Stangenroth ist ein Gemeindeteil des Marktes Burkardroth im unterfränkischen Landkreis Bad Kissingen in Bayern. Die Gemarkung Stangenroth hat eine Fläche von 6,706 km². Sie ist in 1934 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 3467,32 m² haben.

Geographische Lage Das Pfarrdorf Stangenroth liegt am Südhang des Biosphärenreservats Rhön etwa 14 Kilometer nordwestlich der Kreisstadt Bad Kissingen und nördlich des Zentralortes Burkardroth.

Von Stangenroth aus führt die Staatsstraße 2290 in südlicher Richtung nach Burkardroth und in nördlicher Richtung als Staatsstraße 2267 nach Langenleiten, einem Gemeindeteil von Sandberg, und Premich sowie als St 2290 nach Waldberg (ebenfalls einem Gemeindeteil von Sandberg). Die durch Stangenroth verlaufende Kreisstraße KG 19 führt nordwärts nach Gefäll.

Geschichte Anfänge und Mittelalter Wann die Besiedlung auf dem Gebiet des heutigen Stangenroth im Salzforst begann, ist nicht genau gesichert. Vieles spricht dafür, dass die Geburt des Dorfes auf den Anfang des 13. Jahrhunderts zurückgeht. Erstmals urkundlich erwähnt wurde das Dorf im Jahre 1244 als das halbe Dorf in einer Schenkungsurkunde Ottos von Botenlauben dem Kloster Frauenroth vermacht wurde. Man vermutet, dass das gesamte Dorf in dieser Zeit aus sechs oder acht Bauernhäusern bestand. Im Jahre 1264 verschenkten die Ministerialen von Burkardroth Vogt Albert und sein Sohn Heinrich ihren Besitz, auf dem auch ein Teil Stangenroths lag, an das Kloster Frauenroth.

Neuzeit 1574 gehörte Stangenroth zum Amt Aschach, dies geht aus dem Erbhuldigungsbuch Julius Echters, dem Fürstbischof von Würzburg, hervor. In Aschach befand sich auch das Zentgericht. An der Spitze befand sich der Zentgraf, den die freien Bauern gewählt hatten. Zu seiner Seite hatte er 14 Schöffen, von denen einer auch Stangenroth stellen durfte. Hatten im Jahr 1574 in Burkardroth 373 Einwohner in 81 Haushalten und in Stangenroth 336 Einwohner in 73 Haushalten gelebt, stiegen diese Zahlen in Stangenroth auf 543 Einwohner in 118 Haushalten im Jahr 1623. Es war damit der einwohnerstärkste der einstigen drei Gründerorte der Kaplanei Burkardroth. Dies förderte in Stangenroth den Wunsch, sich von Burkardroth zu lösen und eigenständig zu werden. Dieser Plan konnte erst im nächsten Jahrhundert umgesetzt werden und rief den Widerstand Burkardroths hervor, der hauptsächlich durch die ernsthafte Erkrankung des Burkardrother Pfarrers gebremst wurde und im Jahr 1792 ein Separationsdekret des Würzburger Fürstbischofs Franz Ludwig von Erthal nötig machte. Noch 30 Jahre später klagte der Burkardrother Pfarrer Michael Friedrich Kleer, dass die Einnahmen seiner Pfarrei um die Hälfte zurückgegangen seien.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Dorf von den Schweden und Marodeuren, die im Amt Aschach und Bad Kissingen untergebracht waren, überfallen. Es kam hierbei auch zu Vergewaltigungen, was die unehelichen Geburten im Burkardrother Taufbuch bezeugen. Stangenroth hatte sich in den Kriegsjahren stark dezimiert, denn 1673 zählte das Dorf nur noch 348 Einwohner.

Im Jahr 1730 wütete die Pest in Stangenroth. Da man keine Möglichkeit mehr hatte, die Toten einzusargen, brachte man die Leichname in Tücher gehüllt nach Burkardroth zum Friedhof, wo sie in Massengräbern beigesetzt wurden. Zudem wird in dieser Zeit auch von einer Viehseuche berichtet. Die verendeten Kadaver vergrub man in eine Senke, an der Strecke nach Gefäll unterhalb des heutigen Sportplatzes.

Am 18. Mai 1738, am Sonntag vor Pfingsten, zerstörte eine Feuersbrunst in nur einer Stunde 85 Häuser, 83 Scheunen, 85 Schweineställe und 85 Backöfen. Zudem kamen 14 Menschen dabei ums Leben. Laut mündlicher Überlieferung entstand das Feuer während des Sonntagsgottesdienstes, als eine Hausfrau beim Kochen versehentlich die Butter hatte anbrennen lassen. Nach einem vergeblichen Versuch, das brennende Fett mit Wasser zu löschen, floh die Hausfrau, so die Überlieferung, mit brennender Kleidung aus dem Haus. Die Dorfbewohner sollen vor dem Brand über großen Reichtum verfügt haben. Beim Wiederaufbau des Ortes mit Lehmhäusern entstand in seiner Mitte ein Löschwasserteich. Die mündliche Überlieferung weiß ferner zu berichten, dass drei in Stangenroth beheimatete Störche den Ort drei Tage vor der Katastrophe verlassen haben und nie mehr zurückgekehrt sind.

