Joh. Ces. Godeffroy & Sohn, (auch Johann Cesar Godeffroy & Sohn, J. C. Godeffroy & Sohn, J. C. G. & S. (Reedereiflagge)) war eine Reederei und Handelshaus in Hamburg, das 1766 gegründet und im Dezember 1879 seine Aktivitäten einstellte.
Firmenname 1766 gründete Johan Cesar Godeffroy das Handelshaus „J. C. Godeffroy“. Er handelte in eigenem Namen und auf eigene Rechnung.Das Gründungsjahr 1766 von „J. C. Godeffroy & Co“ hatte der Autor Richard Hertz mit einer Textpassage in der Todesanzeige für Cesar Godeffroy belegt (siehe Fußnote 35): „er 52 Jahre dem Hause vorgestanden“. Tatsächlich aber wurde der Name erst 16 Jahre später 1782 eingeführt, nachdem Godeffroy einen Teilhaber aufgenommen hatte. Der Almanach für Reisende von 1782 führt noch den Eintrag „Joh. Ces. Godeffroy“, der Hamburger Kaufmannsalmanach auf das Jahr 1784 führt dann „Johan Cesar Godeffroi & Comp.“. Vergleichbare Angaben finden sich bei Ernst Baasch, Heft 5. 1782 wurde ein Teilhaber aufgenommen, weshalb nun der Name „J. C. Godeffroy & Co“ geführt wurde. Seit dem 1. Januar 1806, als sich der Sohn Johan Cesar Godeffroy an der Firma beteiligte, führte sie den Namen „Johann Cesar Godeffroy & Sohn“.Proclamata (Hamburg, den 4. Januar 1819). In: Privilegierte wöchentlich gemeinnützige Nachrichten von und für Hamburg. 26. Januar 1819, S. 5
Teilhaber Johan Cesar Godeffroy (1742–1818) von 1782 bis 1818 Teilhaber (Name nicht ermittelbar) ab 1782 bis ? Christian Johann Martin Kühne von Januar 1795 bis Ende Dezember 1801Beytrag zu Nr.41 … In: Hamburger Relations-Courier. 12. März 1802, S. , (Digitalisat) Johan Cesar Godeffroy (1781–1845) von 1806 bis 1845Proclamata. In: Privilegierte wöchentlich gemeinnützige Nachrichten von und für Hamburg. 8. Januar 1819, S. 4, (Digitalisat). Eduard Ferdinand Faerber vom 22. Mai 1818 bis 16. Oktober 1819. Johann Heinrich Bohnenberg vom 22. Mai 1818 bis 16. Oktober 1819.Proclamata (Hamburg, den 27. Februar 1822). In: Privilegierte wöchentlich gemeinnützige Nachrichten von und für Hamburg. 10. April 1822, S. 2 Eduard Ferdinand Faerber vom 17. Oktober 1819 bis 31. Dezember 1831Proclamata (Hamburg, den 11. September 1834). In: Privilegierte wöchentlich gemeinnützige Nachrichten von und für Hamburg. 19. Dezember 1834, S. 3 Johan Cesar Godeffroy (1813–1885) von 1837 bis 1879 Gustav Godeffroy von 1842 bis 1872 Johan Cesar Godeffroy (1838–1912) von 1862 bis 1879
Aktivitäten Zu den Handelsaktivitäten kamen im Laufe der Zeit der Schiffbau, die Reederei sowie die Beteiligung an dem Eisenhüttenwerk Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenverein in Georgsmarienhütte im Jahr 1868.Stefan Brüdermann (Hrsg.): Geschichte Niedersachsens. Band 4, Vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zum Ende des Ersten Weltkriegs. Wallstein Verlag, Göttingen 2016, ISBN 978-3-8353-1585-3, S. 534
Johan Cesar Godeffroy (1742–1818) war ab dem Jahr 1766 unter dem Namen „Joh. Ces. Godeffroy“ als Kaufmann auf eigene Rechnung tätig geworden. Im Jahr 1782 nahm er einen Partner in die Firma auf und firmierte von da an unter „Joh. Ces. Godeffroy & Co“. Von Januar 1795 bis Ende Dezember 1801 war Christian Johann Martin Kühne Teilhaber. Das Unternehmen importierte vorwiegend Leinen aus Schlesien, aber auch aus Sachsen und Westfalen. Die Stoffe wurden üblicherweise über das Breslauer Bankhaus Eichborn & Co. aufgekauftRichard Hertz benennt als Quelle für den Leinenhandel Kurt Moriz-Eichborn: Das Soll und Haben …. Die dort gemachten Angaben über die Zusammenarbeit von Godeffroy und Eichborn sind allgemeiner Natur, z. B.: „Die Aussichten für unsere Handlung … sind äußerst traurig.“ Es ist bis heute die einzige Quelle für den Leinenhandel. und von Hamburg mit gecharterten Schiffen nach Cádiz exportiert, wo dortige Kaufleute die Handelsware in die spanischen Kolonien nach Südamerika verschifften.Richard Hertz (S. 10): „Im allgemeinen sind so gut wie keine Nachrichten über die damalige Handelstätigkeit des Hauses erhalten: wir ersehen aus den Kontentbüchern nur, daß der Leinenumsatz von Joh. Ces. Godeffroy in den 90er Jahren mit einigen andern Firmen an erster Stelle steht, ohne daß wir Zahlen nennen könnten.“ Von Havana wurde Zucker importiert.Ernst Baasch, Seite 621ff.
