mini|Rudolf Elmer (2021) Rudolf Matthias Elmer (* 1. November 1955) ist ein Schweizer WirtschaftsprüferDie Stimmen von innen. In: Die Zeit. 8. Januar 2010. und früherer Manager der Bank Julius Bär, für die er fast zwei Jahrzehnte arbeitete.Swiss Banker Blows Whistle on Tax Evasion. In: New York Times. 18. Januar 2010. Von September 1994 bis zu seiner Entlassung im Dezember 2002 arbeitete er bei der Julius Baer Bank & Trust Company auf den Cayman Islands, zuletzt als operativer Geschäftsführer.Whistleblower im Zwielicht. In: NZZ am Sonntag. 16. Januar 2011. Bekannt wurde er als Whistleblower sowie als Informant von WikiLeaks.

Im Januar 2011 verurteilte ihn das Bezirksgericht Zürich in erster Instanz wegen mehrfacher versuchter Nötigung, Drohung und Verletzung des Schweizer Bankgeheimnisses. Gegen das Urteil legten Elmer sowie die Staatsanwaltschaft Berufung ein. Kurz darauf wurde er aufgrund des Verdachts einer erneuten Verletzung des Bankgeheimnisses festgenommen. In zweiter Instanz im November 2011 fällte das Gericht kein Urteil, es schickte die Anklageschrift zurück an die Staatsanwaltschaft. Diese musste die Untersuchung überarbeiten und allenfalls ergänzen.

Bei den Zürcher Kantonsratswahlen 2015 trat er für die Alternative Liste im Bezirk Bülach an, wurde aber nicht gewählt.Pascal Unternährer: Martullo-Blocher und Mörgeli verpassen Wahl. In: Tages-Anzeigerch/Newsnet vom 13. April 2015

Entlassung und erste Aktivitäten Nachdem US-Steuerbehörden über Geschäftspraktiken informiert und nach Angaben der Bank interne Daten entwendet worden waren, musste jeder Mitarbeiter einen Lügendetektor-Test absolvieren. Elmer war nach seinen Angaben zu diesem Zeitpunkt krank. Nachdem er den Test nicht bestanden hatte, wurde er entlassen und befand sich – so Elmer – noch im Besitz von Sicherungskopien. Nach Angaben der Bank handelte es sich um «mit krimineller Absicht begangenen Datendiebstahl».Gestohlene Bankdaten Video in: Rundschau vom 2. April 2008, ab Minute 3:15Brisante Bekenntnisse eines Bank-Insiders. auf: Spiegel Online. 8. April 2008.

Nach seiner Kündigung übersandte er einige Dokumente über Kunden an verschiedene Medien, woraufhin die Bank – so seine Darstellung – Detektive auf ihn und seine Familie ansetzte. 2005 schickte Elmer der Schweizer Wirtschaftszeitung Cash eine CD mit 169 Megabyte Kundendaten und wurde kurz darauf in Zürich verhaftet. Aufgrund des Verdachts der Verletzung des Schweizer Bankgeheimnisses sass er 30 Tage in Untersuchungshaft. Später eröffnete er eine Website für Whistleblower.Vom Banker zum Nestbeschmutzer. auf: Zeit Online. 18. Januar 2011.

Von 2003 bis 2005 arbeitete Elmer für die Noble Group of China bei der Gruppengesellschaft Noble Investments SA in Zürich. Elmer zog nach seiner Untersuchungshaft vorübergehend nach Mauritius, wo er 2006 bis 2008 für die südafrikanische Standard Bank auf der Insel Mauritius tätig war. In: Le Courrier. 9. März 2011.Le banquier Elmer, informateur de WikiLeaks et condamné en Suisse, recherché à Maurice. auf: lexpress.mu, 22. Januar 2011. Seit Januar 2010 lebt er im Kanton Zürich. Die Zeitschrift International Tax Review listete ihn 2011 und 2012 unter den 50 Personen und Organisationen, die den stärksten Einfluss auf das internationale Steuergeschehen hatten.International Tax Review am 2. November 2012: Rückblick auf 2011 Abgerufen am 11. November 2012.International Tax Review am 5. November 2012: Bekanntgabe der aktuellen Liste Abgerufen am 11. November 2012.