1747 wurde die Kirche erbaut, in der sich eine Madonna aus dem Jahr 1771 befindet.

Wann genau in Stangenroth eine Schule eröffnet wurde, lässt sich anhand der vorhandenen Quellen nicht bestimmen. Die Schulchronik berichtet nur von einem Bauernhaus (damalige Hausnummer 82) das als Schulhaus diente.Chronik des Ortes Stangenroth (1988), S. 21. Das zweite Schulhaus befand sich im Gebäude mit der damaligen Hausnummer 49.Chronik des Ortes Stangenroth (1988), S. 21. Im Jahr 1789 wurde neben der Kirche ein Schulhaus gebaut.Schule im Wandel der Zeiten. Ein Streifzug durch 5 Jahrhunderte Schulgeschichte des Marktes Burkardroth (1999), S. 126. Da dieses Gebäude baufällig wurde, wurde vom Gemeinderat im Jahr 1819 ein Schulhausneubau beschlossen ("Alte Schule").Chronik des Ortes Stangenroth (1988), S. 21. Die Bauabnahme erfolgte am 2. Oktober 1820.Schule im Wandel der Zeiten. Ein Streifzug durch 5 Jahrhunderte Schulgeschichte des Marktes Burkardroth (1999), S. 126. Ein neues Schulgebäude ("Neue Schule") mit zwei Lehrsälen und einer Dachwohnung wurde im Jahr 1909 eingeweiht.Schule im Wandel der Zeiten. Ein Streifzug durch 5 Jahrhunderte Schulgeschichte des Marktes Burkardroth (1999), S. 127.

Im Jahr 1909 begann man mit dem Bau der Wasserleitung.Chronik des Ortes Stangenroth (1988), S. 24.

Drittes Reich und Zweiter Weltkrieg Am 1. August 1933 wurde in Stangenroth ein Lager des „Vereins für Freiwilligen Arbeitsdienst Unterfranken“ errichtet. Bei diesem handelte es sich um eine Tarnorganisation der NSDAP zur Unterwanderung des in der Weimarer Republik gegründeten Freiwilligen Arbeitsdienstes. Am 15. September 1933 wurde das Lager Einheit des Reichsarbeitsdienstes (RAD) und erhielt die Abteilungsnummer 4/283 sowie den Namen „Johann Bleyer, der Ungardeutsche“. Anfang 1937 wurde das Lager vom RAD wegen Arbeitsmangels zunächst geschlossen, ab 1. August 1937 bis Kriegsende jedoch wieder für die weibliche Jugend genutzt.

Als während des Zweiten Weltkrieges am 17. August 1943 der B-17 Flying Fortress Bomber "Snuffy" (545th Bomb Squadron, 384th Bomber Group der USAAF) beim Angriff auf Schweinfurt teilnahm, wurde er im Einsatzraum von Flak-Feuer getroffen und dann von einer Messerschmitt Bf 110 des Nachtjagdgeschwaders 101 abgeschossen. Beim Absturz in einem Waldgebiet bei Stangenroth kamen zwei der zehn Besatzungsmitglieder ums Leben, von den acht Überlebenden wurde ein Besatzungsmitglied von einem Einheimischen geschlagen. Beide Toten wurden zunächst auf dem Friedhof beigesetzt, später dann von den US-Amerikanern exhumiert und in die USA überführt.

Seit 1945 In den Jahren 1958/59 wurde die "Neue Schule" saniert und aufgestockt.Schule im Wandel der Zeiten. Ein Streifzug durch 5 Jahrhunderte Schulgeschichte des Marktes Burkardroth (1999), S. 130. Die feierliche Einweihung fand am 12. April 1959 statt.Alfred Saam: Das Schulhaus in Stangenroth ist 60 Jahre alt. In: Burkardroth.de (PDF).

Am 1. Mai 1978 wurde der Ort im Zuge der Gebietsreform in Bayern nach Burkardroth eingemeindet. Im Oktober 1971 hatten hierzu Befragungen und Abstimmungen in den Dörfern stattgefunden. Von den 262 abgegebenen Stimmen in Stangenroth sprachen sich 141 für die Eingemeindung aus; der örtliche Gemeinderat hingegen lehnte die Eingemeindung ab, die schließlich am 1. Mai 1978 aufgrund einer Rechtsverordnung der Regierung von Unterfranken erfolgte.

Bauwerke und Denkmäler St.-Sebastian-Kirche

Die Stangenrother St.-Sebastian-Kirche entstand nach dem Abriss eines Vorgängerbaus im Jahr 1747. Der Hochaltar wurde im August 1890 errichtet; eine der Heiligenfiguren stellt den Heiligen Sebastian, den Patron der Kirche, dar. Im Jahr 1899 wurde das Langhaus der Kirche erweitert und ein Kirchturm gebaut; im Jahr 1910 fand eine seitliche Erweiterung des Kirchenbaus statt. Der Zugang zur Kanzel ist zugemauert, da Pfarrer Philipp Gloos, der von 1933 bis 1965 in Stangenroth wirkte, vom Altar aus zu predigen pflegte.

