Zörnigall ist ein Ortsteil der Stadt Zahna-Elster im Landkreis Wittenberg in Sachsen-Anhalt.

Geografie Zörnigall liegt unmittelbar östlich der Kreisstadt Lutherstadt Wittenberg und besteht aus zwei unterschiedlichen Siedlungen, heute mit Zörnigall-Dorf und Zörnigall-Siedlung bezeichnet. Es erstreckt sich im Süden fast bis an die Bebauungsgrenze von Mühlanger.

Geschichte Das alte Dorf ist eine Sumpfwohnanlage, deren aus dem Sorbischen stammender Name sich von altsorbisch *černy gał (in etwa „schwarze Lichtung“) ableitet. Urkundlich erwähnt wurde Czernegal erstmals im Jahr 1380. Im 19. Jahrhundert wurde die Schreibweise Zernigal verwendet.Georg Swederus: Schwedens Politik und Kriege in den Jahren 1808 bis 1814, vorzüglich unter der Leitung des Kronprinzen Carl Johan. Auflage: Von dem Verfasser gänzlich umgearbeitete deutsche Ausgabe. Band 2, Verlag Fleischer, Leipzig 1866, S. 151.Vgl. Originaltitel: Sveriges krig och politik: åren 1808–1815. Übersetzer: Carl Friedrich Frisch; Stockholm 1864.

Das örtliche Gut übernahm im 19. Jahrhundert die 1799 in Wien geadelte Familie von König, zuerst vor Ort vertreten durch Karl Eduard von König (1813–1883), verheiratet mit Eva Emilie Auguste von Schlieben-Rakith (1819–1892). Erbe wurde der Sohn Hermann von König (1845–1902), dann wiederum dessen in Zörnigall geborener Sohn Ernst von König (1878–1914), kgl. preuß. Hauptmann d. R.,Alexis von Schoenermarck: Helden-Gedenkmappe des Deutschen Adels. Verlag Wilhelm Petri, Stuttgart 1921, S. 163. verheiratet mit Agnes Reichardt aus Dessau. Ihre Kinder sind alle in Zörnigall geboren, wie auch die Offiziere der näheren Verwandtschaft, Oberstleutnant Albrecht von König (* 1851) und Major Hans von König (1852–1904).Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Briefadeligen Häuser. 1907. Erster Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1906, S. 414 f.Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Zugleich Adelsmatrikel der D.A.G. Teil B (Briefadel). 1940. Jahrgang 32, Justus Perthes, Gotha 1939, S. 324. Der 1880 in Zörnigall geborene Reserve-Hauptmann Bodo von König war auch kaiserlich ottomanischer Major.Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Briefadeligen Häuser. 1916. Zehnter Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1915, [S. 532.] Die Gutsherren von König galten als anerkannte moderne Landwirte, waren in mehreren Fachverbänden organisiertConrad von Seelhorst: Acker- und Wiesenbau auf Moorboden. Verlag Paul Parey, Berlin 1892, S. 135.Handbuch über den Königlich Preußischen Hof und Staat für das Jahr 1903. R. (L.) v. Decker’s Verlag G. Schenck, Berlin 15. Dezember 1902, S. 493. und veröffentlichten ihre Erfahrungen mehrfach frühzeitig in der landwirtschaftlichen Fachliteratur,Thaer-Bibliothek: Lupinen- und Serradellabbau, 8. Auflage, Verlag Paul Parey, Berlin 1885, In: F. Burgtorf: Wiesen- und Weidenbau. 3. Auflage, Verlag Paul Parey, Berlin 1885. mit Anerkennung bis ins Ausland.Kungl. Skogs- och lantbruksakademien (Sweden): Handlingar och Tidskrift för år 1886. Jahrgang 25, Verlag P. A. Norstedt & Söners, Stockholm 1886/1887, S. 260. Gut Zörnigall wurde lange als Haus Zörnigall bezeichnet, hinzu gehörte zeitweise eine Moor-Versuchs-Station.Moritz Fleischer, E. Borgmann, C. Brunnemann, A. Hecht, E. Kern, R. Sachsse, B. Tollens, u. a.: Biedermanns Central-Blatt für Agrikulturchemie und rationellen Landwirtschafts-Betrieb. Fünfzehnter Jahrgang, Verlag Oskar Leiner, Leipzig 1886, S. 12. Letzter Eigentümer des 282 ha-Gutes war Paul Graßhoff.Oskar Köhler, Gustav Wesche, H. Krahmer: Landwirtschaftliches Güter-Adreßbuch der Provinz Sachsen. . Verzeichnis sämtlicher Rittergüter und Güter von ungefähr 20 ha herab mit Angabe der Gutseigenschaft, des Grundsteuerertrages, der Gesamtfläche und des Flächeninhalts der einzelnen Kulturen. Hrsg. Mit Unterstützung der Landwirtschaftskammer zu Halle a. S., In: Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher. Band V, (Paul Niekammer), 3. Auflage, Reichenbach’sche Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1922, S. 236–237. Bei Familie Graßhoff machte der spätere Agrarwissenschaftler Oskar Baumgarten vor seiner Promotion sein Praktikum.Vgl. Derselbe: Oskar Baumgarten: Freihandel und Schutzzoll als Mittel der Agrarpolitik in der Zeit von 1860 bis zur Gegenwart. In: Volkswirtschaftliche Literatur. H. 18; Akademie Verlag, Halle a. d. S. 1935. DNB

