hochkant|mini|Mirlande Manigat (2011) Mirlande Manigat (* 3. November 1940 in Miragoâne; eigentlich Mirlande Hippolyte) ist eine haitianische Politikerin. Die Professorin für Verfassungsrecht gründete mit ihrem Ehemann, dem früheren haitianischen Präsidenten Leslie Manigat (1930–2014), die Partei Rassemblement des Démocrates Nationaux Progressistes (RDNP), deren Generalsekretärin sie ist. Bei den Wahlen 2010/11 trat sie als Präsidentschaftskandidatin an.

Leben Ausbildung und Heirat mit Leslie Manigat Mirlande Manigat wurde als Mirlande Hippolyte geboren. Die Tochter eines Militärs und einer Hausfrau wuchs mit vier Geschwistern auf. Nach dem Gymnasium spielte sie mit dem Gedanken, ein Medizinstudium zu beginnen, wechselte aber dann auf das École normale supérieure in Haiti. Daran schloss sich ein Aufenthalt in Paris an, wo Hippolyte Rechtswissenschaft, Geschichte und Internationale Beziehungen an der Sorbonne und am Institut d’études politiques de Paris (Sciences Po) studierte. 1968 promovierte sie in Politikwissenschaft.Camille Le Tallec: Mirlande Manigat – Candidate à l’élection présidentielle. In: La Croix, 29. November 2010, Nr. 38829 (abgerufen via LexisNexis Wirtschaft).

1970 heiratete Hippolyte im französischen Meudon den zehn Jahre älteren Leslie Manigat, dessen Namen sie annahm. Der frühere Mitarbeiter im haitianischen Außenministerium und Hochschullehrer hatte sich 1963 nach Differenzen mit dem Regime von François Duvalier („Papa Doc“) ins Exil nach Frankreich begeben.Leslie Manigat. In: Internationales Biographisches Archiv 19/2001 vom 30. April 2001, ergänzt um Nachrichten durch MA-Journal bis KW 13/2006 (abgerufen via Munzinger Online). Dort hatte Leslie Manigat als Professor am Institut für Politische Studien unterrichtet und Hippolyte als Studentin kennengelernt.Tim Padgett, Jessica Desvarieux: The Woman Who Would Be Haiti’s Next President. time.com, 15. November 2010; abgerufen am 15. Januar 2011. Das Paar verließ Frankreich im Jahr 1974 und übersiedelte nach Trinidad, wo Mirlande Manigats Ehemann Leiter des Instituts für Internationale Beziehungen an der University of the West Indies wurde. Ihr Ehemann hätte näher bei seiner Heimat leben wollen, so Manigat über die Abreise aus Europa.Don Bohning: Haitian Called No Puppet. In: The Miami Herald, 25. Januar 1988, S. 1. 1978 zogen die Manigats nach Caracas, Venezuela, wo beide Lehraufträgen für Politikwissenschaft an der Universidad Simón Bolívar folgten.

First Lady Haitis und Senatorin Ende der 1970er Jahre hatte das Paar mit dem Aufbau der Rassemblement des Démocrates Nationaux Progressistes d’Haiti (RDNP), der Partei der „Progressiven Nationalen Demokraten“, begonnen. Nachdem diese sich kurzfristig an der Sozialistischen Internationale orientiert hatte, wurde auf internationaler Ebene eine Zusammenarbeit mit den Christdemokraten bevorzugt. Nach dem Sturz des Präsidenten Jean-Claude Duvalier („Baby Doc“) kehrte das Paar 1986 wie viele weitere Oppositionelle nach Haiti zurück.

Im Januar 1988 gewann Manigats Ehemann die von der Regierung General Henri Namphys beschlossenen Präsidentschafts- und Parlamentswahlen in Haiti. Diese galten als erste demokratische Wahlen in dem Karibikstaat, wurden jedoch von den vier populärsten Kandidaten boykottiert, weshalb offiziell die Wahlbeteiligung mit 35 Prozent angegeben wurde. Unabhängige Beobachter sprachen jedoch nur von 10 bis 15 Prozent. Mirlande Manigat selbst gewann einen Sitz im haitianischen Senat. Als First Lady des Landes amtierte Manigat bis Juni 1988. Ihr Ehemann wurde nach fünf Monaten im Amt von Namphy abgesetzt, nachdem er Änderungen in der Armeespitze hatte durchsetzen wollen.

