mini|William Pereira (1941) William Leonard Pereira (* 25. April 1909 in Chicago; † 13. November 1985 in Los Angeles) war ein US-amerikanischer Architekt. Er entwarf einige der markanten Beispiele amerikanischer Architektur der Moderne. Sein funktionalistischer Stil war auf das Wesentliche reduziert und wurde zum Symbol zahlreicher Institutionen und Städte, wie etwa der Transamerica Pyramid in San Francisco. Er arbeitete auch in der Filmindustrie in Los Angeles und errang 1943 einen Oscar für Spezialeffekte.

Leben

Anfänge in Chicago Pereira war der Sohn der in Finnland geborenen Mutter, Sarah Freidberg oder Friedberg, und dem Betreiber einer kleinen Druckerei Saul Pereira, einem in Chicago geborenen Nachfahren von Auswanderern aus Portugal. Bereits als Jugendlicher arbeitete er als Bauzeichner. Er studierte von 1926 bis 1931 an der University of Illinois School of Architecture in Urbana. Sein Studium finanzierte er als Illustrator und als Bühnenmaler am Theaterseminar seiner Universität. Nach dem Studienabschluss als B.S. Arch. arbeitete er für das Architekturbüro Holabird & Root am Masterplan für die Weltausstellung 1933 „A Century of Progress“ in Chicago. Anschließend gründete er 1932 mit seinem Bruder Hal Pereira, einem Schauspieler und Maler, das Planungsbüro Pereira & Pereira. Sie entwarfen in vielen US-Bundesstaaten Bühnenbilder und gestalteten Theater um. Für die Kinokette Balaban & Katz, die den Paramount Filmstudios zuzurechnen war, entwarfen sie das Esquire Theater in 58 East Oak Street, Chicago, im Stil des Art déco. William Pereira gewann zahlreiche Wettbewerbe im Bereich Industriedesign.

Los Angeles und die Arbeiten für die Filmbranche Von 1931 bis 1950 war Pereira als selbständiger Architekt in Los Angeles tätig. Die ersten Aufträge erhielt er als Bühnenbildner für kleinere Theater. Danach wandte er sich dem Set-Design in der Filmbranche zu. Er entwarf zuerst ein neues Filmstudio für Paramount. Um den Bedarf und die Abläufe in einem Filmstudio zu verstehen, schaute er sich die Arbeitsabläufe bei den Dreharbeiten an und arbeitete seine Erkenntnisse im den Entwurf des Gebäudes ein. In der Folge wurde er zum Künstlerischen Leiter bei Paramount.

Für seine Arbeit an den Spezialeffekten für den Film Piraten im karibischen Meer erhielt Pereira – zusammen mit anderen – 1943 einen Oscar. Im Jahr 1944 wurde er Produktionsdesigner für die Filme Jane Eyre und Als du Abschied nahmst. Er war Produzent des Film-noir-Krimi Johnny Angel (1945) und vom Drama Morgen und alle Tage mit Joan Fontaine (1946).

Der Motion Picture Relief Fund engagierte Pereira für das Motion Picture Country House in Woodland Hills, das am 27. September 1942 eingeweiht wurde. Mit seinem Entwurf für das Tuberkulose-Sanatoriums in Lake Country war er Teil der Ausstellung „Built in U.S.A. – 1932–1944“ im Museum of Modern Art (MoMA) in New York. Um die Funktionszusammenhänge und die Bedürfnisse des medizinischen Personals sowie der Patientinnen und Patienten in einem Sanatorium zu verstehen, arbeitete er für drei Monate in der Einrichtung.

Während des Zweiten Weltkrieges wurde Pereira aufgrund seiner Erfahrung als Filmarchitekt als Fachberater für Tarntechniken (Camouflage) eingesetzt. Er entwarf Scheinbauten zur Verwirrung des Gegners und überzeugte sich per Flugzeug von deren Wirkung. Pereira vermittelte sein Wissen zum Thema Tarnung an der School of Architecture der University of Washington in einer Lehrveranstaltung im Jahr 1942.

Professur Im Jahr 1949 übernahm Pereira bis 1959 eine Professur im Fachbereich Architecture, Design and Planning an der University of Southern California.

