Neunkirchen am Brand (amtlich „Neunkirchen a.Brand“; oberfränkisch Neikergn) ist ein Markt im oberfränkischen Landkreis Forchheim.

Geografie Geografische Lage

Der Ort Neunkirchen am Brand liegt im Südwesten der Fränkischen Schweiz, etwa zwölf Kilometer östlich von Erlangen am Fuße des 549 Meter hohen Hetzleser Berges und am Rand des Ballungsraumes Nürnberg-Fürth-Erlangen. Landschaftlich prägend ist der Höhenzug aus Hetzleser Berg, Birklesberg und LindelbergZur Geologie und zur vorgeschichtlichen Stellung des Hetzlaser Gebirges bei Neunkirchen am Brand (Oberfranken), abgerufen am 18. Oktober 2017, der ein Teil der Fränkischen Alb ist.

Der Brandbach durchfließt, von Hetzles kommend und sich in Baad mit dem Haarbach vereinend, den historischen Ortskern und mündet südlich von Dormitz in die Schwabach. Ebenfalls in diese münden im Nordosten der Rödlaserbach, der sich im Bereich von Ermreuth zuvor mit dem Saarbach und dem Bleilesbach vereint, sowie der östlich von Neunkirchen am Brand entspringende Brannbach und der im Osten von Großenbuch beginnende Sendelbach. Der Ebersbach fließt aus dem gleichnamigen Ort kommend nach Süden und mündet nördlich von Dormitz in den Brandbach. Der nördlich von Rosenbach entspringende Weiherbach durchfließt den Ort und mündet südlich von Weiher ebenfalls in die Schwabach.Neunkirchen am Brand im BayernAtlas

Nachbargemeinden mini|Zentrum von Neunkirchen mit Fachwerkhäusern und dem alten Amtshaus an der St.-Michaels-Kirche (rechts außerhalb des Bildes) mini|Alter Ortskern

Gemeindegliederung Der Markt Neunkirchen am Brand hat 11 Gemeindeteile (Einwohnerzahl mit/ohne Nebenwohnsitzen in Klammern, Stand 31. Dezember 2025):

Gesamte Marktgemeinde (8615/8257)

Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Neunkirchen am Brand, Dormitz (Gemarkungsteil 1), Ermreuth, Großenbuch, Hetzles (Gemarkungsteil 1), Rödlas und Rosenbach. Die Gemarkung Neunkirchen hat eine Fläche von 4,991 km². Sie ist in 3640 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 1371,28 m² haben. In ihr liegt Neunkirchen am Brand (zum Teil).

Klima

Geschichte Ur- und Frühgeschichte mini|Alte Postkarte mit der Pfarrkirche St. Michael, der Augustinuskapelle und dem ehemaligen Rentamt Die frühesten Anzeichen einer Besiedlung des Gebiets in und um Neunkirchen am Brand weisen auf die Urnenfelderkultur (1300–800 v. Chr.) und die Hallstattzeit (800–450 v. Chr.) hin. Bei Feld- und Kanalisationsarbeiten in den 1920er Jahren, 1957 und 1958 wurden einige vollkommen erhaltene Urnen sowie Teilstücke davon aus diesen Epochen in Honings, Dormitz und Neunkirchen am Brand gefunden. Ein Exemplar ruhte in unmittelbarer Nähe des heutigen alten Friedhofs in Neunkirchen am Brand. Die Urnen fanden Verwendung bei damals üblichen Brandbestattungen, waren mit kleinen Ornamenten verziert und in flachen Gräben in sandigem Erdreich beigesetzt.

Mittelalter bis 19. Jahrhundert 1296 wurde Neunkirchen am Brand erstmals zweifelsfrei genannt, eine ältere Erwähnung von 1195 in einer von Papst Coelestin III erlassenen Bestätigungsbulle für das Kloster Weißenohe ist zwar wahrscheinlich, aber es ist nicht sicher, dass Neunkirchen am Brand gemeint war. Der Ort ist zweifellos älter, bei archäologischen Ausgrabungen zwischen 1990 und 1994 in der und um die Pfarrkirche St. Michael wurde eine erste Bebauung um 1150 nachgewiesen. 1062 kam das Gebiet mit Neunkirchen endgültig an das Bistum Bamberg, das bei der Rodung, Besiedlung und Entstehung von Neunkirchen vermutlich eine wichtige Rolle spielte. Der Namenszusatz am Brand weist auf die Brandrodung der dortigen Waldflächen hin. Die Siedlung entstand am alten Wasserlauf des Brandbachs, auch wurde eine neue Kirche gegründet, auf die sich der Ortsname Neunkirchen bezieht. Neunkirchen entwickelte sich zum Zentrum einer großen Hofmark, die 1296 erstmals in einer Urkunde genannt wurde und in der der damalige Bischof von Bamberg, Arnold Graf von Solms, die vorher an das Geschlecht der Gründlach verpfändete Hofmark an die Nürnberger Bürger Friedrich Holtzschuher und Heinrich Vorchtel weiterverpfändete. Im Jahr 1314 gründete Pfarrer Leupold von Hirschberg, der zugleich Scholastikus am Kollegiatstift St. Gangolf in der Theuerstadt bei Bamberg war, das Augustiner-Chorherrenstift Kloster Neunkirchen am Brand.

