mini|Altes Marktwappen von Purbach Purbach am Neusiedler See (ungarisch Feketeváros, kroatisch Porpuh) im Burgenland (Österreich) ist eine Stadt mit Einwohnern (Stand ) am Westufer des Neusiedler Sees. Bekannt ist Purbach für seinen alten Stadtkern mit historischer Stadtmauer und seine Kellergasse.
Geografie Die Stadt liegt im nördlichen Burgenland nahe der Landeshauptstadt Eisenstadt. Zur Stadtgemeinde gehören keine weiteren Ortschaften. Ortsteile sind die Florianisiedlung und die Waldsiedlung im Nordwesten von Purbach. Teile des Stadtgebietes befinden sich im Naturpark Neusiedler See – Leithagebirge.
Nachbargemeinden
Geschichte
Im Ortsgebiet gibt es Funde aus der frühen und späten Bronzezeit.Otto Aull: Eisenstadt. Ein Führer durch seine Geschichte und Kunst. Bücher des Burgenländischen Landesmuseums, Eisenstadt 1931, S. 123. Eine hallstattzeitliche Siedlung ist durch Funde auf dem Burgstall (nördlich des Ortes) bezeugt. Weiters gibt es römerzeitliche Siedlungsfunde. Unter den Römern lag das heutige Purbach in der Provinz Pannonia.Bundesdenkmalamt (Hrsg.): Dehio-Handbuch. Die Kunstdenkmäler Österreichs. Burgenland. 2. Auflage, Verlag Anton Schroll & Co, Wien 1980.
1527 wurde Purbach zum Markt erhoben. 1529 und 1532 wurde der Markt durch die Türken gebrandschatzt. Der Ort gehörte wie das gesamte Burgenland bis 1920/21 zu Ungarn (Deutsch-Westungarn). Seit 1898 musste aufgrund der Magyarisierungspolitik der Regierung in Budapest der ungarische Ortsname Feketeváros verwendet werden.
Nach Ende des Ersten Weltkriegs wurde nach zähen Verhandlungen Deutsch-Westungarn in den Verträgen von St. Germain und Trianon 1919 Österreich zugesprochen. Der Ort gehört seit 1921 zum neu gegründeten Bundesland Burgenland (siehe auch Geschichte des Burgenlandes).
Stadtgemeinde ist Purbach am Neusiedler See seit 1997 (durch VO 22, Marktgemeinde 24/1976).
Bevölkerungsentwicklung
Der Einwohnerhöchststand wurde 2026 mit 3128 Bewohnern erreicht.
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|hochkant=0.7|Pfarrkirche Purbach am Neusiedler See mini|Das „Türkentor“ mit einem Teil Stadtbefestigung mini|Einer der zahlreich erhaltenen Keller in Purbach mini|Purbach am Neusiedler See von Westen
Katholische Pfarrkirche Purbach am Neusiedler See hl. Nikolaus Stadtbefestigung Purbach am Neusiedler See (1630–1634) Historisches Kellerviertel Kulturlandschaft Neusiedler See (UNESCO-Weltkulturerbe) Türkenkeller Der Purbacher Türke Nikolauszeche (Renaissancezeit) Kirschblütenregion Frauensäule Pestsäule (1713)
Wirtschaft und Infrastruktur Purbach liegt an der Burgenland Straße (B 50). Purbach ist mit der Pannoniabahn auch an das Bahnnetz der Ostbahn angeschlossen.
Die Purbacher Wirtschaft ist geprägt vom Weinbau und Tourismus. Als einziger größerer Industriebetrieb befindet sich der Dämmstoffhersteller Austrotherm mit einer Niederlassung vor Ort.
Weinbau und Weinkultur mini|Die Purbacher Riede Streifling am Leithagebirge mini|Wahrzeichen von Purbach am Neusiedler See: Der Purbacher Türke Purbach ist von alters her eine bedeutende Weinbaugemeinde. Bereits im Jahr 1632 erteilte eine kaiserliche Urkunde Ferdinands II. Purbach ein „Privilegium auff die freye Weinausfuhr fver eigenthumblichen Paw Wein vber die Leytha in das Ezherzogthumb Österreich under der Enns vnd andere Länder“.Hans Kietaibl: Purbach am Neusiedler See. 1270–1970, hrsg. von der Gemeinde Purbach, Purbach 1970, S. 37; weiters: Johann Egermann: Die Weinprivilegien Ferdinand II. In: Purbacher Jahrbuch. Beiträge zur Stadtgeschichte von Purbach am Neusiedler See, hrsg. vom Verein zur Erforschung der Purbacher Geschichte, Bd. 9, Purbach 2012, S. 41–59.
