mini|Eine Frau wartet auf dem Dach ihres Autos während der Sturzflut von Toowoomba auf Hilfe mini|Satellitenbild vom 31. Dezember 2010

Die Überschwemmungen in Queensland 2010/2011 betrafen die australischen Bundesstaaten Queensland und New South Wales. Sie wurden durch starke Niederschläge ausgelöst, die teilweise durch den Zyklon Tasha hervorgerufen wurden. Tasha war der erste tropische Wirbelsturm der australischen Zyklonsaison 2010–2011, der auf das australische Festland gezogen war.

Die Überschwemmungen gelten in diesem Gebiet als die schlimmsten seit 50 Jahren.Land unter in Australien: Schwerstes Hochwasser seit 50 jahren in: Der Stern. vom 31. Dezember 2010. 70 Städte waren davon betroffen und 200.000 Personen mussten evakuiert werden.Australia: Queensland floods spur more evacuations. bbc.co.uk vom 31. Dezember 2010 auf bbc.co.uk, abgerufen am 15. Januar 2011 In New South Wales war vor allem der Westen des Landes betroffen. Diese Überschwemmungen hatten 35 Menschen das Leben gekostet.Police.qld.gov.au: Death toll from Queensland Floods, abgerufen am 4. Februar 2012

Durch die etwa 90.000 Einwohner zählende Stadt Toowoomba, am südlichen Rand des Überschwemmungsgebietes, war am 10. Januar 2011 eine Sturzflut gerast, die zu erheblichen Sachschäden führte. Die Ortschaft Grantham wurde durch die Flut nahezu dem Erdboden gleichgemacht. Teile des Zentrums der Millionenstadt Brisbane mussten evakuiert werden.

Die Sachschäden wurden auf 1 Milliarde AUDFloods force mass evacuations in Queensland, Australia auf bbc.co.uk vom 29. Dezember 2010, abgerufen am 15. Januar 2011 und der Ausfall am Bruttosozialprodukt auf 13 Milliarden AUD geschätzt.Queensland floods 'could wipe $13 billion off economic growth' auf www.news.com.au vom 12. Januar 2011, abgerufen am 15. Januar 2011

Australien exportiert die meiste Kohle auf der Erde und Queensland mit New South Wales haben zusammen 97 % aller Steinkohlebergwerke Australiens, daher ist dieser Industriebereich stark vom Export abhängig. Durch die Überflutung der Kohlegruben kam es im Rechnungsjahr 2010/2011 zu einem signifikanten Abfallen der Steinkohleproduktion auf 405 Millionen Tonnen, während es ein Jahr zuvor 2009/2010 noch 471 Millionen Tonnen waren. Coal Produktion, abgerufen am 4. Februar 2012

Den Überschwemmungen in Queensland und New South Wales folgten die Überschwemmungen im Bundesstaat Victoria 2011, die große Teile des westlichen und zentralen Australiens überfluteten.

Hintergrund Die Überschwemmungen waren die Folge von starken Niederschlägen, verursacht durch den tropischen Wirbelsturm Tasha, kombiniert mit einer Trogwetterlage auf dem Höhepunkt eines La-Niña-Ereignisses. Die von La Niña im östlichen Australien verursachten Niederschläge waren die heftigsten seit 1973.

Das La-Niña-Ereignis bedingte über einen längeren Zeitraum starke Regenfälle über den Einzugsgebieten der Flüsse Queenslands. 2010 war damit der nasseste Dezember seit den Wetteraufzeichnungen, wobei an 107 Messstellen die bisherigen Rekordmarken übertroffen wurden. Im gesamten Bundesstaat lag der gemittelte Niederschlag mit 209,45 mm deutlich über dem bisherigen Wert von 200,1 mm aus dem Jahr 1975."Queensland in December 2010: The wettest December on record" Monthly Climate Summary for Queensland. 4. Januar 2011. Bureau of Meteorology. Product code IDCKGC24R0. Abgerufen am 15. Januar 2011 2010 war zudem das nasseste Frühjahr seit 1900 Wednesday, 1. Dezember 2010. Bureau of Meteorology. Product code IDCKGC14R0. Abgerufen am 12. Januar 2011 und das drittnasseste Jahr des australischen Kontinents.

Kleinere, lokal begrenzte Überschwemmungen traten bereits Anfang Dezember im gesamten Gebiet Australiens auf. Am 24. Dezember zog dann ein Monsumtrog vom Korallenmeer in Richtung Küste und brachte in den darauf folgenden Tagen sintflutartige Regenfälle, die in einem breiten Streifen vom Golf von Carpentaria bis zur Gold Coast niedergingen.

