Bagrationowo (russ. Багратионово, deutsch Wikischken, 1938–1945 Wiecken) ist eine Siedlung im Südosten der russischen Oblast Kaliningrad. Der Ort gehört zur kommunalen Selbstverwaltungseinheit Munizipalkreis Osjorsk im Rajon Osjorsk.
Geographische Lage Bagrationowo liegt sieben Kilometer südöstlich der Rajonstadt Osjorsk (Darkehmen/Angerapp) an der Regionalstraße 27K-A43 (ex Reichsstraße 137) zur russisch-polnischen Staatsgrenze, wo es aber keinen Grenzübergang gibt. Im Ort zweigt die Kommunalstraße 27K-189 nach Jablonowka (Wilhelmsberg) ab. Südwestlich am Ort fließt die Wiek (russisch: Wika) vorbei. Bis 1945 war Wikischken/Wiecken Bahnstation an der Bahnstrecke Insterburg–Lyck, die nach 1945 in ihrem sowjetischen Abschnitt nicht mehr aktiviert wurde.
Ortsname Die russische Namensgebung nimmt Bezug auf den russischen Feldherrn Pjotr Iwanowitsch Bagration (1765–1812), der der königlichen Dynastie der georgischen Bagratiden entstammte und der nach 1945 auch der früheren Stadt Preußisch Eylau zu ihrem Namen Bagrationowsk verhalf.
Geschichte Im Jahr 1874 wurde die Landgemeinde Wikischken Namensgeber des neu gebildeten Amtsbezirks Wi(e)kischken im Kreis Darkehmen.Rolf Jehke, Amtsbezirk Wiecken Das zuständige Landgericht war in Insterburg. Im Jahre 1910 zählte Wikischken 239 Einwohner, im Jahre 1925 waren es 251. Zum 30. September 1928 wurde der Gutsbezirk Kleszowen-Mühle (heute russisch Waldaiskoje) in die Landgemeinde Wikischken eingemeindet. Die Zahl der Einwohner der so erweiterten Gemeinde betrug 1933 dann 287. Im Jahr 1938 bekam der Ort aus politisch-ideologischen Gründen den Namen Wiecken. 1939 waren dort noch 268 Einwohner registriert.
Im Januar 1945 wurde der Ort von der Roten Armee besetzt. Die neue Polnische Provisorische Regierung ging zunächst davon aus, dass er mit dem gesamten Kreis Darkehmen (Angerapp) unter ihre Verwaltung fallen würde. Im Potsdamer Abkommen (Artikel VI) von August 1945 wurde die neue sowjetisch-polnische Grenze aber unabhängig von den alten Kreisgrenzen anvisiert, wodurch der Ort unter sowjetische Verwaltung kam. Die polnische Umbenennung des Ortes in Wikiszki im November 1946Durch die Rozporządzenie Ministrów: Administracji Publicznej i Ziem Odzyskanych z dnia 12 listopada 1946 r. o przywróceniu i ustaleniu urzędowych nazw miejscowości (Verordnung des Ministeriums für die öffentliche Verwaltung und die wiedergewonnenen Gebiete vom 12. November 1946 über die Wiederherstellung und Bestimmung der offiziellen Ortsnamen) wurde (vermutlich) nicht mehr wirksam. Im Juni 1947 erhielt der Ort den russischen Namen Bagrationowo und wurde gleichzeitig Verwaltungssitz eines Dorfsowjets im Rajon Osjorsk.Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 17 июня 1947 г.«Об образовании сельских советов, городов и рабочих поселков в Калининградской области» (Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der RSFSR vom 17. Juni 1947: Über die Bildung von Dorfsowjets, Städten und Arbeitersiedlungen in der Oblast Kaliningrad) Von 2008 bis 2014 gehörte Bagrationowo zur Landgemeinde Gawrilowskoje selskoje posselenije, von 2015 bis 2020 zum Stadtkreis Osjorsk und seither zum Munizipalkreis Osjorsk.