Wahrzeichen von Purbach ist der „Purbacher Türke“, um den sich eine Weinlegende rankt. Berühmt ist die Purbacher Kellergasse, die als schönste ihrer Art im Burgenland gilt.Johann Werfring: Vinophiler Streifzug durch die „Schwarze Stadt“. In: „Wiener Zeitung“, 11. Juli 2014, Beilage „Wiener Journal“, S. 22 f. Am Beginn der Kellergasse befindet sich das „Haus am Kellerplatz“, eine Gemeindevinothek mit innovativem Weinausschanksystem. Anfang Dezember 2023 wurde bekannt, dass die Vinothek im Haus am Kellerplatz mit Jahresende 2023 geschlossen werden soll. Die Gemeinde werde die Finanzierung des Betriebs nicht mehr tragen. Vom Verein Purbacher Ortsvereinigung für Dorferhaltung, Kunst und Kultur wurde eine Weiterführung angestrebt. Nach einer vorübergehenden Schließung wurde die Vinothek mit neuem Pächter wieder geöffnet.
Politik mini|Das denkmalgeschützte Gemeindeamt Gemeinderat Der Gemeinderat hat 23 Mitglieder.
Gemeinderatswahlen im Burgenland 1997: ÖVP 14, SPÖ 8, FPÖ 1. Gemeinderatswahlen im Burgenland 2002: ÖVP 13, SPÖ 10. Gemeinderatswahlen im Burgenland 2007: ÖVP 14, SPÖ 9. Gemeinderatswahlen im Burgenland 2012: ÖVP 15, SPÖ 8. Gemeinderatswahlen im Burgenland 2017: ÖVP 12, SPÖ 10, FPÖ 1. Gemeinderatswahlen im Burgenland 2022: SPÖ 13, ÖVP 9, GRÜNE 1.
Chronik der Bürgermeister + bis 1923 von bis BürgermeisterFuhnos Webseite: Alle Bürgermeister von Purbach (abgerufen am 18. Dezember 2017) 1903 1906 Josef Pratschner 1906 1909 Josef Schüller 1909 1912 Johann Schüller 1912 1916 Johann Steindl 1916 1919 Johann Schüller 1919 1920 Johann Steindl 1920 1922 Rudolf Neumayer 1922 1923 Josef Steindl+ 1923–1945 von bis Bürgermeister 1923 Rudolf Neumayer 1924 Michael Pressl 1931 1935 Johann Schüller 1935 1938 Johann Schüller 1938 1943 Johann Hölzl 1943 1945 Josef Kummer 1945 Martin Hölzl 1945 Florian Gstettner+ ab 1945 von bis Bürgermeister 1945 1950 Johann Karner 1950 1962 Michael Sandhofer (ÖVP) 1963 1968 Robert Schüller 1968 1977 Rudolf Lang 1977 1992 Josef Wein (SPÖ) 1992 2000 Franz Steindl (ÖVP) 2000 2001 Rudolf Wallner (SPÖ)(interimistisch) 2001 2021 Richard Hermann (ÖVP) 2021 2022 Martin Horak (ÖVP) seit 2022 Harald Neumayer (SPÖ)
Persönlichkeiten Hans Kietaibl, (1911–1999), Schulleiter, Autor, Ehrenbürger und Ehrenringträger von Purbach am Neusiedler See, beerdigt auf dem Stadtfriedhof EisenstadtHans Kietaibl auf regiowiki.at Michael Sandhofer (1907–1984), Landwirt und Politiker Franz Steindl (* 1960), Politiker Max Stiegl (* 1980), Koch Bernie Rieder (* 1975), Koch und Kochbuchautor
Literatur Alex Garami: Kurzgefasste Geschichte der Gemeinde Purbach am Neusiedlersee (Burgerland), Sopron 1937. Alois Wegleitner: Agrargeographie der Gemeinden Jois, Winden, Breitenbrunn, Purbach, Donnerskirchen. Mit besonderer Berücksichtigung der jüngsten Entwicklung. Universität Wien, Hausarbeit, Wien 1969. Hans Kietaibl: Purbach am Neusiedler See. 1270–1970, hrsg. von der Gemeinde Purbach, Purbach 1970. Hans Kietaibl: Aus dem ältesten Matrikenbuch der Pfarre Purbach am Neusiedler See. In: Burgenländische Heimatblätter. 