Am 30. Dezember waren weite Teile im Süden und Zentrum von Queensland, eine Fläche etwa so groß wie Deutschland und Frankreich zusammen, von den Überschwemmungen betroffen. Etwa 300 Straßen, darunter neun Hauptverbindungen, waren unpassierbar und wurden geschlossen. Eisenbahnen und zahlreiche Kohlebergwerke wurden überflutet. Zudem hatten die Überschwemmungen die Preise für Obst und Gemüse explodieren lassen, in manchen Regionen stiegen die Preise um mehr als das Dreifache. Wo das Hochwasser zurückging, blieben Schlangen und Krokodile zurück und stellten eine Gefahr für die Bewohner dar.

Ausmaße Überflutungen traten seit Mitte Dezember 2010 im ganzen Gebiet von Queensland auf. Dabei hatten mehrere aufeinander folgende Tiefdruckgebiete mit heftigen Regenfällen zu einem Ansteigen der Flüsse über einen Zeitraum in drei Wochen geführt. Viele Orte, wie Condamine und Chinchilla, wurden mehrfach überflutet.

Fitzroy-River-Becken mini|Luftbild von Rockhampton vom 31. Dezember 2010 Die Überschwemmungen führten am 29. Dezember 2010 zur Evakuierung von 1.000 Menschen in Theodore und weiteren Städten. Der zuständige Katastrophenbeauftragte beschrieb dabei die Ausmaße als „noch nie dagewesen“. Bewohner wurden mit Militärhubschraubern nach Moura ausgeflogen. Theodore war die erste Stadt in der Geschichte Queenslands, die vollständig evakuiert werden musste.

Emerald wurde ebenso am 29. Dezember von der Außenwelt abgeschnitten, als der Nogoa River anstieg. Am nächsten Tag überstieg der Pegel mit 15,36 m die Hochwassermarke von 2008 und auf dem Höhepunkt der Flut standen 80 Prozent der Stadt unter Wasser – schlimmer als je zuvor. 1.200 Einwohner der Stadt waren evakuiert worden.

Rockhampton hatte fast eine Woche Zeit, sich auf das Hochwasser des Fitzroy River vorzubereiten. Der Fluss verläuft durch das Zentrum der Stadt und der Flughafen wurde am 1. Januar geschlossen. Eine eiserne Flutbarriere wurde aufgestellt, um zu verhindern, dass im Wasser treibende Trümmer das Abfertigungsgebäude beschädigen. Ein Krisenzentrum wurde in der Central Queensland University eingerichtet und der Bruce Highway im Süden der Stadt für den Verkehr gesperrt. Am 5. Januar 2011 erreichte der Fitzroy River mit 9,2 m seinen Höchststand und blieb so etwas unterhalb des prognostizierten Pegels von 9,4 m.

Der Hafen von Gladstone musste seinen Betrieb einschränken, da die Kohlelager am Hafen durchnässt wurden und neue Kohleanlieferungen mit der Eisenbahn nicht möglich waren. Der Betrieb der Goonyella-Linie, die eine Reihe von Kohlebergwerken im Bowenbecken bedient, wurde für eine Woche eingestellt. Auch die Lieferung von Getreide wurde verzögert.

Burnett-River-Becken mini|Burnett River bei Gayndah, 350 km nordwestlich von Brisbane mini|Überschwemmung am Churchill Drive in Warwick

Die Städte im Zentrum der Burnettregion, Gayndah und Mundubbera, wurden am 28. und 29. Dezember überflutet, als der Burnett River seinen Höchststand von 18,25 m erreichte. Dabei handelte es sich um den höchsten Stand seit 1942. In Mundubbera wurden 20 Häuser überschwemmt, weiter flussabwärts in Gayndah fielen den Fluten zwei Häuser zum Opfer. Beide Städte waren für mehrere Tage von der Außenwelt abgeschnitten. Sowohl die Trinkwasserversorgung wie auch die landwirtschaftliche Produktion wurden stark beeinträchtigt.

Das unmittelbar am Burnett River gelegene Bundaberg erlebte die schwersten Überflutungen seit 40 Jahren. In dem Ort mussten über 300 Haushalte evakuiert werden.

Condamine/Balonne-River-Becken Im Einzugsgebiet des Condamine/Balonne River wurden die Orte Chinchilla und Jericho überflutet. Dabei mussten mindestens 40 Einwohner aus Jericho evakuiert werden.

Die Überschwemmungen in Dalby waren die schlimmsten seit 1982. Die Trinkwasseraufbereitungsanlage der Stadt wurde überflutet, was im weiteren Verlauf die Aufräumarbeiten behinderte. 112.500 Liter Wasser mussten für die 14.000 Einwohner mit Lastwagen herbeigeschafft werden. Weiter flussabwärts war Warwick von der Außenwelt abgeschnitten.

