrände, Pest und Verwüstungen 1779 600 94 Häuser = Wohnhäuser 1801 435 79 Häuser ohne öffentliche Gebäude 1815 559 90 1834 734 87 nach SCHIFFNER (1840) 100 Häuser 1885 901 125 Jahr Einwohner Gebäude Bemerkungen 1900 733 126 1919 635 1941 816 151 1948 1.100 1970 805 1973 1110 Eingemeindung von Berthelsdorf, Herbergen und Seitenhain 1990 1616 (3) darunter 879 in Liebstadt selbst 1994 1562 Eingemeindung von Döbra, Großröhrsdorf und Walthersdorf 1998 1492 402 Häuser = Wohngebäude, 714 Wohnungen 2004 1394 420 Häuser = Wohngebäude, 737 Wohnungen Jahr Einwohner 2005 1375 2007 1348 2008 1357 2009 1351 2010 1331 2012 1376 2013 1362 2021 1271

Zusammenstellung nach BLASCHKE 2003; Freunde und Förderer von Schloß Kuckuckstein e. V. 2002; MEICHE 1927 und Angaben des Statistischen Landesamtes Sachsen, ab 1991: Stand zum 31. Dezember des jeweiligen Jahres

(1): geschätzt nach überlieferten Hauszahlen aus dem 16. Jahrhundert, vgl. BLASCHKE 2003 (2): errechnet nach Steuerlisten, vgl. BLASCHKE 2003 (3): Stand: 3. Oktober 1990

Gedenkstätten Grabstätte auf dem Friedhof des Ortsteiles Döbra für einen Wehrmachtssoldaten namens Braasch, der noch am 8. Mai 1945 in der Nähe von Berthelsdorf von SS-Männern ermordet und später in Döbra begraben wurde

Politik

Stadtrat

Seit der Stadtratswahl am 9. Juni 2024 verteilen sich die 12 Sitze des Stadtrates folgendermaßen auf die einzelnen Gruppierungen: Freie Wählervereinigung Liebstadt: 8 Sitze CDU: 2 Sitze Bürgerinitiative Waltersdorf: 1 Sitz SPD: 1 Sitz +letzte StadtratswahlenListe202420192014Sitzein %Sitzein %Sitzein %Freie Wählervereinigung Liebstadt871,3455,2540,9CDU215,2544,8647,3Bürgerinitiative Waltersdorf18,9––––SPD14,5––––WV „Bürger für Liebstadt“––––111,8Wahldiagramm74,3 %69,7 %66,5 %

Bürgermeister Im Januar 2019 wurde Hans-Peter Retzler (Die Linke) als einziger Kandidat als Bürgermeister wiedergewählt. Er war von 1998 bis 2023 im Amt. Auf ihn folgte Kristin Grahl. +letzte BürgermeisterwahlenWahlBürgermeisterVorschlagWahlergebnis (in %)2023Kristin GrahlGrahl56,32019Hans-Peter RätzlerLinke97,6201272,22005PDS77,3[…]1994Gerhard SchulzeFWV L77,3 Kultur, Sport und Bildung Sehenswürdigkeiten

Liebstadt Schloss Kuckuckstein mit Freimaurerloge, Heimatmuseum und Rittersaal Ev.-Luth. Kirche Liebstadt: Die spätgotische, flachgedeckte Saalkirche stammt aus dem 15. Jahrhundert. In ihrem Innenraum befindet sich u. a. eine Sandstein-Renaissance-Kanzel (1577), ein wertvoller dreiteiliger Altar (1673) mit Bildtafeln eines niederländischen Meisters sowie ein spätgotisches Sternengewölbe. Turmwindmühle: An der Straße nach Döbra befindet sich die Ruine einer der letzten Windmühlen im Osterzgebirge. Sie war bis 1870 in Betrieb. Königlich-sächsischer Meilenstein (Stationsstein) vom Postkurs Pirna – Liebstadt aus der Zeit von 1859–65 am Schlossberg in Liebstadt Kriegerdenkmal: Ende des 19. Jh. anstelle der Kursächsischen Postdistanzsäule auf dem Markt in Liebstadt errichtet (eingelagert im Ortsteil Herbergen) Nachbildung der Kursächsischen Postmeilensäule von 1732 am Markt. Sie wurde am 16. Juni 2019 eingeweiht. alternativtext=Sühnekreuze waren Bestandteil mittelalterlichen Rechtsverständisses|mini|Solche Steinkreuze erinnerten im Mittelalter an den meist gewaltsamen Tod eines Menschen, Foto Juli 2025An der ehemaligen Schule, Glashütter Str. 6, befindet sich eine kleine Steinkreuzgruppe.

Döbra Kirche: Einzelne Elemente (u. a. spätgotische Fresken aus dem 15. Jahrhundert) der ersten, 1346 erwähnten Kirche sind noch erhalten. Nach ihrer Zerstörung wurde sie 1507 neu errichtet. Die farbenfrohe Innenausstattung stammt aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Sehenswert sind die bemalte Holzdecke und das zinnerne Taufbecken (1618).

Schneckenmühle Schneckenmühle: 1555 erstmals urkundlich erwähnte, ehemalige Wassermühle. Seit dem 19. Jh. als Ausflugslokal und Pension genutzt. Seit den 1960er Jahren wurde rings um die denkmalgeschützte Schneckenmühle ein Ferienlagerobjekt errichtet, das sich beiderseits der Seidewitz das Tal entlangschlängelt. Bemerkenswert ist auch eine alte Holzscheune, die ebenfalls unter Denkmalschutz steht, da sie ohne jegliche Metallverbindungen gebaut worden ist und 2013 von Wandergesellen denkmalgerecht gesichert und restauriert wurde. Seit 1991 wird das Kinderferienlager Schneckenmühle vom Kinderdorf Schneckenmühle e. V. betrieben und saniert bzw. modernisiert; der Verein veranstaltet ganzjährig ehrenamtlich Ferienlager, und außerhalb der Ferien werden Gruppen beherbergt. alternativtext=Ferienlager Schneckenmühle|mini|Ferienlager Schneckenmühle, Foto Juli 2025