Othnielosaurus ist eine Gattung der Vogelbeckendinosaurier, die aus dem Oberjura der Morrison-Formation in den westlichen Vereinigten Staaten bekannt ist. Der Gattungsname ehrt den berühmten Paläontologen Othniel Charles Marsh, der das Fossil ursprünglich der Gattung Laosaurus zugewiesen hatte. Die Gattung Othnielosaurus wurde geschaffen, um Fossilien aufzunehmen, die ehemals der Gattung Othnielia zugeordnet wurden, welche sich aber nur auf spärlich vorhandenes Material gründet. Sie ist daher Teil einer jahrzehntelangen Arbeit, die von Marsh und seinem Rivalen Edward Drinker Cope aus den Bone-Wars hinterlassene Taxonomie zu entwirren. Othnielosaurus wird gewöhnlich als Hypsilophodont klassifiziert, eine Gruppe kleiner bipeder herbivorer oder omnivorer Dinosaurier, deren Existenz als gültiges Taxon jedoch in letzter Zeit von einigen Wissenschaftlern in Frage gestellt wird.

Beschreibung Othnielosaurus ist von Material bekannt, das alle Teile des Körpers umfasst, einschließlich zweier gut erhaltener Skelette. Der Schädel ist jedoch nur dürftig belegt (in der älteren Literatur wird eine Vielzahl von Bezeichnungen für dieses Material gebraucht, die meisten Publikationen nach 1977 benutzen jedoch den Namen Othnielia rex).David B. Norman, Hans-Dieter Sues, Lawrence M. Witmer, Rodolfo A. Coria: Basal Ornithopoda. In: David B. Weishampel, Peter Dodson, Halszka Osmólska (Hrsg.): The Dinosauria. 2. Ausgabe. University of California Press, Berkeley CA u. a. 2004, ISBN 0-520-24209-2, S. 393–412, Digitalisat (PDF; 2,66 MB). Othnielosaurus war ein kleines Tier, maximal zwei Meter lang und 10 Kilogramm schwer.John R. Foster: Paleoecological analysis of the vertebrate fauna of the Morrison Formation (Upper Jurassic), Rocky Mountain region, U.S.A. (= New Mexico Museum of Natural History and Science. Bulletin. 23, ). New Mexico Museum of Natural History, Albuquerque NM 2003, S. 29, Digitalisat. Es lief auf zwei Beinen und besaß daher kurze Vordergliedmaßen und lange hintere Gliedmaßen mit ausgeprägten Apophysen für die Muskelansätze. Die Hände von Othnielosaurus waren kurz und breit mit kurzen Fingern. Untersuchungen des partiell erhaltenen Schädels des Holotyps und des Schädels des möglichen Exemplars Barbara ergaben, dass der Kopf klein war. Das Tier besaß kleine blattförmige Backenzähne und prämaxillare Zähne mit weniger Ornamentation.Peter M. Galton: Teeth of ornithischian dinosaurs (mostly Ornithopoda) from the Morrison Formation (Upper Jurassic) of the western United States. In: Kenneth Carpenter (Hrsg.): Horns and Beaks. Ceratopsian and Ornithopod Dinosaurs. Indiana University Press, Bloomington IN 2007, ISBN 978-0-253-34817-3, S. 17–47. Wie viele Ornithopoden aus den Gruppen der Hypsilophodonten oder der Iguanodonten wie Hypsilophodon, Thescelosaurus, und Talenkauen besaß Othnielosaurus dünne Plättchen, die an seinen Rippen lagen. Diese intercostalen Plättchen bestanden aus Knorpelgewebe.Richard J. Butler, Peter M. Galton: The ‚dermal armour‘ of the ornithopod dinosaur Hypsilophodon from the Wealden (Early Cretaceous: Barremian) of the Isle of Wight: a reappraisal. In: Cretaceous Research. Bd. 29, Nr. 4, 2008, , S. 636–642, .

