Lussas-et-Nontronneau (, ) ist eine französische Gemeinde mit Einwohnern (Stand: ) im Département Dordogne in der Region Nouvelle-Aquitaine. Sie gehört zum Arrondissement Nontron und zum Gemeindeverband Communauté de communes du Périgord Nontronnais. Die Einwohner werden Lutronnais und Lutronnaises genannt.
Geografie
Lussas-et-Nontronneau liegt etwa 37 Kilometer ostsüdöstlich von Angoulême, etwa sechs Kilometer westsüdwestlich von Nontron und etwa 37 Kilometer nordnordwestlich von Périgueux im Norden des Départements in der Landschaft des Ribéracois, Teil des touristisch benannten Périgord vert.
Die Gemeinde wird von folgenden sechs Nachbargemeinden umgeben:
Neben den beiden Ortskernen von Lussas und Nontronneau gehören zum Gemeindegebiet von Lussas-et-Nontronneau folgende Weiler, Gehöfte, ein Schloss und Lieu-dits:
Bondazeau, Bois de Clarat, Bois de la Rauque, Bois du Prêtre, Bosredon, Buzetière, Château de Beauvais, Chez Bini, Chez Garni, Chez Mauvy, Chez Veyssière, Clarat, Fontroubade, La Croix de Charles, La Saudie, La Tonnelle, La Vieille Vigne, La Cabane, Lamourette, Le Clos, Le Coderc, Le Grand Verger, Le Roc de Montcheuil, Le Sauvage, Les Bellus, Les Borderies, Les Fours, Lombardière, Montament (Ruine), Plaisance, Puychissou, Puyfagnoux, Puyvigier, Terre Noire, Vieux Sirieix und Villejalet.
Der topografisch tiefste Punkt des Gemeindegebietes liegt mit am Fluss Bandiat in der Nähe des Weilers Bondazeau im Norden, der höchste Punkt mit auf einem Höhenrücken im Osten an der Grenze zur Nachbargemeinde Saint-Martial-de-Valette. Lussas befindet sich auf , Nontronneau auf Meerhöhe. mini|300px|Bodenbedeckung in Lussas-et-Nontronneau (2018)
Bodenbedeckung Die Bodenbedeckung der Gemeinde Lussas-et-Nontronneau schlüsselt sich im Jahr 2018 gemäß der europäischen Datenbank CORINE Land Cover (CLC) wie folgt auf:
Wälder – 59,4 % heterogene landwirtschaftliche Nutzung – 23,5 % Grünland – 11,5 % Kulturboden – 3,6 % Strauch- und/oder Kräutervegetation – 2,0 %.
Die Wälder und seminaturellen Ländereien stehen 2018 im Vordergrund. Sie sind mit 61,4 % gegenüber 1990 (62,3 %) nur geringfügig zurückgegangen.
Klima Die Gemeinde Lussas-et-Nontronneau besitzt ein abgeschwächtes ozeanisches Klima, das sich durch folgende Parameter auszeichnet:
Klimaparameter im Zeitraum 1971–2000 Jahresmittel: 12,3 °C Anzahl der Tage unter −5 °C: 2,7 Anzahl der Tage oberhalb 30 °C: 7,0 Maximum im Tages-Temperaturunterschied: 14,5 °C Jahresniederschlag: 965 mm Niederschlagstage im Januar: 12,8 Niederschlagstage im Juli: 7,2
Durch den Klimawandel zeichnen sich Erhöhungen im Jahresmittel ab, die sich bereits auch bemerkbar machen. So ist beispielsweise an der 64 Kilometer entfernten Wetterstation am Flughafen von Limoges-Bellegarde das langjährige Jahresmittel von 11,2 °C für 1971-2000 über 11,4 °C für 1981-2010 auf 11,8 °C für 1991-2020 angestiegen – ein Zuwachs um 0,6 °C innerhalb von 20 Jahren. mini|300px|Hydrographische Karte von Lussas-et-Nontronneau
Hydrografie Der Nordost- und Nordteil des Gemeindegebietes wird vom Bandiat berührt und in nordwestlicher Richtung entwässert. Der Bandiat gehört zum Flusssystem der Charente. Zum Bandiat fließen in nördlicher Richtung zwei kleine linke Seitenbäche bei den Weilern Villejalet und Lombardière, die stellenweise zu Weihern aufgestaut sind.
An einer Quelle östlich von Lussas an der Gemeindegrenze zu Saint-Martial-de-Valette entspringt ein kleiner, zeitweise trockenfallender Bach, der in westlicher Richtung zum Gemeindegebiet von Rudeau-Ladosse und Connezac hin abfließt und dort anschließend in das Flüsschen Beaussac und sodann in die Nizonne mündet. Er gehört folglich bereits zum Entwässerungsnetz Isle-Dronne. Nördlich vom Weiler Château de Beauvais besitzt dieser Bach noch einen rechten Seitenarm.
