miniatur|hochkant=1.20|Siegel der Kölner Universität, 1392–1798

Die Universitas Studii (sancte civitatis) Coloniensis war die Alte Universität Köln, die 1388 durch die Patrizier im Rat der Stadt Köln gegründet worden war. Sie bestand bis 1798, als sie während der Zeit der französischen Herrschaft aufgelöst wurde. Die heutige, 1919 gegründete Universität zu Köln sieht sich in der Tradition dieser mittelalterlichen Hochschule.

Vorgängereinrichtungen Köln war im Mittelalter die zweitgrößte Stadt im Heiligen Römischen Reich mit etwa 40.000 Einwohnern.Die europäische Stadt des Mittelalters, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1972, S. 201. (4. Auflage. 1987, ISBN 3-525-01341-8) Dazu war sie die bedeutendste Wallfahrtsstadt, seit Rainald von Dassel 1164 die Reliquien der Heiligen drei Könige nach Köln gebracht hatte. Im Heiligen Köln gab es seit mindestens 850. eine Domschule und ab dem 13. Jahrhundert Generalstudien bei den geistlichen Bettelorden der Franziskaner (seit 1260), Karmeliter im Kölner Karmel (seit 1294) und Augustiner (seit 1290). Das bekannteste studium generale war das der Dominikaner, gegründet 1248 von Albertus Magnus.Kirchenrechtsquellen S. 301 Google-Books. Als die Universität gegründet wurde, übernahm sie keine Dozenten von diesen Ordensbildungsstätten, außer den Magister Konrad von Brydschede (Breidscheid), Kanoniker am Stift St. Gereon und später einer der ersten namentlich bekannten Professoren an der Montanerburse, der sich am Tage der Gründung immatrikulierte.Keusen, S. 4 Diese kirchlichen Studien blieben weiterhin bestehen, und man kooperierte miteinander. Die Rektorswahlen fanden vierteljährlich reihum in den Generalstudien statt,Günther Binding (Hrsg.): Aus der Geschichte der Universität zu Köln. Köln 1982, S. 3. und die Regentes wurden später auch zu Professoren der Universität berufen.

