mini|Skizze verdeutlicht beispielhaft die Lage einer Stammstrecke zwischen Station A und Station B in einem Verkehrssystem.
Eine Stammstrecke ist in einem Verkehrssystem ein von mehreren oder allen Linien eines Netzes gemeinsam befahrener Abschnitt mit mindestens zwei Haltestellen. Meist befindet sich dieser Korridor in zentraler Lage, zum Beispiel in der Innenstadt einer Großstadt. An einem oder beiden Enden der Stammstrecke verzweigen sich die Linien in verschiedene Richtungen, meist in die Stadtteile und Vororte einer Agglomeration. Historisch beschreibt der Begriff „Stammstrecke“ die erstgebaute Eisenbahnstrecke eines Eisenbahnunternehmens.
Bedeutung Im öffentlichen Personennahverkehrs-System ist die Stammstrecke ein von mehreren oder allen Linien eines Netzes gemeinsam befahrener Abschnitt mit mindestens zwei Haltestellen.
Stammt der Begriff ursprünglich aus der Eisenbahn, so findet er teilweise – mindestens im Marketing – heute auch Anwendung bei reinen Busbetrieben. Insbesondere wenn die Stammstrecke tariflich (z. B. Kurzstreckentarif oder kostenlose Beförderung auf der Stammstrecke) oder infrastrukturell (Busspur bis Bus Rapid Transit) vom restlichen Netz unterscheidbar ist, setzt sich diese Begrifflichkeit teilweise auch in der lokalen Alltagssprache durch.
Historisch beschreibt der Begriff „Stammstrecke“ die erstgebaute Eisenbahnstrecke eines Eisenbahnunternehmens. Alternativ spricht man hierbei auch von einer Ursprungsstrecke oder Kernstrecke. So ist beispielsweise die Albtalbahn die Keimzelle des heutigen Netzes der Albtal-Verkehrs-Gesellschaft. Ein weiteres historisches Beispiel ist die Stammstrecke der Köln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft.
Vorteile Stammstrecken erscheinen aufgrund der dichten Taktüberlagerungen oftmals für Fahrgäste attraktiv. Zudem bieten Haltestellen auf dieser durch die Streckenäste meist Direktverbindungen in zahlreiche Richtungen. Netze mit Stammstrecken bieten meist eine flexible Liniengestaltung und bestehen oft aus Durchmesserlinien.
Nachteile Einfädelungspunkte und eine hohe Streckenauslastung infolge der Linienbündelung können Herausforderungen für Stammstrecken darstellen. Netze mit Stammstrecken gelten als störungsanfällig, da Probleme auf dieser sich leicht auf das gesamte Netz auswirken können.
S-Bahn-Netze Deutschland S-Bahn-Netze im deutschsprachigen Raum – insbesondere jene, welche seit den 1970er Jahren in Westdeutschland eröffnet wurden – haben oft eine Tunnelstrecke, welche einen historischen Kopfbahnhof um Durchgangsgleise erweitert. Diese Strecke nimmt daher oft alle oder die meisten Linien des S-Bahn-Verkehrs auf. Auch in anderen S-Bahn-Netzen findet sich teilweise eine Tendenz zu einer oder mehreren Stammstrecken, auch wenn diese teilweise Produkt längerer Entwicklung nach Einführung der S-Bahn und nicht deren historischer Startpunkt sind.