1806 trat Johan Cesar Godeffroy jun. in das Handelsunternehmen ein, das ab 1. Januar 1806 als „Johann Cesar Godeffroy & Sohn“ firmierte. Infolge der Kontinentalsperre waren die Geschäfte schlecht und die Erlöse der Firma brachen im Vergleich zu den Vorjahren auf ein Zwanzigstel ein. Während der zweiten französischen Besetzung Hamburgs 1813 verlegte die Familie ihren Wohnsitz und das Geschäft nach Kiel. Nach dem Abzug der französischen Besatzung liefen die Geschäfte in Hamburg nur langsam wieder an.
1844 erzielte „Joh. Ces. Godeffroy & Sohn“ mehr Einnahmen durch die Reederei als durch den Handel. Es lassen sich 94 verschiedene Segelschiffe nachweisen, die zwischen 1823 und 1879 unter der Flagge von „Joh. Ces. Godeffroy & Sohn“ gesegelt sind, mehr als ein Dutzend davon länger als 20 Jahre. Zwischen 1853 und 1873 wurden zwischen 20 und 30 Schiffe pro Jahr befrachtet, deren jährliche Transportkapazität zwischen 4000 und 4500 Commerzlasten betrug.Im Jahr 1856 war Joh. Ces. Godeffroy & Söhne mit 27 Schiffen und einer Gesamtkapazität von 4961 Commerzlasten die größte Reederei in Hamburg. (Hamburgs Rhederei Anfangs 1857. : In: L. J. Schwarz (Hg.): Hamburg's Handel im Jahr 1856. Hamburg 1857, S. 65, (Digitalisat)) Mehr als die Hälfte aller Segelschiffe wurden im Auftrage von Joh. Ces. Godeffroy & Sohn gebaut oder ab Werft gekauft und ca. ein Viertel ging verloren, oft mit Ladung, Besatzung und Passagieren.Ermittelt aus: Unter den Schiffen war die 1853 auf der Reiherstieg-Werft gebaute „Wilhelmsburg“ mit einer Länge von 41,25 m, einer Breite von 10,29 m und einer Tragfähigkeit von 424 Commerzlasten für 10 Jahre das zweitgrößte der Flotte. Das jemals größte Segelschiff von Joh. Ces. Godeffroy & Sohn war die „Sovereign of the Seas“. Es war 1852 bei Donald McKay in Boston gebaut worden, mit einer Länge von 74,63 m, einer Breite von 11,91 m und für eine Tragfähigkeit von 788 Commerzlasten.
Im Jahr 1846 gründete „Joh. Ces. Godeffroy & Sohn“ mit der 1770 gegründeten Fa. „L. R. Beit, Gold- und Silber-Affinerie“ das „Elb-Kupferwerk“ zur Verarbeitung der Kupfererze, die eigene und fremde Schiffe aus Südamerika und hauptsächlich aus Chile im Hamburger Hafen anlandeten. 1857 kam es zur Übernahme der Aktivitäten durch die neugegründete „Elbhütte Affinir- und Handelsgesellschaft“, an der Godeffroy und Ferdinand Beit weiterhin beteiligt waren. Als deren Nachfolgegesellschaft existiert heutzutage die Aurubis AG (früher: Norddeutsche Affinerie).
Am 22. Juni 1849 kaufte „Joh. Ces. Godeffroy & Sohn“ die um 1706 gegründete Reiherstiegwerft von Hermann V. Roosen,Geschichte der Familie Roosen, Reiherstiegwerft um die Nachfrage nach Transportkapazität im wachsenden Handel u. a. mit Süd- und Nordamerika und Australien befriedigen zu können. Die Teilhaberschaft wurde im Frühjahr 1879 beendet.
Im Januar 1853 wurden zwei Raddampfer zum Betrieb eines regelmäßigen Fährverkehrs zwischen Hamburg und Helgoland von der „Elb-Dampfschiff-Compagnie“weiterer Name: „Elb-Dampfschifffahrts-Compagnie“ erworben. 1854 nahm der Raddampfer „Helgoland“ seinen Dienst auf. Er war von der schottischen Werft „Caird & Company“ gebaut worden. 1863 wurde der Dienst wieder eingestellt.Der hamburgische Seebäderdienst nach Norderney seit 1834 in Hans Szymanski: Die Dampfschiffahrt in Niedersachsen und in den angrenzenden Gebieten von 1817 bis 1867, Europäischer Hochschulverlag, Bremen 2011, S. 288, ISBN 978-3-86741-678-8
Im April 1855 beteiligte sich „Joh. Ces. Godeffroy & Sohn“ mit „F. J. Tesdorf & Sohn“, Robert Kayser, der schon an der „Elbhütte Affinir- und Handelsgesellschaft“ beteiligt war, und zwei weiteren Firmen an der Gründung der „Elb-Zuckersiederei“ in der Form einer AG. Firmenzweck war die Verarbeitung kubanischen Rohrzuckers, den die Handelsniederlassung in Havanna aufgekauft hatte. Da der Rübenzucker preisgünstiger angeboten wurde, wurde die Firma nach wenigen Jahren wieder geschlossen. Vorstand der Firma war Siegmund Robinow.