Klassifikation Othnielosaurus (vormals Laosaurus, Nanosaurus, und Othnielia) galt lange Zeit als hypsilophodonter Ornithopode, einer unklaren und unzureichend definierten Gruppe kleiner herbivorer Dinosaurier.Hans-Dieter Sues, David B. Norman: Hypsilophodontidae, Tenontosaurus, Dryosauridae. In: David B. Weishampel, Peter Dodson, Halszka Osmólska (Hrsg.): The Dinosauria. University of California Press, Berkeley CA u. a. 1990, ISBN 0-520-06726-6, S. 498–509. Diese Sicht wurde 1990 von Robert Bakker et al. in Frage gestellt. In ihrer Beschreibung des neuen Taxons Drinker nisti teilten sie Othnielia in zwei Arten (O. rex und O. consors) und etablierten die "Othnieliden" als eine basalere Variante als die Hypsilophodontiden.Robert T. Bakker, Peter M. Galton, James Siegwarth, James Filla: A new latest Jurassic vertebrate fauna, from the highest levels of the Morrison Formation at Como Bluff, Wyoming. Part IV. The dinosaurs: A new Othnielia-like hypsilophodontoid. In: Hunteria. Bd. 2, Nr. 6, 1990, , S. 8–14. Neuere Untersuchungen legen nahe, dass die Hypsilophodontidae paraphyletisch waren,David B. Weishampel, Coralia-Maria Jianu, Zoltan Csiki, David B. Norman: Osteology and phylogeny of Zalmoxes (n.g.), an unusual euornithopod dinosaur from the latest Cretaceous of Romania. In: Journal of Systematic Palaeontology. Bd. 1, Nr. 2, 2003, , S. 65–123, .David J. Varricchio, Anthony J. Martin, Yoshihiro Katsura: First trace and body fossil evidence of a burrowing, denning dinosaur. In: Proceedings of the Royal Society. Series B: Biological Sciences. Bd. 274, Nr. 1616, 2007, , S. 1361–1368, , PMID 17374596, . so dass die allgemeine Idee von den "Othnieliden" als basal im Vergleich zu anderen Vertretern der Hypsilophodontiden Unterstützung erfuhr, obwohl Drinker umstritten bleibt, da seit der Erstbeschreibung nichts Neues über das Taxon publiziert wurde. Andere basale Ornithopoden sind beizeiten mit Othnielosaurus in Verbindung gebracht worden, insbesondere Hexinlusaurus,Peter W. Buchholz: The Mesozoic in Wyoming, Tate 2002. The Geological Museum – Casper College, Casper WY 2002, S. 18–34: Phylogeny and biogeography of basal Ornithischia. welcher von mindestens einem Autor als neue Art der Gattung Othniela (O. multidens) angesehen wurde.Gregory S. Paul: The Complete Illustrated Guide to Dinosaur Skeletons. Gakken Mook, Tokyo 1996, ISBN 4-05-400656-6, S. 98 f.

Neuere Studien stimmen der Hypothese von Othnielosaurus als basalem Vertreter der Hypsilophodonten zu, gehen jedoch noch weiter und nehmen die Gattung aus den Ornithopoda und der größeren Gruppe der Cerapoda heraus, welche auch die Ceratopsia und die Pachycephalosauria umfasst.Richard J. Butler, Roger M. H. Smith, David B. Norman: A primitive ornithischian dinosaur from the Late Triassic of South Africa, and the early evolution and diversification of Ornithischia. In: Proceedings of the Royal Society. Series B: Biological Sciences. Bd. 274, Nr. 1621, 2007, S. 2041–2046, , PMID 17567562, .Richard J. Butler, Paul Upchurch, David B. Norman: The phylogeny of the ornithischian dinosaurs. In: Journal of Systematic Palaeontology. Bd. 6, Nr. 1, 2008, S. 1–40, .

Entdeckungsgeschichte und Taxonomie mini|Skelettrekonstruktion von Laosaurus consors (Othnielosaurus) von Othniel Charles Marsh aus dem Jahr 1896 Othniel Charles Marsh benannte zahlreiche Arten und Gattungen im späten 19. Jahrhundert, die als Hypsilophodonten oder hypshilophodonten-ähnliche Dinosaurier angesehen wurden. Dazu gehörten unter anderem Nanosaurus agilis (möglicherweise), Nanosaurus rex, Laosaurus celer, Laosaurus consors, and Laosaurus gracilis. Diese Taxonomie wurde über die Jahre immer komplizierter und es gab seitdem verschiedene Versuche der Revision.

