Die Umbenennung deutscher Ortsnamen in Australien erfolgte vor allem im Verlauf des Ersten Weltkriegs. Das Deutsche Reich befand sich im Kriegszustand mit dem Commonwealth of Australia und im Verlauf des Kriegsgeschehens entwickelte sich eine antideutsche Stimmung. Bis dahin waren die deutschen Auswanderer ein anerkannter Teil der australischen Gesellschaft gewesen und hatten einen bedeutenden Anteil am Aufbau Australiens gehabt.

Die deutschen Ortsnamen wurden entweder anglifiziert oder wurden durch Ortsnamen der Aborigines ersetzt wie beispielsweise Kobandilla und Karawirra oder Namen berühmter Personen wie des britischen Feldmarschalls Kitchener oder sie wurden nach den Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs (Verdun und Somme) benannt.

Nicht alle deutschen Orte wurden umbenannt, beispielsweise wurde der Ort Hermannsburg im Northern Territory nicht geändert,Information auf www.onomastik.com. Abgerufen am 16. Januar 2011 ebenso wenig der Ort Prenzlau in Queensland. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs gab es zahlreiche Rückbenennungen; eine der ersten erfolgte im Jahr 1920, als der Ort Townsend wieder seinen alten Namen Marburg erhielt und weitere folgten bis zum heutigen Tage. 1935 wurde in South Australia der Nomenclature Act of 1935 erlassen, der die Rückbenennung zahlreicher Orte auf gesicherter gesetzlicher Basis erlaubte.

In South Australia, wo die meisten Deutschen siedelten, wurden im Verlauf des Ersten Weltkrieges 64 Orte umbenannt (nach anderen Zählungen 70); in Tasmanien zwei, in Western Australia, Victoria und New South Wales jeweils drei und in Queensland 15.Information auf www.onomastik.com. Abgerufen am 17. Januar 2011

Politik

In Australien lebten im Jahre 1914 etwa 100.000 Deutsche bei einer Gesamtbevölkerung von etwa 4,5 Millionen. Sie wurden in Australien respektiert, denn sie hatten am Aufbau des Landes großen Anteil gehabt. 1900 waren fast 10 % der südaustralischen Bevölkerung Deutsch-Australier. Als Deutschland im Ersten Weltkrieg zu einem Feind des Commonwealth wurde, entstand eine landesweite anti-deutsche Hysterie und viele Britisch-Australier nahmen an, dass die Deutschen in Australien den deutschen Kaiser unterstützen würden.

Die Hysterie äußerte sich auch in den Namensänderungen von Orten, die entweder durch Gesetzeserlass oder Petition erfolgten. Die Präsenz deutscher Namen in Australien wurde von vielen Australiern als Affront aufgefasst und sensibilisierte einen Großteil der Bevölkerung jener Zeit. Nicht nur die Namen wurden geändert, sondern es kam während des Krieges zu vielen Diskriminierungen deutschstämmiger Australier, die auch teilweise interniert wurden. Deutsch-Australier fanden kaum Beschäftigung, und infolgedessen waren viele von ihnen gezwungen, selbstständig in die Internierungslager zu gehen; es gab auch britischstämmige Australier, die nicht mehr gemeinsam mit den „Deutschen“ arbeiten wollten.

Als die australische Bundesregierung unter Billy Hughes 1916 die allgemeine Wehrpflicht einführen wollte, lehnten die Australier dies in einer Volksbefragung im Oktober 1916 ab. Einige politische Gruppen machten die Katholiken und die Deutsch-Australier für das Scheitern dieses Volksentscheides verantwortlich und gaben vor, dass die Deutsch-Australier gegen die Wehrpflicht im Volksentscheid gestimmt hätten. 1917 verweigerte daraufhin Premierminister Billy Hughes den Deutsch-Australiern das Stimmrecht, allerdings scheiterte auch der zweite Volksentscheid über die Wehrpflicht mit einer noch größeren Anzahl ablehnender Stimmen. Die Verweigerung des Stimmrechts, ein Zeichen des Zweifels an ihrer Loyalität, traf viele der Deutsch-Australier, die bei den australischen Streitkräften dienten.