Amtsbezirk Wi(e)kischken (Wiecken) 1874–1945 Der Amtsbezirk Wikischken (zunächst offenbar Wiekischken) wurde am 6. Mai 1874 aus sieben Landgemeinden (LG) bzw. Gutsbezirken (GB) gebildet:
Name (bis 1938) Name (1938–1945) russischer Namenach 1945 Bemerkungen Astrawischken (LG) Großzedmar Serowo Auxkallen (LG) Roßkamp Klein Kolpacken (LG) Kleinbachrode Prochladnoje Kleszowen Mühle (GB) Waldaiskoje um 1900 in den Amtsbezirk Kleszowen umgegliedert, 1928 zur LG Wikischken Wantischken (LG) Grünsiedel Wjoschenskaja Wikischken (LG) Wiecken Bagrationowo Zedmar (GB) 1928 zur LG Astrawischken
Am 12. Januar 1939 wurde der Amtsbezirk in Wiecken umbenannt und bestand bis 1945 noch aus den ebenfalls umbenannten fünf Landgemeinden Großzedmar, Grünsiedel, Kleinbachrode, Roßkamp und Wiecken.
Bagrationowski selski Sowet/okrug 1947–2008 Der Dorfsowjet Bagrationowski selski Sowet (ru. Багратионовский сельский Совет) wurde im Juni 1947 eingerichtet. Sein Verwaltungssitz war zunächst der Ort Bagrationowo. Im Jahr 1954 wurde der Tschistopolski selski Sowet an den Bagrationowski selski Sowet angeschlossen.Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 16 июня 1954 г. № 744/54 «Об объединении сельских советов Калининградской области» (Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der RSFSR vom 16. Juni 1954, Nr. 744/54: Über die Vereinigung von Dorfsowjets der Oblast Kaliningrad) Diese angeschlossenen Orte gelangten später allerdings in den Lwowski selski Sowet. Vor 1968 wurde der Verwaltungssitz nach Uschakowo verlegt.Heinz Hinkel: Die Verwaltungsgliederung im sowjetisch besetzten nördlichen Ostpreußen. Stand vom 16. August 1967, in „Zeitschrift für Ostforschung“ (Jg. 1969), S. 54–76 (doi:10.25627/19691812057) Nach dem Zerfall der Sowjetunion bestand die Verwaltungseinheit als Dorfbezirk Bagrationowski selski okrug (ru. Багратионовский сельский округ). Im Jahr 2008 wurden die verbliebenen Orte des Dorfbezirks, mit Ausnahme von Uschakowo, das zur städtischen Gemeinde Osjorskoje gorodskoje posselenije kam, in die neu gebildete Landgemeinde Gawrilowskoje selskoje posselenije eingegliedert.
Ortsname Name bis 1947/50 Bemerkungen Bagrationowo (Багратионово) Wikischken, 1938–1945:„Wiecken“ Der Verwaltungssitz bis vor 1968. Borok (Борок) Grasgirren, 1938–1945:„Dingelau“ Der Ort wurde 1950 umbenannt. Dubrawa (Дубрава) Buylien, 1938–1945:„Schulzenwalde“ Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst der Verwaltungssitz des Dorfsowjets Dubrawski im Rajon Gussew. Gremjatschje (Гремячье) Bindszuhnen/Bindschuhnen, 1938–1945:„Bindemark“ Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1976 verlassen. Kadymka (Кадымка) Eszerningken/Escherningken, 1938–1945:„Eschingen“ Der Ort wurde 1947 umbenannt. Klimowka (Климовка) Kamanten Der Ort wurde 1947 umbenannt und gehörte seit vor 1988 zum Dorfsowjet bzw. Dorfbezirk Sadowski. Kolzowo (Кольцово) Kohlau Der Ort wurde 1947 umbenannt. Krasny Bor (Красный Бор) Kellmienen, 1938–1945:„Kellmen“ Der Ort wurde 1950 umbenannt. Kutusowo (Кутузово) Kleszowen/Kleschowen, 1938–1945:„Kleschauen“ Der Ort wurde 1947 umbenannt. Malaja Klimowka (Малая Климовка) Groß Grobienen Der Ort wurde 1947 umbenannt und gehörte seit vor 1988 zum Dorfsowjet bzw. Dorfbezirk Sadowski. Netschajewo (Нечаево) Ottoberg Der Ort wurde 1950 umbenannt und gehörte seit vor 1988 zum Dorfsowjet bzw. Dorfbezirk