Neunkirchen wurde im Rechtsbuch von Bischof Friedrich von Hohenlohe 1348 erstmals als „forum“, also als Markt bezeichnet. Die offizielle Verleihung des Marktrechts wurde am 19. April 1410 durch König Ruprecht III. von der Pfalz auf Bitte des mit ihm verschwägerten Fürstbischofs des Hochstifts Bamberg, Albrecht von Wertheim, urkundlich bestätigt. Damit hatte Neunkirchen am Brand das Recht, vier Jahrmärkte und einen Wochenmarkt abzuhalten.

Im frühen 16. Jahrhundert wurde unter Bischof Veit Truchseß von Pommersfelden mit dem Bau der noch an vielen Stellen erhaltenen Wehranlage mit Wehrmauer und Stadttoren begonnen. Sein Amtswappen ziert das Erleinhofer und das Forchheimer Tor. Während des Deutschen Bauernkriegs 1525, des Zweiten Markgrafenkriegs 1552, des Dreißigjährigen Krieges (vor allem 1632) und der Napoleonischen Kriege ab 1798 musste Neunkirchen am Brand immer wieder schwere Zeiten durch Sachschäden, Bevölkerungsrückgänge, wirtschaftlichen und kulturellen Niedergang und Hungersnöte durchleiden. Die trostlose Finanzlage des Erzbistums Bamberg als Folge des Zweiten Markgrafenkriegs führte 1555 zur Schließung des Augustiner-Chorherrenstiftes Kloster Neunkirchen am Brand mit dem Tod des letzten Propstes Augustin. Ab 1691 wurden die Klostergüter zum Unterhalt des Priesterseminars Bamberg verwendet.

Im Winterfeldzug des Zweiten Koalitionskriegs kam es am 21. Dezember 1800 bei Neunkirchen am Brand zu einer Schlacht zwischen tausenden Soldaten der französischen Truppen von Napoleon unter Général de division Guillaume Philibert Duhesme und der Kaiserlichen Armee unter Feldzeugmeister Joseph Anton von Simbschen. An diese heftigen Kämpfe erinnern die drei sogenannten Franzosengräber beim Gemeindeteil Ebersbach. In ihnen sollen drei gefallene französische Soldaten begraben liegen, die beim fluchtartigen Rückzug an Ort und Stelle bestattet wurden.

Mit dem Reichsdeputationshauptschluss im Zuge der Säkularisation kam der Markt 1803 mit dem Hochstift Bamberg zum Kurfürstentum Bayern. Ein Jahr später wurden ein Landgericht und ein Rentamt im Ort eingerichtet. Durch den Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 waren in Neunkirchen am Brand 6 Gefallene zu beklagen.

Am 17. November 1886 nahm die Sekundärbahn („Seku“) zwischen Erlangen und Gräfenberg den Betrieb auf und schloss damit Neunkirchen am Brand ans Schienennetz an.

20. und 21. Jahrhundert Der Erste Weltkrieg ging ohne direkte Schäden an der Marktgemeinde vorüber, forderte aus ihr aber 25 Gefallene. Im Jahre 1926 brachte eine Hochwasserkatastrophe schwere Schäden mit sich, woraufhin der Brandbach innerorts und im nördlichen Außenbereich in sein heutiges Bett umgeleitet und begradigt wurde. Neben mehreren Häusern und einem Teil der alten Wehrmauer wurde auch der obere Schwibbogen, der alte Durchlass des Brandbachs in der nördlichen Mauer, abgerissen. Am 31. Dezember 1963 fuhr der letzte Zug auf der Sekundärbahn („Seku“) Erlangen-Gräfenberg. Die Strecke wurde daraufhin abgebaut und der Personenverkehr durch Busse übernommen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg, dem 52 Gefallene aus der Marktgemeinde zum Opfer fielen, zogen viele Heimatvertriebene durch das Engagement des damaligen Bamberger Erzbischofs Joseph Otto Kolb nach Neunkirchen am Brand. Dadurch und später durch die Ansiedlung der Firma Siemens in Erlangen hatte der Ort einen sehr starken Anstieg der Einwohnerzahlen. Es entstanden zahlreiche Neubaugebiete, die gegenwärtig noch erweitert und neu ausgewiesen werden. Vor allem durch die Gründung mehrerer Industriebetriebe entstanden in der Marktgemeinde zahlreiche Arbeitsplätze (Stand 2019: 2155). Die Gemeinde ist durch ihre Infrastruktur, die Einrichtungen für Bildung und Kinderbetreuung, viele Vereine und die Busanbindung besonders für junge Familien attraktiv.