New South Wales Germantown geändert in Holbrook (geändert 1915)German’s Hill geändert in LidsterGerman Creek geändert in Empire ValeEbenezer geändert in Walla WallaSchlinkers Lane geändert in Bullecourt Lane (heute Ultimo, ein Vorort von Sydney)

Northern Territory Das Northern Territory war damals wenig besiedelt. Es gab allerdings eine Siedlung mit deutschem Namen, Hermannsburg, die Missionsstation der Lutheraner seit 1877, deren Namen nicht geändert wurde. Weitere Namen deutschen Ursprungs sind die Petermann Ranges, die Ernest Giles 1874 nach dem deutschen Geo- und Kartographen August Petermann und den Mount Zeil, der von einem anderen Forscher nach dem Grafen Waldburg-Zeil benannt wurde.

Queensland Bis 1890 kamen 245.000 Einwanderer nach Queensland. Davon waren 86 % Briten und unter den restlichen 14 % bildeten die Deutschen die größte Gruppe.New south wales auf www.onomastik.com. Abgerufen am 15. Januar 2011

Bergen geändert in Murra MurraBergenside geändert in NeuveBismarck geändert in MaclaganEngelsburg geändert in KalbarFahley geändert in KilbirnieGehrkevale geändert in Mount MortGramzow geändert in CarbrookHapsburg geändert in KowbiHessenburg geändert in IngoldsbyKirchheim geändert in HaigsleaMarburg geändert in Townsend (1917) seit 1920 wieder MarburgMinden geändert in Frenchton seit 1930 wieder MindenMinden auf Queensland Places, abgerufen am 15. Oktober 2013.Roessler geändert in ApplethorpeStegelitz geändert in Woongoolba ein Ortsteil heißt jetzt SteiglitzWoongoolba grenzt an Steiglitz, abgerufen am 15. Oktober 2013.Teutoburgh geändert in Witta

South Australia Die ersten deutschen Siedler in Australien waren Lutheraner aus den preußischen Ostgebieten, die auswanderten, weil sie vom Preußenkönig Friedrich Wilhelm III. wegen ihrer Religion verfolgt wurden. Von November bis Dezember 1838 erreichten mehrere Schiffe mit deutschen Auswanderern South Australia und diese ließen sich dort nieder. Um 1900 waren 10 % der Südaustralier deutschstämmig.South Australia auf onomastik.com. Abgerufen am 15. Januar 2011 In South Australia fanden die meisten Umbenennungen statt.

