mini|hochkant|Sitz der in Madrid Die [] („Königlich Spanische Akademie“) ist die maßgebliche Institution für die Pflege der spanischen Sprache. Sie wurde 1713 gegründet und gibt mehrere Wörterbücher, eine Grammatik und ein orthographisches Regelbuch und wichtige Quellen der spanischen Sprachgeschichte heraus. Ihre Vorgaben sind im Schulunterricht und Behördengebrauch Spaniens und Spanischamerikas verbindlich. In der Umgangssprache wird sie häufig („Königliche Akademie der Sprache“) mit oder ohne den Zusatz oder la RAE („die RAE“) genannt.Alonso Zamora Vicente: La Real Academia Española. Espasa Calpe, Madrid 1999, ISBN 84-239-9185-7, S. 33.
Vorbilder und Gründung mini|hochkant|Juan Manuel Fernández Pacheco, Marqués von Villena (um 1700) Am 3. August 1713Zamora Vicente: La Real Academia Española. …, S. 26.Pedro Álvarez de Miranda: Los diccionarios del español moderno. Trea, Gijón 2011, ISBN 978-84-9704-512-4, S. 18.Victor Núñez Jaime: Entramos en la casa de las palabras. In: El país semanal, 28. Februar 2013. traf sich im Haus des Marqués von Villena zu Madrid eine Gruppe von Gelehrten, die es als Schande empfanden,Lapesa: La Real Academia Española. …, S. 334. In der Historia de la Real Academia Española. In: Diccionario de la lengua castellana. Band 1, Madrid 1726, S. xi, heißt es: ( heißt „Schamröte“) dass es für die spanische Sprache bislang kein Wörterbuch gab (tatsächlich hatte Covarrubias ein Jahrhundert zuvor das erste einsprachige Wörterbuch veröffentlichtSebastián de Covarrubias Orozco: Tesoro de la lengua castellana, o española […]. Madrid 1611.). Ihre Vorbilder für die Gründung einer Akademie waren die Accademia della Crusca zu Florenz sowie die Académie Française zu Paris. In Florenz hatte 1580 ein Freundeskreis mit der Arbeit an einem italienischen Wörterbuch begonnen. Das basierte auf dem Wortschatz von Dante, Petrarca und Boccaccio, den die Wörterbuchmacher als Höhepunkt der italienischen Sprache empfanden, erweitert um einige moderne Schriftsteller. Es war erstmals 1612 und in einer stark erweiterten, dritten Auflage zuletzt 1691 erschienen. In Frankreich hatte sich unter der Protektion von Kardinal Richelieu 1634 die gebildet. Zu ihren Aufgaben gehörte die Erstellung eines Wörterbuchs, einer Grammatik, einer Rhetorik und einer Poetik des Französischen. Ihr Wörterbuch () war allerdings erst 1694 – nach 60 Jahren – erschienen, und erst mit der zweiten Auflage von 1718 wurde hier die alphabetische Reihenfolge eingeführt.
In Analogie zur nannten die Gründer ihre spanische Gelehrtengesellschaft .Álvarez de Miranda: Los diccionarios del español moderno. …, S. 21. Sie erbaten den Schutz von König Philipp V., ohne weitere Ansprüche zu stellen. Der König gewährte ihn im folgenden Jahr – am 3. Oktober 1714Zamora Vicente: La Real Academia Española. …, S. 28. –, seitdem darf sie sich („Königliche Spanische Akademie“) nennen.
Wörterbücher mini|hochkant|Titelblatt der ersten Auflage des (1726) Nach dem Tod des Dichters Calderón de la Barca (1600–1681) machte die spanische Sprache eine Schwächeperiode durch. Ein Wörterbuch galt den Gründern der Akademie als Mittel der Regeneration.Lapesa: La Real Academia Española. …, S. 333. Die dahinter stehende Vorstellung war, dass Sprachen genauso wie Organismen eine Jugend, ein reifes Zeitalter und eine Zeit des Verfalls durchlaufen. Um diesen Verfall aufzuhalten, galt es, den besten Sprachgebrauch aus der Reifezeit der Sprache zu fixieren ().Álvarez de Miranda: Los diccionarios del español moderno. …, S. 22. Nach bereits dreizehn Jahren veröffentlichte die Akademie 1726 den ersten Band des („Kastilisch“ bedeutet in diesem Kontext so viel wie „Spanisch“); nach weiteren dreizehn Jahren schloss sie die Arbeit 1739 mit dem sechsten Band ab.Zamora Vicente: La Real Academia Española. …, S. 369 f. Das Werk ist als Diccionario de Autoridades bekannt, weil nach dem italienischen Vorbild jeder Eintrag mit einem Zitat aus der Literatur – einer „Autorität“ – belegt worden war. Der war zu seiner Zeit das weltweit modernste Wörterbuch, weil es in der Praxis einen deskriptiven Ansatz verfolgte (siehe unten: Selbstverständnis).Álvarez de Miranda: Los diccionarios del español moderno. …, S. 18 f. Es ging über den Wortschatz einer Region hinaus: Das italienische Wörterbuch hatte sich auf den Florentiner Wortschatz beschränkt, das französische Pendant auf die Region von Paris. Das spanische Wörterbuch enthielt hingegen neben dem literarischen Wortschatz auch Begriffe aus der Umgangssprache, aus den Provinzen und sogar aus der Gaunersprache ().Lapesa: La Real Academia Española. …, S. 334.Ausführlich dazu Álvarez de Miranda: Los diccionarios del español moderno. …, S. 21–25. Selbst einige Amerikanismen, also Wörter aus dem Wortschatz der Spanisch sprechenden Ländern Amerikas, tauchten hier schon auf.Álvarez de Miranda: Los diccionarios del español moderno. …, S. 23.