Die Wasserscheide verläuft in nordwestlicher Richtung und teilt das Gemeindegebiet in zwei Hälften.
Die Gesamtlänge des Entwässerungsnetzes in der Gemeinde Lussas-et-Nontronneau beträgt 13 Kilometer.
Geologie mini|hochkant=1.6|Geologische Karte von Lussas-et-Nontronneau
Die ältesten anstehenden Gesteine im Gemeindegebiet von Lussas-et-Nontronneau stammen aus dem Lias des nordöstlichen Aquitanischen Beckens. Diese flachliegenden Sedimente des Unterjura (Formation l5-9) sind beim Weiler Lombardière in einem kleinen, linken Seitental des Bandiats aufgeschlossen. Über dem Lias folgt dann kalkiger Dogger, der die Hanglagen südlich des Bandiats aufbaut. Der Dogger besteht aus Oberem Bajocium (Formation j1b-2a) und Bathonium (Formation j2b), in der Hauptsache kryptokristalline Oolithkalke. Er kann auch rekristallisiert auftreten (Formation jC). Nördlich und westlich von Lussas ist noch Oxfordium – feinkörnige, beigefarbene Kalke der Formation j2-6(b) – erhalten geblieben.
Der überwiegende Teil des Gemeindegebietes wird jedoch weitestgehend von pleistozänem Kolluvium verhüllt (Tone und Feinsande der Formation AC). Nördlich vom Weiler Château de Beauvais und südlich vom Weiler Le Coderc finden sich auf dem Oxfordium würmzeitliche, kalkige Hangschuttablagerungen (französisch Grèzes), die durch Gelifraktion (Tau-Gefrier-Zyklen) erzeugt wurden (Formation GP). Am Hochpunkt im Südosten beim Lieu-dit la Saudie ist ferner ein kleines Vorkommen von gesteinsbildenden Sanden und Schottern fluviatilen Ursprungs erwähnenswert, welche aus dem Eozän/Oligozän stammen dürften (Formation H-F); sie gehören zu einem fossilen Flusssystem des sich damals in Hebung befindenden Massif Central; sein in Südsüdwest-Richtung verlaufender Hauptast folgt der Gemeindegrenze von Saint-Martial-de-Valette und Saint-Front-sur-Nizonne.
Der Bandiat und auch der zum Beaussac entwässernde Bach fließen in Talauen aus würmzeitlichem/holozänem Alluvium (Kiese und Flusssande der Formation K).
Der rekristallisierte Dogger lässt auf tektonische Vorgänge schließen, welche wahrscheinlich im Zusammenhang mit der Bildung des Bandiatgrabens stehen. Die jetzige Wasserscheide dürfte mit der südwestlichen Trogschulter des Bandiatgrabens identisch sein.
Natürliche Risiken mini|Risikokarte zur Quellung/Schrumpfung von Tonmineralen in Böden für Lussas-et-Nontronneau Natürliche Risiken manifestieren sich in Lussas-et-Nontronneau neben den meteorologischen Risiken (Sturm, Gewitter, Schnee, extreme Kälte, Hitzewelle) vor allem als Waldbrände Bodensetzungen Bodenbewegungen
Weil das Gebiet der Gemeinde eine starke Bewaldung aufweist, besteht im größten Teil zur Vorbeugung eine rechtliche Pflicht zur Beseitigung von Gestrüpp rund um Häuser und Zufahrten und eine zeitliche und/oder räumliche Beschränkung von offenem Feuer, beispielsweise beim Verbrennen von Abfällen oder Pflanzen, beim Campen oder beim Feuerwerk. Der vom Département erstellte Plan zur Verhütung von Waldbränden (PPRIF) definiert nicht bebaubare und vorbehaltspflichtige Bauzonen, um die Exposition von Gütern zu verringern.
Wie die Risikokarte zeigt, ist bis auf den Unterjura südlich des Bandiats und das Oxfordium nördlich von Lussas das gesamte restliche Gemeindegebiet von einer starken Gefahr durch Bodensetzungen bei abwechselnden Dürre- und Regenperioden betroffen. Die Dürreperioden in den Jahren 2005, 2009, 2011, 2019 und 2022 sind als Naturkatastrophen der Gemeinde klassifiziert worden. Die Erdbebengefahr ist als relativ niedrig einzustufen, am Westrand des Zentralmassivs sind recht seltene Beben der Stärke 3 auf der Richterskala bekannt. Das Gemeindegebiet ist nur einer schwachen Radongefahr ausgesetzt und wird der Zone 1 von 3 zugeordnet.