Sadowski. Nowosselje (Новоселье) Kariotkehmen, 1938–1945:„Karkeim“ Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1975 verlassen. Ossipenko (Осипенко) zubis 1928:"Adlig" Pogrimmen, 1938–1945:„zu Grimmen“ Der Ort wurde 1947 umbenannt. Porchowskoje (Порховское) Kermuschienen, 1938–1945:„Fritzenau“ Der Ort wurde 1947 umbenannt. Poretschje (Поречье) Balschkehmen, 1938–1945:„Balsken“ Der Ort wurde 1947 umbenannt. Prochladnoje (Прохладное) Klein Kolpacken, 1938–1945:„Kleinbachrode“ Der Ort wurde 1950 umbenannt und gehörte zunächst zum Dorfsowjet Tschistopolski. Er wurde vor 1975 verlassen. Prudnoje (Прудное) Brindlacken, 1938–1945:„Kleinfritzenau“ Der Ort wurde 1950 umbenannt. Pskowskoje (Псковское) (Königlich) Pogrimmen, 1938–1945:„Grimmen“ Der Ort wurde 1947 umbenannt. Resnikowo (Резниково) Röseningken, 1938–1945:„Rößningen“ Der Ort wurde 1947 umbenannt. Rjasanskoje (Рязанское) Hallwischken, 1938–1945:„Hallweg“ Der Ort wurde 1950 umbenannt. SadoroschjeNicht zu verwechseln mit Sadoroschje (Mallenuppen/Gembern), welches auch vorübergehend zum Dorfsowjet Bagrationowski gehörte, aber anfangs und auch wiederum in der späteren Zeit im Dorfsowjet bzw. Dorfbezirk Sadowski lag. Ramoschkehmen, 1938–1945:„Ramfelde“ Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1975 verlassen. Sadoroschnoje (Задорожное) Dinglauken, 1938–1945:„Altdingelau“ Der Ort wurde 1947 umbenannt und vor 1975 verlassen. Sarutschje (Заручье) Gudwainen Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1975 verlassen. Schilowo (Шилово) Ischdaggen, 1938–1945:„Brenndenwalde“ Der Ort wurde 1947 umbenannt. Schutschkowo (Шучково) Szuskehmen/Schuskehmen, 1938–1945:„Angerhöh“ Der Ort wurde 1947 umbenannt. Sebeschskoje (Себежское) Demildszen/Demildschen, 1938–1945:„Kleinkamanten“ Der Ort wurde 1950 umbenannt und gehörte seit vor 1988 zum Dorfsowjet bzw. Dorfbezirk Sadowski. Serowo (Серово) Astrawischken, 1938–1945:„Großzedmar“ Der Ort wurde 1947 umbenannt und vor 1975 verlassen. Sobinowo (Собиново) Karteningken, 1938–1945:„Kleedorf“ Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1975 verlassen. Stanzionnoje (Станционное) Jucknischken, 1938–1945:""Bahnfelde" Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1975 verlassen. Stawropolskoje (Ставропольское) Schaumburgsfelde Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1975 verlassen. Suworowka (Суворовка) Weedern Der Ort wurde 1947 umbenannt. Uschakowo (Ушаково) Ströpken Der Ort wurde 1947 umbenannt und war seit vor 1968 der Verwaltungssitz. Waldaiskoje (Валдайское) Kleszowen MühleDer Ort gehörte seit 1928 zu Wikischken/Wieken. Der Ort wurde 1950 umbenannt.
Kirche Vor 1945 gehörten die wenigen katholischen Einwohner von Wikischken bzw. Wiecken zum Bistum Ermland. Die mehrheitlich evangelische Bevölkerung war dem Kirchspiel Kleszowen (1936–1938 Kleschowen, 1938–1946 Kleschauen, heute russisch: Kutusowo) zugeordnet, das im Kirchenkreis Darkehmen (1938–1946 Angerapp, russisch: Osjorsk), ehemals zur Inspektion Gumbinnen (Gussew), der Kirchenprovinz Ostpreußen in der Kirche der Altpreußischen Union lag. Der letzte deutsche Geistliche war Pfarrer Günther Warm.
Literatur Friedwald Moeller: Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945. Hamburg 1968
Weblinks Heimatkreis Darkehmen (Angerapp) Kirchspiel Kleszowen
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Rajon Osjorsk