Eishockey wird in München sicher seit 1909 gespielt, wobei die Sportart schon 1900 bekannt war. München gehört damit zu den Pionierstädten des Eishockeys in Deutschland. Sieben Mal wurden Mannschaften aus München Deutscher Meister: 1922 der MTV 1879 München, 1994 der EC Hedos München, 2000 die München Barons und 2016, 2017, 2018 und 2023 der EHC Red Bull München. Letztere spielen derzeit in der höchsten Spielklasse DEL.
Geschichte Anfänge Die ersten Eishockeymannschaften entstehen kurz nach Jahrhundertwende: 1900 wird beim MTV 1879 München im Rahmen der Gründung des Sportverbandes, aus dem sich später die Abteilungen entwickeln, die Sportart Eishockey im Verein aufgenommen. Auch bei der MTV-Abspaltung FC Bayern München wird im Januar 1901 Eishockey eingeführt. https://digipress.digitale-sammlungen.de/view/bsb00085648_00185_u001/10
Beim MEV 1883 München ist das erste Spiel nach kanadischen Eishockeyregeln 1909 bekannt. Dabei besiegte der MEV eine Mannschaft namens Innsbrucker EV mit 15:6Münchner Merkur vom 5. Januar 2009 "Damals" in der sogenannten Eisarena.
Neben der Mannschaft des MEV existierte 1909 auch die anfangs hauptsächlich noch das Eishockey nach englischen Regeln spielende Mannschaft des Münchner Sportclub, die im Sommer auch Feldhockey spielte und bei der Hanns Braun mitspielte.Österreichischen Nationalbibliothek Anno Historische Österreichische Zeitungen und Zeitschriften Allgemeine Sport-Zeitung: Ausgaben 1909 und 1910 Innsbrucker Nachrichten: Ausgaben 1909 1909 spielte die Mannschaft des MSC ebenfalls gegen den Innsbrucker EV in Innsbruck und in München und im Januar 1910 u. a. in Kitzbühel gegen den Leipziger Sportclub und in St. Moritz gegen eine englische Mannschaft. Bereits in der Saison 1911/12 wurde eine Münchner Eishockeymeisterschaft ausgetragen, die die Mannschaft des TSV Jahn München gewann.Österreichische Nationalbibliothek-Anno, Allgemeine Sport-Zeitung vom 7. April 1912 Während die erste deutsche Meisterschaft 1912 nur zwischen zwei Berliner Mannschaften ausgespielt wurde, nahmen an der Deutschen Meisterschaft 1913 vier Vereine aus München an der süddeutschen Vorrunde teil; neben dem MTV und dem MEV der Münchner SC und der SC Monachia München. Die Spiele fanden parallel zur in München ausgetragenen 2. Europameisterschaft statt. Der MTV gewann die Ausscheidung und wurde schließlich Vizemeister. Dies konnte der Verein 1914 wiederholen.
Gespielt wurde zum Teil auf Natureis auf dem Kleinhesseloher See. 1913 war München Spielort der vierten Eishockey-Europameisterschaft in der Unsöldschen Kunsteisbahn. Sie war benannt nach Johann Felix Unsöld (1852–1931), Ingenieur und Erfinder der Roheiserzeugung. Er errichtete 1892/93Süddeutsche Zeitung Druckausgabe 14. Februar 1992 "Beliebter Treffpunkt Schachterleis" eingesehen über den Benutzerzugang der Bayerischen Staatsbibliothek am 23. August 2020 die erste künstliche Halleneisbahn Deutschlands. Die Eishalle war durch eine aufwändige Glasdachkonstruktion zwischen Wohnhäusern überdacht. Er wollte damit die Maschinen seiner Eisfabrik auch im Winter auslasten. Sie befand sich in der Galeriestraße auf dem Grundstück der heutigen Hausnummer 10 der Unsöldstraße. Die Eisbahn erhielt bald nach ihrer Fertigstellung im Volksmund den Kosenamen Schachterleis (Schachterl = bayerische Verkleinerungsform für winzige Schachtel). Das Turnier wurde vom 25. bis 27. Januar 1913 unter Beteiligung von vier Mannschaften ausgespielt: Belgien, welches das Turnier gewann, Böhmen, Österreich, und Deutschland.Stadtchronik 1960, muenchen.de. Abgerufen am 15. November 2019.