Liste S-Bahn Stammstrecke Linien Streckenführung Eröffnung Länge (km) Bahnhöfe Takt (in Min.)(HVZ NVZ SVZ)S-Bahn BerlinNordsüd-S-Bahn Nordbahnhof ↔ Anhalter Bahnhof: Nordbahnhof – Oranienburger Straße – Friedrichstraße – Brandenburger Tor – Potsdamer Platz – Anhalter Bahnhof 1936–1939 5,9 6 0507102½ 2½ 5 S-Bahn BerlinStadtbahn Ostbahnhof ↔ Charlottenburg: Ostbahnhof – Jannowitzbrücke – Alexanderplatz – Hackescher Markt – Friedrichstraße – Hauptbahnhof – Bellevue – Tiergarten – Zoologischer Garten – Savignyplatz – Charlottenburg 1882 11,2 11 0507102½ 2½ 5 S-Bahn HamburgVerbindungsbahn Holstenstraße ↔ Hauptbahnhof: Holstenstraße – Sternschanze – Dammtor – Hauptbahnhof 1893 4,4 4 050710 S-Bahn HamburgCity-S-Bahn Altona ↔ Hauptbahnhof: Altona – Königsstraße – Reeperbahn – Landungsbrücken – Stadthausbrücke – Jungfernstieg – Hauptbahnhof 1979 6,2 7 050710 S-Bahn KölnStammstrecke Hansaring ↔ Messe/Deutz: Hansaring – Hauptbahnhof – Messe/Deutz 1990 3 050710 S-Bahn MitteldeutschlandCity-Tunnel Leipzig Leipzig Hauptbahnhof ↔ Leipzig MDR: Hauptbahnhof – Markt – Wilhelm-Leuschner-Platz – Bayerischer Bahnhof – MDR 2013 2,4 5 050710 S-Bahn MünchenErste Stammstrecke München-Pasing ↔ München Ost: München-Pasing – Laim – Hirschgarten – Donnersbergerbrücke – Hackerbrücke – Hauptbahnhof – Karlsplatz (Stachus) – Marienplatz – Isartor – Rosenheimer Platz – München Ost 1972 11,4 11 0507102 S-Bahn MünchenZweite Stammstrecke München-Laim ↔ München Leuchtenbergring: Laim – Hauptbahnhof – Marienhof – München Ost – München Leuchtenbergring In Bau 10,1 5 050710 S-Bahn Rhein-MainCity-Tunnel Frankfurt Hauptbahnhof ↔ Ostendstraße: Hauptbahnhof – Taunusanlage – Hauptwache – Konstablerwache – Ostendstraße 1978–1983 3,8 5 0507102½ 2½S-Bahn StuttgartVerbindungsbahn Hauptbahnhof ↔ Vaihingen: (Mittnachtstraße (In Bau) –) Hauptbahnhof – Stadtmitte – Feuersee – Schwabstraße (– Universität – Österfeld – Vaihingen) 1978 (- 1985) 2,6 (8,1) 4 (5) 0507102½
Österreich S-Bahn Wien Die S-Bahn Wien besitzt eine Stammstrecke zwischen Bahnhof Floridsdorf und Bahnhof Meidling. Seit 2017 hat sie – analog zu den U-Bahn-Linien – eine Kennfarbe, nämlich altrosa.
Schweiz S-Bahn Léman Die neue Bahnstrecke Cornavin–Eaux-Vives–Annemasse (Eröffnung Dezember 2019) ist die Stammstrecke der neuen schweizerisch-französischen S-Bahn Léman entlang dem Genfersee zwischen Lausanne, Genf, Annemasse, Évian-les-Bains, Annecy und Saint-Gervais-les-Bains.
S-Bahn Zürich Auch wenn nicht so benannt, ist die 1990 eröffnete Strecke Bahnhof Stadelhofen – Hirschengrabentunnel – Hauptbahnhof Zürich (Tiefbahnhof Museumsstrasse) – Bahnhof Hardbrücke die Stammstrecke der S-Bahn Zürich.
Die Durchmesserlinie Altstetten–Zürich HB–Oerlikon ist die zweite Stammstrecke der S-Bahn Zürich.
U- und Stadtbahnen Deutschland In Deutschland haben alle Stadtbahnen außer der Stadtbahn Bochum, da diese nur eine Linie besitzt, Stammstrecken. Während die U-Bahn München drei Stammstrecken besitzt, bündeln sich auf je einer Strecke der U-Bahnen in Berlin, Hamburg und Nürnberg zwei Linien. Alle anderen Linien dieser haben ihre eigene Strecke und besitzen somit keine Stammstrecke.
Die Stadtbahnen in Bielefeld, Essen und Bonn besitzen eine Stammstrecke, Düsseldorf und Stuttgart zwei, Dortmund drei und Frankfurt, Hannover und Köln jeweils vier.