2006 weigerte sich Manigat erneut in den Senat einzuziehen, nachdem sie Leslie Manigats Wahlniederlage gegen René Préval als unfair bezeichnet hatte. Überwacht von der UN-Mission MINUSTAH, waren die Wahlen unter weitgehend friedlichen, aber teilweise chaotischen Bedingungen abgelaufen. Deshalb hatte der Wahlrat den Berechnungsmodus geändert, um einen zweiten Wahlgang und mögliche gewalttätige Unruhen zu vermeiden.René Préval. In: Internationales Biographisches Archiv 04/2010 vom 26. Januar 2010, ergänzt um Nachrichten durch MA-Journal bis KW 48/2010 (abgerufen via Munzinger Online).

Präsidentschaftskandidatin 2010/11 Im Jahr 2010 kandidierte die RDNP-Generalsekretärin für das Präsidentenamt. Nach einem schweren Erdbeben waren die Wahlen auf den 28. November 2010 verschoben worden. Die 70-jährige Manigat trat dabei gegen Jude Célestin (Inité), den Kandidaten und Schwiegersohn des regierenden René Préval, an, der nicht an einer Wiederwahl teilnehmen durfte. Mit ihrer Bewegung der linken Mitte steht die respektierte Professorin für Verfassungsrecht für das gebildete und weltoffene Haiti, weshalb sie vor allem vom Bürgertum und von Intellektuellen, aber auch von der internationalen GemeinschaftThierry Portes: Haïti – le candidat du pouvoir hors jeu de la présidentielle. In: Le Figaro, 4. Februar 2011, S. 8. befürwortet wurde. Sie hätte viele Positionen des nicht zur Wahl zugelassenen populären Musikers Wyclef Jean geteilt und durch ihr großmütterliches Image (Spitzname: „Mommy“Peter Burghardt: Mirlande Manigat – Haitianische Großmutter mit Präsidentschaftschancen. In: Süddeutsche Zeitung, 27. November 2010, S. 4.) Zuversicht und Vertrauen vermittelt, so der bekannte haitianische Historiker und politische Analyst Georges Michel. Ausländische Medien beschrieben Manigat als konservative Politikerin, einige Stimmen bescheinigten ihrer Politik aber, in Hinblick auf die Vereinigten Staaten liberaler und demokratischer zu sein. Während des Wahlkampfs trat Manigats Ehemann Leslie kaum in Erscheinung.Slow Rebuilding In Haiti Complicated By Politics – Gespräch zwischen Neal Conan und Jacqueline Charles in Talk of the Nation (National Public Radio), 17. März 2011, 2:00 PM EST (Transkript abgerufen via LexisNexis Wirtschaft).

Als politische Vorbilder nennt Manigat Konrad Adenauer, die Chilenin Michelle Bachelet und den Brasilianer Luiz Inácio Lula da Silva.Interview mit Sandra Weiss bei blickpunkt-lateinamerika.de, 23. November 2011; abgerufen am 16. Januar 2011. Le Nouvelliste, Haitis größte Tageszeitung, sprach von ihr als einer „Frau des Konsenses“, die „ein ideales Profil für eine Renaissance des Landes“ habe.Chantal, Roromme: bei lenouvelliste.com, 24. November 2010; abgerufen am 15. Januar 2011. Ihre Werbekampagne führte Manigat in Kreolisch (Motto: „Ban m Manman m“, dt.: „Gib mir meine Mutter“Pierre, Gotson (EFE): Últimos días de la campaña presidencial en Haití ante comicios del domingo. 15. März 2011, 4:53 PM GMT, Port-au-Prince (abgerufen via LexisNexis Wirtschaft).). Mit ihrem Regierungsprogramm unter dem Titel changer la vie (dt.: „Leben verändern“) wandte sie sich vor allem an die haitianische Jugend und die „tapferen haitianischen Frauen“. Manigat trat für Bildung sowie den Wiederaufbau und die Entwicklung des Landes nach der Naturkatastrophe und gegen soziale Ungerechtigkeit und Korruption ein. Ihre Erfahrung habe sie selbst immun gegen „Eitelkeiten, Ehrgeiz, vor allem Reichtum und Ruhm“ gemacht, so Manigat. Sie befürwortete staatliche monatliche Zuschüsse für Familien mit drei oder mehr Kindern. Auch plante sie, Versicherungsschutz für Polizeibeamte und Lohnerhöhungen für Lehrer einzuführen. In der Debatte um den 15. Verfassungsartikel trat sie für die doppelte Staatsbürgerschaft für im Ausland lebende Landsleute ein. Diese transferieren jährlich mehr als zwei Milliarden US-Dollar nach Haiti. bei hispaniolanews.net, 26. Juli 2009; abgerufen am 17. Januar 2011. Gleichzeitig kritisierte sie die UN-Mission MINUSTAH als verfassungswidrig und plante, bei ihrer Wahl, die 1994 aufgelösten Streitkräfte wiederaufzubauen.SDA: Biografie/Porträt Juristin gegen Popstar: Die Kandidaten bei der Stichwahl in Haiti. 18. März 2011, Port-au-Prince, 3:51 PM CET (abgerufen via LexisNexis Wirtschaft). Eine sofortige Abreise der MINUSTAH-Truppen erwog sie jedoch nicht, da dies ein Sicherheitsdefizit hätte darstellen können.SDA: Mirlande Manigat veut en prenant la présidence. 17. März 2011, Port-au-Prince, 12:34 PM CET (abgerufen via LexisNexix Wirtschaft). Zu einer möglichen Justizreform und Fragen wie Straflosigkeit, das Gefängnissystem und die Unabhängigkeit der Justizgewalt nahm sie – wie auch andere Kandidaten – nicht detailliert Stellung.

