mini|Henri Moser auf der Weltausstellung im Jahr 1900 Henri Moser (* 13. Mai 1844 in Sankt Petersburg als Georg Heinrich Moser; † 15. Juli 1923 in Vevey; heimatberechtigt in Schaffhausen und Neuhausen am Rheinfall) war ein Schweizer Forschungsreisender, Kaufmann, Diplomat, Kunstsammler und Mäzen.

Leben Henri Moser wurde am 13. Mai 1844 in Sankt Petersburg als Sohn des Industriellen Heinrich Moser geboren. 1848 kam er in die Schweiz und verbrachte seine Kindheit in Schaffhausen und auf Schloss Charlottenfels in Neuhausen am Rheinfall. Er erhielt Privatunterricht und besuchte Internate in der Westschweiz. 1887 heiratete er seine Nichte Sophia Marguerite Schoch.

Als Zwanzigjähriger verliess er unter Druck seines Vaters die Schweiz, um in dessen Uhrenmanufaktur in Russland einzutreten. Mit 23 kam es zum Bruch mit dem Vater, und Moser entwickelt ein Interesse an Zentralasien, das er auf insgesamt vier Reisen intensiviert. Diese Reisen finden vor dem Hintergrund der imperialen russischen Expansion nach Zentralasien statt. Mit der ersten Reise 1868–1869 versuchte Moser, sich vergeblich eine Existenz als Unternehmer im Seidenraupenhandel aufzubauen. 1870 reiste er durch die Kasachische Steppe und begann, lokale Waffen zu sammeln. Auf seiner dritten Reise 1883–1884 begleitete Moser teilweise den neu ernannten russischen Generalgouverneur von Transkaspien, General Alexander Wissarionowitsch Komorow auf der russischen Expedition nach Zentralasien. Die vierte Reise 1888–1889, auf der Moser von seiner Frau Marguerite begleitet wurde, entstand aus der Zusammenarbeit mit dem russischen General Michael Nikolajewitsch Annenkow und involvierte den Plan, große Gebiete Turkestans durch moderne Bewässerungsanlagen zu erschließen. Diess Vorhaben scheiterte an der mangelnden Einwilligung seitens der russischen Zentralregierung. Henri Moser kehrte daher gemeinsam mit Marguerite nach Europa zurück. Dort trat Moser in den diplomatischen Dienst Österreich-Ungarns ein. 1892–1896 wirkte Moser als Repräsentant der Donaumonarchie für Bosnien und Herzegowina in Paris.

Auf seinen Reisen und auch in seiner Pariser Zeit trugen er und seine Frau Marguerite große Sammlungen von Kunstgegenständen, Jagdtrophäen, Waffen, Kleidung und anderem zusammen, die Moser in Ausstellungen in ganz Europa zeigte. Bei der Weltausstellung von 1900 in Paris konzipierte er den Pavillon für Bosnien-Herzegowina. Nach seiner Rückkehr in die Schweiz kaufte er aus seinem u. a. durch Spekulation mit sibirischen Kupferaktionen erlangten Vermögen den elterlichen Wohnsitz, das Schloss Charlottenfels in Neuhausen am Rheinfall, zurück.

1914 stiftete er seine umfangreiche «Orientalische Sammlung Henri Moser Charlottenfels» dem Bernischen Historischen Museum mit der Verpflichtung, diese zu pflegen und auszustellen. Der damalige Direktor Rudol Wegeli unterzeichnete den Schenkungsvertrag. Für den notwendigen Anbau, der 1922 eröffnet wurde, und den Unterhalt der damals ca. 4000 Artefakte umfassenden Sammlung stiftete Henri Moser 100.000 Franken. 1914 wurde er zum Ehrenbürger der Stadt Bern und 1915 zum Ehrendoktor der Universität Bern ernannt.

1919 stiftete er das Gut Löwenstein und das Schlossgut Charlottenfels in der Gemeinde Neuhausen dem Kanton Schaffhausen zwecks Einrichtung einer landwirtschaftlichen Winter- und Haushaltungsschule. 1925 wurde die Landwirtschaftliche Schule des Kantons Schaffhausen eingerichtet. Henri Moser starb am 15. Juli 1923 in Vevey an einer Lungenentzündung.

Er erhielt von der Stadt Schaffhausen zusammen mit seinem Vater ein Ehrengrab für die Familie Moser auf dem Waldfriedhof Schaffhausen.

