mini|Philipp Albrecht mit seiner zweiten Frau Rosa sowie der Tochter Marie Christine am Tag der Hochzeit, 1928 mini|Philipp Albrecht von Württemberg (als erster von rechts) mit seinen Geschwistern im Jahre 1903 Georg Philipp Albrecht Carl Maria Joseph Ludwig Hubertus Stanislaus Leopold Herzog von Württemberg (* 14. November 1893 in Stuttgart; † 15. April 1975 in Ravensburg) war von 1939 bis zu seinem Tod Chef des Hauses Württemberg.
Leben Philipp war der älteste Sohn des Herzogs Albrecht von Württemberg und seiner Frau, der Erzherzogin Margarete Sophie von Österreich. Philipp Albrecht besuchte das Stuttgarter Eberhard-Ludwigs-Gymnasium und studierte zwei Semester Rechtswissenschaften in Tübingen, bevor er 1912 als Leutnant in das Grenadier-Regiment „Königin Olga“ (1. Württembergisches) Nr. 119 eintrat.
Im Ersten Weltkrieg kämpfte er im Dragoner-Regiment „König“ (2. württembergisches) Nr. 26 an der Ost- und Westfront sowie in Serbien. Für sein Wirken erhielt Philipp Albrecht neben beiden Klassen des Eisernen Kreuzes am 21. Mai 1915 das Ritterkreuz des Militärverdienstordens. Er avancierte bis Ende August 1917 zum MajorKöniglich Württembergisches Militär-Verordnungsblatt. Nr. 37 vom 26. August 1917, S. 301. und schied nach der Novemberrevolution 1918 aus dem aktiven Militärdienst aus. An die Universität Tübingen zurückgekehrt, beendete er sein Studium im Jahr 1925 mit der Promotion zum Dr. iur. Dem Thronverzicht des Königs Wilhelm II. von Württemberg vom 30. November 1918 schloss er sich ebenso wenig wie sein Vater an. Da er als künftiger Thronfolger erzogen worden war, blieb er zeitlebens ein überzeugter Monarchist.
Zeit des Nationalsozialismus Da er das NS-Regime ablehnte und im November 1933 den Wahlen ferngeblieben war, zog er sich die Feindschaft der NS-Machthaber zu. Sein Bruder Carl Alexander, der als „Pater Odo“ Benediktinermönch geworden war, musste noch 1933 aus Furcht vor Repressalien Deutschland verlassen, emigrierte 1940 in die USA und engagierte sich dort in verschiedenen karitativen Organisationen. Auch um die Rettung von verfolgten Juden machte sich Pater Odo verdient.Eberhard Fritz: Das Haus Württemberg und der Nationalsozialismus. Motive des Widerstands gegen Hitler und seine Bewegung. In: Christopher Dowe (Hg.): Adel und Nationalsozialismus im deutschen Südwesten. (Stuttgarter Symposion, Band 11), Stuttgart 2007, S. 142.
Als sich Philipp Albrecht 1934 weigerte, an seinem Wohnhaus, dem damaligen Kronprinzenpalais Stuttgart, die Hakenkreuz-Fahne zu hissen, wurde er gezwungen, mit seiner Familie Stuttgart zu verlassen.Eberhard Fritz: Das Haus Württemberg und der Nationalsozialismus. Motive des Widerstands gegen Hitler und seine Bewegung. In: Christopher Dowe (Hg.): Adel und Nationalsozialismus im deutschen Südwesten. (Stuttgarter Symposion, Band 11), Stuttgart 2007, S. 139. Im Zufluchtsort Altshausen übernahm er, der seit dem Tode seines Vaters im Jahre 1939 Chef des Hauses Württemberg war, die Verwaltung des umfangreichen Grundbesitzes seiner Familie und des Wirtschaftsunternehmens Hofkammer des Hauses Württemberg.
Aufgrund seiner stringenten Haltung zum Nationalsozialismus und seiner anhaltenden monarchistischen Einstellung wurde Philipp auch für eine mögliche Rolle nach einem Sturz Hitlers vorgesehen. Die anfänglichen Umsturzpläne der Gruppe um Carl Friedrich Goerdeler sahen noch Pläne zur Einschränkungen Hitlers Macht und eine Neugestaltung des Staates ohne ein Attentat vor, weshalb der Widerstandskämpfer und Verbindungsmann Friedrich von Rabenau Philipp bzgl. der Übernahme einer späteren führenden Rolle in Deutschland ansprach.W. Vorberg: Friedrich von Rabenau. Eine Lebensschilderung. Maschinenschriftliches Manuskript, In: Bundesarchiv. N 62/3, S. 45.
Nachkriegszeit Im Nachkriegsdeutschland wurde ihm in Württemberg wieder hohes Ansehen entgegengebracht.Das Haus Württemberg. Ein biographisches Lexikon. Kohlhammer 1997, ISBN 3-17-013605-4, S. 420. 1965 stiftete Philipp Albrecht das Feldzeichen des Landesverbandes der Bürgerwehren und Stadtgarden Württemberg-Hohenzollern. Zudem war er sozial sehr engagiert.