Veröffentlichungen über WikiLeaks

Anfang 2008 veröffentlichte Elmer bankinterne Dokumente mit Kundendaten und weiteren Interna über die Whistleblower-Internetplattform WikiLeaks. Mit diesen warf er der Bank vor, dass sie Steuerhinterziehung, -umgehung und systematische Beihilfe dazu leiste. Laut diesen Vorwürfen soll die Julius Bär Holding mit ihrem Firmen- und Anlagegerüst über Offshore-Konstruktionen für sich selbst und ihre Kunden Millionensummen an den Schweizer Steuerbehörden vorbeischleusen.Bank Julius Bär, die Cayman-Inseln und der Whistleblower Rudolf Elmer auf: parlament.ch, 19. März 2008. Die Bank Julius Bär weist in einer Stellungnahme darauf hin, dass die Geschäftsaktivitäten auf den Cayman Islands und anderen Standorten allen geltenden Regeln und Gesetzen entsprachen und entsprechen.

Die Bank ging juristisch gegen WikiLeaks vor, sodass ein Richter in Kalifornien am 18. Februar 2008 verfügte, die Website zu sperren. Später hob der Richter die Verfügung wieder auf, da WikiLeaks über Ausweichportale in anderen Ländern weiterhin erreichbar war. Die Bank zog daraufhin im März 2008 ihre Klage zurückKlage gegen Wikileaks zurückgezogen in: heise.de vom 6. März 2008. und teilte mit, dass sie nicht das ganze Portal habe schliessen lassen wollen, sondern lediglich den Richter bat, entsprechende Dokumente auf WikiLeaks zu entfernen. Bei den Dokumenten handele es sich laut der Bank um gestohlene sowie gefälschte Dokumente, wobei die echten Papiere so ausgewählt seien, dass sie die Bank gezielt in ein schlechtes Licht rücken würden.Diese Dokumente bergen Sprengstoff. In: FAZ. 6. März 2008.Julius Bär lässt Webseite in den USA schliessen. In: NZZ Online. 28. Februar 2008.

Am 17. Januar 2011 hielt Elmer zusammen mit Julian Assange von WikiLeaks eine Pressekonferenz im Londoner Frontline Club ab, um diesem vor den Augen von Reportern zwei Datenträger zu überreichen. Video in: ustream.tv, abgerufen am 5. Februar 2011. Die Datensätze sollen Informationen über 2000 Konteninhaber enthalten und von drei Finanzinstitutionen stammen, unter anderem von der Bank Julius Bär. Assange sagte, die Daten würden geprüft und dann vollständig veröffentlicht. Video In: NZZ Online. 18. Januar 2011.Schweizer übergibt Bankdaten an Wikileaks. In: DW-World.de, 17. Januar 2011. Einen Monat später gab Elmer vor Gericht an, dass die Datenträger leer gewesen seien und somit keine Bankkundendaten enthalten hätten. Im Juli 2011 bestätigten dies zwei Elmer nahestehende Personen, die an der Pressekonferenz in London teilgenommen hatten. Eine von ihnen gab an, die Information direkt von Assange erhalten zu haben.Discs Swiss banker gave to WikiLeaks held no secrets. auf: Reuters. 12. Juli 2011; Elmers CDs entpuppen sich als Reinfall. In: Tages-Anzeiger. 12. Juli 2011.

Für 2016 erschien ein Film über Elmers Geschichte mit dem Titel A Leak in Paradise.Offizielle Website zum Film

Gerichtsverfahren (1. Instanz) und Verhaftung vom 19. Januar 2011 Am 19. Januar 2011 musste sich Elmer vor dem Bezirksgericht Zürich wegen Verletzung des Bank- und Geschäftsgeheimnisses sowie als Hauptanklagepunkt Nötigung verantworten. Elmer soll mehrfach Angestellte der Bank «durch Gewalt und Androhung ernstlicher Nachteile» geschädigt sowie eine Bombendrohung gegen das Hauptgebäude der Bank ausgesprochen haben. Ausserdem soll er 2004 versucht haben, die Bank um 50'000 US-Dollar erpressen zu wollen, die aber nicht auf sein Angebot einging. Die Publikationen auf WikiLeaks waren nicht Teil der Anklage. in: Schweizer Fernsehen vom 12. Januar 2011.

