Fensterinstandsetzung ist die Bezeichnung für Maßnahmen, die dazu dienen, ein Fenster oder einen Fensterbestand zu konservieren, zu reparieren, den ursprünglichen Zustand und Gebrauchswert mit authentischen Materialien wiederherzustellen oder durch Nachfertigung ein ursprüngliches Erscheinungsbild zu erneuern.Wolf Schmidt: Reparatur historischer Holzfenster. In: Denkmalpflege Informationen. Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, München 2004, , S. 21. Der Maßstab für eine Fensterinstandsetzung ist die hohe gestalterische und handwerkliche Qualität der Beschläge oder des Materials der Fensterstöcke, der Flügel und des Glases historischer Fenster.Beratungsstelle für Handwerk und Denkmalpflege: Grundsätze zur Erhaltung historischer Fenster, „Johannesberger Arbeitsblätter“, Fulda 2012.
Begriffsabgrenzung Der heutige Sprachgebrauch unterscheidet zwischen Fensterinstandsetzung und Fenstersanierung. Der Begriff Fenstersanierung, der in der Fachliteratur zur Denkmalpflege vor dem Jahr 2000 noch häufig verwendet wurde,Manfred Gerner, Dieter Gärtner: Historische Fenster. Entwicklung, Technik, Denkmalpflege. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1996, ISBN 3-421-03104-5. wird heute in Bezug auf die Denkmalpflege und bei erhaltenswerter Bausubstanz immer seltener gebraucht. An seine Stelle ist die Bezeichnung Fensterinstandsetzung und ihre häufigste praktische Umsetzung, die Fensterrestaurierung, getreten.
Als Fenstersanierung wird heute im Zusammenhang mit der Altbausanierung zumeist der Austausch des gesamten Fensterbestandes oder die Modernisierung der Fenster eines Gebäudes bezeichnet, das nicht unter Denkmalschutz steht.Tobias Huckfeldt, Hans-Joachim Wenk: Holzfenster - Konstruktion, Schäden, Sanierung, Wartung. Köln 2009, ISBN 978-3-481-02504-5, S. 260.Vereinigung der Landesdenkmalpfleger in der Bundesrepublik Deutschland. Arbeitsblatt 8, Hinweise für die Behandlung historischer Fenster bei Baudenkmälern. Wiesbaden 1991. Irreversible Eingriffe in die historische Substanz, die der so genannten „energetischen Ertüchtigung“, der Funktionsverbesserung oder einer modernen Nutzungsanforderung dienen, werden heute im allgemeinen Sprachgebrauch ebenfalls als Fenstersanierung bezeichnet. Gemäß dieser Bedeutungsverschiebung ist die Maßnahme der Fenstersanierung nicht mehr im Sinne der heutigen Denkmalpflege. Funktionsverbesserungen an Fensterverschlüssen bei gleichzeitiger Erhaltung der historischen Fenster sind weiter unten beschrieben.
Fensterinstandsetzung bei erhaltenswerter Bausubstanz und in der Denkmalpflege miniatur|links|Entfernung des alten Fensterkittes und äußerer Farbschichten mit Infrarotstrahlung.miniatur|Neuverkittung originaler Scheiben.
Die werk- und materialgerechte Pflege oder Instandhaltung stellt den wirksamsten Schutz vor dem Zerfall historisch wertvoller Bausubstanz dar, ist aber in der Praxis nicht immer zu erreichen. Ist die Möglichkeit einer Instandhaltung nicht mehr gegeben, müssen in Bezug auf die Denkmalpflege die nächsten Schritte zur Erhaltung der Substanz unternommen werden. Maßnahmen zur Erhaltung historischer Fensterbestände, die unter Denkmalschutz stehen, müssen gemäß den Grundsätzen der Denkmalpflege erfolgen: Der historische Bestand ist so weit als möglich zu reparieren, nicht zu erneuern. Die Reparatur muss mit traditionellen Materialien erfolgen. Moderne Techniken dürfen nur angewendet werden, wenn sie keine irreversiblen Spuren hinterlassen. Jede Maßnahme ist nach gründlicher Prüfung auf das wirklich Notwendige zu beschränken. Bei einem Eingriff darf historische Substanz nicht zerstört oder entfernt werden. Gibt es mehrere Möglichkeiten einer dauerhaften Reparatur, sollte man sich für die entscheiden, die am ehesten reversibel ist.Wolf Schmidt: Reparatur historischer Holzfenster. In: Denkmalpflege Informationen. Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, München 2004, Michael Petzet: Grundsätze der Denkmalpflege. In: Denkmalpflege Informationen. Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege. München 1987. Diese Grundsätze der Fensterinstandsetzung entsprechen der Instandsetzungsmethode der Fensterhandwerker.Landesamt für Denkmalpflege Hessen: Bauberater-Fenster in Hessen. Arbeitsblatt I-Erhaltung und Ergänzung. Wiesbaden 2001/2005. Die Denkmalpflege unterscheidet heute bei der Fensterinstandsetzung verschiedene Maßnahmen,Tobias Huckfeldt, Hans-Joachim Wenk: Holzfenster - Konstruktion, Schäden, Sanierung, Wartung. Köln 2009, ISBN 978-3-481-02504-5, S. 257 ff. die nicht immer scharf voneinander zu trennen sind, und die in der Praxis ineinander greifen: miniatur|Dieses Gasthausfenster mit historischen Darstellungen wurde auf der Innenseite nur behutsam gereinigt und mit gekochtem Leinöl konserviert.
die Fensterkonservierung, die Fensterrestaurierung und die Fensterrenovierung.
