mini|Michael Güttler (2023) Michael Güttler (* 1966 in Steinheidel-Erlabrunn) ist ein deutscher Dirigent. Er war von 1998 bis 2002 Chefdirigent am Stadttheater Klagenfurt, von 2003 bis 2017 regelmäßiger Gastdirigent am Mariinski-Theater in Sankt Petersburg und von 2013 bis 2016 Chefdirigent der Finnischen Nationaloper in Helsinki. Ab 2010 dirigierte er regelmäßig an der Wiener Staatsoper. Weitere Engagements führten ihn unter anderem an die Opéra national de Paris, die Mailänder Scala, das Teatro Real in Madrid, die Washington National Opera, das New National Theatre Tokyo, das Teatro La Fenice in Venedig und zum Glyndebourne Festival.
Leben und Wirken Ausbildung und frühe Laufbahn Michael Güttler wuchs in Wachwitz, einem Stadtteil von Dresden, auf. Er besuchte die Dresdner Kreuzschule und studierte an der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden. Sebastian Thomas: Am Ende spielt seine Familie die erste Geige. In: Stadtanzeiger Ortenau vom 25. Januar 2019. Abgerufen am 17. April 2026. Seine musikalische Ausbildung umfasste Violine, Trompete, Klavier sowie Chor- und Orchesterdirigieren. Anschließend wurde er in das Förderprogramm Dirigentenforum des Deutschen Musikrates aufgenommen. Zu seinen Lehrern und prägenden Kursleitern gehörte unter anderem Siegfried Kurz; darüber hinaus nahm er an Meisterkursen bei Dirigenten wie Leonard Bernstein, Sergiu Celibidache, Ilja Musin und Valery Gergiev teil.Michael Guttler. Israel Philharmonic Orchestra Archives. Abgerufen am 22. September 2026
In den 1990er Jahren gewann Güttler mehrere Dirigierwettbewerbe, darunter „Conduct for Dance“ in London und das Internationale Dirigentenforum in Hamm 1993, den Wettbewerb der Bottega in Treviso 1994 sowie 1996 den Wettbewerb der Europäischen Gemeinschaft „Franco Capuana“ in Spoleto.
Musikalischer Leiter und regelmäßiger Gastdirigent Nach seinen Wettbewerbserfolgen begann Güttler seine internationale Tätigkeit in Italien. Ab der Spielzeit 1994/95 arbeitete er wiederholt mit dem Teatro di San Carlo in Neapel zusammen. Zu seinen dortigen frühen Arbeiten gehörte Giacomo Trittos Il convitato di pietra. 1996 wirkte er an dem Musiktheaterprojekt Lo Cunto de li cunti mit. 1997 entstand unter seiner Leitung eine Orchesteraufnahme zu Pinocchio. 1998 dirigierte er am San Carlo sieben Vorstellungen von Franz Lehárs Operette Eva. Seine Verbindung zu dem Haus setzte sich auch in späteren Jahren fort; dazu gehörten unter anderem Rossinis Petite Messe solennelle sowie Galakonzerte mit Mariella Devia. Eine langjährige Zusammenarbeit verband ihn außerdem mit dem neapolitanischen „Allroundgenie“ Roberto De Simone.
Von 1998 bis zu seiner fristlosen Entlassung im Mai 2002 durch Intendant Dietmar Pflegerl, welcher Güttlers öffentliche Bemerkung, er habe das „kriminelle Potenzial“ am Stadttheater unterschätzt, auf sich selbst bezog, war er Chefdirigent am Stadttheater Klagenfurt, wo er das Orchester vergrößerte, und zum damaligen Zeitpunkt der jüngste Chefdirigent Österreichs war.Anton Cupak: MICHAEL GÜTTLER: Sprachen sind für einen Dirigenten wichtig. Online Merker vom 13. September 2017. Abgerufen am 16. April 2026."Dirigentenstreit" in Klagenfurt nimmt kein Ende auf www.derstandard.at, abgerufen am 22. Mai 2023
Nach seinem Einspringen für den erkrankten Valery Gergiev am Mariinski-Theater in Sankt Petersburg war Güttler von 2003 bis 2017 an diesem Theater ständiger Gastdirigent. Am Mariinski-Theater dirigierte er ein breites italienisches und deutsches Repertoire, unter anderem mehrere komplette Ring-Zyklen und die Wagner-Opern Tristan und Isolde, Lohengrin und Der fliegende Holländer. Er leitete am Mariinski-Theater außerdem Opern von Wolfgang Amadeus Mozart und Richard Strauss sowie verschiedene Konzertprogramme. Er wurde mehrfach für den russischen Theaterpreis „Goldene Maske“ als bester Dirigent nominiert.
Von 2005 bis 2007 war Güttler Generalmusikdirektor am Opernhaus in Jekaterinburg. Später leitete er dort Neuproduktionen von Boris Godunow (2012), Der fliegende Holländer (2013) und Carmen (2015). Für alle drei Produktionen wurde Güttler für den russischen Theaterpreis „Goldene Maske“ in der Kategorie „Beste Arbeit eines Dirigenten in der Oper“ nominiert. Der fliegende Holländer wurde in deutscher Sprache mit russischen Übertiteln aufgeführt; die Produktion erhielt außerdem den Theaterpreis der Oblast Swerdlowsk „Bravo!“ als beste Musiktheaterproduktion, Güttler die Auszeichnung als bester Dirigent.