Neunkirchen am Brand gehört zwar seit dem 19. Jahrhundert zu Oberfranken sowie zum Landkreis Forchheim. Doch der Ort ist, vor allem seit dem Bau der Sekundärbahn („Seku“) Erlangen-Gräfenberg, wirtschaftlich in viel stärkerem Maße auf die mittelfränkischen Städte Erlangen und Nürnberg als auf den oberfränkischen Raum ausgerichtet.

Eingemeindungen Am 1. Januar 1972 wurden im Zuge der Gemeindegebietsreform die Gemeinden Ermreuth, Großenbuch und Rödlas nach Neunkirchen am Brand eingemeindet. Am 1. Januar 1977 kam Rosenbach hinzu.

Ehemalige Verwaltungsgemeinschaft Die Marktgemeinde Neunkirchen am Brand gründete im Zuge der Gemeindegebietsreform zusammen mit den Gemeinden Dormitz, Hetzles und Kleinsendelbach am 1. Mai 1978 die Verwaltungsgemeinschaft Neunkirchen am Brand. Diese bestand bis zum 1. Januar 1980, als Neunkirchen am Brand auf eigenen Wunsch entlassen und wieder eigenständig wurde. Die anderen drei Gemeinden gründeten daraufhin die noch bestehende Verwaltungsgemeinschaft Dormitz.

Abgegangene Gemeindeteile/Höfe Auf dem Gebiet der Marktgemeinde befanden sich die abgegangenen Höfe Bürgles, Slierbach, Sigeln, Tuteleshof und Wieseckelhof.

Bevölkerungsentwicklung Datum Einwohner 01.12.1840 2187 01.12.1871 2225 01.12.1900 2181 16.06.1925 2377 17.05.1939 2455 13.09.1950 3736 06.06.1961 3662 27.05.1970 4328 Datum Einwohner 25.05.1987 6335 31.12.2007 8000 31.12.2008 7983 31.12.2009 7982 31.12.2010 7905 09.05.2011 7750 31.12.2011 7753 31.12.2012 7812 Datum Einwohner 31.12.2013 7876 31.12.2014 7924 31.12.2015 7968 31.12.2016 8020 31.12.2017 8037 31.12.2018 8104 31.12.2019 8121 31.12.2020 8181 Datum Einwohner 31.12.2021 8140 31.12.2022 7970 31.12.2023 7987 31.12.2024 8056

Quelle: Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung

Religion Neunkirchen am Brand ist eine überwiegend katholisch geprägte Gemeinde mit vielen Traditionen, dazu gehört die auf das Jahr 1668 zurückgehende Karfreitagsprozession. Die Gottesdienste werden in der Pfarrkirche St. Michael und unter der Woche zum Teil in der Augustinuskapelle gefeiert; beide gehören zur alten Klosteranlage. Daneben gibt es im Hauptort Neunkirchen am Brand etwas abseits von St. Michael die Katharinenkapelle und an der Kreisstraße nach Großenbuch die Heilig-Grab-Kapelle (auch Gugelkapelle genannt). In den Gemeindeteilen gibt es die Filialkirchen St. Johannes der Täufer in Großenbuch, Patrona Bavariae in Rosenbach, Maria, Königin des Friedens in Rödlas, Unsere liebe Frau vom Rosenkranz in Honings und Heilig Kreuz in Schellenberg. Die katholische Pfarrei St. Michael in Neunkirchen am Brand mit ihren fast 3400 Mitgliedern (Stand: 2022) gehört zum Seelsorgebereich Neubau und ist dessen Verwaltungssitz.

Bedingt durch die Ansiedlung von Heimatvertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg und den späteren starken Zuzug wurde in Neunkirchen am Brand auch eine evangelische Kirchengemeinde gegründet. Sie wurde am 1. November 1994 im Dekanat Gräfenberg eigenständig und hat mehr als 2000 Mitglieder (Stand: 2022). Neben dem seit 1977 bestehenden Gemeindehaus wurde am 2. Dezember 2000 die neue Christuskirche geweiht.

Der Gemeindeteil Ermreuth mit seiner Pfarrkirche St. Peter und Paul ist mehrheitlich evangelisch, was noch aus der Gutsherrenzeit resultiert. Zur Pfarrei Ermreuth gehört auch die Filialkirche Zu den heiligen Gräbern in Walkersbrunn.