mini|Lupita Nyong’o, kenianische Schau­spielerin und Filmemacherin (2019)

Die Bezeichnungen Schwarze und schwarze Menschen werden allgemein für Menschen mit einer dunklen Hautfarbe verwendet. Schwarz ist dabei jedoch nicht nur eine Bezeichnung der Hautfarbe, sondern auch eine sozial konstruierte Kategorie. So werden vielfach Menschen mit allen möglichen Varianten der Hautpigmentierung von dunkelsten bis zu sehr hellen Hautfarben einbezogen, einschließlich Albinos. Die Bezeichnungen werden auch verwendet, um verschiedene Populationen aufgrund historischer und prähistorischer Herkunftsbeziehungen zusammenzufassen.

Einige Verwendungen der Bezeichnungen umfassen nur Menschen mit relativ junger Abstammung aus Subsahara-Afrika (veraltet „Schwarzafrika“, siehe afrikanische Diaspora). Andere Zuschreibungen beziehen weitere Populationen ein, für die eine dunkle Hautfarbe charakteristisch ist, darunter indigene Bewohner Ozeaniens und Südostasiens wie etwa die Aborigines in Australien, die Papua, die Ureinwohner der Andamanen, die Semang auf der Malaiischen Halbinsel und die Aeta auf der philippinischen Insel Luzon.

Die Bezeichnung „Schwarze“ mini|hochkant|Eine schwarze Frau und ihr Sohn mit Albinismus in Tansania Anhand der Darstellung Belacanes in Wolfram von Eschenbachs Parzival lässt sich feststellen, dass „religiöse und kulturelle Unterschiede bereits im Hochmittelalter ‚hautfarben‘ kodiert waren“. Im christlichen Kontext war über lange Zeit die Farbe Schwarz mit Sündhaftigkeit assoziiert, ging aber noch nicht mit einer rassistischen Diskriminierung einher. Das änderte sich, als weiße Europäer zunehmend Kontakt zu subsaharischen Afrikanern hatten. Die Bewohner Subsahara-Afrikas werden wegen ihrer Hautfarbe auch als Schwarzafrikaner bezeichnet; ein Begriff des Kolonialismus, der heutzutage eher vermieden wird.

Der Versuch, Menschen in „Rassen“ zu systematisieren und damit die Einteilung und Hierarchisierung von Menschen in „Weiße“ und „Schwarze“, gewann besonders im Zuge des europäischen Sklavenhandels an Bedeutung. Als Gründe für Schwarzsein wurden religiöse wie klimatische Argumente vorgebracht, und die Bezeichnung als „Schwarze“ wurde auch zur Legitimation von Versklavung und Kolonialismus herangezogen. Subvertiert wurde diese Vorstellung in der haitianischen Revolution. Die 1805 verabschiedete Unabhängigkeitserklärung verkündete: „Künftig sollen die Haitianer nur noch unter dem Oberbegriff ‚Schwarze‘ bekannt sein“.

Die Unterteilung der Menschheit in Rassen und die Zuordnung dieser zu Farben schritt allerdings trotz Widerspruchs (in Deutschland z. B. durch Georg Forster) voran. Die Unterscheidung von Rassen nach Farben blieb zwar oberflächlich, das erlaubte aber die weite Verbreitung in allen sozialen Schichten. Nach der deutschen Niederlage im Ersten Weltkrieg und der folgenden Besatzung, in deren Zuge auch Einheiten aus Afrika im Rheinland stationiert wurden, richtete sich eine internationale Kampagne gegen die „schwarze Schmach“, die den Deutschen dadurch angetan werde. Im Zuge der Kampagne wurden schwarze Männer mit Tieren wie Gorillas verglichen. In der älteren Literatur wurde auch die mittlerweile aufgegebene rassenkundliche Bezeichnung Neger oder Negride (Negroide) synonym zu Schwarzer verwendet.

Die Idee einer „schwarzen“ Hautfarbe und die Einteilung von Menschen in „Schwarze“ und „Weiße“ wird als soziale Konstruktion beschrieben. Da sich Hauttöne stark unterscheiden und sich damit keine Trennlinie zwischen „Weißen“ und „Schwarzen“ festlegen lässt, bezeichnet Susan Arndt Hautfarbe als „eine Erfindung des Rassismus […] Mit anderen Worten: Wir sehen ‚Hautfarben‘, weil der Rassismus dieses Sehen erfunden und in Wissen verwandelt hat.“

Um sprachlich zu kennzeichnen, dass es sich bei der Attributierung „schwarz“ nicht um eine reale Eigenschaft, sondern um eine soziale Konstruktion handelt, wird das Adjektiv in Verbindungen wie „Schwarze Menschen“ mitunter groß geschrieben. Die Großschreibungen empfehlen Initiativen wie die Initiative Schwarze Menschen in Deutschland oder die Neuen deutschen Medienmacher. Der Duden registriert die Schreibweise „Schwarzer Mensch“ als Alternative zu rassistischen Bezeichnungen, listet die Option einer Großschreibung im Eintrag zu „schwarz“ allerdings nicht.

