mini|Imam Benjamin Idriz (2014) Benjamin Idriz (* 1972 in Skopje, Jugoslawien, als Bajrambejamin Idriz) ist ein deutscher Imam und Autor. Bundesweit bekannt wurde er als Vorsitzender des „Münchner Forums für Islam“.
Leben Idriz entstammt nach eigener Angabe einer „viele Generationen zurückreichenden Familie von Imamen und Theologen“ und wurde schon im Alter von elf Jahren Hafiz.Islamisches Forum Penzberg: In: islam-penzberg.de. 1987–1994 besuchte er ein islamisch-theologisches Gymnasium in Damaskus. Seine Abschlussarbeit hatte die Emanzipation der Frau im Islam zum Thema. Von 1994 bis 1998 absolvierte er ein Bachelor-Fernstudium am der Muslimbruderschaft nahestehenden Institut Européen des Sciences Humaines in Château-Chinon (Ville), das 2025 vom französischen Staat wegen islamistischer Hetze aufgelöst wurde.Muslimbrüder-nahes Institut in Frankreich aufgelöst; https://www.watson.ch/schweiz/frankreich/809290305-muslimbrueder-nahes-institut-in-frankreich-aufgeloest 2014 erwarb er einen Magister in islamischer Theologie an der Islamischen Universität Imam al-Auzāʿī in Beirut.Imam Benjamin Idriz Vorstandsmitglieder des Münchner Forum für Islam 2016 promovierte er an der Humanistischen Fakultät der Universität Novi Pazar (Sandschak, Serbien) in islamischer Theologie mit der Dissertation Die horizontalen Aspekte im Islam. Diese Fakultät stellt laut Datenbank anabin der Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen eine „Bildungseinrichtung der Kirchen und Glaubensgemeinschaften ohne staatliche Anerkennung“ dar; der Titel darf in Deutschland nicht geführt werden.Infoportal anabin zu ausländischen Bildungsabschlüssen
Seit 1995 ist Idriz Imam der Islamischen Gemeinde Penzberg e. V. (IGP), die sich aus Mitgliedern mit bosnischem, türkischem, albanischem, deutschem und anderen ethnischen Hintergründen zusammensetzt. Seit 2009 ist Idriz auch Vorsitzender des „Münchner Forums für Islam e. V.“ (MFI) (ursprüngliche Bezeichnung bis 2013 „Zentrum für Islam in Europa – München“ (ZIE-M)), seit 2010 Mitglied im Kuratorium der Gesellschaft Freunde Abrahams, seit 2013 Vorsitzender des Islamforums Bayern zusammen mit Rainer Oechslen (Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern),Islamforum Bayern, abgerufen am 7. Januar 2016. seit 2016 Mitglied im Sprecherrat des „Rates der Religionen“, München.
Er spricht nach eigenen Angaben Deutsch, Türkisch, Albanisch, Arabisch, Bosnisch und Mazedonisch.
2026 erhielt Idriz durch Einbürgerung die deutsche Staatsangehörigkeit.
Wirken Islamisches Forum Penzberg In der oberbayerischen Stadt Penzberg wurde 2005 mit dem Bau des Islamischen Forums Penzberg eine für ihre moderne Architektur ausgezeichnete Moschee eröffnet.„Allahs blauer Edelstein“. In Penzberg hat die islamische Gemeinde eine architektonisch einzigartige Moschee errichtet. In: Süddeutsche Zeitung. 17./18. September 2005. Der Imam und seine Gemeinde werden vor Ort und bayernweit als Beispiel für gelungene Integration wahrgenommen und genießen breite Unterstützung in der Bevölkerung, den Kirchengemeinden und der Politik.Der bayerische Imam, In: 3sat Kulturzeit, 15. Oktober 2010, abgerufen am 17. Februar 2016.. In: Bayerischer Rundfunk. 11. September 2009, abgerufen am 17. Februar 2016Vorbild Penzberg. In: Süddeutsche Zeitung. 12. Juli 2012. Berichterstattungen gesammelt auf der Website der IGP: , „Persönlichkeiten zu Besuch“: Das 20-jährige Jubiläum der Gründung der „Islamischen Gemeinde Penzberg“ und gleichzeitig zehnjährige Jubiläum des „Islamischen Forums Penzberg“ wurde im Oktober 2015 mit einem Fest begangen. Als Festrednerin würdigte die ehemalige Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger den Einsatz des Imams und seiner Gemeinde für Integration, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit.Wir feiern Jubiläum. In: islam-penzberg.de, 13. Oktober 2015. Abgerufen am 7. Februar 2017. Am 2. Dezember 2019 besuchte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier das Islamische Forum Penzberg, begleitet vom bayerischen Innenminister Joachim Herrmann. Bayerischer Rundfunk, 2. Dezember 2019. Abgerufen am 29. Januar 2020.
