mini|Walter Bernstein (2016) Walter Bernstein (* 20. August 1919 in Brooklyn, New York City; † 23. Januar 2021 in Manhattan, New York CityJohn Anderson: Walter Bernstein, Celebrated Screenwriter, Is Dead at 101. In: The New York Times, 23. Januar 2021.) war ein US-amerikanischer Drehbuchautor.

Leben Walter Bernstein kam 1919 als Sohn von Hannah (geb. Bistrong) und Louis Bernstein, einem Lehrer, in Brooklyn zur Welt. Nach seinem Abschluss an der Erasmus Hall High School in Flatbush absolvierte er in Frankreich einen sechsmonatigen Intensivsprachkurs – ein Geschenk seines Vaters – an der Universität von Grenoble. Geprägt von seiner aus Osteuropa stammenden, linksorientierten jüdischen Familie trat er während seiner Studentenzeit am Dartmouth College der Kommunistischen Partei bei.Judith E. Smith: Visions of Belonging: Family Stories, Popular Culture, and Postwar Democracy, 1940–1960. Columbia University Press, 2004, ISBN 0-231-12170-9, S. 408. Nach seinem Studienabschluss Ende der 1930er Jahre war Bernstein zunächst als Journalist für das Magazin The New Yorker tätig, für das er im Alter von 19 Jahren seinen ersten Artikel schrieb. Während des Zweiten Weltkriegs arbeitete er als Reporter für die Armeezeitschrift Yank. 1945 veröffentlichte er das Buch Keep Your Head Down, in dem er seine Erlebnisse als Kriegskorrespondent schilderte.

Sein erstes Drehbuch, bei dem es sich um eine Adaption eines englischen Thrillers handelte, schrieb er für den Film Bis zur letzten Stunde mit Joan Fontaine und Burt Lancaster in den Hauptrollen. Danach ging er nach New York zurück, um als Autor für das Fernsehen zu arbeiten. Anfang der 1950er Jahre kam seine Karriere ins Stocken, als ihn das Komitee für unamerikanische Umtriebe wegen seiner Mitgliedschaft in der Kommunistischen Partei auf die Schwarze Liste setzte, weshalb er über mehrere Jahre, wie auch Ring Lardner Jr. und Dalton Trumbo, unter Pseudonymen Drehbücher verfasste. Erst ab 1959, als ihn der Regisseur Sidney Lumet für seinen Film So etwas von Frau (1959) mit Sophia Loren engagierte, arbeitete Bernstein wieder regelmäßig unter seinem eigentlichen Namen beim Film. Später veröffentlichte er ein Buch über diese Phase seines Lebens unter dem Titel Inside Out: A Memoir of the Blacklist.

Seine Erfahrungen mit der McCarthy-Ära verarbeitete Bernstein auch im Skript von Martin Ritts Filmkomödie Der Strohmann (1976), wofür er eine Oscar-Nominierung in der Kategorie Bestes Originaldrehbuch sowie eine Nominierung für den Writers Guild of America Award erhielt. Für die Filmkomödie Ein reizender Fratz (1980) mit Walter Matthau und Julie Andrews trat er auch als Regisseur in Erscheinung. Für Peter Yates’ Das Haus in der Carroll Street (1988) lieferte er erneut eine Geschichte über die Verfolgung der Kommunisten in den Vereinigten Staaten der 1950er Jahre.

Mit seiner ersten Ehefrau Marva Spelman hatte Bernstein zwei Kinder, Joan Bernstein und Peter Spelman. Nach einer kurzen zweiten Ehe war Bernstein von 1961 bis 1984 in dritter Ehe mit Judith Braun verheiratet. Aus dieser Verbindung gingen die Söhne Nicholas, Andrew und Jacob hervor. Zuletzt lebte er mit seiner Frau, der Literaturagentin Gloria Loomis, in New York, wo er bis 2017 bisweilen als Hilfsprofessor für „Screenwriting“ an der New York University Vorlesungen hielt. Bernstein starb im Januar 2021 im Alter von 101 Jahren infolge einer Lungenentzündung.

Filmografie (Auswahl) 1948: Bis zur letzten Stunde (Kiss the Blood Off My Hands) – Regie: Norman Foster 1959: So etwas von Frau (That Kind of Woman) – Regie: Sidney Lumet 1959: Heiße Grenze (The Wonderful Country) – Regie: Robert Parrish 1960: Die Dame und der Killer (Heller in Pink Tights) – Regie: George Cukor 1960: Prinzessin Olympia (Olimpia) – Regie: Michael Curtiz 1960: Die glorreichen Sieben (The Magnificent Seven) – Regie: John Sturges 1961: Paris Blues – Regie: Martin Ritt 1962: Something’s Got to Give – Regie: George Cukor (unvollendet) 1964: Angriffsziel Moskau (Fail-Safe) – Regie: Sidney Lumet 1964: Der Zug (The Train) – Regie: John Frankenheimer 1965: Goldfalle (The Money Trap) – Regie: Burt Kennedy 1970: Verflucht bis zum jüngsten Tag (The Molly Maguires) – Regie: Martin Ritt 1976: Der Strohmann (The Front) – Regie: Martin Ritt 1977: Zwei ausgebuffte Profis (Semi-Tough) – Regie: Michael Ritchie 1978: Der Clan (The Betsy) – Regie: Daniel Petrie 1979: Ein perfekter Seitensprung (An Almost Perfect Affair) – Regie: Michael Ritchie 1979: Yanks – Gestern waren wir noch Fremde (Yanks) – Regie: John Schlesinger 1980: Ein reizender Fratz (Little Miss Marker) – Regie: Walter Bernstein 1988: Das Haus in der Carroll Street (The House on Carroll Street) – Regie: Peter Yates 1988: Der Couch-Trip (The Couch Trip) – Regie: Michael Ritchie 1997: Miss Evers’ Boys – Die Gerechtigkeit siegt (Miss Evers’ Boys) (TV-Film) – Regie: Joseph Sargent 2000: Fail Safe – Befehl ohne Ausweg (Fail Safe) (TV-Film) – Regie: Stephen Frears

Auszeichnungen 1977: Nominierung für den Oscar in der Kategorie Bestes Originaldrehbuch für Der Strohmann 1977: Nominierung für den Writers Guild of America Award für Der Strohmann 1978: Nominierung für den Writers Guild of America Award für Zwei ausgebuffte Profis 1980: Nominierung für den BAFTA Award in der Kategorie Bestes Drehbuch (zusammen mit Colin Welland) für Yanks – Gestern waren wir noch Fremde 1996: Gotham Award 1997: Humanitas-Preis für Miss Evers’ Boys – Die Gerechtigkeit siegt 1997: Nominierung für den Emmy in der Kategorie Bestes Drehbuch für eine Miniserie, einen Fernsehfilm oder ein Special für Miss Evers’ Boys – Die Gerechtigkeit siegt 2001: Tribut beim Nantucket Film Festival

Weblinks

Walter Bernstein auf filmreference.com (englisch)

(englisch) Interview mit Walter Bernstein auf televisionacademy.com (englisch)

Einzelnachweise

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