Die Federlibellen (Platycnemididae) sind eine Familie der Kleinlibellen (Zygoptera).
Merkmale Die Federlibellen sind sehr ähnlich zu ihrer Schwesterfamilie Coenagrionidae und weltweit anhand morphologischer Merkmale nicht sicher von diesen unterscheidbar. Die europäischen Arten sind sehr zart gebaut. Die Unterschenkel (Tibien) der mittleren und der hinteren Beinpaare sind bei den Männchen verbreitert und flach (gilt nur für die Arten der Unterfamilie Platycnemidinae). Sie erinnern dadurch an Vogelfedern, woher sich der deutsche Name ableitet. Die Tibien sind außerdem fast immer lang und dicht bestachelt, der Kopf ist meist auffallend breit mit weit auseinander stehenden Augen. Die meisten Federlibellen sind Fließgewässerarten.
Fortpflanzung und Entwicklung Zur Paarung bilden die Partner, wie typisch für Libellen, ein Paarungsrad und die darauf folgende Eiablage auch der Federlibellen geschieht im Tandemflug. Dabei werden die Eier der heimischen Arten in Wasserpflanzen wie der Teichrose oder dem Laichkraut eingestochen, wobei das Weibchen maximal mit dem Hinterleib unter die Wasseroberfläche taucht.
Nach zwei bis drei Wochen schlüpfen die Larven, die sich vor allem im Bodenschlamm aufhalten und sich von anderen Insektenlarven oder Würmern ernähren. Die Entwicklung ist einjährig, die Überwinterung erfolgt als letztes Larvenstadium.
Taxonomie, Systematik, Verbreitung Schwestergruppe der Familie Platycnemididae sind die Coenagrionidae, mit denen sie die Überfamilie der Coenagrionoidea bilden. Verschiedene Gruppen, die früher meist als nahe verwandte Familien aufgefasst wurden, werden heute als Unterfamilien in eine weit gefasste Familie Platycnemididae mit einbezogen, etwa die ehemalige Familie Disparoneuridae (syn. Caconeuridae). Die früher oft unterschiedene Unterfamilie der Calicnemiinae erwies sich hingegen als paraphyletisch und musste in der traditionellen Umschreibung aufgegeben werden.
Weltweit sind etwa 400 Arten bekannt, die sich auf 40 Gattungen aufteilen.Klaas-Douwe B. Dijkstra, Günter Bechly, Seth M. Bybee, Rory A. Dow, Henri J. Dumont, Günther Fleck, Rosser W. Garrison, Matti Hämäläinen, Vincent J. Kalkman, Haruki Karube, Michael L. May, Albert G. Orr, Dennis R. Paulson, Andrew C. Rehn, Günther Theischinger, John W. H. Trueman, Jan van Tol, Natalia von Ellenrieder, Jessica Ware: The classification and diversity of dragonflies and damselflies (Odonata). In: Zootaxa. Band 3703, Nr. 1, 2013, S. 36–45, doi:10.11646/zootaxa.3703.1.9. Alle Arten leben in der Alten Welt, mit Verbreitungsschwerpunkt in den Tropen, bevorzugt in Fließgewässern.
Folgende Unterfamilien und Gattungen werden unterschieden:Klaas-Douwe Benediktus Dijkstra, Vincent J. Kalkman, Rory A. Dow, Frank R. Stokvis, Jan van Tol: Redefining the damselfly families: a comprehensive molecular phylogeny of Zygoptera (Odonata). In: Systematic Entomology. Band 39, Nr. 1, 2014, S. 68–96, doi:10.1111/syen.12035.
Familie Platycemididae Unterfamilie Platycnemidinae Proplatycnemis , 1920 Spesbona , 2013 Matticnemis , 2013, Platycnemis , 1839 Pseudocopera , 1922 Unterfamilie Allocnemidinae – Afrika (außer Arabicnemis) Allocnemis , 1863 Arabicnemis , 1984 Mesocnemis , 1891 Metacnemis , 1863 Stenocnemis , 1899 Unterfamilie Calicnemiinae , 1957 – Orientalis Asthenocnemis , 1949 Calicnemia , 1928 Coeliccia , 1890 Indocnemis , 1917 Unterfamilie Disparoneurinae , 1957 – Afrika, Asien, Neuguinea, Australien Arabineura & , 1995 Caconeura , 1890 Disparoneura , 1860 Elattoneura , 1935 Esme , 1922 Melanoneura , 1922 Nososticta , 1860 Phylloneura , 1922 Prodasineura , 1934 Unterfamilie Idiocnemidinae – Neuguinea, Salomonen Archboldargia , 1949 Arrhenocnemis , 1933 Cyanocnemis , 1949 Hylaeargia , 1949 Idiocnemis , 1878 Igneocnemis , 1991 Lieftinckia , 1957 Lochmaeocnemis , 1949 Palaiargia , 1903 Papuargia , 1938 Paramecocnemis , 1932 Rhyacocnemis , 1956 Risiocnemis , 1934 Salomocnemis , 1987 Torrenticnemis , 1949 Unterfamilie Onychargiinae Onychargia , 1865 – Orientalis Paracnemis , 1902 – Madagaskar
Alle europäischen Arten gehören zur Gattung Platycnemis. In Mitteleuropa ist nur die Blaue Federlibelle (Platycnemis pennipes) verbreitet, in Südwesteuropa finden sich außerdem die Weiße Federlibelle (Platycnemis latipes) und die Orangerote Federlibelle (Platycnemis acutipennis). Die Illyrische Federlibelle (Platycnemis nitidula) wird häufig als Unterart von P. acutipennis angesehen und kommt nur in Griechenland und den vorgelagerten Inseln vor. In Nordafrika ist zudem die Maghreb-Federlibelle Platycnemis subdilatata weit verbreitet, bisher gab es aber nur einen Fund auf der zu Spanien gehörenden Insel Teneriffa.
Literatur Andreas Martens: Die Federlibellen Europas (Platycnemididae) (= Die Neue Brehm-Bücherei. Band 626). Westarp & Spektrum, Magdeburg / Heidelberg / Berlin / Oxford 1996, ISBN 3-89432-458-9. Heiko Bellmann: Libellen beobachten – bestimmen. Naturbuch, Augsburg 1993, ISBN 3-89440-107-9. Gerhard Jurzitza: Der Kosmos-Libellenführer. Franckh-Kosmos, Stuttgart 2000, ISBN 978-3-440-08402-1. Hansruedi Wildermuth, Andreas Martens: Taschenlexikon der Libellen Europas. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2014, ISBN 978-3-494-01558-3.
Einzelnachweise
Weblinks
Family Platycnemididae. ADDO African Dragonflies and Damselflies Online.