Die Richard-Wagner-Straße ist eine Straße in der bayerischen Landeshauptstadt München. Benannt ist sie nach dem Komponisten Richard Wagner (1813–1883), der in den Jahren 1864/65 in unmittelbarer Nachbarschaft in der Brienner Straße 37 lebte.
Lage Die kurze Straße wurde 1897 im Zuge der planmäßigen Bebauung der Maxvorstadt angelegt und bildet Teil des großen rechtwinkligen Straßengevierts dieses Stadtteils. Sie führt von der Brienner Straße in nordöstlicher Richtung zur Gabelsbergerstraße. Etwa auf halber Höhe ist sie abgeknickt.
Geschichte Die Häuser der Straße wurden zwischen 1899 und 1906 meist nach Entwürfen des Architekten Leonhard Romeis (1854–1904) errichtet. Bei der Gestaltung zitierte er, ganz dem Zeitgeschmack des späten Historismus folgend, verschiedene Bauepochen, um den Eindruck einer gewachsenen Straße zu erwecken. Die reiche Gliederung der Häuser, die heute noch im Wesentlichen erhalten ist, schafft einen besonders malerischen, in sich geschlossenen Bereich, der als Ensemble unter DenkmalschutzRichard-Wagner-Straße beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege steht. Die elf noch erhaltenen historischen Häuser dieser Straße stehen außerdem als Einzelbaudenkmäler unter Denkmalschutz. Jüngeren Datums sind das Brienner Forum (ehemals die Hauptverwaltung des Energiekonzerns E.ON, jetzt Sitz der Hochschule für Politik München) sowie ein städtischer Kindergarten (Nr. 14) und ein Studentenwohnheim (Nr. 16).
Die Nähe zum Königsplatz machte die Straße zu einer Adresse des gehobenen Bürgertums. So lebte der Brauereibesitzer Joseph Schülein (1854–1938) bis zu seinem Umzug nach Gut Kaltenberg dort (Nr. 7). Sein Schwiegersohn, der jüdische Chirurg Alfred Haas, betrieb eine Privatklinik (Nr. 17 und 19). Der Herausgeber Fritz Gerlich (1883–1934) lebte bis zu seiner Inhaftierung und Ermordung im Haus Nr. 21.
Während der Zeit des Nationalsozialismus war ab 1940 die NS-Pferderennsportorganisation Kuratorium für das Braune Band von Deutschland im Haus Nr. 7 untergebracht. Im Haus Nr. 11 wurde ein so genanntes Judenhaus eingerichtet.
Mehrere Institutionen haben oder hatten ihren Sitz in der Straße, so die ehemalige Königliche Kunstgewerbeschule, heute Paläontologische Staatssammlung mit dem Paläontologischen Museum (Nr. 10), und die Isar-Amperwerke bzw. E.ON, heute Hochschule für Politik München.
Bauten Nr.FunktionerrichtetBeschreibungBild 1 2 Rückseite des Lenbachhauses 3 5 Mietshaus 1900 fünfgeschossiger Neurenaissancebau mit erhöhtem vorspringenden Treppenturm, von Leonhard Romeis 100pxweitere Bilder 7 Wohnhaus 1901/02 viergeschossiger neugotischer Bau mit getrepptem Ziergiebel, errichtet von Leonhard Romeis für Joseph Schülein 100pxweitere Bilder 9 Mietshaus 1901/02 dreigeschossiger Neurenaissancebau mit Reliefdekor und polygonalem Erkerturm, von Leonhard Romeis 100pxweitere Bilder 10 Bayerische Staatssammlung für Paläontologie und Geologie mit dem Paläontologischen Museum, ehemals Teil der Kunstgewerbeschule 1899/1902 repräsentativer, dreigeschossiger, weitgehend freistehender Neubarockblock mit Lichthof, Bauplastik und Freitreppe an der Südseite, von Leonhard Romeis; bauzeitliche Einfriedung 100pxweitere Bilder 11 Mietshaus 1900/01 viergeschossiger Neurenaissancebau mit Kastenerker und getrepptem Zwerchhausgiebel, von Leonhard Romeis 100pxweitere Bilder 13 Mietshaus 1905 viergeschossiger Neurenaissancebau mit Satteldach, Kastenerker und plastischem Dekor, von Fritz Seidlmair 100pxweitere Bilder 14 Städtische Kindertagesstätte„Friedrich Schiedel“ 15 Mietshaus 1903/04 viergeschossiger breit gelagerter Satteldachbau mit Zwerchgiebel und historistisch-tektonischer gestalteter Putzfelderfassade, von August Zeh, nach Kriegsschäden vereinfacht wiederhergestellt, 1997/98 Fassadenrekonstruktion 100pxweitere Bilder 16 Studentenwohnheim der Van-Calker-Stiftung 30 Studentenappartements und 3 Ehepaarwohnungen 17 Mietshaus 1910/11 viergeschossiger Jugendstilbau mit zwischen Dreiseiterker eingespannten Längsbalkonen mit aufwändigen Metallgittern, von Franz Rank 100pxweitere Bilder 18 Mietshaus 1899/1900 viergeschossiger, weitgehend freistehender Eckbau des Historismus mit turmartigen Ecktausbildungen, von Leonhard Romeis 100pxweitere Bilder 19 Wohnhaus, ehemalige Privatklinik Dr. Haas 1910/11 viergeschossiger Jugendstilbau mit rustizierendem Erdgeschoss und darüber einem von zwei Dreiseiterkern eingespannten Längsbalkon, von Max Neumann, Fassade vereinfacht 100pxweitere Bilder 27 Mietshaus um 1900 viergeschossiger historistischer Eckbau mit mittigem Kastenerker und seitlichen Balkonen; Gedenktafel für Fritz Gerlich, der in diesem Haus wohnteHelga Pfoertner: Mit der Geschichte leben. Bd. 1, Literareron, München 2001, ISBN 3-89675-859-4, S. 144–145 () 100pxweitere Bilder
Literatur
Weblinks
Richard-Wagner-Straße im KulturGeschichtsPfad Maxvorstadt bei muenchen.de
Einzelnachweise
Kategorie:Innerortsstraße in München Kategorie:Denkmalgeschütztes Ensemble in München
Kategorie:Baudenkmal in der Maxvorstadt Kategorie:Bauwerk in der Maxvorstadt Kategorie:Richard Wagner als Namensgeber Kategorie:Straße in Europa