Hautefaye (, ) ist eine französische Gemeinde mit Einwohnern (Stand: ) im Département Dordogne in der Region Nouvelle-Aquitaine. Sie gehört zum Arrondissement Nontron und zum Gemeindeverband Communauté de communes du Périgord Nontronnais. Die Einwohner werden Hautefayens und Hautefayennes genannt.
Geografie
Hautefaye liegt etwa 29 Kilometer ostsüdöstlich von Angoulême, etwa 13 Kilometer westnordwestlich von Nontron und etwa 43 Kilometer nordnordwestlich von Périgueux im Norden des Départements an der Grenze zum benachbarten Département Charente. Die Gemeinde befindet sich in der Landschaft des Ribéracois, Teil des touristisch benannten Périgord vert.
Hautefaye wird von folgenden fünf Gemeinden umgeben:
Neben dem Ortskern von Hautefaye besteht die Gemeinde aus folgenden Weilern, Gehöften und Lieu-dits:
Bel-Air, Chante-Alouette, Couche du Loup, Ferdinas, Fontaine du Brouillac, Grand Acaud, Grand Fayemarteau, Grand Gillou, Jaubertin, La Cigale, La Tuilière, Lage d’Ambelle, Le Clos Neuf, Le Grand Aujaud, Le Grand Lac, Le Lac Noir, Le Maine Aujaud, Le Trou du Loup, Les Bessoux, Les Carmes, Les Coutaudes, Les Farges, Les Greseaux, Les Places, Les Rondilloux, Petit Fayemarteau, Plambeau, Puy Couraud und Vignaud.
Der topografisch tiefste Punkt des Gemeindegebietes liegt mit bei der Quelle Fontaine du Brouillac an der Grenze zur Nachbargemeinde Mareuil en Périgord, der höchste Punkt mit auf einem Höhenrücken südlich des Ortskerns von Hautefaye, der sich befindet sich auf etwa Höhe befindet.
Bodenbedeckung Die Bodenbedeckung der Gemeinde Hautefaye schlüsselt sich im Jahr 2018 gemäß der europäischen Datenbank CORINE Land Cover (CLC) wie folgt auf:
Wälder – 50,1 % heterogene landwirtschaftliche Nutzung – 31,2 % Kulturboden – 18,7 %
Wälder und seminaturelle Ländereien stehen mit 50,1 % im Vordergrund, sie sind aber im Vergleich zu 1990 (51,5 %) leicht zurückgegangen.
Klima Hautefaye besitzt ein abgeschwächtes ozeanisches Klima, das sich durch folgende Parameter auszeichnet:
Klimaparameter im Zeitraum 1971-2000
Jahresmittel: 12,1 °C Anzahl der Tage unter −5 °C: 1,8 Anzahl der Tage oberhalb 30 °C: 6,7 Maximum im Tages-Temperaturunterschied: 14,8 °C Jahresniederschlag: 963 mm Niederschlagstage im Januar: 12,7 Niederschlagstage im Juli: 7,3
Durch den Klimawandel zeichnen sich Erhöhungen im Jahresmittel ab, die sich bereits bemerkbar machen. So ist beispielsweise an der 65 Kilometer entfernten Wetterstation in Châteaubernard das langjährige Jahresmittel von 12,9 °C für 1971-2000 über 13,3 °C für 1981-2010 auf 13,8 °C für 1991-2020 angestiegen – ein Zuwachs um 0,9 °C innerhalb von 20 Jahren. mini|Hydrographische Karte von Hautefaye Hydrografie Das Gemeindegebiet von Hautefaye verfügt aufgrund von Verkarstungen im Dogger über keinerlei nennenswerte Bäche oder Flussläufe.
An der Südgrenze befindet sich die Quelle Fontaine du Brouillac, die nach Südwesten über ein Trockental den Ruisseau de Bretanges speist – einen rechten Nebenfluss der Nizonne und somit zum Flusssystem Isle-Dronne gehörig.
Beim Lieu-dit Chante-Alouette verläuft ein abflussloses Trockental in nordwestlicher Richtung nach Mainzac. Die Nordspitze des Gemeindegebiets wird ebenfalls von einem kleinen, nach Nordwesten ausgerichteten Trockental markiert, das in ein großes, bis nach Marthon in Richtung Bandiat ziehendes Trockentalsystem – den Fond des Toulenches – übergeht. Diese beiden Trockentäler bilden Teil des Flusssystems Charente.
Die Wasserscheide zwischen den beiden Einzugsgebieten folgt einem geschwungenen Verlauf. Sie zieht ausgehend von der Südostecke nach Nordwesten und dreht dann nach Südwesten in Richtung Beaussac. mini|Geologische Karte von Hautefaye Geologie Das Gemeindegebiet von Hautefaye wird vollständig von flachliegenden Sedimenten des nordöstlichen Aquitanischen Beckens unterlagert. Es gehört strukturell zur südwestlichen Trogschulter des Bandiatgrabens.