Bartsch’s Creek geändert in Yedlakoo Creek (1986 in Bartsch Creek umbenannt)Berlin Rock geändert in Panpandie RockBethanien geändert in BethanyBismarck geändert in WeeroopaBlumberg geändert in BirdwoodBlumental geändert in LakkariBuch(s)felde geändert in LoosCape Bauer geändert in Cape of Wondoma (1948 wieder Cape Bauer)Carlsruhe geändert in Kunden (umbenannt 1918)Ehrenbreitstein geändert in Mount YerilaFerdinand Creek geändert in Ernabella CreekFriedensthal geändert in Black HillFriedrichstadt geändert in TangariFriedrichswalde geändert in TarnmaGebhardt’s Hills geändert in Polygon Ridge (1986 in Gebhardt Hills umbenannt)German Creek geändert in Benara Creek (1986 wieder German Creek)German Pass geändert in Tappa PassGermantown Hill geändert in Vimy Ridge (lediglich der Straßenname wurde auf Germantown Hill Road rückbenannt)Gottlieb’s Well geändert in Parnggi WellGrunberg geändert in Karalta (1975 in Gruenberg umbenannt)Grunthal geändert in VerdunHahndorf geändert in Ambleside(1935 wieder Hahndorf)Hasse’s Mound geändert in Larelar MoundHeidelberg geändert in KobandillaHerrgott Springs geändert in MarreeHildesheim geändert in PunthariHoffnungsthal geändert in Karawirra (1975 wieder Hoffnungsthal)Hundred of Basedow geändert in Hundred of French (“Hundred of” = “Distrikt von”)Hundred of Homburg geändert in Hundred of HaigHundred of Krichauff geändert in Hundred of BeattyHundred of Paech geändert in Hundred of CannawigraHundred of Pflaum geändert in Hundred of GeegeelaHundred of Rhine (North) geändert in Hundred of JellicoeHundred of Rhine (South) geändert in Hundred of JutlandHundred of Scherk geändert in Hundred of SturdeeHundred of Schomburgk geändert in Hundred of MaudeHundred of Von Doussa geändert in Hundred of AllenbyJaenschtown geändert in KerkanyaKaiserstuhl geändert in Mount Kitchener (1918 umbenannt in Kaiser’s Seat und seit 1975 wieder Kaiserstuhl Conservation Park)Klaebes geändert in KiltoKlemzig geändert in Gaza (1935 wieder Klemzig, der lokale Footballclub trägt weiterhin den Namen Gaza)Krause Rock geändert in Marti RockKrichauff geändert in Beatty (1940 in Mount Mary umbenannt)Kronsdorf geändert in Kabminye (1975 in Krondorf umbenannt)Langdorf geändert in KaldukeeLangmeil geändert in Bilyara (bei Tanunda) (1975 wieder Langmeil)Lobethal geändert in Tweedvale(1935 wieder Lobethal)Mount Ferdinand geändert in Mount WarrabillinnaMount Meyer geändert in Mount KautoMuller’s Hill geändert in Yandina HillNeudorf geändert in Mamburdi (1986 wieder Neudorf)Neukirch geändert in Dimchurch (1975 wieder Neukirch)New Hamburg geändert in WillyarooNew Mecklenburg geändert in GomersalOliventhal geändert in OlivedalePetersburg geändert in PeterboroughRhine Park geändert in KongoliaRhine Hill geändert in MonsRhine River (North) geändert in The Somme (1971 in Somme Creek geändert)Rhine River (South) geändert in The Marne (1971 in Marne River geändert)Rhine Villa geändert in CambraiRosenthal geändert in RosedaleSchoenthal geändert in Boongala (1986 wieder Schoenthal)Seppelts geändert in DorrienSchreiberhau geändert in Warre(1975 wieder Schreiberhau)Siegersdorf geändert in Bultawilta (1975 wieder Siegersdorf)Steinfeld geändert in Stonefield (1986 wieder Steinfeld)Summerfeldt geändert in SummerfieldVogelsang’s Corner geändert in Teerkoore (1986 wieder Vogelsang Corner)Wusser’s Nob geändert in Karun Nob (1983 wieder Wusser Nob)

Tasmanien 1855 kamen 858 Deutsche, viele aus Südwest- oder Norddeutschland und etwa 500 Deutsche in den 1860er und 1870er Jahren nach Tasmanien. 1901 zählte man über 1.500 deutsche Einwanderer in Tasmanien. Bismarck geändert in CollinsvaleGerman Town geändert in Lilydale

Victoria Germantown geändert in GrovedaleHochkirch geändert in TarringtonMount Bismarck geändert in Mount KitchenerReinholtz’s PO geändert in Reynold’s PO (geändert am 5. November 1920)

Western Australia 1891 wurden in Western Australia knapp 300 Personen deutscher Herkunft gezählt.Western Australia, Tasmanien und Northern Territory auf www.onomastik.com. Abgerufen am 15. Januar 2011 Heidelburg geändert in BickleyMüller Park geändert in Kitchener Park (seit 1981 wieder Mueller Park)

Weblinks German Place Names – South Australia South Australian History – German placenames Australian Bureau of Statistics – Changing of German Place Names in Australia Victorian counties map

Einzelnachweise

Kategorie:Australien im Ersten Weltkrieg Kategorie:Deutsche in Australien