Bei der Bekanntgabe des Wahlergebnisses Anfang Dezember 2010 konnte Manigat die meisten Stimmen (31,37 Prozent) auf sich vereinen, gefolgt vom Regierungskandidaten Célestin (22,48 Prozent) und dem populären, aber politisch unerfahrenen Sänger Michel „Sweet Micky“ Martelly (21,84 Prozent). bei haitielections2010.com (französisch); abgerufen am 15. Januar 2011. Keiner der Kandidaten kam jedoch über die notwendige 50-Prozent-Marke für eine Direktwahl, während sich nur 23 Prozent der registrierten Wähler beteiligten.Les Haïtiens appelés aux urnes pour élire leur président bei lepoint.fr, 19. März 2011; abgerufen am 20. März 2011. Eine Stichwahl zwischen Manigat und Célestin war für den 16. Januar 2011 geplant, fand aber nicht statt, nachdem die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) Zweifel an dem Ergebnis geäußert hatte.Christine Keck: Der Plünderer im Allerheiligsten. In: Stuttgarter Zeitung, 12. Januar 2011, S. 3. Es hätte Beweise für einen Wahlbetrug zugunsten Célestins gegeben, woraufhin die Organisation dem haitianischen Provisorischen Wahlrat empfahl, den Kandidaten auszuschließen.Hans-Ullrich Dillmann: Streit über Kandidatur in Haiti. In: die tageszeitung, 12. Januar 2011, S. 10. Manigat selbst hatte am Wahltag mit zwölf weiteren Oppositionskandidaten die Annullierung der Wahl wegen Fälschungen und Betrugsmanövern gefordert.Haiti taumelt ins Polit-Chaos bei sueddeutsche.de, 29. November 2010; abgerufen am 17. Januar 2011. Nachdem Hochrechnungen sie an der Spitze gesehen hatten, nahm sie davon Abstand, woraufhin ihre Mitstreiter ihr Taktiererei und Intrige vorwarfen.Dorothea Hahn: Haitis Bestplatzierte. In: die tageszeitung, 9. Dezember 2010, S. 2.

In der Stichwahl am 20. März 2011 trat Manigat gegen Michel Martelly an. Célestin war damit als Präsidentschaftskandidat ausgeschieden. bei haitielections2010.com, 3. Februar 2011; abgerufen am 3. Februar 2011. Umfragen kurz vor der Stichwahl hatten Manigat allerdings nur 46,4 Prozent der Stimmen bescheinigt und prognostizierten einen Wahlsieg Martellys, der von Wyclef Jean unterstützt wurde. Nachdem der Wahlrat die Bekanntgabe des vorläufigen Ergebnisses aufgrund eines hohen Grads „an Betrug und Unregelmäßigkeiten diverser Art“ um vier Tage, auf den 4. April 2011, verschoben hatte,AFP: Unregelmäßigkeiten verzögern Bekanntgabe der Wahlergebnisse in Haiti. 30. März 2011, Port-au-Prince (abgerufen via LexisNexis Wirtschaft). ging aus dieser Michel Martelly mit 67,57 Prozent gewonnenen Stimmen als Sieger hervor. bei tagesschau.de, 5. April 2011; abgerufen am 5. April 2011. Für Manigat votierten 31,7 Prozent der Wähler.Sänger wird Präsident von Haiti. Zeit Online, 5. April 2011; abgerufen am 5. April 2011. Bei einem Wahlsieg wäre sie die erste frei gewählte Präsidentin Haitis und nach der kommissarisch eingesetzten Ertha Pascal-Trouillot (1990–1991) die zweite Frau an der Spitze des Karibikstaates gewesen.

Vorsitzende des Übergangsrats Am 6. Februar 2023 wurde Manigat vom amtierenden Premierminister Ariel Henry zur Vorsitzenden des aus drei Personen bestehenden „Hohen Übergangsrats“ (Haut Conseil de la Transition; HCT) bestellt.

Privatleben