Wendelinuskapelle

Die Wendelinuskapelle ist ein Bauwerk aus dem Jahr 1977. Die Kapelle, auch „Platten-Heiligen-Häusle“ genannt, ersetzt zwei Vorgängerbauten aus dem 17. Jahrhundert und von 1927. Im Inneren beherbergt die Kapelle über dem Altar eine Darstellung des Heiligen Wendelin sowie Wandgemälde der Heiligen Isidor von Madrid und Notburga von Rattenberg.

Heimkehrerkapelle

Die Heimkehrerkapelle entstand im Jahr 1946 aus Dank dafür, dass so viele Männer des Ortes aus dem Zweiten Weltkrieg zurückgekehrt waren und Stangenroth im Krieg nicht zerstört wurde. Sie ersetzte die Schmerzenskapelle, die sich ebenfalls an der alten Straße zum Basaltwerk, aber um 50 Meter versetzt in Richtung des Ortes befunden hatte. Ein denkmalgeschützter Kreuzweg aus 13 Stationen am Kapellenweg wurde im Jahr 1958 von Gebhard Keßler angefertigt. Vor der Kapelle stehen Sieben-Schmerzen-Stationen von Alfred Keßler.

Baudenkmäler

Vereine Vereinsring Rhönfreunde Stangenroth TSV Stangenroth Freiwillige Feuerwehr Stangenroth Musikverein StangenrothWebsite des Musikvereins Stangenroth Gesangverein "Philharmonia" Stangenroth (Projektchor Pro-Ton)Website des Projektchors Pro-Ton Kindergartenverein St. Sebastian Krieger-, Soldaten- und Reservistenkameradschaft Stangenroth Schützenverein Hubertus Stangenroth Stammtisch "Fröhliche Zecher"

Persönlichkeiten + Pfarrer von Stangenroth Name Herkunftsort Tätigkeitsbeginn Tätigkeitsende Franz Fischer Bütthard 15. März 1792 1. Juli 1794 Johann Leonhard Gockler Neuses 2. Juli 1794 1. Juli 1800 Bartholomäus Blum - 22. Oktober 1800 1814 Paul Gensler Melperts 15. Juni 1816 14. August 1820 Kaspar Jahn Karbach 23. März 1821 20. März 1846 Andreas Fischer Volkach 2. August 1846 21. September 1856 Anton Kempf Neudorf 27. Februar 1857 14. Juli 1861 Josef Nies Brückenau 1. November 1861 24. Juni 1862 Johann Herberich Aschaffenburg 17. Oktober 1862 24. Mai 1872 Anton Peetz Seßlach 19. September 1872 1. Juni 1876 Michael Josef Greis Würzburg 30. November 1878 15. Oktober 1887 Lorenz Weißenberger Schwemmelsbach 15. Juni 1889 29. Januar 1894 Bartholomäus Kullmann Schweinheim 5. April 1894 15. November 1933 Philipp Gloos Gaukönigshofen 16. November 1933 1. November 1964 Oswald Grätz Rütschenhausen 22. Februar 1965 29. Juli 1984

Sonstiges Im Ort gibt es die Kindertagesstätte St. SebastianOffizielle Website der Kindertagesstätte St. Sebastian und die Rhönfesthalle.Offizielle Website der Rhönfesthalle In der Nähe des Ortes wurde 1929 das Basaltwerk Stangenroth in Betrieb genommen.Alfred Saam: Das Basaltwerk Stangenroth – Ein Rhöner Betrieb im Zeitenlauf. In: Frankenbund (Hrsg.): Frankenland – Zeitschrift für fränkische Landeskunde und Kulturpflege. Jahrgang 2001. Frankenbund, Würzburg 2001, S. 386–396 (PDF). Ab dem Jahr 2013 wurden die Gebäude und Anlagen des ehemaligen Basaltwerkes durch den Freistaat Bayern zurückgebaut. Auf dem Gelände ist in der tiefen Grube des Steinbruches mittlerweile ein See entstanden.

Literatur (chronologisch geordnet) Josef Wabra: Führer durch die Kissinger Rhön. (= Landeskundliche Schriftenreihe der Arbeitsgemeinschaft Rhön/Saale. Heft 10). Landkreis Bad Kissingen, Bad Kissingen 1968, , S. 249–257. Anton Reinhard: Burkardroth: Frauenroth, Stangenroth, Wollbach, Zahlbach. Beiträge zur Geschichte. Oeckler, Haßfurt 1975. Vereinsring Rhönfreunde Stangenroth e. V. (Hrsg.): Chronik des Ortes Stangenroth. Eine Zusammenstellung von Ernst Dettmer. T. A. Schachenmayer, Bad Kissingen 1988. Otmar Zehnter, Erna Zehnter: Schule im Wandel der Zeiten. Ein Streifzug durch 5 Jahrhunderte Schulgeschichte des Marktes Burkardroth. Selbstverlag, Burkardroth 1999, ISBN 3-929278-15-4.