1770 versuchte die Akademie, eine überarbeitete Fassung des herauszubringen, von der aber nicht mehr als ein erster Band herausgekommen ist.. 2. korrigierte und erweiterte Auflage. Band 1: A–B. Gedruckt von Joachin Ibarra, Madrid 1770. Stattdessen erschien 1780 ein in einem zwar gut handhabbaren einzigen Band, dem jedoch die Belege fehlten.. Gedruckt von Joaquín Ibarra, Madrid 1780. Diese Kurzfassung ist unter dem Kurztitel Diccionario de la lengua española zum eigentlichen Wörterbuch der Akademie geworden; es wird häufig auch kurz genannt. Dieses „gewöhnliche Wörterbuch“ hat nicht den Anspruch, jedes in der spanischen Sprache vorkommende Wort nachzuweisen.
Seitdem ist die Aufgabe, ein historisches Wörterbuch herauszubringen, eine immer wieder geforderte und bisher nicht vollendete Aufgabe der Akademie geblieben. Dieser soll die Geschichte jedes im Spanischen vorkommenden Wortes von seinem ersten Beleg bis zu seinem letzten Erscheinen dokumentieren. Die Akademie begann die Arbeit 1914 und veröffentlichte bis zum Bürgerkrieg zwei Bände 1933/36, die von A bis CE reichen.. Band 1: A, Band 2: B–Cevilla, Academia Española, Madrid 1933/1936. Die bereits fertig gedruckten Bücher verbrannten bei einem Bombenangriff im Herbst 1936. Nach dem Krieg wurde beschlossen, die Arbeit neu anzufangen und ein Wörterbuch herauszubringen, das selbst das Oxford English Dictionary übertreffen würde. Die Arbeit begann 1947, der erste Faszikel wurde 1960 herausgebracht, und in sehr langsamer Erscheinungsfolge erscheinen seitdem die weiteren Faszikel.. Real Academia Española, Madrid 1972 … Das historische Wörterbuch beruht auf einem Korpus von 52 Millionen Wörtern und soll bei seiner Fertigstellung 170.000 Einträge umfassen. Spanisch ist damit die einzige europäische Sprache von Weltrang, für die bisher kein historisches Wörterbuch vorliegt, das vergleichbar wäre mit dem für das Englische, mit dem Grimmschen Wörterbuch für das Deutsche, mit dem für das Französische. Le Robert, Paris 1992. oder auch mit dem Diccionari català-valencià-balear für das Katalanische.Antoni Ma. Alcover und Francesc de B. Moll: Diccionari català-valencià-balear. 10 Bände. Palma de Mallorca 1962–1968. Das einzige Konkurrenzunternehmen, das sich allerdings in der Wortauswahl beschränkt, ist der Diccionario de construcción y régimen de la lengua castellana des Kolumbianers Rufino José Cuervo.Rufino José Cuervo: Diccionario de construcción y régimen de la lengua castellana. Band 1: A–B. Paris 1886; Band 2: C–D. Paris 1893; alle 8 Bände: A–Z. Instituto Caro y Cuervo, Bogotá 1994.
1927 veröffentlichte die Akademie zusätzlich einen ,, 1927. in dem Wörter untergebracht wurden, die aus verschiedenen Gründen noch nicht für das Akademie-Wörterbuch in Frage kamen: sei es wegen ihrer fremdsprachlichen Herkunft oder, weil sie zu neu waren, um abschätzen zu können, ob sie sich im spanischen Wortschatz halten würden. Dieses mehr auf Normalverbraucher zugeschnittene Wörterbuch wurde zuletzt 1989 neu aufgelegt. Geplant ist für 2015 – nach dem Vorbild des Oxforder Wörterbuchs – ein Mikro-Wörterbuch mit 22.000 Einträgen.