Münchner Forum für Islam 2007 initiierte Imam Idriz mit Mitarbeitern aus Penzberg und München das Projekt Zentrum für Islam in Europa – München (ZIE-M), das 2009 als gemeinnütziger Verein unter seinem Vorsitz eingetragen und 2013 in Münchner Forum für Islam (MFI) umbenannt wurde., Website des Vereins: islam-muenchen.de, Presseerklärung vom 18. November 2013, Münchner Forum für Islam Das Projekt bekennt sich laut Vereinssatzung zur „Förderung der Identität hier lebender Musliminnen und Muslime in einem Sinne, der dem Islam als friedlicher und an den Werten des Rechtsstaates orientierten Religion verpflichtet ist“ und zur „konstruktiven Zusammenarbeit mit allen interessierten Einrichtungen der Stadt und des Staates, der Gesellschaft, der Religionsgemeinschaften und vergleichbarer Einrichtungen“.Vereinssatzung § 2 Zur Mitwirkung im Verein wird das Bekenntnis zum Grundgesetz und zur bayerischen Verfassung vorausgesetzt.Vereinssatzung § 3,1 Seit 2010 gehört das MFI dem Münchner Bündnis für Toleranz, Demokratie und Rechtsstaat an.muenchen.de, „Münchner Bündnis für Toleranz, Demokratie und Rechtsstaat“, Landeshauptstadt München
Das MFI plant einen Baukomplex, der ein Gemeindezentrum, eine Akademie, eine Moschee und ein Museum für Islam in Europa umfassen soll., (Dez. 2015) Im Januar 2015 wurden Pläne des Architekturbüros Alen Jasarevic öffentlich vorgestellt.Das Münchner Islamzentrum nimmt Gestalt an, Münchner Merkur 23. Januar 2015, abgerufen am 20. Februar 2016, Bauen mit Botschaft, Süddeutsche Zeitung 26. Januar 2015, abgerufen am 20. Februar 2016. Das Kulturmagazin Capriccio des Bayerischen Fernsehens urteilte dazu: „Diese Stadt braucht diese Begegnungsstätte. Und München ist bereit für sie. Diese Stadt kann eine große Moschee nicht nur aushalten – wir könnten sie willkommen heißen!“ br.de Die Stadt München hat dafür ein Grundstück im sogenannten Kreativquartier an der Dachauer Straße reserviert, erwartet im Gegenzug Finanzierungsnachweise, die noch nicht erbracht wurden. Sollten die mehrmals verlängerten Fristen (30. Juni 2016 für den Nachweis der Grundstückskosten, 31. Dezember 2016 für den Nachweis der Baukosten) erneut verstreichen, will Idriz Presseberichten zufolge das Projekt nicht weiter verfolgen.Allerletzte Frist für das Münchner Moscheeprojekt, Süddeutsche Zeitung, 22. Januar 2016, abgerufen am 17. Februar 2016.
Dem MFI steht seit 2015 ein Kuratorium aus rund 40 Mitgliedern zur Seite, darunter Heinrich Bedford-Strohm, Alois Glück, Mustafa Ceric, Aiman Mazyek, Steven Langnas, Karl-Heinz Hoffmann, die Vorsitzende der Weiße Rose Stiftung, Hildegard Kronawitter, und Winfried Nerdinger. Vorsitzender ist Münchens ehemaliger Oberbürgermeister Christian Ude.MFI-Kuratorium konstituiert, Münchner Forum für Islam, 3. November 2015, abgerufen am 15. Februar 2016., MFI-Newsletter 5, 18. Dezember 2015, S. 3–4, abgerufen am 15. Februar 2016.Alt-OB Ude wird Moschee-Botschafter, Münchner Merkur, 30. Oktober 2015, abgerufen am 15. Februar 2016.Moschee mit Promi-Unterstützung: Kommentar, Münchner Merkur, 30. Oktober 2015, abgerufen am 15. Februar 2016.
Ende 2016 wurde berichtet, dass das Projekt gescheitert sei, weil der Geldgeber aus Saudi-Arabien seine Zusage zurückgezogen habe., br.de, 29. Mai 2017.Absage vom Geldgeber: Münchner Islam-Zentrum wird nicht gebaut, welt.de, 29. Juni 2016.
