Bei der Tanganyika Naval Expedition handelte es sich um eine militärische Operation einer gegen Deutschland agierenden Koalition im Rahmen der Ausweitung der Kampfhandlungen auf Ostafrika im Ersten Weltkrieg. Durch diese sollte die Übermacht des Deutschen Kaiserreichs auf dem Tanganjikasee, der einerseits die Grenze zwischen Deutsch-Ostafrika und den belgischen Kolonialgebieten bildete, andererseits auch an das britische Nordrhodesien angrenzte, gebrochen werden.

Vorgeschichte Im April 1915 unterbreitete der Großwildjäger John Lee dem Flottenadmiral Henry Bradwardine Jackson den Vorschlag, die militärische Vormachtstellung des Deutschen Kaiserreiches auf dem Tanganjikasee zu brechen, um danach die Deutschen auch an Land zurückdrängen zu können. Die Royal Navy hatte zu diesem Zeitpunkt keine geeigneten Kriegsschiffe vor Ort im Dienst.Giles Foden, Die wahre Geschichte der African Queen, Frankfurt am Main 2006, S. 27 f. Jackson ließ sich trotz der organisatorischen Herausforderungen überzeugen und Lee wurde beauftragt, den Teil der Strecke in Afrika, den die für den Einsatz ausgewählten Schiffe über Land transportiert werden mussten, entsprechend vorzubereiten. Begleitet von dem Reporter Frank J. Magee,Frank J. Magee: Transporting a navy through the jungles of Africa in war time. In: The National Geographic Magazine. Bd. 42, Nr. 4, 1922, , S. 331–362. der die Expedition schriftlich und fotografisch dokumentieren sollte, und unterstützt von Douglas Hope und Reginald Mullin, die einen Lastwagen und weiteres Material transportierten, reiste er am 22. Mai 1915 voraus. Ausrüstung und Transport der Schiffe wurden dem Marineleutnant Geoffrey Basil Spicer Simson übertragen.Giles Foden, Die wahre Geschichte der African Queen, Frankfurt am Main 2006, S. 36

Ausrüstung

Die beiden aus Mahagoniholz gebauten Boote, die für die Tanganjikamission ausgewählt wurden, waren bei Thorneycroft in Twickenham an der Themse gebaut worden und gehörten zu einer Serie von acht Booten, die ursprünglich als Begleitfahrzeuge für Wasserflugzeug-Einsätze in Griechenland vorgesehen gewesen waren. Nach der Schlacht von Gallipoli hatte man diese Pläne jedoch aufgegeben. Eines der Boote befand sich daher noch auf der Werft, das andere wurde aus Dundee zurückgeholt.Giles Foden, Die wahre Geschichte der African Queen, Frankfurt am Main 2006, S. 39 f.

Da die Boote die kleinsten Fahrzeuge waren, die jemals das Präfix „HMS“ führen durften,Giles Foden, Die wahre Geschichte der African Queen, Frankfurt am Main 2006, S. 40 schlug Spicer Simson – als Anspielung auf die Gewohnheit eleganter Pariser Damen, ihre Katzen und Hunde an der Leine spazierenzuführen,Reinhard K. Lochner: Kampf im Rufiji-Delta. Das Ende des kleinen Kreuzers „Königsberg“. Die Deutsche Marine und Schutztruppe im 1. Weltkrieg in Ostafrika (= Heyne-Bücher 1, Heyne allgemeine Reihe. Nr. 6809). Wilhelm Heyne, München 1987, ISBN 3-453-02420-6, S. 311. – die Namen Cat und Dog vor, was ihm aber verwehrt wurde. Daraufhin gab er ihnen die französischen Namen Mimi und Toutou, was übersetzt so viel wie Miez-Miez und Wau-Wau bedeutet.Giles Foden, Die wahre Geschichte der African Queen, Frankfurt am Main 2006, S. 46 f. Für ihren Einsatz in Afrika mussten die Barkassen umgebaut werden. Man reduzierte die Höhe ihrer Aufbauten, kleidete die Treibstofftanks mit einer kugelsicheren Stahlschicht aus und montierte am Heck Maxim-Schnellfeuergewehre und am Bug Hotchkiss-Kanonen. Für ihren Transport wurden außerdem wannenartige Behältnisse und Spezialanhänger gebaut, auf denen sie gezogen werden sollten.Giles Foden, Die wahre Geschichte der African Queen, Frankfurt am Main 2006, S. 47 f.