Die älteste aufgeschlossene Formation stammt aus dem Dogger (Oberes Bathonium – Formation j1c-3a bzw. j2-6(a)). Darüber folgt 25 Meter mächtiges Callovium (Formation j3 bzw. j2-6(b)), das einen Großteil des Gemeindegebiets um den Ortskern von Hautefaye beansprucht. Der kalkige Dogger kann auch rekristallisiert vorliegen (als Formation jC).
Im äußersten Süden sowie beim Lieu-dit Le Lac Noir sind noch zwei kleine Vorkommen transgressiven Cenomaniums (Formation c1-2) erhalten geblieben.
Den verbliebenen Rest des Gemeindegebiets verhüllt pleistozänes Kolluvium fluviatilen Ursprungs (sandige Tone und Kiese der Formation Ac). Die beiden Trockentäler werden von holozänem Alluvium verfüllt – ziegelrote Tone und Feinsande vermischt mit Kiesgeröllen aus Quarz, Quarzit und Kalk (Formation Fy-z).
Naturrisiken mini|Risikokarte des Quellungs/Schrumpfungsverhältnisses von Tonmineralen in Böden für Hautefaye Naturrisiken manifestieren sich in Hautefaye neben den meteorologischen Risiken (Sturm, Gewitter, Schnee, extreme Kälte, Hitzewelle) vor allem als Dürren Waldbrände Bodensetzungen.
Hautefaye ist der Gefahr von Waldbränden ausgesetzt. Im weitaus größtem Teil des Gemeindegebiets besteht deshalb zur Vorbeugung von Waldbränden eine rechtliche Pflicht zur Beseitigung von Gestrüpp rund um Häuser, Straßen und andere Einrichtungen oder Geräten und eine zeitliche und räumliche Beschränkung von offenem Feuer, beispielsweise beim Verbrennen von Abfällen oder Pflanzen, beim Campen oder beim Feuerwerk.
Wie die Risikokarte zeigt, ist über die Hälfte Gemeindegebietes von einer starken Gefahr durch Bodensetzungen betroffen. Verantwortlich hierfür sind die pleistozänen Lockersedimente.
Die Erdbebengefahr ist als relativ niedrig einzustufen, am Westrand des Zentralmassivs sind recht seltene Beben der Stärke 3 auf der Richterskala bekannt. Das Gemeindegebiet ist einer nur geringen Radongefahr ausgesetzt und wird der Zone 1 von 3 zugeordnet.
Ökologie mini|Schutzgebiet des Typus 2
Naturpark Die Gemeinde Hautefaye liegt im Regionalen Naturparks Périgord-Limousin.
Schutzgebiet Das Waldgebiet Bois de Beaussac im Süden von Hautefaye ist als ökologische Schutzzone des Typus 2 (Französisch ZNIEFF – zone naturelle d’interêt écologique, faunistique et floristique) ausgewiesen.
Etymologie und Geschichte Das Dorf trägt einen Namen mit Verbindung zum Wald. Er erschien erst im 14. Jahrhundert in der Schreibweise Alta Faya im Jahr 1330, dann Alta Fagia im Jahr 1365, lange nach der Errichtung der romanischen Kirche. Danach ist im 16. Jahrhundert eine teilweise französisierte Form Aultefaye belegt. Hautefaye repräsentiert das okzitanische auta () und faja (), abgeleitet aus dem lateinischen fagea. Der okzitanische Name des Buchenwaldes ist sehr verbreitet im Périgord, um Lieux-dits oder Weiler zu bezeichnen.Siehe Tanet, Hordé, Seite 175
Hautefaye ist zwar bereits seit der gallorömischen Zeit bekannt, doch erst der Bau der Kirche Notre-Dame de l'Assomption in der Romanik förderte das dörfliche Gemeinschaftsgefühl. Diese in der Gotik umgestaltete Kirche beherbergt eine Marienstatue, die in der Region zu einem bedeutenden Kult geworden ist.
Am 16. August 1870 kam es bei einer Messe im Dorf zu einem als Drama von Hautefaye bekanntgewordenen Kriminalfall, bei dem der Grundbesitzer Alain de Monéys gelyncht und verbrannt wurde. Der Fall ist vor dem Hintergrund des Krieges 1870/71 und der durch ihn in der Bevölkerung des kleinen Ortes aufgewühlten Leidenschaften zu sehen. Als Folge eines simplen Missverständnisses hielt man Alain de Monéys für einen Preußen, was zu seinem Lynchmord führte. Die Gerüchte über Kannibalismus, die aufgrund von dem Bürgermeister zugeschriebenen Äußerungen und mutmaßlichen Handlungen der Dorfbewohner aufkamen, verschärften noch den barbarischen Charakter des Ereignisses. Von den 21 Angeklagten in diesem Mordfall wurden die vier Hauptverantwortlichen zum Tode und ein weiterer zu lebenslanger Zwangsarbeit verurteilt. Mehrere Bücher haben sich mit dieser Affaire befasst. Für den Schriftsteller Georges Marbeck symbolisiert sie den Ritualmord des Sündenbocks,Georges Marbeck: Hautefaye. L’Année terrible. Robert Laffont, Paris 1982, ISBN 2-221-01056-6. während der Historiker Alain Corbin die Gründe für die Ereignisse eher im Hass der Bauern auf den Adel sieht.