System Stammstrecke Linien Streckenführung Eröffnung Länge Bahnhöfe Takt (in Min.)(HVZ NVZ SVZ)Stadtbahn BielefeldStammstrecke Hauptbahnhof ↔ Rathaus: Hauptbahnhof – Jahnplatz – Rathaus 1991 3 0507102½ 2½ 5Stadtbahn Bonn Stammstrecke Bonn Hauptbahnhof ↔ Olof-Palme-Allee: Bonn Hauptbahnhof – Universität/Markt – Juridicum – Bundesrechnungshof/Auswärtiges Amt – Museum Koenig – Heussallee/Museumsmeile – Ollenhauerstraße – Olof-Palme-Allee 1975 8 0507103⅓ 3⅓ 5Stadtbahn Dortmund Stammstrecke 1 Leopoldstraße ↔ Märkische Straße / Westfalenpark: Leopoldstraße – Hauptbahnhof – Kampstraße – Stadtgarten – DO Stadthaus – Markgrafenstraße – Märkische Straße / Westfalenpark 1984 8 0507102½ 2½ 5Stadtbahn Dortmund Stammstrecke 2 Brunnenstraße ↔ Stadtgarten: Brunnenstraße – Brügmannplatz – Reinholdikirche -Stadtgarten 1992 4 0507105 5 10Stadtbahn Dortmund Stammstrecke 3 Dorstfeld Betriebshof ↔ Reinholdikirche: Dorstfeld Betriebshof – Wittener Straße – Ottostraße – Ofenstraße – Heinrichstraße – Unionstraße – Westentor – Kampstraße – Reinoldikirche 2008 9 0507103⅓ 3⅓ 5Stadtbahn Düsseldorf Innenstadttunnel Heinrich-Heine Allee ↔ Hauptbahnhof: Heinrich-Heine-Allee – Steinstraße/Königsallee – Oststraße – Hauptbahnhof 1988 4 0507101⅓/2 2 Stadtbahn Düsseldorf Wehrhahn-Linie Wehrhahn ↔ Düsseldorf-Bilk: Wehrhahn – Pempelforter Straße – Schadowstraße – Heinrich-Heine-Allee – Benrather Straße – Graf-Adolf-Platz – Kirchplatz – Düsseldorf-Bilk 2016 8 0507103⅓ 3⅓ 5Stadtbahn Essen Stammstrecke Berliner Platz ↔ Hauptbahnhof: Berliner Platz – Hirschlandplatz – Hauptbahnhof 1981 3 0507103⅓ 3⅓ 5 U-Bahn Frankfurt A Heddernheim ↔ SüdbahnhofStadtbahn: Heddernheim – Eschersheim – Dornbusch – Tunnel: West-/Nordend – Hauptwache – Willy-Brandt-Pl. – Schweizer Pl. – Südbahnhof 1968–1984 8,0 km 14 0204052½ 3⅓ 5U-Bahn Frankfurt B Konstablerwache ↔ HauptbahnhofTunnel: Scheffelstraße 1974–1978 2,3 km 4 0203052½ 3¾ 5–10U-Bahn FrankfurtC Industriehof ↔ ZooTunnel: Industriehof – Bockenh. Warte – Hauptwache – Konstablerwache – Zoo 1986 5,4 km 9 0305103¾ 5 10U-Bahn Frankfurt D IV (A1) Ginnheim ↔ Abzweig KalbachHochbahn: Ginnheim – Römerstadt – Tunnel: Nordwestzentrum – Stadtbahn: Heddernh. Landstr. – Niederursel – Riedberg – Bonames – Nieder-Eschbach (1968–)2010 4 km 9 07101515 15 30U-Bahn Frankfurt D I Hauptbahnhof ↔ Bockenheimer WarteTunnel: Hauptbahnhof – Festhalle/Messe – Bockenheimer Warte 2001 1,7 km 3 0507105 7½ 10–20Stadtbahn Hannover A-Strecke (Noltemeyerbrücke-) Hauptbahnhof ↔ Waterloo: (Noltemeyerbrücke – Klingerstraße – Spannhagengarten – Pelikanstraße – Vier Grenzen – Lorzingstraße – Lister Platz – Sedanstraße/Lister Meile -) Hauptbahnhof – Kröpcke – Markthalle/Landtag – Waterloo 1976 4 (12) 0507102 2 3Stadtbahn Hannover B-Strecke