Nach seinem Tod wurde er in der Familiengruft in Altshausen beigesetzt. Wegen des Verzichts seines ältesten Sohnes Ludwig (1930–2019„Ludwig Herzog von Württemberg gestorben“, SWR vom 23. Oktober 2019.) auf seine Zugehörigkeit zum Haus in den Jahren 1959 und 1960 folgte ihm 1975 sein jüngerer Sohn Carl als Chef des Hauses Württemberg.
Familie 1923 heiratete Philipp Albrecht in Altshausen Helene von Österreich. Sie starb bereits im folgenden Jahr an den Folgen der Geburt ihrer einzigen Tochter: Marie Christine (* 1924) ⚭ 23. September 1948 Prinz Georg Hartmann von und zu Liechtenstein (1911–1988).
1928 heiratete er in Friedrichshafen Rosa von Österreich, die Schwester seiner verstorbenen ersten Frau.Das Haus Württemberg. Ein biographisches Lexikon. Kohlhammer 1997, ISBN 3-17-013605-4, S. 421. Aus dieser zweiten Ehe entstammen zwei Söhne und vier Töchter: Helene (1929–2021) ⚭ 22. August 1961 Federico Pallavicini Ludwig (1930–2019) ⚭ 16. Februar 1960 Adelheid Freiin von und zu Bodman, ⚭ 14. August 1972 Angelika Kiessig, verzichtete am 29. Juni 1959 für sich und seine Nachkommen auf etwaige Thronrechte und Mitgliedschaft zum ehemals königlichen Haus Württemberg Elisabeth (1933–2022) ⚭ 18. Juli 1958 Antoine von Bourbon-Sizilien (1929–2019) Marie Therese (* 1934) ⚭ 5. Juli 1957 Henri d’Orléans, geschieden 1984, seit der Scheidung wird sie in ihren Kreisen „Herzogin von Montpensier“ genannt Carl Herzog von Württemberg (1936–2022) ⚭ 21. Juli 1960 Diane d’Orléans Marie Antoinette (1937–2004).
Ehrungen 1963 Verleihung des Piusordens 1. Klasse Ehrenbürger von Altshausen Ehrenmitglied des Vereins für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung (1968)Harald Derschka: Der Verein für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung. Ein Rückblick auf einhundertfünfzig Jahre Vereinsgeschichte 1868–2018. In: Schriften des Vereins für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung. 136, 2018, S. 1–303, hier: S. 177, S. 229. Ehrenmitglied des Schwäbischen Heimatbundes (1964)https://schwaebischer-heimatbund.de/ueber-den-shb/verstorbene-ehrenmitglieder/ (abgerufen am 10. Dezember 2024) Herzog-Philipp-Verbandsschule in Altshausen
Literatur Eberhard Fritz: Claus Schenk Graf von Stauffenberg und die Herzöge von Württemberg. Überlegungen zu den Motiven des Attentats vom 20. Juli 1944. In: Zeitschrift für Hohenzollerische Geschichte 47. 48/2012, S. 225–261. Eberhard Fritz: Das Haus Württemberg und der Nationalsozialismus. Motive des Widerstands gegen Hitler und seine Bewegung. In: Christopher Dowe (Hg.): Adel und Nationalsozialismus im deutschen Südwesten. (Stuttgarter Symposion, Band 11), Stuttgart 2007, S. 132–162. Max Messerschmid: Nachruf. In: Schriften des Vereins für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung. 94. Jg. 1976, S. V. (Digitalisat) Sönke Lorenz, Dieter Mertens, Volker Press (Hrsg.): Das Haus Württemberg. Ein biographisches Lexikon. Kohlhammer 1997, ISBN 3-17-013605-4, S. 419 f.
Weblinks
Beitrag in der SWR Mediathek zum 70. Geburtstag von Philipp Herzog von Württemberg, Abendschau vom 15. November 1963
Einzelnachweise
Kategorie:Mitglied der Württembergischen Kammer der Standesherren Kategorie:Major (Württemberg) Kategorie:Person im Ersten Weltkrieg (Deutsches Reich) Kategorie:Träger des Ordens der Württembergischen Krone (Großkreuz) Kategorie:Träger des Friedrichs-Ordens (Großkreuz) Kategorie:Träger des Württembergischen Militärverdienstordens (Ritter) Kategorie:Träger des Hubertusordens Kategorie:Ritter des Ordens vom Goldenen Vlies (Österreich, 20. Jahrhundert) Kategorie:Träger des k.u. Sankt Stephans-Ordens (Großkreuz) Kategorie:Träger des Eisernen Kreuzes I. Klasse Kategorie:Ehrenbürger im Landkreis Ravensburg Kategorie:Ehrensenator der Universität Hohenheim Philipp Albrecht Philipp Albrecht Philipp Albrecht #Wurttemberg Kategorie:Albrecht Herzog von Württemberg Kategorie:Württemberger Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1893 Kategorie:Gestorben 1975 Kategorie:Mann