Gründung Die Universität zu Köln wurde am 21. Mai 1388 als vierte Universität im Heiligen Römischen Reich nach der Universität Prag (1348), der Universität Wien (1365) und der Universität Heidelberg (1386) gegründet. Die Initiative dazu ging nicht wie sonst üblich vom Kaiser oder einem Fürsten aus, sondern vom Rat der Freien Reichsstadt Köln, die auch die Kosten übernahm.Gründungsurkunde in: v. den Brincken: Stadt und Hochschule. Quellen der Stadt Köln Bd. 1, S. 308–309. Von Seiten der Stadt waren bei den Gründungsverhandlungen mit Papst Urban VI. der Magister der Theologie, Professor am Generalstudium der Dominikaner, Alexander von KempenSiehe zu diesem, auch Alexander von Köln genannt , und der Rechtsberater der Stadt und Propst an St. Georg, Hermann Stakkelwege beteiligt, der dann auch gleich 1389 in die Juristische Fakultät eintrat und im Sommer 1392 Rektor war.Arnold Stelzmann, Robert Frohn: Illustrierte Geschichte der Stadt Köln. 11. Auflage. Bachem, Köln 1990, S. 146 f. Die Gründungsurkunde wurde von Papst Urban VI. in Perugia unterzeichnet. Am 6. Januar 1389, Epiphanias, dem Tag der Kölner Stadtpatrone, wurden die Vorlesungen von den anfänglich bereits 20 Professoren aufgenommen. Gründungsrektor war Hartlevus de Marca, der die Lehre mit einer Disputation nach dem Vorbild der Sorbonne mit dem Theologieprofessor Gerhard Kikpot von Kalkar über Jesaja 60,1 („die Herrlichkeit des Herrn ging strahlend auf über dir“)Text nach Einheitsübersetzung. eröffnete. Am folgenden Tag (vermutlich weil an Epiphanias der Dom nicht zur Verfügung stand) wurde im Dom eine Messe zur Eröffnung der Universität gelesen. (Zugriff Januar 2016) Die Universität richtete sich am angesehensten Vorbild aus, der Universität von Paris. Von dieser kamen etwa drei Viertel der Professoren, weil sich ihre Hochschule auf Betreiben des französischen Königs Karl VI. für den Gegenpapst Clemens VII. entschieden hatte, ein weiterer Teil der Professoren war aus Heidelberg wegen der Pest nach Köln geflohen.Binding: Aus der Geschichte der Universität zu Köln. 1982, S. 4. Sie unterschied sich aber von Paris, Wien und Heidelberg insofern, als sie von Beginn an neben Kirchenrecht als erste Universität im Reich auch Kaiserrecht (Römisches Recht) lehrte. Sie gehörte von Anfang an mit 700 Immatrikulierten (später etwa 1000) zu den größten Universitäten Europas. Die Lingua franca an den Universitäten war im Allgemeinen Latein beziehungsweise Kirchenlatein, weshalb die Scholaren aus ganz Europa kommen konnten. 1389 kamen allein aus der Prager Karlsuniversität 35 Personen, vorwiegend Baccalaurei und Magistri an die neue Universität.Franz Machilek: Kirche und Universität im Spätmittelalter: die Gründungen Prag und Erfurt. In: Peter Wörster (Hrsg.): Universitäten im östlichen Mitteleuropa. Zwischen Kirche, Staat und Nation – Sozialgeschichtliche und politische Entwicklungen. Oldenbourg, München 2008, ISBN 978-3-486-58494-3, S. 165–194, hier: S. 180. Die Stadt finanzierte zunächst neun, später zwölf professores publici et ordinarii: Vier Theologen, drei Kanonisten, drei Mediziner und zwei Legisten (die Römisches Recht/Kaiserrecht lehrten). Weitere Professuren wurden durch Pfründen finanziert. So lehrten bereits im ersten Jahr insgesamt nicht weniger als sieben Professoren des Kaiserrechts an der Hochschule.Stelzmann, Frohn: Illustrierte Geschichte der Stadt Köln. 1990, S. 147. Insgesamt vier lehrten Kanonisches Recht.Dekan der rw. Fak. (Hrsg.): Rechtswissenschaft an der Universität zu Köln. Köln 2002, S. 105. An zehn der großen Kölner Stiftskirchen und am Kölner Dom war zur Finanzierung dieser zusätzlichen Professuren für die Universität ein Kanonikat vorbehalten. 1437 kamen noch einmal je 11 an diesen Kirchen dazu. Neben der Finanzierung war dadurch auch die geistliche Verbindung zur Kirche gewährleistet.Willehad Paul Eckert: Kleine Geschichte der Universität Köln. Bachem, Köln 1961, S. 35 f. Zudem war das Recht, Prüfungen abzunehmen und Kandidaten zu promovieren, dem Erzbischof und Kurfürsten von Köln (bei der Gründung Friedrich III. von Saarwerden, der der Stadt durchaus distanziert gegenüberstand) gewährt, der damit den Dompropst beauftragte, welcher so zum Kanzler der Hochschule wurde. Der Vizekanzler, ein wiederum von diesem beauftragter Professor der Universität, führte die GeschäfteBinding: Aus der Geschichte der Universität zu Köln. 1982.; ein weitgehend identisches Konstrukt gibt es heute noch bei den traditionellen Hochschulen des vormals britischen Commonwealth. Die Hochschule besaß kurz nach ihrem Anfang alle vier damals üblichen Fakultäten: Theologie, Juristerei (utrumque jus alle beide Rechte’), Medizin und die jüngeren sieben „Artes“, welche im Trivium (Grammatik, Logik, Rhetorik) zusammen mit dem Quadrivium (Arithmetik, Astronomie, Geometrie, Musik) bestanden und später kollektiv als philosophische Fakultät bezeichnet wurden. Gründungsmitglieder waren 1388/89 21 Magistri; von den 609 Studenten waren in den höheren Fakultäten 108 Theologen, 166 Juristen und acht Mediziner.Binding: Aus der Geschichte der Universität zu Köln. 1982, S. 4, 6.

Studium und Lehre miniatur|hochkant|Die Kronenburse, ehemalige Rechtschule, um 1840