Am 8. Juni fand eine Probefahrt auf der Themse statt, bei der auch ein Schuss aus einem der Hotchkiss-Dreipfünder abgefeuert werden sollte. Spicer Simson hatte die Genehmigung erhalten, auf eine nicht mehr benötigte Dockanlage der Thorneycroft-Werft zu feuern. Von Bord der Mimi aus landete man denn auch einen Treffer. Allerdings wurde dabei die Kanone samt dem Schützen Waterhouse in die Themse geschleudert, weil die Befestigung nicht richtig verriegelt gewesen war. Geschütz und Kanonier konnten jedoch geborgen werden und am 15. Juni wurden die Mimi und die Toutou auf die Llanstephan Castle verladen, die sie nach Kapstadt bringen sollte.Giles Foden, Die wahre Geschichte der African Queen, Frankfurt am Main 2006, S. 48 f.

Zu Spicer Simsons Mannschaft gehörten der Arzt Hother McCormack Hanschell, James Waterhouse aus Birmingham als Oberster Richtkanonier und sein Maat Flynn, Oberleutnant Tyrer, ein ehemaliger Flieger, der sein Haar kanariengelb zu färben pflegte und stets ein Monokel trug, ein rothaariger Matrose, dessen Name nicht überliefert worden ist, Zahlmeister Tubby Eastwood, ein methodistischer Tierfreund, Leutnant Cross, ein ehemaliger Rennfahrer, als erster Maschinist, die Motorsachverständigen John Lamont und William Cobb, Transportoffizier Wainwright, der als ehemaliger Lokomotivführer für die beiden Dampftraktoren zuständig sein sollte, von denen die Mimi und die Toutou durch den Busch gezogen werden sollten, und die beiden Schotten Tait und Mollison, die in einer Kneipe von dem Vorhaben gehört und sich freiwillig gemeldet hatten. Tait und Mollison pflegten fast immer im Kilt aufzutreten.Giles Foden, Die wahre Geschichte der African Queen, Frankfurt am Main 2006, S. 40–43

Zum Gepäck gehörten ein Union Jack, Feldbetten und Schlafsäcke, eine Blechbadewanne, ein Zelt für Spicer Simson, Gewehre und Schrotflinten, Tropenhelme und Planen, Rindfleisch- und Tomatenkonserven, letztere als Vorsorge gegen Beriberi, einige Fahrräder mit Kilometerzählern, Sturmlaternen, Kompasse und Taschenlampen, aber auch Rasierklingen, Stoffe und Glasperlen zum Tausch mit den Einheimischen und persönliche Gegenstände wie etwa Tyrers Vorrat an Worcestersauce und Haarfärbemittel oder Hausschuhe für den Feierabend.Giles Foden, Die wahre Geschichte der African Queen, Frankfurt am Main 2006, S. 49 f.