Ab 2010 war Michael Güttler regelmäßiger Gastdirigent an der Wiener Staatsoper, wo er im November 2010 mit dem Dirigat der Oper Rigoletto von Giuseppe Verdi debütierte. Er dirigierte in den folgenden Jahren im Haus am Ring diverse Repertoirevorstellungen. Hinzu kamen Dirigate bei mehreren Aufführungen der Zauberflöte für Kinder. Für die Saison 2019/20 war Güttler an der Wiener Staatsoper für eine Aufführungsserie von Don Giovanni verpflichtet, die wegen der COVID-19-Pandemie in Österreich jedoch nicht stattfinden konnte. Im Mai 2022 leitete er dort die Wiederaufnahme von Boris Godunow.
Von 2013 bis 2016 war Güttler Chefdirigent der Finnischen Nationaloper in Helsinki. Zu dem von ihm dort dirigierten Opernrepertoire gehörten Boris Godunow, Pelléas et Mélisande, Die Meistersinger von Nürnberg, Aida und Don Carlos, Die Zauberflöte, La Bohème, Der Rosenkavalier und Die Nase. Darüber hinaus leitete er Orchester- und Chorkonzerte der Nationaloper.
Gastspiele und Debüts Als Gastdirigent trat Güttler an der Opéra National de Paris, an der Washington National Opera, am New National Theatre Tokyo und am Teatro Real de Madrid auf. Einen großen Erfolg hatte er im Mai 2007, als er kurzfristig an der Bastille-Oper mit Lohengrin (u. a. mit Waltraud Meier und Ben Heppner) einsprang.Pariser Oper: Dramatische Romanze aus Japan und ein Korb aus Russland in: Die Presse vom 29. Mai 2007 Er dirigierte außerdem an der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf, an der Hamburgischen Staatsoper, am Théâtre des Champs-Élysées und am Teatro Nacional de São Carlos Lissabon. Er leitete als Gastdirigent unter anderem das Israel Philharmonic Orchestra, das Orchestre de Paris, die Moskauer Philharmonie, die Russische Nationalphilharmonie und das Schwedische Radio-Sinfonieorchester.
Im Sommer 2015 leitete er die Neuproduktion der Oper Tosca bei den Opernfestspielen St. Margarethen.Gerald Heidegger: Tosca sucht den Blitzableiter. Aufführungskritik auf ORF.at vom 10. Juli 2015. Abgerufen am 16. April 2026. Im Sommer 2016 dirigierte er beim Glyndebourne Festival Richard Wagners Oper Die Meistersinger von Nürnberg.Helmut Pitsch: Tradition und schöne Bilder dominieren. Aufführungskritik. Abgerufen am 16. April 2026.
2019 debütierte er bei den Tiroler Festspielen in Erl mit Dirigaten der Opern Parsifal und Guillaume Tell. Im Dezember 2019 leitete er das erste Gastspiel der Wiener Staatsoper in der Schweiz mit einer Aufführung von Don Giovanni in der Genfer Victoria-Hall.Rocco Zacheo: Le Staatsoper de Vienne a enchanté avec un «Don Giovanni» lumineux. In: Tribune de Genève vom 14. Dezember 2019. Abgerufen am 16. April 2026.
Am Hessischen Staatstheater Wiesbaden dirigierte er in der Spielzeit 2022/23 die Opernproduktionen Tristan und Isolde, Pique Dame, Nabucco und Konzertprojekte. In der Spielzeit 2023/24 war er dort musikalischer Leiter von drei vollständigen Zyklen von Wagners Der Ring des Nibelungen, der Neuproduktion von Lohengrin sowie der Wiederaufnahme von Schostakowitschs Lady Macbeth von Mzensk.„Letzte Werke“ wird sich wie ein roter Faden durch die Sparten in der neuen Spielzeit 2023/2024 am Hessischen Staatstheater Wiesbaden ziehen. In: Rhein-Main.Eurokunst. Abgerufen am 8. September 2026. Im Januar 2023 debütierte er mit Salome an der Mailänder Scala.Salome. Besetzung und Prioduktionsdetails. Abgerufen am 16. April 2026. Im Juni 2025 übernahm Güttler an der Wiener Staatsoper kurzfristig das Dirigat für eine Vorstellung der Oper Pique Dame mit Anna Netrebko als Lisa, Yusif Eyvazov als Hermann, Alexey Markov als Tomski und Boris Pinkhasovich als Jeletzki.Pique Dame. Vorstellungsarchiv der Wiener Staatsoper. Abgerufen am 29. Juni 2025. Im Juni 2025 dirigierte er eine Aufführungsserie der Oper Tannhäuser in Budapest.Wagner: Tannhäuser. Abgerufen am 17. April 2026 Im Dezember 2025 leitete er im Tschaikowsky-Konzertsaal in Moskau eine konzertante Lohengrin-Aufführung, die ausschließlich mit russischen Sängern besetzt war.Norman Lebrecht: German conductor earns $35,000 in Moscow gold. Abgerufen am 17. April 2026.
Im Oktober 2026 gibt er mit der Wiedereröffnung des Ian Potter State Theatre in Melbourne sein Australiendebüt.The Wagner Gala Concert. Abgerufen am 9. September 2026.
Privates Güttlers Vater ist der Trompeter Ludwig Güttler. Michael Güttler ist verheiratet und Vater von drei Kindern.
Weblinks
Michael Güttler – Vita bei der Wiener Staatsoper
www.badische-zeitung.de
Einzelnachweise
Kategorie:Dirigent Kategorie:Musiker (Deutschland) Kategorie:Deutscher Kategorie:DDR-Bürger Kategorie:Geboren 1966 Kategorie:Mann