1930, zur Zeit der großen Wirtschaftskrise, wurde das ehemalige Gut Zörnigall aufgeteilt. Die Kleinbauern des Dorfes kauften Teile des Großbesitzes, damit ihre Wirtschaften lebensfähig wurden. Außerdem wurde in der Nähe der Bahnstrecke Lutherstadt Wittenberg–Berlin auf den „Kohlhaasenstücken“ Siedlungsgelände frei. In kurzer Zeit entstand hier seit 1934 wie später im Nachbarort Abtsdorf eine Großsiedlung mit Schulgebäude. Zörnigall war Teil des alten Landkreises Wittenberg, Regierungsbezirk Merseburg.

An Michael Kohlhaas, der sich in dieser Gegend aufgehalten haben soll, erinnern bis heute außer den Kohlhaasenstücken der Kohlhaasbrunnen und die Michael-Kohlhaas-Straße.

Zörnigall war bis 2010 eine selbstständige Gemeinde im Landkreis Wittenberg. Am 1. Januar 2011 wurde der Ort in die neugebildete Stadt Zahna-Elster eingegliedert. Seitdem ist Zörnigall Ortschaft und Ortsteil der Stadt.§ 16 der Hauptsatzung der Stadt Zahna-Elster.

Politik Ortsbürgermeister ist Eckhardt Krause (Stand: 2024).

Verkehr mini|Haltepunkt Zörnigall Zörnigall-Siedlung liegt an der Landesstraße L 126 Lutherstadt Wittenberg–Zahna, Zörnigall-Dorf an der Kreisstraße K 2016 Bülzig–Mühlanger. Zur Bundesstraße 187, die Lutherstadt Wittenberg und Jessen verbindet, sind es in südlicher Richtung zwei km.

Der Haltepunkt Zörnigall, der erst in den 1950er Jahren eingerichtet wurde, liegt an der Eisenbahnlinie Berlin–Lutherstadt Wittenberg–Halle (Saale) / Leipzig. Er wird von der Regional-Express-Linie RE 3 (Schwedt (Oder)–Berlin–Lutherstadt Wittenberg) der DB Regio angefahren.

Literatur Zörnigall, In: H. v. Koenig: Versuch auf Rittergut Zörnigall., des W.: Die Zörnigaller und benachbarte Moorkulturen im Jahre 1896. In: Prof. Dr. H. Grahl: Mitteilungen des vereins zur Förderung der Moorkultur im Deutsche Reiche. 1897. XV. Jahrgang, Nr. 4, Verlag Paul Parey, Berlin 15. Februar 1897, S. 58–59, S. 73–75.

Weblinks

Stadt Zahna-Elster: Ortschaft Zörnigall

Einzelnachweise

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