Die Reise an den Tanganjikasee mini|hochkant|Ungefähre Route der Motorboote Mimi und Toutou über Land zum Tanganjikasee (Juli–Oktober 1915).Reinhard K. Lochner: Kampf im Rufiji-Delta. Das Ende des kleinen Kreuzers „Königsberg“. Die Deutsche Marine und Schutztruppe im 1. Weltkrieg in Ostafrika (= Heyne-Bücher 1, Heyne allgemeine Reihe. Nr. 6809). Wilhelm Heyne, München 1987, ISBN 3-453-02420-6, S. 324. Als die Mimi und die Toutou in Begleitung der recht auffälligen Gruppe an Bord gebracht wurden, regte sich bei den zivilen Passagieren der Llanstephen Castle Widerspruch. Sie befürchteten, dass ihr Passagierschiff als Truppentransporter angegriffen werden könnte, konnten sich jedoch nicht durchsetzen.Giles Foden, Die wahre Geschichte der African Queen, Frankfurt am Main 2006, S. 51

Das Schiff traf am 2. Juli 1915 in Kapstadt ein.Giles Foden, Die wahre Geschichte der African Queen, Frankfurt am Main 2006, S. 71 Spicer Simson und Dr. Hanschell übernachteten im Hotel Mount Nelson.Giles Foden, Die wahre Geschichte der African Queen, Frankfurt am Main 2006, S. 74 Anderntags wurden offizielle Besuche erledigt und die Medikamentenvorräte aufgestockt, und am 6. Juli fuhr Spicer Simson mit dem Zug nach Salisbury, um sich vom Erfolg der Streckenarbeiten John Lees zu überzeugen, dem er offenbar nicht traute. Am selben Tag wurde im Rufiji der deutsche Kreuzer Königsberg, den man lange vor den britischen Schiffen hatte verstecken können, beschossen, was wenig später mit seinem Untergang endete.Giles Foden, Die wahre Geschichte der African Queen, Frankfurt am Main 2006, S. 77–81

Am 16. Juli gab Spicer Simson telegraphisch den Aufbruchsbefehl für die Gruppe in Kapstadt.Giles Foden, Die wahre Geschichte der African Queen, Frankfurt am Main 2006, S. 82 f. Über Kimberley, Mafeking, Johannesburg und Betschuanaland reiste sie nach Bulawayo, wo man Spicer Simson wiedertraf, und fuhr dann weiter mit der Eisenbahn bis zur Grenze von Nordrhodesien und ins belgische Elisabethville. Dort traf man am 26. Juli 1915 einGiles Foden, Die wahre Geschichte der African Queen, Frankfurt am Main 2006, S. 89 und es kam zur Begegnung mit John Lee, den Spicer Simson sofort, nachdem er seine Pläne übergeben hatte, entließ, weil er angeblich über die streng geheime Mission der Briten in der Öffentlichkeit gesprochen hatte.Giles Foden, Die wahre Geschichte der African Queen, Frankfurt am Main 2006, S. 91 Bis auf Spicer Simson, Hanschell und Eastwood zogen die Expeditionsteilnehmer nach Fungurume weiter. Nachdem sie die einheimischen Helfer Rupia, Tom und Marapandi angeworben hatten, stießen auch Spicer Simson, Hanschell und Eastwood am 5. August 1915 wieder zu ihrer Gruppe. Die beiden Boote wurden von ihren Güterwagen abgeladen, um auf der von John Lee vorbereiteten Piste über das Mitumba-Gebirge geschleppt zu werden. Dabei stellte sich heraus, dass sowohl an den Booten als auch an den Anhängern bereits erhebliche Schäden aufgetreten waren. Die Reparaturarbeiten nahmen eine Woche in Anspruch.Giles Foden, Die wahre Geschichte der African Queen, Frankfurt am Main 2006, S. 94 Unterdessen trafen die beiden Dampftraktoren ein, die die Anhänger ziehen sollten. In ihren zehn Tonnen schweren Anhängern, die eigentlich für das Feuerholz vorgesehen waren, wurden Nahrungsmittelvorräte für die einheimischen Träger transportiert. Die Traktoren stammten von Burrels in Thetford und von Fowlers in Leeds.Giles Foden, Die wahre Geschichte der African Queen, Frankfurt am Main 2006, S. 102Giles Foden, Die wahre Geschichte der African Queen, Frankfurt 2006, S. 105