33. Jg., 1971, S. 123–131 (). Hans Kietaibl: Aus den Waisenbüchern des Marktes Purbach am Neusiedler See (1550–1650). In: Burgenländische Heimatblätter. 36. Jg., 1974, S. 123–142 (). Anton Rainprecht: Die Geschichte der adeligen Familie Rainprecht zu Purbach, zu Donnerskirchen und zu Veszprem. Eigenverlag Anton Rainprecht, Wien 1980. Hans Kietaibl: Die Binderzeche in Purbach am Neusiedlersee. In: Volk und Heimat, Nr. 37/2, 1982, S. 43–45. Hans Kietaibl: Die Siegel der Marktgemeinde Purbach am Neusiedlersee. In: Burgenländische Heimatblätter. 45. Jg., 1983, S. 61–66 (). Sylvia Schmidt-Luttenberger: Purbach – ein Dorf im politischen sozialen Wandel. Univ.-Diss., Wien 1984. Hans Kietaibl: Die Purbacher Herrschaftsurbare (1515–1750). In: Burgenländische Heimatblätter. Nr. 47, 1985, S. 49–57 (). Hans Kietaibl: Die Sebastianibruderschaft in Purbach am Neusiedler See. In: Burgenländische Heimatblätter. 49. Jg., 1987, S. 115–121 (). Hans Kietaibl: Die Erbfischwässer in Purbach am Neusiedler See. In: Burgenländische Heimatblätter. 50. Jg., 1988, S. 125–133 (). Sigrid Laue-Strohschneider: Eine Siedlungsgrube mit Vornotenkopfkeramik aus Purbach. Ein neuer Nachweis zur frühesten Besiedlungsgeschichte des Burgenlandes. In: Burgenländische Heimatblätter. 50,4, 1988, S. 145–169 (). Hans Kietaibl: Die Entstehung des Ortsnamens „Purbach“. In: Burgenländische Heimatblätter. Nr. 52, 1990, S. 39–41 (). Grete Maar: Gedruckte Gebetbücher in Donnerskirchen, Purbach am See und Schützen am Gebirge. In: Burgenländische Heimatblätter. 55. Jg., 1993, S. 3–48 (). Grete Maar: Gedruckte Glaubensbücher aus Donnerskirchen, Purbach und Schützen am Gebirge vor 1920. In: Burgenländische Heimatblätter. 56. Jg., 1994, S. 137–154 (). Hans Kietaibl: Die Purbacher See- und Straßenmaut (Bodenmaut). In: Burgenländische Heimatblätter. Nr. 57, 1995, S. 131–136 (). Hans Kietaibl: Die Kirchenrechnungen der St. Sebastiani-Zeche in Purbach am Neusiedler See. In: Burgenländische Heimatblätter. Nr. 57, 1995, S. 74–83 (). Hans Kietaibl: Der Purbacher Türke in Sage und Dichtung. Eisenstadt 1997. Robert Heger (Hrsg.): Purbach, die Stadt am Land. Stadtgemeinde Purbach am Neusiedlersee, Purbach am Neusiedlersee 1997. Purbacher Jahrbuch. Beiträge zur Stadtgeschichte von Purbach am Neusiedler See. Hrsg. vom Verein zur Erforschung der Purbacher Geschichte, Purbach am Neusiedler See, 2003 ff. Karolína Flimelová: Yacht-Camp-Purbach. Technische Universität Wien, Diplomarbeit, Wien 2007. Purbach am Neusiedler See, hrsg. vom Verein zur Erforschung der Purbacher Geschichte, red. Leitung Franz Steindl und Johann Egermann, Purbach 2007. Johann Werfring: Vinophiler Streifzug durch die „Schwarze Stadt“. In: „Wiener Zeitung“, 11. Juli 2014, Beilage „Wiener Journal“, S. 22 f.
Weblinks
Webpräsenz der Stadtgemeinde Purbach am Neusiedler See Artikel des Bundesdenkmalamts (BDA) über das „Ruster Tor“ und die Befestigungsanlagen von Purbach Gemeindegrenzen zu den Nachbargemeinden Purbacher Kellergasse schönster Platz Artikel vom 6. Oktober 2016 auf burgenland.orf.at
Einzelnachweise
Kategorie:Weinbaugemeinde im Burgenland Kategorie:Katastralgemeinde im Bezirk Eisenstadt-Umgebung
Kategorie:Stadtrechtsverleihung 1997