Helferkreis Münchner Muslime Auf Initiative von Idriz wurde im Herbst 2015 der Helferkreis Münchner Muslime (HMM) gegründet, der erklärte, Hilfsaktionen von Muslimen für in München ankommende Flüchtlinge unabhängig von deren ethnischer oder religiöser Zugehörigkeit zu koordinieren.„Lotsen für die Integration“, Süddeutsche Zeitung (17. September 2015), abgerufen am 7. Januar 2016. Im Dezember 2015 veröffentlichte Imam Idriz eine an muslimische Migranten gerichtete Broschüre in deutscher, arabischer und englischer Sprache, die Grundregeln des Zusammenlebens in Deutschland in Bereichen wie „Grundgesetz“, „Gleichberechtigung“, „Umwelt“ u. a. jeweils mit islamischen Quellen aus Koran und Sunna begründet.Islam-Forum will mit Verhaltenstipps Integration von Flüchtlingen voranbringen, Münchner Merkur 16. Dezember 2015, abgerufen am 20. Februar 2016.Knigge für Flüchtlinge, RTLNEXT.de 18. Dezember 2015, abgerufen am 20. Februar 2016Münchner Verein gibt den perfekten Knigge für Flüchtlinge heraus, The Huffington Post 18. Dezember 2015, abgerufen am 20. Februar 2016.Knigge für Flüchtlinge, Deutschlandfunk 22. Dezember 2015, abgerufen am 20. Februar 2016.Broschüre zum Download: https://www.islam-muenchen.de/broschuere.html
Kontroversen Berufung auf Hussein Djozo, Imam der Waffen-SS-Division Handschar Das Magazin Focus deckte 2010 in einem Beitrag auf, dass Idriz sich in seinem Buch „Grüß Gott, Herr Imam“ auf Hussein Djozo (1912–1982) als Reformtheologen berief, aber verschwieg, dass Djozo während des Zweiten Weltkriegs Hauptsturmführer der Waffen-SS und Imam der Waffen-SS-Division Handschar war. Djozo war auch noch lange nach dem Krieg mit dem Großmufti von Jerusalem, Mohammed Amin al-Husseini, einem fanatischen Judenhasser, befreundet. Gemeinsam mit al-Husseini rief er 1968 bei einer Konferenz dazu auf, Jerusalem im „heiligen Krieg“ von den Juden zu „befreien“. Djozo versprach durch Freiwillige und durch Spenden zum „Sieg des Dschihad im Nahen Osten“ beizutragen. Gegenüber Focus sagte Idriz, diese Geschichte sei ihm nicht bekannt gewesen.Hitler? Ach so. Benjamin Idriz, Imam von Penzberg, beruft sich für seinen Reformislam auf einen Imam und Hauptsturmführer der Waffen-SS; https://www.focus.de/magazin/archiv/hitler-ach-so-gesellschaft_id_2532742.html
TV-Beitrag „Report München“ Eine Reportage des TV-Magazins report München im Januar 2012 stellte dar, dass Idriz ein Magisterstudium in islamischer Theologie an der Al-Ouzai-Universität in Beirut auf seiner Homepage bis 2011 inkorrekt als „Mag. in Islamischer Theologie“ ausgewiesen hätte, wodurch die Möglichkeit eines Titelschwindels impliziert wurde.„Zweifel an akademischen Titeln – Imam Benjamin Idriz in Erklärungsnot“, Report München (31. Januar 2012), abgerufen am 7. Januar 2016; Idriz erklärte, dass er zu keiner Zeit den Titel „Mag.“ o. ä. als Namenszusatz geführt habe., Islamische Gemeinde Penzberg (4. März 2012), abgerufen am 7. Januar 2016. Sein Magisterstudium an der Al-Ouzai-Universität schloss er 2014 im Fach „Zeitgemäßes islamisches Denken“ ab.islam-muenchen.de In derselben TV-Sendung wurde als Rechercheergebnis dargestellt, dass das Institut Européen des Sciences Humaines (IEHS) in Château-Chinon, an dem er ein Fernstudium absolviert hatte, keine staatliche Zulassung habe. Dass der Laizismus in Frankreich eine staatliche Anerkennung religiöser Ausbildungseinrichtungen grundsätzlich nicht vorsieht, behandelte der Bericht nicht. Die Sendung veröffentlicht Hinweise, dass das Institut der Muslimbruderschaft nahesteht. La Croix, 5. Mai 2004., Claudia Dantschke, Zentrum Demokratische Kultur, 2004.
Verfassungsschutzbeobachtung