Im englischsprachigen Raum wird das Adjektiv „Black“ von einer Vielzahl von Medien (u. a. New York Times, Washington Post und Associated Press) in Großschreibung verwendet. Von Afroamerikanern wurde das Wort in Großschreibung schon seit den 1960er Jahren verwendet, und auch Wörterbücher listeten dies als Option.

Kulturelle Konzepte einer schwarzen Ethnie Südafrika mini|hochkant|Ein Mann der San, einer ethnischen Gruppe im südlichen Afrika In Südafrika wurde die Bevölkerung seit der Kolonialzeit in vier Gruppen klassifiziert: Schwarze, Weiße, Asiaten (meist Inder) und Coloureds. Die Gruppe der Coloureds umfasste Menschen gemischter Bantu, Khoisan und europäischer Herkunft (einige mit kapmalaiischen Vorfahren, besonders am Westkap). Die Definition von Coloured war eine Zwischenstufe der Gruppen Schwarz und Weiß in Südafrika. Während der Apartheids­periode fand diese Klassifizierung innerhalb der Gesetzgebung des Landes eine besondere Ausprägung mit vielfältigen rechtlichen Auswirkungen im Alltag, beispielsweise in Form einer separaten Eingeborenenverwaltung.

Die Bürokratie der Apartheid entwickelte Kriterien, beispielsweise mit dem Population Registration Act von 1950, um zu bestimmen, wer zu welcher Gruppe gehörte. Untere Beamte überwachten Tests zur Durchsetzung der Klassifizierungen. Wenn das physische Erscheinungsbild einer Person keinen Aufschluss darüber gab, ob sie als Coloured oder Schwarz gelten sollte, wurde der „Bleistift-Test“ angewandt. Hierbei wurde ein Bleistift in das Haar der Person gesteckt, um festzustellen, ob das Haar kraus genug war und der Stift stecken blieb.

Besonders während der Apartheid-Ära wurden diejenigen, die als Coloured eingestuft waren, ebenso wie die schwarze Bevölkerung unterdrückt und diskriminiert. Dennoch besaßen sie erweiterte Rechte und lebten insgesamt unter besseren sozio-ökonomischen Bedingungen als die als Schwarze Eingestuften.

In der Zeit nach der Apartheid definierten die von der ANC-geführten Regierung erlassenen Gesetze zur Politik der Affirmative Action, dass zu Schwarzen auch Afrikaner, Coloureds und Asiaten zu zählen seien. Durch die Regierungspolitik einer Affirmative Action wurden Afrikaner gegenüber Coloureds jedoch begünstigt.

Im Jahr 2008 entschied der Pretoria High Court in Südafrika, dass chinesische Südafrikaner, die schon während der Apartheid Einwohner waren, juristisch als Schwarze reklassifiziert werden mussten, damit sie auch Zugang zu den Vorteilen der Affirmative Action erhielten, da auch sie zuvor benachteiligt worden waren. Chinesische Einwanderer, die nach dem Ende der Apartheid nach Südafrika kamen, profitierten hiervon nicht,Jonathan Clayton: We agree that you are black, South African court tells Chinese., The Times vom 19. Juni 2008 ebenso wenig wie schwarze Menschen, die sich später in Südafrika niederließen.

Neben dem Erscheinungsbild können Coloureds anhand der Sprache von Schwarzen unterschieden werden. Die meisten sprechen Afrikaans oder Englisch als Muttersprache, im Gegensatz zu Bantusprachen wie Zulu oder Xhosa. Sie besitzen tendenziell eher europäisch klingende Namen als Bantu-Namen.

Arabische Welt Schwarze Afrikaner und Orient­bewohner haben seit prähistorischer Zeit Kontakt zueinander.Mauritania: Fair elections haunted by racial imbalanceRemembering East African slave raids Einige Historiker schätzen, dass bis zu 14 Millionen schwarze Afrikaner im orientalischen Sklavenhandel von 600 bis 1900 n. Chr. über das Rote Meer, den Indischen Ozean und die Wüste Sahara verschleppt wurden.The Unknown Slavery: In the Muslim world, that is – and it's not overWelcome to Encyclopædia Britannica's Guide to Black History Der marokkanische Sultan Mulai Ismail „der Blutdürstige“ (1672–1727) stellte ein Heer von 150.000 schwarzen Sklaven auf und zwang damit das gesamte Land, sich ihm zu unterwerfen.Lewis: Race and Slavery in the Middle East. Oxford University Press, 1994.ʿAbīd al-Bukhārī (Moroccan military organization). Encyclopædia Britannica.

mini|Sklavenmarkt des 13. Jahrhunderts im Jemen. Jemen schaffte die Sklaverei 1962 abNaeem Mohaiemen: In: The Daily Star. 27. Juli 2004, abgerufen am 18. September 2019 (englisch).