Nach Angaben von Nachrichtenagenturen hat Elmer vor Gericht eingeräumt, er habe einige Bankangestellte in seinen Schreiben bedroht. Dies, nachdem die Bank ihn entlassen und danach versucht habe, ihn einzuschüchtern. Er wird zitiert: «Ich war in einer extremen Lage.» «Es ist logisch, dass ich eine Abwehrstrategie entwickelte.» Er bestritt demnach aber, eine Bombendrohung gegen die Bank ausgesprochen zu haben. Allerdings habe er damit gedroht, Informationen über Kunden in Steuerparadiesen an Behörden in der Schweiz, Grossbritannien und in den USA zu verraten. Die Staatsanwaltschaft forderte eine Haft von acht Monaten ohne Bewährung sowie eine Geldbusse von rund 2000 Schweizer Franken.Richter: Elmer ist ein Whistleblower aus Rache In: Tages-Anzeiger. 19. Januar 2011.

Elmer wurde wegen mehrfacher versuchter Nötigung, Drohung und Verletzung des Bankgeheimnisses vom Gericht zu einer Geldstrafe von 7200 Franken (ca. 5600 Euro) auf Bewährung mit Probezeit von zwei Jahren verurteilt. Er muss zudem zu drei Vierteln die Gerichtskosten in Höhe von 5000 Franken (ca. 3900 Euro) tragen. Elmer sowie die StaatsanwaltschaftFall Elmer: Schlappe für Zürcher Staatsanwalt. In: Schweizer Fernsehen vom 17. November 2011. legten Berufung gegen das Urteil ein.Elmers Mission in: Der Sonntag vom 10. September 2011.

Nach Ansicht des Gerichts war die Todesdrohung gegen einen Angestellten der Bank Julius Bär das schlimmste Delikt, das Elmer begangen hatte. Freigesprochen wurde er im Fall der Bombendrohung gegen die Bankfiliale, da die Anklage dafür keine überzeugenden Beweise vorlegen konnte. Für den Richter war klar, dass Elmer nicht aus ethischen Bedenken zum Whistleblower geworden und gegen seinen Arbeitgeber vorgegangen war, sondern aus persönlichen Rachegefühlen: «Sie, Herr Elmer, waren jahrelang Bestandteil der Bankenwelt und haben davon profitiert.» Elmer habe so gehandelt, weil er nicht befördert worden sei und mit seinen Vorgesetzten Unstimmigkeiten gehabt habe. Elmer soll zudem angekündigt haben, Daten an Neonazigruppen und «andere Organisationen, die den Kapitalismus bekämpfen» weiterzugeben.

Noch am Tag seiner Verurteilung wurde Elmer wegen des Verdachts der erneuten Verletzung des Schweizer Bankgeheimnisses festgenommen. Elmer hatte zwei Tage zuvor zwei Datenträger mit Daten von mutmasslichen Bankkunden an Julian Assange von WikiLeaks zur Veröffentlichung übergeben sowie 2008 eine Datensammlung, die auf WikiLeaks publiziert wurde. in: Schweizer Fernsehen vom 20. Januar 2011.Polizei durchsuchte Rudolf Elmers Haus In: Tages-Anzeiger. 20. Januar 2011. Die Zürcher Staatsanwaltschaft beantragte Untersuchungshaft.Ex-Banker Rudolf Elmer soll in Untersuchungshaft In: NZZ Online. 21. Januar 2011. Am 22. Januar 2011 wurde Elmer in Untersuchungshaft genommen mit der Begründung, dass dringender Tatverdacht und Verdunkelungsgefahr bestehe.Untersuchungshaft gegen Ex-Banker Elmer verhängt In: NZZ Online. 22. Januar 2011. Elmer legte beim Obergericht des Kantons Zürich Beschwerde gegen die Untersuchungshaft ein.Ex-Banker Rudolf Elmer erhebt Beschwerde gegen Untersuchungshaft In: Tages-Anzeiger. 27. Januar 2011. Elmer gab am 16. Februar 2011 vor Gericht an, dass die Datenträger leer gewesen seien und somit keine Bankkundendaten enthielten. Das Gericht befand Elmers Darstellung als «vollkommen unglaubhaft» und wies die Beschwerde wegen Verdunkelungsgefahr ab.Warum Elmer in U-Haft bleibt In: Tages-Anzeiger. 3. März 2011.Ex-Banker Rudolf Elmer bleibt in Untersuchungshaft In: Tages-Anzeiger. 16. Februar 2011. Im Juli 2011 wurde die Untersuchungshaft bis Oktober 2011 verlängert.Elmer schmort und schmort und schmort in: 20 Minuten vom 19. Juli 2011. Am 25. Juli 2011 wurde Elmer aus der Untersuchungshaft entlassen.Rudolf Elmer ist frei. In: Der Sonntag vom 14. August 2011.

Gerichtsverfahren (2. Instanz) vom 17. November 2011