Der Ägäische Nacktfinger (Mediodactylus kotschyi, Syn.: Cyrtodactylus kotschyi, Cyrtopodion kotschyi) ist ein kleiner Gecko aus der Gattung Mediodactylus. Er ist vor allem im östlichen Mittelmeerraum verbreitet und kann sowohl in natürlichen Felslebensräumen als auch in Siedlungen vorkommen.Kotsakiozi, P.; Jablonski, D.; Ilgaz, Ç.; Kumlutaş, Y.; Avcı, A.; Meiri, S.; Itescu, Y.; Kukushkin, O.; Gvoždík, V.; Scillitani, G.; Roussos, S.; Jandzik, D.; Kasapidis, P.; Lymberakis, P.; Poulakakis, N. (2018): Multilocus phylogeny and coalescent species delimitation in Kotschy's gecko, Mediodactylus kotschyi: Hidden diversity and cryptic species. Molecular Phylogenetics and Evolution 125: 177–187.
Aussehen Die Gesamtlänge des Ägäischen Nacktfingers liegt meist bei etwa 9–13 cm.Axel Kwet: New Holland European Reptile and Amphibian Guide. New Holland, London u. a. 2009, ISBN 978-1-8477-3444-0. Die Grundfärbung ist variabel (z. B. grau bis braun), oft mit dunklen Querbinden auf dem Rücken. Die Zehen besitzen keine Haftlamellen, sondern Krallen; trotzdem kann die Art sehr gut an Felsen, Mauern und teils auch an Bäumen klettern.Schwarz, R.; Stark, G.; Antonopolous, A.; Itescu, Y.; Pafilis, P.; Chapple, D. G.; Meiri, S. (2021): Specialist versus Generalist at the Intraspecific Level: Functional Morphology and Substrate Preference of Mediodactylus kotschyi Geckos. Integrative and Comparative Biology 61(1): 62–75. Bei Gefahr kann der Schwanz abgeworfen werden und wächst anschließend unvollständig nach (Autotomie).
Verbreitung und Lebensraum mini|Verbreitungsgebiet Mediodactylus kotschyi ist im östlichen Mittelmeerraum verbreitet (Balkanraum und angrenzende Regionen). In Griechenland ist die Art auf vielen Inseln häufig und auf dem Festland regional unterschiedlich nachweisbar.Schwarz, R.; Gavriilidi, I.-A.; Itescu, Y.; Jamison, S.; Sagonas, K.; Meiri, S.; Pafilis, P. (2016): Mediodactylus kotschyi in the Peloponnese peninsula, Greece: distribution and habitat. Acta Herpetologica 11(2): 179–187. Im nördlichen Randbereich treten Populationen oft an Gebäuden (synanthrop) auf, während südlicher gelegene Vorkommen häufig auch natürliche Fels- und Buschlebensräume nutzen.Babocsay, G. (2025): New data on introduced geckos of the Mediodactylus kotschyi complex in Hungary. Herpetology Notes 18: 707–713.
Neuere genetische Daten sprechen dafür, dass es außerhalb des mutmaßlich ursprünglichen Verbreitungsgebietes mehrere (teils historisch alte) vom Menschen vermittelte Verschleppungen gibt, unter anderem auf dem zentralen Balkan; auch die Populationen in Süditalien werden als wahrscheinlich anthropogen beeinflusst diskutiert.Delcour, N.; Urošević, A.; Andelković, M.; Maričić, M.; Šević, M.; Vučić, T.; Tomović, Lj.; Rato, C. (2024): Mitochondrial data unravels the human-mediated introduction of Mediodactylus kotschyi to the Central Balkan Peninsula. Amphibia-Reptilia 45: 427–438.
Die Art nutzt unterschiedliche Mikrohabitate: Felsen, Steinriegel, Trockenmauern, Buschland sowie – je nach Region – auch Baumstämme und Baumrinde; im Peloponnes wurde sie in Erhebungen häufig eher an Bäumen als unter Steinen gefunden, was ihre Nachweisbarkeit stark beeinflussen kann.
Lebensweise Der Ägäische Nacktfinger ist überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Tagsüber versteckt er sich in Spalten, unter Steinen, unter Rinde oder in Mauern. Populationen können sich in Körpermerkmalen und Leistung (z. B. Kletter- und Haftvermögen) an lokal verfügbare Untergründe anpassen; dies spricht für eine hohe ökologische Flexibilität.
Ernährung Die Nahrung besteht hauptsächlich aus wirbellosen Tieren (vor allem Insekten; außerdem Spinnen und Milben). In einer Untersuchung aus Plowdiw (Bulgarien) dominierten Ameisen, gefolgt von Käfern; außerdem wurden Spinnen und Milben nachgewiesen.Mollov, I. A.; Boyadzhiev, P. S. (2018): Diet of the Kotschy’s Gecko Mediodactylus kotschyi rumelicus from the City of Plovdiv (Bulgaria). Ecologia Balkanica 10(1): 25–37. Pflanzenreste können im Kot häufig mit auftauchen, gelten aber nicht als Hauptnahrung.
Fortpflanzung Weibchen legen in der warmen Jahreszeit wiederholt Gelege mit meist zwei Eiern an geschützten Stellen (z. B. in Spalten oder unter Steinen) ab.
Alter und Entwicklung Skeletochronologische Untersuchungen aus der Türkei zeigen, dass die Tiere meist nach etwa 2–3 Jahren geschlechtsreif werden und insgesamt eher kurzlebig sind (oft nur wenige Jahre).Çiçek, K.; Afşar, M.; Kumaş, M.; Ayaz, D.; Tok, C. V. (2015): Age, Growth and Longevity of Kotschy’s Gecko, Mediodactylus kotschyi (Steindachner, 1870) (Reptilia, Gekkonidae) from Central Anatolia, Turkey. Acta Zoologica Bulgarica 67(3): 399–404.Özkan, H.; Bülbül, U.; Zaman, E.; Koç-Gür, H. (2024): Life history traits in a population of Mediodactylus kotschyi (Steindachner, 1870) from Turkey. Russian Journal of Herpetology 31(1): 1–6.
Systematik Mediodactylus kotschyi wurde traditionell als sehr variable Art mit vielen Unterarten geführt. Molekulargenetische Studien zeigen jedoch, dass es sich um einen Artenkomplex handelt; mehrere frühere Unterarten wurden (je nach Region) als eigenständige Arten abgetrennt (z. B. M. orientalis, M. danilewskii, M. bartoni, M. oertzeni). Die Autorinnen und Autoren betonen, dass die Feingliederung innerhalb der neu abgegrenzten Arten weiterhin Gegenstand weiterer Untersuchungen ist.Kotsakiozi, P. et al. (2018): Supplementary File 2 zu Multilocus phylogeny and coalescent species delimitation…
Gefährdung Der Ägäische Nacktfinger wurde in der globalen Bewertung der IUCN zuletzt am 07. Oktober 2022 beurteilt und als nicht gefährdet (Least Concern) eingestuft (Publikation 2024).Bowles, P. (2024): Mediodactylus kotschyi. The IUCN Red List of Threatened Species 2024: e.T200133383A200133456. International Union for Conservation of Nature. Online. Abgerufen am 21. Januar 2026.
Quellen Benny Trapp: Amphibien und Reptilien des Griechischen Festlandes. Natur und Tier-Verlag, Münster 2007, ISBN 978-3-86659-022-9, S. 116–119.
Einzelnachweise
Weblinks
Kategorie:Geckos Kategorie:FFH-Arten (Anhang IV)