Bodenbewegungen umfassen eine Reihe von Verschiebungen des Bodens oder Untergrunds, manche abrupter als andere. Die dabei auftretenden Volumina können von wenigen Kubikmetern bis zu mehreren Millionen Kubikmetern reichen. Diese Verschiebungen können langsam (einige Millimeter pro Jahr) bis sehr schnell (einige hundert Meter pro Tag) erfolgen. Im Allgemeinen verlaufen Bodenbewegungen mit einem signifikanten Volumen relativ langsam. Eine solche Bodenbewegung im Jahr 1999 ist als Naturkatastrophe der Gemeinde klassifiziert worden. In Lussas-et-Nontronneau besteht die Gefahr von Bodenbewegungen als Senkungen und Einstürzen anthropogenen Ursprungs, natürlich entstandene unterirdische Hohlräume, deren Decken einsturzgefährdet sind.
Ökologie mini|300px|Schutzgebiet des Typus 1
Naturpark Das Gemeindegebiet von Lussas-et-Nontronneau ist seit 1998 Teil des Regionalen Naturparks Périgord-Limousin.
Schutzgebiet Unter Naturschutz steht das Bandiattal im Nordosten und Norden, das als ZNIEFF (Französisch zone naturelle d'intérêt écologique, faunistique et floristique) des Typus 1 unter der Bezeichnung Vallées du réseau hydrographique du Bandiat ausgewiesen ist. Die Flora umfasst über 100 Pflanzenarten mit Großer Odermennig (Agrimonia procera) und Atlantisches Hasenglöckchen (Hyacinthoides non-scripta) als Indikatorpflanzen.
Etymologie und Geschichte Der Name des Dorfes Lussat ist erst im 18. Jahrhundert in der Schreibweise Lussat belegt (1760). Die Form auf -ac ist in den Départements Charente und Gironde zu finden. Der Ursprung des Namens ist ein gallorömischer Personenname, Luccaeus oder Lucius, dem das Suffix -acum als Eignertitel angehängt wurde. Der Letztere ist bekannt als Vorname im antiken Rom. Nontronneau erschien erstmals viel früher in den Schriften, in der Mitte des 13. Jahrhunderts im Zusammenhang mit der im 12. Jahrhundert erbauten romanischen Kirche in Ecclesia de Nontronello. Der Name ist aus Nontron und einem Diminutiv zusammengesetzt und bedeutet „kleines Nontron“. Der Ursprung von Nontron bleibt ungewiss. Es wird ein Personenname gallischen Ursprungs, °Nantironius oder °Nantirius, begleitet von einem Suffix -onem, vermutet.Siehe Tanet, Hordé, Seiten 206–207, 251
Älteste Siedlungsreste in der Gemeinde gehen bis in die Altsteinzeit zurück. So wurden 1908 in der Grotte des Grèzes Spuren aus dem Oberen Mousterien entdeckt.
Kulturzeugnisse in Lussas-et-Nontronneau sind ein gallorömischer Villenkomplex aus dem ersten Jahrhundert bei Nontronneau, mit Spuren von Fresken und einer Heizungsanlage, der während der Trockenheit von 1967 zum Vorschein kam.
Aus dem Mittelalter stammen mehrere romanische Bauwerke, wie beispielsweise die Kirche Saint-Étienne in Lussas aus dem 12. Jahrhundert, die Kirche in Nontronneau und die Überreste der alten Kapelle in Fontroubade, ebenfalls aus dem 12. Jahrhundert. Die einstige romanische Kapelle Saint-Christophe in Bondazeau ist mittlerweile vollständig verschwunden. Das Schloss Beauvais wurde Ende des 16. Jahrhunderts erbaut.
Im Mittelalter war die Seigneurie Lussas Teil der Kastellanei Bernardières und gehörte der mächtigen Familie Mareuil. Später ging sie in den Besitz anderer Adelsfamilien wie der Familien Conan und Faure de la Roderie über. Durch strategische Allianzen erlangte die Familie Perusse des Cars bis zum Ende des 18. Jahrhunderts die Herrschaft über Lussas, Fontroubade und das Schloss Beauvais.
Lussas-et-Nontronneau bestand einst aus vier Pfarreien: Lussas, Fontroubade, Nontronneau und Bondazeau. Die zuvor unabhängigen Gemeinden Lussas und Nontronneau fusionierten 1827 zu Lussas-et-Nontronneau.
Bevölkerungsentwicklung Bevölkerungsentwicklung in Lussas-et-NontronneauJahrEinwohner 1962 461 1968 364 1975 370 1982 359 1990 363 1999 371 2004 384 2006 376 2007 359 2008 341 2009 323 2013 311 2014 313 2015 312 2016 308 2017 300 2019 283 2022 285 Quellen: EHESS, INSEE
Die Bevölkerung von Lussas-et-Nontronneau hat während der 1960er Jahre schwere Einbußen erlitten, sich dann aber wieder stabilisiert. Seit 2006 ist sie erneut rückläufig.
Die Gemeinde hatte ihren höchsten Bevölkerungsstand im Jahr 1841 mit 1320 Einwohnern.
Bürgermeister Bürgermeisterin von Lussas-et-Nontronneau ist seit März 2001 die parteilose, im Handel tätige Mauricette Belly, die im Mai 2020 wiedergewählt wurde.
Präsidentschaftswahlen 2022