Der Condamine River erreichte im gleichnamigen Ort Condamine mit 14,25 m am 30. Dezember den höchsten jemals gemessenen Pegelstand. Alle 100 Bewohner mussten mit Hubschraubern noch am gleichen Tag evakuiert werden, da erwartet wurde, dass der Pegel auf über 15 m ansteigt.

Die Wassermassen bedrohten die weiter flussabwärts liegenden Städte Surat und St. George, wobei für Surat ein Höchststand von 12,5 m und für St George 14 m erwartet wurde. Wenn das Hochwasser Ende Januar über den Balonne River den Culgoa und Bokhara River in New South Wales erreicht, wurde erwartet, dass die Städte Angledool, Goodooga und Weilmoringle von der Außenwelt abgeschnitten werden.

Weitere heftige Regenfälle am 9. und 10. Januar führten zu einem erneuten Ansteigen der Wasserstände, wodurch Chinchilla und Condamine erneut gefährdet wurden. Die Einwohner von Chinchilla wurden deswegen ein zweites Mal aufgefordert, den Ort zu verlassen.

Am Macintyre River, der entlang der Grenze der beiden australischen Bundesstaaten Queensland und New South Wales verläuft, bedrohte das Hochwasser am 13. Januar die Stadt Goondiwindi. Zwar wird die Stadt von einem elf Meter hohen Damm geschützt, dennoch wurden das örtliche Krankenhaus und ein Altenheim vorsorglich evakuiert sowie ein Krisenzentrum eingerichtet.

Mary-River-Becken Starker Regen, der im Einzugsgebiet des Mary River am 8. und 9. Januar fiel, führte zur Überschwemmung von Maryborough und Gympie. Die erste Hochwasserwelle für Maryborough wurde mit einem Höchststand von 8,5 m für den Mittag des 9. Januar erwartet. Einige Häuser und Geschäfte waren davon betroffen. Die zweite Welle, die von den Niederschlägen weiter flussaufwärts ausgelöst wurde, passierte die Stadt später am Tag. Bei Gympie wurde erwartet, dass der Mary River einen Höchststand von 16 m erreicht, möglicherweise sogar 17 m, wenn es weiterhin regnen sollte.

Toowoomba und das Lockyer Valley mini|Die überflutete Long und Mackenzie Street in Toowoomba Die Stadt Toowoomba in den Darling Downs wurde von einer Sturzflut getroffen, nachdem am 10. Januar 2011 mehr als 160 mm Regen innerhalb von 36 Stunden niedergingen, was innerhalb von Stunden zu vier Todesopfern führte. Toowoomba liegt auf der Wasserscheide der Great Dividing Range, etwa 700 m über dem Meeresspiegel. Ein dreiwöchiger Dauerregen – nur an drei Tagen blieb es trocken – hatte den Boden in dem Gebiet um Toowoomba mit Wasser gesättigt, als eine Reihe von Stürmen die Stadt am 10. Januar trafen. Die damit einhergehenden sintflutartigen Regenfälle liefen schnell die Kanäle und Straßen hinunter. Das Zentrum der Stadt liegt in einem kleinen Tal, wo zwei kleine Wasserläufe, der East Creek und der West Creek, sich zum Gowrie Creek verbinden. Die Bäche traten über ihre Ufer, da sie die Wassermassen nicht aufnehmen konnten, und eine vernichtende Wasserwelle schob sich durch das Stadtzentrum.

Im nahegelegenen Gatton begann die Evakuierung als der Lockyer Creek auf einen Rekordpegel von 18,92 m stieg und dabei die bis dahin geltende Rekordmarke aus dem Jahr 1893 überschritten. Weiter flussabwärts, in der Stadt Withcott, drückte die Gewalt der Wassermassen Autos in Geschäfte und zwang hunderte von Menschen, ihre Häuser zu verlassen. Die Szene wurde von einem Augenzeugen wie folgt beschrieben: „als ob Zyklon Tracy durch die Straßen gefegt wäre … Wenn man hier eine Atombombe gezündet hätte, sähe es genauso aus“. Auch Grantham wurde schwer von der Flut getroffen. Häuser wurden zerstört durch, was die Premierministerin von Queensland Anna Bligh als „Inland-Tsunami“ beschrieben hat. Laut Berichten vor Ort hatte die Flutwelle bereits eine Höhe von 7 oder 8 Metern, als sie Grantham erreichte. Neue Tote wurden bestätigt und befürchtet, dass viele der 66 Vermissten ebenfalls ums Leben gekommen waren. Der Körper eines der Opfer wurde von Fluten mitgerissen und erst 80 km flussabwärts gefunden. Die Polizei ging davon aus, dass viele Leichen vermutlich nie gefunden werden.

Einzugsgebiet des Brisbane River