Selbstverständnis: „reinigt, legt fest und verleiht Glanz“ rechts|160px|Wappen 1715 wurden die Statuten publiziert, ein Siegel, das einen Schmelztiegel im Feuer zeigt, sowie das Motto („reinigt, legt fest und verleiht Glanz“) bestimmt. Dieses Motto suggeriert, dass die Akademie nach französischem Vorbild ein normatives oder präskriptives Selbstverständnis vertritt, also vorschreiben will, was guter Sprachgebrauch ist. Der Sprachwissenschaftler Álvarez de Miranda hat jedoch darauf hingewiesen, dass die Akademie von Anfang an in der Praxis einen erstaunlich modernen, nämlich deskriptiven Zugang gewählt hat. Auf der Basis einer Textsammlung wurde erfasst, welche Wörter im Spanischen im Gebrauch waren, und diese wurden ins Wörterbuch aufgenommen. Auch wenn die Akademie insoweit Wertungen vornahm, als sie einzelne Wörter als „vulgär“ oder „niedrig“ bezeichnete (heute würde hier der Vermerk „umgangssprachlich“ stehen), wurden diese Wörter – anders als etwa in Frankreich üblich – aufgeführt, sodass sich die Benutzer selbst für oder gegen deren Verwendung entscheiden konnten.Álvarez de Miranda: Los diccionarios del español moderno. …, S. 31. Lediglich „unanständige“ Wörter (voces indecentes) und Eigennamen wurden nicht erfasst.Haensch: Spanische Lexikographie …, S. 1743.
Das Akademie-Wörterbuch ist beinahe 300 Jahre lang der Maßstab für Wörterbücher der spanischen Sprache geblieben. Im 18. Jahrhundert war das einzige Konkurrenzwerk der Diccionario castellano von Esteban Terreros,. 4 Bände. Gedruckt von der Witwe von Ibarra, Söhne und Kompagnie, Madrid 1786–1793. ein heikles Unterfangen, da die Verfasser Jesuiten waren, die 1773 aus Spanien ausgewiesen worden waren.Álvarez de Miranda: Los diccionarios del español moderno. …, S. 55–87. Im 19. Jahrhundert erschienen ausschließlich Bearbeitungen oder Raubdrucke des Akademie-Wörterbuchs, meist verbunden mit einem Vorwort, in dem die Akademie für ihre angeblich schlechte Arbeit beschimpft wurde. Bemerkenswert ist jedoch das Wörterbuch, das Vicente Salvá 1846 in Paris herausgab.. Paris 1846. Zwar ging auch er vom Akademie-Wörterbuch aus, das er jedoch sorgfältig überarbeitet und erweitert hatte. Sein Wörterbuch war vor allem für den amerikanischen Markt bestimmt.Álvarez de Miranda: Los diccionarios del español moderno. …, S. 89–118. Selbst María Moliner, die 1966/67 ein vielbeachtetes und -gerühmtes Wörterbuch herausbrachte,María Moliner: . 2 Bände. Gredos, Madrid 1966/67. hatte es noch auf der Grundlage des Akademie-Wörterbuchs erarbeitet. Erst 1999 erschien unabhängig von der Akademie ein großes spanisches Wörterbuch, der unter der Leitung von Manuel Seco,Manuel Seco, Olimpia Andrés und Gabino Ramos: . 2 Bände. Aguilar, Madrid 1999. das es in jeder Hinsicht mit dem Akademie-Wörterbuch aufnehmen konnte. Es war völlig neu auf der Grundlage eines Textkorpus erarbeitet worden, das zu 70 Prozent auf Zeitungen und Zeitschriften, zu 25 Prozent auf Büchern nicht nur belletristischer Art und zu 5 Prozent auf Katalogen, Broschüren, Prospekten etc. beruhte. Damit war zum ersten Mal ein deskriptives, mit Belegen arbeitendes Wörterbuch der spanischen Sprache verwirklicht, das im Ergebnis stark vom Akademie-Wörterbuch abweicht.Álvarez de Miranda: Los diccionarios del español moderno. …, S. 151–163. Ironischerweise ist der Verfasser des bisher ernsthaftesten Konkurrenzunternehmens zum Akademie-Wörterbuch, Manuel Seco, selbst Mitglied der Akademie.
Grammatik, Rechtschreibung und Quelleneditionen mini|hochkant|Titelblatt des ersten Regelwerks zur spanischen Rechtschreibung von 1741