Dragonerstraße ↔ Bothmerstraße: Dragonerstraße – Vahrenwalder Platz – Werderstraße – Hauptbahnhof – Kröpcke – Aegidientorplatz – Schlägerstraße – Geibelstraße – Altenbeker Damm – Döhrener Turm – Fiedelerstraße – Peiner Straße – Bothmerstraße1979–1982 13 0507103⅓ 3⅓ 5Stadtbahn Hannover C-Strecke Steintor ↔ Braunschweiger Platz: Steintor – Kröpcke – Aegidientorplatz – Marienstraße – Braunschweiger Platz 1989 5 0507102½ 2½ 3¾Stadtbahn Hannover D-Strecke Goetheplatz ↔ Hauptbahnhof: Goetheplatz – Steintor – Hauptbahnhof/ZOB 2017 3 0507107½ 7½ 15U-Bahn München Stammstrecke 1 Münchner Freiheit ↔ Implerstraße: Münchner Freiheit – Giselastraße – Universität – Odeonsplatz – Marienplatz – Sendlinger Tor – Goetheplatz – Poccistraße – Implerstraße 1971 9 0507102½ 5 10U-Bahn München Stammstrecke 2 Hauptbahnhof ↔ Kolumbusplatz: Hauptbahnhof – Sendlinger Tor – Fraunhoferstraße – Kolumbusplatz 1980 4 0507102 5 10U-Bahn München Stammstrecke 3 Max-Weber Platz ↔ Westendstraße: Max-Weber-Platz – Lehel – Odeonsplatz – Karlsplatz – Hauptbahnhof – Theresienwiese – Schwanthalerhöhe – Heimeranplatz – Westendstraße 1984 9 0507102½ 5 10Stadtbahn Stuttgart Tallängslinien Staatsgalerie ↔ Stöckach: Staatsgalerie – Neckartor – Stöckach 3 0507102 2 Stadtbahn Stuttgart Talquerlinien Hauptbahnhof ↔ Olgaeck: Hauptbahnhof – Schlossplatz – Charlottenplatz – Olgaeck 4 0507102/2½
Straßenbahnen
Deutschland
Straßenbahn Braunschweig Von den aktuell sechs Linien der Straßenbahn Braunschweig fahren fünf Linien zwischen Rathaus und Hagenmarkt, die entlang der Straße Bohlweg liegen.
Straßenbahn Kassel In der Innenstadt verläuft die Stammstrecke der Straßenbahn Kassel zwischen der Haltestelle „Am Stern“ und dem Rathaus. Sie wird von zwei Regiotram-Linien und sechs Tramlinien bedient.
Straßenbahn Würzburg Die Stammstrecke der Straßenbahn Würzburg verläuft vom Hauptbahnhof bis zum Sanderring und wird zumindest abschnittweise von allen Linien befahren.
Österreich
Straßenbahn Graz Der Abschnitt zwischen den Haltestellen Jakominiplatz und Hauptplatz/Congress wird von den meisten regulären Tageslinien der Straßenbahn Graz befahren – außer von den Linien 16 und 17, die via Andreas-Hofer-Platz verkehren.
Straßenbahn Linz Die Linzer Straßenbahn besitzt eine Stammstrecke zwischen den Haltestellen Rudolfstraße und Hauptbahnhof, die alle Tramlinien befahren.
Schnellfahrstrecke Hannover–Berlin Auf der Schnellfahrstrecke Hannover–Berlin werden die nur teilweise elektrifizierten Gleise, welche vom Regional- und Güterverkehr parallel zu den beiden Hochgeschwindigkeitsgleisen genutzt werden, als „Stammstrecke“ bezeichnet. Ihre Kilometrierung entspricht der Kilometrierung der Schnellfahrstrecke minus 100.
Einzelnachweise
Kategorie:Öffentlicher Personennahverkehr