mini|Giebelwand der ehemaligen Kapelle mit Mauernische Die St.-Gallus-Kapelle in der Bad Säckinger Altstadt ist ein im frühen 18. Jahrhundert zum Wohnhaus umgebauter Sakralbau, dessen Bausubstanz mittelalterliche Elemente birgt. Architektur Die ehemalige Kapelle, ein langgestreckter zweistöckiger Satteldachbau, befindet sich am nordöstlichen, spitz zulaufenden Rand der früheren Säckinger Insel oberhalb der zum Rhein abfallenden Stadtmauer. Die nahezu quadratischen Fensteröffnungen an den Längsseiten sind regelmäßig angeordnet. Die Holzläden und die schlichte mittig angebrachte Eingangstür weisen den Bau als Wohnhaus aus.

Lediglich eine sich über die Höhe beider Stockwerke erstreckende Mauernische an der dem Rhein zugewandten Giebelwand deutet auf die ehemalige Verwendung als Kirchenbau hin. Bei der Vertiefung mit Segmentbogenabschluss handelt es sich um die zugemauerte Öffnung eines in früherer Zeit dort eingelassenen Kapellenfensters. Auch drei um die Nische angeordnete kleine Fenster weisen Segmentbögen auf. Geschichte Die St.-Gallus-Kapelle wird erstmals 1331 erwähnt. Die Namensgebung weist auf einen weiter zurückliegenden Ursprung hin. Einen Sakralbau unter die Schutzherrschaft des hl. Gallus zu stellen, ist kennzeichnend für die Zeit vor dem 11. Jahrhundert, in der das Kloster St. Gallen enge Beziehungen zu einzelnen Orten in seinem Einzugsgebiet unterhielt. Das traf auf Säckingen zu. So fand im 9. Jahrhundert eine Reliquie des hl. Gallus den Weg in den Säckinger Münsterschatz. Der Reliquie liegt ein sogenanntes Authentik bei, eine Art schriftliches Echtheitszertifikat des abgebenden Klosters St. Gallen. Vgl. hierzu: Adelheid Enderle, Mehr als 1000 Jahre alte Beziehung. Badische Zeitung, 1. März 2012 Im 10. Jahrhundert schrieb der aus Säckingen stammende Mönch Balther, der an der St. Galler Klosterschule seine Ausbildung erhalten hatte, die Fridolinsvita. Die Legende könnte Anlass gewesen sein, eine Kaplanei zur Verehrung des hl. Gallus zu stiften. Denn wie der Säckinger Kirchenpatron St. Fridolin war er missionarisch und als Klostergründer tätig.Falko Hahn, Die zwei Heiligen Fridolin und Gallus (…) missionieren (…) forsch. Südkurier, 6. März 2019

Das nicht näher bekannte Stiftungsvermögen floss in späterer Zeit mit dem anderer Säckinger Kaplaneien zusammen. Die Bausubstanz der gotischen Kapelle erfuhr keine ausreichende Pflege mehr. Ende des 17. Jahrhunderts war die Stelle des Kaplans nicht mehr besetzt. Im Jahr 1729 wurde der Bau profaniert und vom Stift, in dessen Besitz er sich befand, zu einem Wohnhaus umgebaut.Als Ersatz richtete man im Zuge der Barockisierung des Fridolinsmünsters im Südturm eine Kapelle für den hl. Gallus ein. Vgl. Literatur: Enderle, Enderle-Jehle 1993 Die Kapelle als Namensgeberin mini|hochkant|Bronzestatue des hl. Gallus mit dem zahmen Bären Der 1343 errichtete Gallusturm, der der Stadtbefestigung diente, wurde nach dem Heiligen benannt, weil sein Standort nur ca. 50 m von der St.-Gallus-Kapelle entfernt liegt. Gallusbrunnen Gegenüber der Kapelle und in Sichtweite zum Gallusturm steht an der Stadtmauer ein alter Zierbrunnen mit länglichem Trog und einer Bronzeskulptur auf quadratischem Stock. Sie ist ein Werk des Münchner Bildhauers Josef Henselmann und wurde im Jahr 1977 eingeweiht. Gezeigt wird der Heilige mit Pilgerstock, Kutte und Überwurf, wie er der Legende nach einem von ihm zum Holzsammeln gezähmten Bären Brot reicht.Karl Braun, Missionar mit Mitra und einem Bär. Badische Zeitung, 8. Oktober 2015

Gallusbrunnen, Gallusturm und die Kapelle sind als Kulturdenkmale in Bad Säckingen angetragen. Literatur Fridolin Jehle, Adelheid Enderle-Jehle, Die Geschichte des Stiftes Säckingen. Aarau 1993, S. 20 und S. 156f. Liste der Kulturdenkmale in Bad Säckingen des Landesamts für Denkmalpflege Baden-Württemberg (2025) Weblinks

sanktgallus.net: Kapelle Bad Säckingen, Fotos und Literatur alemannische-seiten.de: Galluskapelle Säckingen alemannische-seiten.de: Gallusbrunnen Bad Säckingen Einzelnachweise

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