Zusammenarbeit mit Charles Luckman Nach dem Krieg expandierte die Wirtschaft in Kalifornien. Pereira tat sich mit Charles Luckman zusammen, einem ehemaligen Studienkollegen, der als Präsident von Lever Brothers erfolgreich war und als Wunderkind in der Seifenbranche galt. Das gemeinsame Büro bestand von 1950 bis 1958 und entwickelte sich in dieser Zeit zu einem der umsatzstärksten Planungsbüros im Bundesstaat mit mehreren hundert Mitarbeitern. Ihre Aufträge reichte von den Studios der CBS Television City über Raketenstartanlagen für die Cape Canaveral Space Force Station zum „Theme Building“ am Los Angeles International Airport (in Zusammenarbeit mit Paul R. Williams und Welton Becket, Idee James Langenheim). Als das Büro immer größer wurde, stieg Pereira aus und verkaufte seinen Anteil an Luckman.

William L. Pereira Associates mini|Theme Building, Los Angeles International Airport Ab 1958 bestand das Büro William L. Pereira Associates. Die assoziierten Architekten waren unter anderem G. L. Garvey, Jack Kassel, Neil W. Birnbrauer und Otto H. Kilian. In den 1960er und 1970er Jahren realisierte das Büro mehr als 250 Projekte. Lockheed beauftragte die Gesamtplanung des Standorts in Saugus. Danach folgte das Los Angeles County Museum of Art, das 1965 eröffnet wurde. Zu den Projekten gehörte auch der Masterplan für die Erweiterung des Los Angeles International Airport. Im Jahr 1960 erhielt Pereira den Auftrag, den Campus der University of California in Irvine zu entwerfen und einen Masterplan für die umliegende Gemeinde mit einer Fläche von rund 376 km² zu erstellen. Am 6. September 1963 war er mit dem Irvine-Projekt auf dem Cover des Time Magazine abgebildet.Cover-Archiv des Time Magazine Später arbeitete er gemeinsam mit Ian McHarg an der Planung der Planstadt The Woodlands in Texas. mini|Convair Astronautics Lobby mit Rampe William Pereira realisierte zukunftsweisende, moderne Infrastruktur für zahlreiche Flughäfen und Auftraggeber wie Convair, Northrob, Lockheed, Douglas oder North American. Beispiele für seine Architektur sind die Inneneinrichtung der Convair Astronautics Lobby mit Rampe, Japanischem Garten und Wasserbassin, das kreisförmige Gebäude General Atomic Hub sowie die Bauten für Ford Aeronutic in Newport Beach.

Die 1972 fertiggestellte Transamerica Pyramid wurde in San Francisco ortsbildprägend. In der Genehmigungsphase hatte sie jedoch zahlreiche und starke Gegner, u. a. das Stadtplanungsamt von San Francisco, die San Francisco Planning and Urban Renewal Association (SPUR), die Initiative „San Francisco Beautiful“, das American Institute of Architects sowie etliche Mitglieder der Planungskommission. Protestierende trugen pyramidenförmige Hüte und verteilten pyramidenförmige Kekse unter dem Motto „Stop the Shaft“ (Stoppt den Turm). Nach der Fertigstellung wurde das Bauwerk jedoch als weltweit erste moderne Pyramide gefeiert und galt wenige Jahre nach der Eröffnung (wie Cable Cars und der Coit Tower) als Symbol für San Francisco.

Nach Pereiras Tod führten zwei Mitarbeiter, Scott Johnson und William Fain, das Büro weiter. 1987 übernahmen sie das Unternehmen, das fortan unter dem Namen Johnson Fain firmierte.

Privates 1934 heiratete er das Fotomodell Margaret McConnell, die erste Frau, die für Zigaretten der Marke Camel warb. Das Paar hatte zwei Kinder, William Jr. und Monica. Mit seiner zweiten Frau Bronya Galef war er bis zu seinem Lebensende verheiratet.

Pereira starb, an Krebs erkrankt, im Alter von 76 Jahren im Cedars-Sinai Medical Center an einem Herzinfarkt. Seinem Wunsch entsprechend gab es keine öffentlichen Trauerfeierlichkeiten.

Stil und Motivation William Pereiras strenge, geometrische, moderne Gebäude wiesen oftmals ungewöhnliche Formen wie Pyramiden oder Zikkurate auf. Ihre gestalterisch hervorgehobenen Sockel bildeten häufig einen integralen Bestandteil des Entwurfs. Viele seiner Gebäude wurden in ihre Umgebung hinein inszeniert, beispielsweise durch Wasserflächen. Das Los Angeles County Museum of Art, ein Ensemble aus drei Gebäuden im Googie-Stil, erhob sich aus einem durch Dämme und Brücken gegliederten See. Pereira liebte Science-Fiction, was sich auch in seinen Werken widerspiegelt, so etwa in der Geisel Library, die dem Brutalismus zugerechnet wird.