1877 benannte Marsh zwei Spezies von Nanosaurus in separaten Publikationen, welche auf unvollständigen Überresten aus der Morrison-Formation in Garden Park, Colorado, basierten. Ein Artikel beschrieb N. agilis anhand eines Exemplars aus dem Peabody Museum of Natural History, YPM 1913, dessen Überreste Abdrücke des Kiefers und postkranialen Teile des Skeletts mit Darmbein, Oberschenkelknochen und Fibula umfassten.Othniel C. Marsh: Notice of some new vertebrate fossils. In: American Journal of Science and Arts. Series 3, Bd. 14 = Bd. 114, Nr. 81, Article 33, 1877, , S. 249–256, Digitalisat. Die andere Veröffentlichung beschrieb mit Nanosaurus rex eine weitere Spezies, die Marsh auf das Exemplar YPM 1915 gründete, das nur mit einem kompletten Oberschenkelknochen erhalten ist.Othniel C. Marsh: Notice of new dinosaurian reptiles from the Jurassic formations. In: American Journal of Science and Arts. Series 3, Bd. 14 = Bd. 114, Nr. 84, Article 53, 1877, S. 514–516, Digitalisat. Er betrachtete beide Arten als kleine ("fuchsgroße") Tiere und stellte sie in die nunmehr aufgegebene Familie der Nanosauridae.

Ein Jahr später beschrieb Marsh die neue Gattung Laosaurus auf der Basis von Material, das von Samuel Wendell Williston in Como Bluff, Wyoming, ausgegraben worden war. Zwei Arten wurden eingeführt: die Typusart Laosaurus celer, basierend auf elf Wirbeln (YPM 1875);Othniel C. Marsh: Notice of new dinosaurian reptiles. In: American Journal of Science and Arts. Series 3, Bd. 15 = Bd. 115, Nr. 87, Article 33, 1878, S. 241–244, Digitalisat. und der kleinere Laosaurus gracilis, dessen Beschreibung ursprünglich auf Teilen eines Rücken- und eines Schwanzwirbel sowie einer Elle basierte.Peter Galton: The cranial anatomy of Dryosaurus, a hypsilophodontid dinosaur from the Upper Jurassic of North America and East Africa, with a review of hypsilophodontids from the Upper Jurassic of North America. In: Geologica et Palaeontologica. Bd. 17, 1983, , S. 207–243.

mini|Othnielosaurus consors, Fossil im Paläontologischen Museum der Universität Zürich Eine dritte Art, Laosaurus consors, wurde 1894 von Marsh für das Exemplar YPM 1882 beschrieben, das aus großen Teilen aus einem Skelett im anatomischen Verband und Teilen von mindestens einem weiteren Individuum bestand.Othniel C. Marsh: The typical Ornithopoda of the American Jurassic. In: American Journal of Science. Series 3, Bd. 48 = Bd. 148, Nr. 283, Article 11, 1894, S. 85–90, Digitalisat. Der Schädel war nur teilweise erhalten und die Tatsache, dass von den Wirbeln lediglich die Wirbelkörper erhalten waren, deutet auf ein nicht ausgewachsenes Individuum.

Diese Spezies fanden bis in die siebziger und achtziger Jahre hinein wenig professionelle Beachtung, als Peter Galton viele der Hypsilophodonten in einer Reihe von Veröffentlichungen überprüfte. 1973 beschrieben er und Jim Jensen ein unvollständiges Skelett (BYU ESM 163) ohne Kopf, Hände und Schwanz als Nanosaurus rex. Dieses Exemplar war vor seiner Beschreibung beschädigt worden.Peter M. Galton, James A. Jensen: Skeleton of a hypsilophodontid dinosaur (Nanosaurus (?) rex) from the Upper Jurassic of Utah. In: Brigham Young University, Department of Geology. Geology Studies. Bd. 20, Nr. 4, 1973, , S. 137–157. 1977 stellte er fest, dass Nanosaurus agilis sich von Nanosaurus rex und dem neuen Skelett unterschied und prägte die Bezeichnung Othnielia für Nanosaurus rex.Peter M. Galton: The ornithopod dinosaur Dryosaurus and a Laurasia-Gondwanaland connection in the Upper Jurassic. In: Nature. Bd. 268, Nr. 5617, 1977, S. 230–232, . Dieser Vermerk von 1977, der etwas in einem Artikel über die transkontinentale Art Dryosaurus unterging, wies Laosaurus consors und Laosaurus gracilis der neuen Gattung zu, ohne genaue Einzelheiten anzugeben, und betrachtete Laosaurus celer als nomen nudum. Die Einführung von Drinker komplizierte die Dinge weiter.