Bevölkerungsentwicklung Bevölkerungsentwicklung in HautefayeJahrEinwohner 1962 174 1968 169 1975 146 1982 144 1990 129 1999 116 2006 113 2007 113 2008 112 2012 122 2013 124 2015 130 2016 133 2017 136 2019 139 2022 128 Quellen: EHESS, INSEE
Die Gemeinde hatte ihre höchste Bevölkerung im Jahr 1821 mit 659 Einwohnern.
Bürgermeister Bürgermeister von Hautefaye war seit 1977 der parteilose Rentner Francis Michel Donnary. Er wurde im März 2014 von dem zur DVD gehörenden Landwirt Jean-Marie Portain abgelöst. Neuer Bürgermeister ist seit Januar 2022 Jean Manguy.
Präsidentschaftswahlen 2022 Kandidaten Parteien 1. Wahlgang 2. Wahlgang Stimmen % Stimmen % Marine Le Pen Front national FN 29 40,84 % 40 55,56 % Emmanuel Macron En marche ! EM 16 22,54 % 32 44,44 % Jean-Luc Mélenchon Front de gauche FDG 11 15,49 % Éric Zemmour Reconquête 0 0,00 % Valérie Pécresse Les Républicains LR 4 5,63 % Jean Lassalle Résistons ! R 6 8,45 % Anne Hidalgo Parti socialiste PS 2 2,82 % Fabien Roussel Parti communiste français PC 2 2,82 % Nicolas Dupont-Aignan Debout la République DLR 0 0,00 % Yannick Jadot Europe Écologie-Les Verts EELV 1 1,41 % Nathalie Arthaud Lutte Ouvrière LO 0 0,00 % Philippe Poutou Nouveau Parti anticapitaliste NPA 0 0,00 % Gesamt 71 100 % 72 100 % Gültige Stimmen 71 89,87 % 72 91,14 % Ungültige Stimmen 8 10,13 % 7 8,86 % Wahlbeteiligung 79 86,81 % 79 86,81 % Enthaltungen 12 13,19 % 12 13,19 % Registrierte Wähler 91 91 Quelle: Ministère de l'Intérieur Die Präsidentschaftswahlen 2022 in Hautefaye konnte Marine Le Pen für sich entscheiden.
Sehenswürdigkeiten Die Kirche Notre-Dame de l’Assomption wurde im 12. Jahrhundert errichtet. Sie hat einen langgestreckten Grundriss. Das Gebäude besteht aus einem Langhaus mit zwei Jochen, deren Kreuzrippengewölbe auf Säulen ruhen. Ein mit Blendbögen verzierter Glockenturm krönt die Kuppel des Chora. Die Fassade ziert ein Konsolgesims, das das Eingangsportal mit prismenförmigen Profilen einrahmt. Die Kirche wird von Seitenkapellen flankiert.
Assoziiert mit der Kirche ist eine jährliche, am 15. August (oder den Sonntag darauf) stattfindende Wallfahrt, die erstmals im Jahr 1492 durchgeführt wurde. Nachdem dieser Brauch lange Zeit in Vergessenheit geraten war, wurde er zwischen 1930 und 1940 wiederbelebt. Die Prozession hat mittlerweile wieder mehr als 80 Teilnehmer.
Wirtschaft Erwerbstätigkeit Im Jahre 2022 waren 53 Personen zwischen 15 und 64 Jahren in Hautefaye erwerbstätig, entsprechend 75,0 % der Bevölkerung der Gemeinde in dieser Altersklasse.
Landwirtschaft Hautefaye liegt in den Zonen der geschützten Ursprungsbezeichnungen (AOP) der Buttersorten Charentes-Poitou, Charentes und Deux-Sèvres.
Im Jahr 2020 lag die technisch-ökonomische Ausrichtung der Landwirtschaft der Gemeinde mit dem Fokus auf Polykulturen und/oder Mischbetriebe in der Tierhaltung. Die Zahl der aktiven landwirtschaftlichen Betriebe in der Gemeinde sank von 19 bei der Landwirtschaftszählung von 1988 auf 9 im Jahr 2000 und im Jahr 2010 und sank weiter auf 7 im Jahr 2020, insgesamt ein Rückgang von 63,2 % in 32 Jahren. Die landwirtschaftlich genutzte Fläche verringerte sich von 462 Hektar im Jahre 1988 auf 229 Hektar im Jahre 2020. Die genutzte Fläche pro Betrieb stieg von 24,3 Hektar auf 32,7 Hektar.
Verkehr Hautefaye liegt fernab von größeren Verkehrsachsen. Nachgeordnete Departementsstraßen und lokale Landstraßen verbinden das Zentrum mit den Weilern der Gemeinde und den Nachbargemeinden.
Beim Bauernhof und Campingplatz Les Jaubertins befindet sich eine Landebahn für Ultraleichtflugzeuge.
Literatur
Weblinks
Hautefaye auf cartesfrance.fr (französisch)
Einzelnachweise
Kategorie:Ort in Nouvelle-Aquitaine