Fensterkonservierung Die Fensterkonservierung ist eine Maßnahme, bei der die originale Substanz eines Fensters gesichert wird und vorbeugende Maßnahmen zu seiner Erhaltung auf das Minimum beschränkt werden. Diese Maßnahmen haben immer absoluten Vorrang, da durch sie keine Substanzverluste verursacht werden. Unter konservatorischen Maßnahmen sind in erster Linie Reinigungs- und Pflegearbeiten gemeint. Das Ziel einer Konservierung ist die Bewahrung des originalen Zustandes und Erscheinungsbildes des Fensters zum Zeitpunkt der Maßnahme. In der Praxis ist diese Maßnahme an historischen Fenstern nur in seltenen Fällen anwendbar,Tobias Huckfeldt, Hans-Joachim Wenk: Holzfenster - Konstruktion, Schäden, Sanierung, Wartung. Köln 2009, ISBN 978-3-481-02504-5, S. 259. da zumindest im Außenbereich der ursprüngliche Holzschutz mit Leinöl und Leinölfarbe meistens von Grund auf erneuert werden muss. miniatur|links|Restaurierung eines ausgebauten Fensterrahmens in der Restaurierungswerkstatt. miniatur|Fensterrenovierung unter Verwendung von Leinölfarbe
Fensterrestaurierung Die Fensterrestaurierung geht über die bestandssichernde Maßnahme hinaus. Aus der Sicht der Denkmalpflege ist sie dann erforderlich, wenn ein historisches Fenster seine Funktion und Gebrauchsfähigkeit aufgrund von Schäden verloren hat oder diese akut gefährdet ist. Das Ziel der Restaurierung ist es, die ursprüngliche Gebrauchsfähigkeit und „Pflegbarkeit“ des historischen Fensters wiederherzustellen und dabei so wenig wie möglich die originale Substanz zu beschädigen oder zu entfernen. Eine Restaurierung bedeutet nicht, dass Alterungs- und Gebrauchsspuren entfernt werden sollen. Veränderungen, Reparaturen und andere Eingriffe, die im Laufe der Geschichte vorgenommen wurden, sollen bei einer Restaurierung Berücksichtigung finden. In der Praxis der Denkmalpflege ist die Fensterrestaurierung die handwerkliche Maßnahme, die am ehesten den Anspruch an die SubstanzerhaltungDeutsches Nationalkomitee für Denkmalschutz. Eine Zukunft für unsere Vergangenheit. Empfehlung zur Substanzerhaltung umweltgefährdeter Denkmäler. Frankfurt am Main 1985. und gleichzeitig eine moderne Nutzungsanforderung berücksichtigt. Insofern ist sie im Rahmen der Denkmalpflege die häufigste Maßnahme zur Instandsetzung historischer Fenster.
Fensterrenovierung Die Fensterrenovierung bedeutet die Erneuerung des Erscheinungsbildes eines Fensters. Sie kommt nur dann in Betracht, wenn die konservatorischen und restauratorischen Möglichkeiten nicht ausreichen, um Eingriffe in die Substanz des Originals rückgängig zu machen, oder wenn sich ein substanzgefährdender Schaden des Fensters mit anderen Maßnahmen nicht rückgängig machen lässt. Eine Renovierung geht immer vom historischen Befund aus. Keine originale Substanz soll bei einer Fensterrenovierung reduziert werden. Das Ersetzen von Teilen des Originals beschränkt sich bei einer Renovierung auf das unbedingt notwendige Maß.
Materialien und Techniken der Fensterinstandsetzung Die werthaltige Reparatur und Instandsetzung historischer Fenster orientiert sich an den Werkstoffen, aus denen die Fenster bestehen.Johannes Mosler, Martim Saar, Gerwin Stein: Grundsätze zur Erhaltung historischer Fenster. In: Johannesberger Arbeitsblätter. Beratungsstelle für Handwerk und Denkmalpflege, Probstei Johannesberg, Fulda 2012, S. 8. Für Maßnahmen zur Instandhaltung und Instandsetzung müssen traditionelle Materialien und Handwerkstechniken angewendet werden. Von der Mitte des 15. JahrhundertsLeon Battista Alberti: De re aedificatoria, Rom 1452, architekturtheoretischer Traktat, erste Veröffentlichung 1485; deutsche Übersetzung von Max Theuer: Zehn Bücher über die Baukunst. H. Heller, Wien und Leipzig 1912, S. 324; Nachdruck: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1991. bis in die Mitte des 20. JahrhundertsRichard Bermpohl, Hans Winkelmann: Das Tischlerbuch. Gütersloh 1952, S. 403. wurde ausschließlich Leinölfarbe als Fensterfarbe verwendet. Daher wird im Rahmen der Denkmalpflege grundsätzlich Leinölfarbe für die Instandsetzung historischer Fenster verlangt.landesdenkmalpflege.de: Werner Schorlemer – LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland: Historische Fenster und ihre Sicherung und Erhaltung im Bestand. In: Arbeitshilfen der Restaurierungswerkstätten. – Informationsblatt 5, Köln 2010.leinöl-im-handwerk.de: Wenn von historischen Fenstern die Rede ist, sind jene aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg gemeint.Tobias Huckfeldt, Hans-Joachim Wenk: Holzfenster - Konstruktion, Schäden, Sanierung, Wartung. Köln 2009, ISBN 978-3-481-02504-5, S. 363.
Leinölfarbe
mini|Reine Leinölfarbe wird hergestellt aus kalt gepresstem, entschleimtem, sterilisiertem und „gekochtem“ Leinöl, das mit getrockneten und gemahlenen Erdfarben oder Pigmenten verrieben wird.