Zwischen den Weltkriegen Nach dem Ersten Weltkrieg gab es zuerst wieder beim MTV 1879 München und beim MEV 1883 München einen geregelten Spielbetrieb. Die erste deutsche Meisterschaft nach dem Krieg fand am 21. und 2. Februar 1920 in München statt. Der MTV erreichte dabei den zweiten Platz bei drei Teilnehmern. Auch 1921 erreichte man den Vizemeistertitel, bevor 1922 die große Überraschung gelang: Der MTV München konnte erstmals den Berliner Schlittschuhclub besiegen, der bisher alle fünf Meisterschaften gewinnen konnte und wurde damit Deutscher Meister. 1923 konnte man den Erfolg nicht wiederholen, nachdem das Meisterschaftsturnier in Garmisch abgebrochen wurde und der MTV nicht zum Wiederholungstermin in Berlin antrat.
Im Dezember 1923 gründete sich in Garmisch die Eishockeyabteilung des SC Riessersee, zu welcher viele Spieler des MTV und des MEV übertraten. Die Eishockeyabteilung des MTV musste 1924 sogar aufgelöst werden. An den deutschen Meisterschaften nahm aus München nur noch der Münchener EV teil, wobei man 1925 und 1932 jeweils den dritten Platz bei allerdings nur drei Teilnehmern erreichte. 1926digiPress: AZ am Morgen (Allgemeine Zeitung), 11. März 1926 der Bayerischen Staatsbibliothek und 1932 wurde die Mannschaft des Münchner EV Bayerischer Meister. Daneben gab es jedoch auch niederklassigen Spielbetrieb in der sogenannten Bayerischen B-Meisterschaft, namentlich bekannte Teilnehmer sind der Bayerische Sportklub München, Wacker München und der Meister von 1935 Rollerclub München. 1925 begann auch die Hockeyabteilung des TSV 1860 München eine Eishockeymannschaft zu bilden, die bereits Freundschaftsspiele durchführtedigiPress: Allgemeine Zeitung, 18. Januar 1925 der Bayerischen Staatsbibliothek, während die Hockeyabteilung von TS Jahn München auf dem Eisplatz am Luitpoldpark das Training in der Sportart Eishockey aufnahm.digipress: AZ am Morgen (Allgemeine Zeitung), 19. Dezember 1925 der Bayerischen Staatsbibliothek
1924 nahm die eigentlich bereits vom MTV zum SC Riessersee gewechselte Mannschaft am Spengler Cup teil, wobei die Teilnahme von deutschen Mannschaften eigentlich untersagt war90. Spengler Cup Davos – Jahrbuch 2016 (20-er Jahre), Seite 12. In: yumpu.com. 26. Dezember 2015 und die Mannschaft des MTV – auch als Riessersee bezeichnet – dem HC Davos mit 2:6 in der Vorrunde unterlag. 1934 wurde die Mannschaft des MEV zum Spengler Cup eingeladen, bei dem sie gegen die Mannschaft der Oxford University Blues mit 0:4 und gegen den Grasshopper Club Zürich ebenfalls mit 0:4 unterlag.
SC München Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es zuerst Mannschaften beim Münchner EV und beim Verein Schlittschuh München (SC München)Sport-Kurier Ausgaben 1948 bis 1952. Bereits in der Saison 1946/47 beteiligte man sich an der Bayerischen Meisterschaft. In der Saison 1948/49 wurde die Mannschaft des SC München Vizemeister der Landesliga Bayern an. Bei den Qualifikationsspielen zur Oberliga 1949/50 scheiterte der SC im Finale der Gruppe Nord am Krefelder EV, nachdem man zuvor die Mannschaft der EG Eichkamp Berlin besiegt hatte. Bis zur Saison 1951/52 nahm die Mannschaft des SC München an der Landesliga Bayern teil und erreichte dabei 1950/51 nochmals die Spiele um die Bayerische Meisterschaft der Landesliga, wo sie der Mannschaft des EV Rosenheim unterlag. In der 1950/51 nahm eine 2. Mannschaft des SC München an der Kreisliga teil. Die Eishockeymannschaft des SCM fusionierte im Herbst 1952 mit der des MEV von 1883. Seit der Saison 1952/53 ist der Verein nicht mehr als Eissporttreibender Verein im DEV aufgeführtDeutscher Eislaufverband, Jahrbuch 1952/53, eingesehen in Staatsbibliothek München am 13. Mai 2014.
Münchener EV von 1883
Auch nach dem Zweiten Weltkrieg setzte die Eishockeyabteilung des MEV von 1883 ihren schon vorher erfolgreichen Spielbetrieb fort. Bereits in der Saison 1946/47 beteiligte man sich an der Bayerischen Meisterschaft. In der Saison 1948/49 trat der MEV in der Kreisliga Bayern. Anfangs nur eine von mehreren Münchener Mannschaften, schaffte man als einzige den Aufstieg in höhere Spielklassen. 1963 wurde man Bayerischer Landesligameister und stieg in die Gruppenliga auf, wo sofort der Durchmarsch in die zweitklassige Oberliga gelang. Dort konnte man sich drei Jahre halten. Nachdem Verhandlungen über ein Anschluss des kompletten Münchener EV an den FC Bayern München im Sommer 1965 scheitertenSport-Kurier Ausgabe 1965, schloss sich die Eishockeyabteilung am 7. Januar 1966, während der laufenden Oberligasaison dem FC Bayern an und spielte die Saison unter dem neuen Namen zu EndeSport-Kurier Ausgabe 1966.