Ab 1857 verlegte „Joh. Ces. Godeffroy & Sohn“ ihre Aktivitäten in den Südpazifik. Auf Samoa betrieb sie Kokosplantagen. Die Früchte wurden zerkleinert, nach Hamburg verschifft und zu Öl gepresst. Die Erfolge dieses Geschäftes brachten ihm den anerkennenden Beinamen „Südseekönig“.
Am 1. Januar 1862 trat Johan Cesar Godeffroy jun. als Teilhaber in die Firma. Zum Ende des Jahres 1872 schied Gustav Godeffroy als Teilhaber aus.
Im Jahr 1863 wurde ein Mitarbeiter für die Bearbeitung von Naturalien eingestellt, die zunächst von den Kapitänen, später von Forschungsreisenden auf ihren Reisen in die Südsee gesammelt worden waren.
Im Juli 1867 erwarb „Joh. Ces. Godeffroy & Sohn“ ein Grundstück in der Herrenteich Laischaft in der Absicht, ein Walz- und Hammerwerk zur Herstellung von Stahlprodukten für die Schifffahrt aufzubauen.Altonaer Nachrichten vom 23. Juli 1867, Seite 1 Am Ende des Jahres 1868 beteiligte sich „Joh. Ces. Godeffroy & Sohn“ an der Gründung einer Aktiengesellschaft zum Bau des Eisen- und Stahlwerkes zu Osnabrück. Cesar Godeffroy übernahm dabei den Vorsitz des Verwaltungsrates.Anzeige in: Hamburgische Börsen-Halle. 23. Februar 1869, S. 4
„Joh. Ces. Godeffroy & Sohn“ besaß zum Zeitpunkt der Zahlungseinstellung eine Reihe von Bergwerksbeteiligungen: Zeche Wolfsbank, Zeche Neuwesel, Zeche Nordsee, Zeche Minister Stein, Zeche Dahlhausen Tiefbau, Zeche Dorstfeld, Zeche Wische und Zeche Carolus Magnus.Aleš Skřivan, S. 137
Zahlungsunfähigkeit Aufgrund mangelnder Liquidität stellte die Firma am 1. Dezember 1879 die Zahlungen ein. Zu den Ursachen hat der Bergwerksbetrieb in Osnabrück beigetragen, der seit 1872 Zuschüsse erforderte.Handelszeitung. In Sachen der insolventen Firma Godeffroy u. Sohn … In: Berliner Tageblatt. 17. Dezember 1879, Abend-Ausgabe, S. 4, (Digitalisat) Im April 1880 erreichte Cesar Godeffroy mit seinen Gläubigern einen Vergleich, dessen Abwicklung über 30 Jahre lang dauerte. 1913 wurde der Name der Firma „Joh. Ces. Godeffroy & Sohn“ aus dem Handelsregister gelöscht.
Nachfolge Die Südsee-Organisation des Handelshauses wurde weitgehend von der Deutschen Handels- und Plantagen-Gesellschaft der Südseeinseln (DHPG) zu Hamburg übernommen.
Literatur (chronologisch)
1866–2006, Sonderheft zum 140 jährigen Bestehen der Norddeutschen Affinerie AG, Hrsg. Norddeutsche Affinerie Hamburg, S. 3, 8.
Schifffahrt
Ales Skrivan: Das hamburgische Handelshaus Johan Cesar Godeffroy & Sohn und die Frage der deutschen Handelsinteressen in der Südsee. S. 129–155, Veröffentlichungen des Vereins für Hamburgische Geschichte, Band 81, 1995
Südsee
Weblinks
Gründerzeit. 1848–1871. Industrie & Lebensträume zwischen Vormärz und Kaiserreich. Ausstellung im Deutschen Historischen Museum Berlin vom 25. April 2008 bis 31. August 2008. Im Ausstellungskatalog sind ca. 100 exemplarische Biografien aus der Gründerzeit aufgeführt. Im Ausstellungskatalog Gründerzeit 1848–1871: Johan César VI. Godeffroy (1813–1885) Katalog: Gründerzeit. 1848–1871. Industrie & Lebensträume zwischen Vormärz und Kaiserreich, hg. von Ulrike Laufer und Hans Ottomeyer. Sandstein Verlag, Dresden, 2008.
Anmerkungen
Kategorie:Ehemaliges Unternehmen (Hamburg) Kategorie:Ehemalige Reederei (Hamburg) Kategorie:Unternehmensgründung 1766 Kategorie:Aufgelöst 1913 Kategorie:Godeffroy (Familie)