Der Ursprung der afroasiatischen Sprachen, zu denen die semitischen Sprachen (wie Arabisch und Hebräisch) zählen, wird von den meisten Wissenschaftlern in Äthiopien vermutet.The Afroasiatic Language Phylum: African in Origin, or Asian? Daniel F. Mc Call. (JSTOR) Dies rührt daher, dass diese Region sehr unterschiedliche Sprachgruppen auf engem geografischem Gebiet aufweist. Dies wird oft als sicherer Hinweis für einen linguistisch-geografischen Herkunftsort gewertet.

In späterer Zeit, etwa 1000 n. Chr., führte die Interaktion zwischen Schwarzen und Arabern zu einem umfassenden Eingang arabischen Vokabulars in Swahili, welches daraufhin zu einer Lingua Franca für Handlungsreisende wurde. Einiges von diesem sprachlichen Austausch geschah als Resultat des Sklavenhandels; die Geschichte der Sklaverei im Islam zeigt, dass die Madhhabs traditionell die Institution der Sklaverei akzeptierten.Lewis 1994, Ch.1 Als Ergebnis hieraus weitete sich der arabische Einfluss entlang der Ostküste Afrikas und auch teilweise im Inneren des Kontinents aus (siehe Ostafrika). Timbuktu war ein Handelsplatz, der Westafrika mit den Berbern, arabischen und jüdischen Händlern in der gesamten arabischen Welt verknüpfte. Aufgrund dieser Verbindungen haben viele Araber im Nahen Osten schwarze Vorfahren, und viele Schwarze im Raum der Sahara und der Ostküste Afrikas haben arabische Vorfahren.M. Richards, C. Rengo, F. Cruciani, F. Gratrix, J. F. Wilson, R. Scozzari, V. Macaulay, A. Torroni: Extensive female-mediated gene flow from sub-Saharan Africa into near eastern Arab populations. In: American Journal of Human Genetics. Band 72, Nummer 4, April 2003, S. 1058–1064, . doi:10.1086/374384. PMID 12629598. .

Nach Carlos Moore, Wissenschaftler an der brasilianischen Universidade do Estado da Bahia, identifizieren sich Personen mit schwarzafrikanischen Vorfahren in der arabischen Welt auf eine Art und Weise, wie sie Lateinamerika widerspiegelt. Er argumentiert, dass sich dunkelhäutige Araber ähnlich wie dunkelhäutige Lateinamerikaner als weiß betrachten, da sie entfernte weiße Vorfahren haben.

Moore behauptet weiterhin, dass ein Film über den ägyptischen Präsidenten Anwar as-Sadat gestoppt worden sei, als Sadat erfuhr, dass er von einem Afroamerikaner gespielt werden sollte. Tatsächlich wurde der Fernsehfilm Sadat von 1983, mit Louis Gossett, Jr. in der Hauptrolle, nicht gestoppt. Die ägyptische Regierung verhinderte jedoch die Aufführung des Films in Ägypten, unter anderem wegen der Auswahl von Gossett.Louis Gosset Jr. Hollywood.com Diese Einwände kamen allerdings nicht von Sadat, da dieser zwei Jahre zuvor bei einem Anschlag ums Leben gekommen war.

Sadats Mutter war eine schwarze Sudanesin und sein Vater ein Ägypter helleren Hauttyps. In Entgegnung einer Werbung für eine Führungsrolle antwortete er: „Ich bin nicht weiß, aber ich bin auch nicht wirklich schwarz. Meine Schwärze ist tendenziell rötlich.“„I am not white but I am not exactly black either. My blackness is tending to reddish.“ Anwar Sadat: Visionary Who Dared By Joseph Finklestone S. 5–7, 31, ISBN 0-7146-3487-5.

Fathia Nkrumah war eine weitere bekannte ägyptische Person mit schwarzafrikanischen Wurzeln. Sie war die Frau des ghanaischen Revolutionärs Kwame Nkrumah, deren Heirat als Hilfe für die Schaffung einer Kooperationsbasis zwischen Ägypten und anderen afrikanischen Ländern, welche um ihre Unabhängigkeit von den europäischen Kolonialmächten rangen, gesehen wurde. Diese Kooperation förderte die Bildung der Afrikanischen Union.