FC Bayern München Eishockey
150px|miniatur|Logo des FC Bayern München Zwischen dem 7. Januar 1966 und bis zur Auflösung im Sommer 1969 war die Eishockeyabteilung des MEV beim FC Bayern München angesiedelt. Ihre erste Mannschaft nahm 1967/68 und 1968/69 an der Eishockey-Bundesliga teil. Nach Ende der Saison 1968/69 löste Bayern-Präsident Wilhelm Neudecker die Eishockeyabteilung und verkaufte Mannschaft und Ausrüstung an den Augsburger EV.
Nach Auflösung der FC Bayern Eishockeyabteilung wurde beim MEV eine neue Abteilung gegründet. Nach Teilnahme 1971/72 in der BayernligaSport-Kurier Ausgabe 1971 und 1972 wurde bereits 1972 der Aufstieg in die drittklassige Regionalliga erreicht. 1973 rückte man auf Grund der Gründung der 2. Bundesliga in die Oberliga auf. Dort spielte man drei Jahre, blieb aber jeweils hinter dem neuen Lokalrivalen EHC 70 München. Im September 1976 schließlich fusionierte die Eishockeyabteilung des MEV mit dem EHC 70Sport-Kurier Ausgabe 1976.
EHC 70 München miniatur|150px|Logo des EHC 70 München
Der EHC 70 München wurde 1970 von Johann Beinhölzl, Bruno Lettl und Cornexel gegründet. 1973 stieg er in die Oberliga Süd auf und spielte dort drei Jahre. Im September 1976 fusionierte die Eishockeyabteilung des Münchener EV von 1883 mit dem EHC 70 und die Mannschaft stieg durch eine Aufstockung der Liga in die 2. Bundesliga auf. In der Mannschaft spielten viele ehemalige Spieler des FC Bayern. Später entwickelte sich eine Kooperation mit dem Kölner EC. 1978 wurde die erste Mannschaft in die Münchner Eishockey GmbH Blue Lions ausgelagert, an der unter anderem der KEC-Praesident Jochem Erlemann beteiligt war.
1980 stieg der EHC 70 in die Bundesliga auf. Die Bundesliga-Saison 1980/81 beendete man jedoch auf dem vorletzten Platz und stieg umgehend wieder ab. In der Saison 1981/82 spielte man vorne mit, auf Grund finanzieller Schwierigkeiten der Spielbetriebs-KG wurde die Mannschaft jedoch vor der Relegationsrunde mit der Bundesliga vom Spielbetrieb abgemeldet. In der Folge ging auch der Verein 1982 in Konkurs, nachdem 1982/83 noch die Fortsetzung des Spielbetriebs in der Landesliga Bayern versucht wurde.Sport-Kurier Ausgabe 1982
Ein Teil des Nachwuchses des EHC gründete im Frühjahr 1982 den Schlittschuhclub München. Dieser bestand nur bis 1984. Der Nachwuchs schloss sich dann dem EC Hedos München an, während die erste Mannschaft die Eishockeyabteilung des Universitäts-Sportclub München wurde, welche bis 2004 am Ligenspielbetrieb teilnahm.
EC Hedos München miniatur|150px|Logo des EC Hedos München
Der EC Hedos München wurde im Dezember 1982 vom ehemaligen Präsidenten des EHC 70, Horst Franke gegründet – durfte aber in der Saison 1982/83 nicht am Spielbetrieb teilnehmen. Mit der Saison 1983/84 nahm der Verein seinen Spielbetrieb auf. In den ersten vier Spielzeiten gelang jeweils direkt der Aufstieg, so dass man sich in kürzester Zeit von der Landesliga in die 2. Bundesliga hocharbeitete. Für die erste Zweitligasaison 1987/88 bildete man die Mannschaft stark um, verpasste schließlich jedoch den Aufstieg. In der folgenden Saison gelang jedoch knapp der Aufstieg.
Von 1989 bis 1994 spielte der EC Hedos in der Bundesliga. In den ersten drei Jahren hatte die Mannschaft keinen großen Erfolg, so dass 1992 kräftig in die Mannschaft investiert wurde. Nach dem vierten Platz 1992/93 wurde erneut investiert, so dass man 1993/94 die zweite deutsche Meisterschaft nach München holen konnte.