Hauptsächlich kamen die Studenten aus den rheinischen, westfälischen und niederländischen Territorien, aber auch aus Skandinavien und Schottland. So kamen allein zwischen 1419 und 1523 434 Schotten nach Köln.Senatsbeauftragter zur Vorbereitung der 600-Jahr-Feier (Hrsg.): 600 Jahre Kölner Universität. Köln 1988, S. 9. Ein Drittel galt als arm und wurde aus Stiftungen und mit Nebenverdiensten ernährt. In den Jahren zwischen 1441 und 1500 wurden jährlich rund 450 Studenten immatrikuliert. Die Hochschule hatte ihre Lehrgebäude und Bursen in der Stadt verteilt in einem Areal um den Dom und um die heutige Straße An der Rechtschule (siehe dort). Ein großer Teil des Unterrichts fand dabei in Gebäuden der vier Bettelorden statt. Viele Studenten lebten auch in diesen Bursen, auf die im 15. Jahrhundert auch der für alle verbindliche vorbereitende Unterricht der artistischen Fakultät überging. Kleinere Bursen hielten sich nicht lange. 1524 gab es noch die Kronenburse (Tricoronatum) benannt nach dem Kölner Wappen auf dem dann städtischen Gebäude, das vor allem den Juristen diente, die Laurentiana, zuerst an der heutigen Komödienstraße und später An der Rechtschule gelegen, sowie die Montanerburse an den Straßen Unter Sachsenhausen, Enggasse und Stolkgasse, beide benannt nach ihren Gründern oder Hauptförderern. Das Studentenleben spielte sich in den Bursen ab. Der Doktorausritt nach der Promotion zum Beispiel war ein teures Fest, das aber zugleich viel Reputation gewährte.Eckert: Kleine Geschichte der Universität Köln. S. 50ff. Neben den Bursen gab es noch Kollegien anderer Orden, so das 1615 gegründete Collegium Norbertinum der Prämonstratenser in deren Steinfelder Hof an St. Gereon.

Immatrikulationsgebühren Es gab keinen einheitlichen Studienbeginn. Fahrende Scholaren wurden bei ihrer Ankunft, oft auch erst einige Zeit danach, vom Rektor eingeschrieben. Es waren dazu 6 Albus fällig und ein Albus für den Pedell. Auch die Magister und Doktoren mussten sich einschreiben. Armen und besonders berühmten Einzuschreibenden konnte der Rektor die Gebühr erlassen.Keussen: Matrikel der Universität Köln. Einleitung XXII. Damit viele der Professoren Zugang zu diesen Einnahmen hatten, wechselte das Rektorat vierteljährlich. Dabei konnte natürlich ein Rektor auch wiedergewählt werden.

Artistenfakultät Alle Studenten mussten zuerst die Artistenfakultät durchlaufen, bevor sie eventuell zu den höheren Studien zugelassen wurden. Die Fakultät nutzte den Versėlenkonvent an der Stolkgasse gegenüber dem Dominikanerkloster, den die Stadt im Jahr 1398 von den Beginen erworben hatte. Es war für die Zwecke der Artistenfakultät umgebaut und mehrfach erweitert worden. Von 1411 bis 1416 besaß die Fakultät auch den Hof Riehl auf der Marzellenstraße.

Theologische Fakultät miniatur|Kölner Dom und Aula theologica um 1665 Die theologische Fakultät gehörte zu den angesehensten Einrichtungen unter den Fakultäten. Sie nutzte das Kapitelhaus des Domkapitels. Später stellte das Domkapitel der Fakultät Räume hinter dem Domumgang als Theologenschule zur Verfügung. 1523 entstand dann, unter Zustimmung des Rates, ein Neubau neben dem Südturm des Domes am Domkloster, der die bisherigen Räume ersetze. Nach der Zeichnung von Justus Finkenbaum war es ein zweigeschossiges zinnenbekröntes Gebäude, welches wiederum in den Jahren 1748/50 einem Neubau weichen musste. Dies neue Bauwerk zierte ein breiter Volutengiebel, in den ein Relief eingearbeitet worden war, das den Sieg der katholischen Kirche über die Irrlehren versinnbildlichen sollte. 1785 wurde das Relief aus Furcht vor einem Einrücken protestantischer Truppen abgeschlagen. Noch 1779 wurde im Kölner Adressbuch die „Aula theologorum“ als die „hohe Schule“ bezeichnet. Nach der französischen Besetzung der Stadt wurde das Gebäude zum Sitz des republikanischen Klubs. Danach diente es als „Lyversbergisches“ Lagerhaus und wurde als solches 1844 abgebrochen.Paul Clemen (Hrsg.): Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz. Band 6, 7: Die Kunstdenkmäler der Stadt Köln. Band 7, Abteilung 3, Ergänzungs-Band = Band 2, Abteilung 3, Ergänzungs-Band: Ludwig Arntz, Heinrich Neu, Hans Vogts: Die ehemaligen Kirchen, Klöster, Hospitäler und Schulbauten der Stadt Köln., S. 379 ff Die Fakultät soll jedoch nie Eigentümer des Gebäudes gewesen sein.

Juristische Fakultät miniatur|Siegel der Juristischen Fakultät von 1393