In einem Interview der Times äußerte Pereira 1972: There are architects who simply build buildings. But not me. I’m interested in planning in the multidisciplinary sense – anything concerning form and design. (Es gibt Architekten, die einfach nur Gebäude errichten. Ich nicht. Mich interessiert Planung im multidisziplinären Sinne – alles, was mit Form und Gestaltung zu tun hat).

Auszeichnungen (Auswahl) Pereira war Architect in Residence an der American Academy in Rome, Mitglied des National Council on the Arts des US-Präsidenten sowie Vorsitzender der Task Force on Transportation des Gouverneurs von Kalifornien. Er erhielt einen Ehrendoktortitel vom Otis Art Institute, dem Art Center College of Design und der Pepperdine University. Zudem war er Fellow des American Institute of Architects.

Ausstellungen (Auswahl)

Art in Progress: 15th Anniversary Exhibitions: Built in the U.S.A. MoMA, New York, 1944 Transformations in modern architecture. The Museum of Modern Art, New York, 1979 Modernist Maverick: The Architecture of William L. Pereira, Nevada Museum of Art, Reno, 2013

Wichtige Projekte mini|Transamerica Pyramid mini|Geisel-Bibliothek der UCSD 1938: Esquire Theater, 58 East Oak Street, Chicago 1939: Lake County Tuberculosis Sanatorium, Waukegan, Illinois 1943: Pan Pacific Theatre, Los Angeles 1952: Hilton Hotels Firmensitz, Beverly Hills 1953: CBS Television City, Los Angeles 1954: KEYT Television Station, Santa Barbara 1954: KTTV Television Station, Los Angeles 1954: WSBT Television Station, South Bend, Indiana 1957: First National Bank, Denver, Colorado mini|Hotel Intercontinental Berlin, ehemaliges Hilton-Hotel, Budapester Straße, Berlin-Tiergarten 1958: Berlin Hilton, Berlin 1959: Fox Theatre, San Francisco 1959: Hollywood Motion Picture and Television Museum 1959: Los Angeles Zoo 1959: San Diego International Airport 1963: Union Bank, Pasadena 1965: Los Angeles County Museum of Art, Campus inzwischen abgerissen mini|UCI Libraries Gateway Study Center 1965: University of California, Irvine (UCI) Campus 1967: 400 Tower, Newport Center, Newport Beach 1967: Rathaus, Miami 1967: Rio de Janeiro International Airport 1967: Tunis Airport 1969: 500/550 Twin Towers, Newport Center, Newport Beach 1970: Geisel Library, University of California, San Diego 1971: 5900 Wilshire Tower, Los Angeles 1971: Bank of America, Whittier, Kalifornien 1972: Tehran International Airport 1972: Transamerica Pyramid, San Francisco 1973: Great Western Savings Center, Beverly Hills 1974: 450 Tower, Newport Center, Newport Beach 1974: 660 Tower, Newport Center, Newport Beach 1983: Firmensitz Lockheed, Calabasas 1985–1987: Fox Plaza (Los Angeles) (im Film Stirb langsam als „Nakatomi Plaza“)

Literatur Elizabeth Mock (Hrsg.): Built in USA: 1932-1944. The Museum of Modern Art, New York 1944, S. 92. Digitalisat Arthur Drexler: Transformations in modern architecture. The Museum of Modern Art, New York 1979, ISBN 0-87070-608-X, S. 68, 77. Digitalisat James Steele: William Pereira. Princeton Architectural Press, New York 2004, ISBN 1-890449-20-2. Colin Robertson (Hrsg.): Modernist Maverick; The Architecture of William L. Pereira. Nevada Museum of Art, 2013, ISBN 978-0-6158-4471-8

Weblinks

William Pereira Gebäudeverzeichnis auf tkeller.de

Einzelnachweise

Kategorie:Architekt (Vereinigte Staaten) Kategorie:Person (Los Angeles) Kategorie:US-Amerikaner Kategorie:Geboren 1909 Kategorie:Gestorben 1985 Kategorie:Mann