Veröffentlichungen

À travers l’Asie Centrale: La steppe Kirghize, le Turkestan Russe, Boukhara, Khiva, le pays des Turcomans et la Perse. Impression de voyage. E. Plon, Paris 1885. deutsch: Durch Zentralasien: Die Kirgisensteppe, Russisch Turkestan, Bochara, Chiwa das Turkmenenland und Persien. Reiseschilderungen. Leipzig 1888. L’irrigation en Asie centrale: Etude géographique et économique. Société d’Éditions scientifiques, Paris 1894. L’Orient inédit: À travers la Bosnie et l’Herzégovine. Compagnie internationale des wagons-lits et des grands express Européens, Paris 1895. Sammlung Henri Moser-Charlottenfels: Orientalische Waffen und Rüstungen. Verlag Leipzig, Karl W. Hiersemann, 1912 (Imperial Folio, Auflage: 300 Exemplare)

Literatur Gustav von Reymond: Die centralasiatisch-ethnographische Ausstellung des Herrn H[enri] Moser von Schaffhausen in Bern. Jahresbericht der Geographischen Gesellschaft von Bern. Band 8, 1885–1887, S. 63–77. Henri Moser(!): Sammlung Henri Moser-Charlottenfels. Orientalische Waffen und Rüstungen. Hiersemann, Leipzig 1912 (Digitalisat). Rudolf Zeller: Die orientalische Sammlung von Henri Moser auf Charlottenfels. Beschreibender Katalog der Waffensammlung. Komm. K. J. Wyss, Bern 1915. Rudolf Zeller: Die orientalische Sammlung von Henri Moser auf Charlottenfels im Historischen Museum in Bern. In: Das Werk. Bd. 9 (1922), Heft 10, S. 189–204, doi:10.5169/seals-10639. R.W.: † Dr. Henri Moser (1844–1923). In: Der Bund. Volume 74, Nummer 298 vom 17. Juli 1923. Rudolf Zeller: Die orientalische Sammlung von Henri Moser auf Charlottenfels im Historischen Museum in Bern. In: Blätter für bernische Geschichte, Kunst und Altertumskunde, Bd. 20, Heft 1, 1924, S. 1–72 (Digitalisat). Marguerite Moser: Une vie: Henri Moser, Charlottenfels. Payot, Lausanne 1929. Paul Lichtenhahn: Dr. h.c. Henri Moser Charlottenfels, zu seinem 100. Geburtstag. Schoch, Schaffhausen 1944. Robert Pfaff: Henri Moser. In: Schaffhauser Beiträge zur vaterländischen Geschichte, Band 46. 1969. S. 212–222 (Digitalisat). Robert Pfaff: Henri Moser Charlottenfels und seine Orientalische Sammlung, IN: Schaffhauser Beiträge zur Geschichte Nr. 62, Schaffhausen 1985. Ernst J. Kläy: Orientalische Sammlung Henri Moser Charlottenfels. In: Berner Zeitschrift für Geschichte und Heimatkunde, Bd. 56, 1994, Heft 3, S. 335–358 (Digitalisat). Roger Nicholas Balsiger, Ernst J. Kläy: Bei Schah, Emir und Khan: Henri Moser Charlottenfels 1844–1923. Meier, Schaffhausen 1992, ISBN 3-85801-092-8.

Mandy Ranneberg, Nathalie Walter: Landgut und Schloss Charlottenfels. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Bern 2015, ISBN 978-3-03797-182-6. Alban von Stockhausen: "Our aim is to perform something that remains after we are gone". The Oriental Collection Henri Moser Charlottenfels at Bernisches Historisches Museum. In: Francine Giese, Mercedes Volait, Ariane Varela Braga (Hg.): À l'orientale. Collecting, Displaying and Appropriating Islamic Art and Architecture in the Nineteenth and Twentieth Centuries. Leiden/Boston 2020, S. 189–200. Roger Nicholas Balsiger: Der Uhrmacher des Zaren. Der Lebensroman des Industriepioniers Heinrich Moser und seiner Kinder Henri und Mentona. Limmat, Zürich 2023, ISBN 978-3-03926-062-1.

Weblinks

Lebenslauf und Literatur bei fotoCH

Moser Familienmuseum Charlottenfels, Heinrich und Henri Moser Stiftung Bernisches Historisches Museum: Orientalische Sammlung Henri Moser / Musée Moser Das Leben der Familie Moser auf Schloss Charlottenfels. In: Regionaljournal Zürich Schaffhausen, Schweizer Radio DRS, 9. November 2010.

Einzelnachweise

Kategorie:Mäzen Kategorie:Kunstsammler Kategorie:Ethnographikasammler Kategorie:Waffensammler Kategorie:Asienforscher Kategorie:Ehrenbürger im Kanton Bern Kategorie:Ehrendoktor der Universität Bern Kategorie:Person (Schaffhausen) Kategorie:Schweizer Kategorie:Geboren 1844 Kategorie:Gestorben 1923 Kategorie:Mann