Wilhelm I. Frei- und Panierherr von Hofkirchen, Herr zu Kollmitz (Kollmünz) und Drösiedl (Dressidel) (* 1527 in Drösiedl; † 1584So die Angaben in der Leichenrede auf Hans Rueber: „Er [Hans Rueber] ist aber geboren ungefähr um das 29 Jahr | der mindern Zahl, wie er mir selber hat vor seinem Tod [] angezeigt, als er vernommen, daß der Wolgeborne Herr, Herr Wilhelm von Hoffkirchen Freyherr … mit Tod abgangen, daß er mit ihme (der das 54. Jahr seines Alters erreicht) im gleichen Alter, und zu Wien in die Schul gangen… Wie sie nun in einem Jahr geboren …, also seyn sie auch in einem Jahr, und wenig Wochen voneinander gestorben.“ (S. 26f); vgl. Martin F. Kühne: Einige Nachrichten über Freiherrn Hans Rueber zu Puxendorf und Gravenwerth, kais. General-Obristen in Ungarn. In: Jahrbuch der Gesellschaft für die Geschichte des Protestantismus in Österreich. Band 1, Wien und Leipzig 1880, S. 125f.; s. auch Gerhard Robert Walter von Coeckelberghe-Dützele / Anton Köhler, Curiositäten- und Memorabilien-Lexicon von Wien, Bd. II, Wien 1846, S. 148. Lebensdaten Hofkirchens nach der ADB: um 1511–1586., vermutlich in Wien oder Schloss Vösendorf) war ein österreichischer Feldmarschall und Hofkriegsrats-Präsident unter den Kaisern Maximilian II. und Rudolf II. und ein Förderer des Protestantismus.

Leben Wilhelm von Hofkirchen war der Sohn von Wolfgang von Hofkirchen († 1538) und Barbara von Traun.

Vorfahren des Freiherrn Wilhelm von HofkirchenUrgroßelternJohann I. von Hofkirchen († 1479)Johann I. von Hofkirchen heiratete II. Margaretha von Krottendorf., Herr zu Kollmitz ⚭ BarbaraNach älterer Literatur „Anna“ (wohl unzutreffend). von DressidelLadislaus I. Popel von Lobkowitz († um 1505), Herr zu Chlumec ⚭ AnnaNach älterer Literatur „Benigna Catherina von Kreidde“. von Kraigk († 1520)Wolfgang von Abensperg und Traun († 1458), Herr zu Eschelberg, Einberg, Münzkirchen und Raab ⚭ 1436 Clara von Freyberg († vor 1457) zu HohenaschauBernhard von Schärffenberg († 1513), Herr zu Windegg ⚭ Elisabeth von Fladnitz († 1489)GroßelternLorenz (Laurentius) III. von Hofkirchen († zwischen 1494 und 1500) ⚭ Elisabeth (Alžběta) Popel von Lobkowitz († nach 1500)Hans (Johannes) V. von Abensperg und Traun zu Traun (* um 1430–1500)Grabstein in der Pfarrkirche St. Jakobus von Hörsching; ⚭ I. 1465 Ursula von Closen (Klos). ⚭ Prix (Praxedis) von Schärfenberg (* um 1435–1513)ElternWolfgang I. von Hofkirchen († 1538) ⚭ Barbara von TraunWilhelm von Hofkirchen (* um 1529; † 1584)

Wilhelm von Hofkirchen besuchte die Wiener Landschaftsschule; einer seiner Mitschüler war der spätere kaiserliche Feldoberst und österreichisch-ungarische General Hans Rueber zu Pixendorf (1529–1584). 1564 wurden ihm Haus Drösiedl samt Dorf, Meierhof und Gründen, Lehen des Kaisers und des Stiftes Melk, von seinem Bruder Hanns von Hofkirchen gegen 3000 Rheinische Gulden überschrieben.Vgl. Stiftsarchiv Altenburg (Urkunden, 1564 V 06). 1567 wurde er von Abt Urban I. Perntaz († 1587) mit weiteren Rechten des Stiftes Melk belehnt.Vorurkunde von 14./15. Dezember 1568 (= 1567) in einer Urkunde vom 11. März 1628; vgl. Stiftsarchiv Melk (Urkunden 1567 XII 14; 1628 III 11).

Hofkirchen war 1559 bis 1562 Verordneter des Herrenstandes, 1565 General Land-Obrist in Niederösterreich und kämpfte 1566 bis 1569 in Ungarn gegen die Türken. Unter Maximilian II. (1527–1576) war er Hofkriegsrat und Geheimer Rat und unter Rudolph II. (1552–1612) Hofkriegsrats-Präsident.

Die Familie Jud zu Hofkirchen stammt ursprünglich aus Hofkirchen bei Reuth in Niederbayern. Wilhelm von Hofkirchen besaß neben Kollmitz und Drösiedl unter anderem die Herrschaften Guttenbrunn, Aigen, Harmannsdorf, Mühlbach sowie die Schlösser Seebarn und (ab 1565) Vösendorf. Mit Graf Ulrich II. von Hardegg († 1604) auf Glatz und im Marchlande als brandenburgischem Lehensträger in Österreich verhandelte er über die Verleihung der durch den Tod seines Schwagers Adam von Pögl († 1575), Freiherrn zu Reifenstein und Araburg, und von Wolfgang II. von Liechtenstein-Nikolsburg (1536–1585) auf Wülfersdorf heimgefallenen brandenburgischen Lehen um Neusiedl an der Zaya.Vgl. Staatsarchiv Bamberg (Markgraftum Brandenburg-Bayreuth, Geheimes Hausarchiv Plassenburg Nr. 3680). Zu den brandenburgischen Lehen in Niederösterreich Julius von Minutoli: Friedrich I. Kurfürst von Brandenburg. Alexander Duncker, Berlin 1850, S. 340 (Google-Books).

Noch im Jahr seines Todes 1584 kaufte Hofkirchen von der Familie seines verstorbenen Schwagers Freiherrn Andreas von Pögl (1521–1565) Burg Liechtenstein und Burg Mödling; beide Herrschaften wurden aber von Hofkirchens Erben Kaiser Rudolf II. zur Pfandlösung angeboten und 1592 Hans Graf Khevenhüller-Frankenburg zu Aichelberg (1538–1606) überlassenFranz Sartori: Die Burgvesten und Ritterschlösser der österreichischen Monarchie, Bd. IV., Wien: Michael Lechner 2. Aufl. 1839, S. 6..

Hofkirchen und seine Frau Eva wurden in einem Prunkgrab (gestaltet um 1600) in der Pfarrkirche von Aigen beigesetzt.

Förderer des Protestantismus Hofkirchen berief Martin Regulus (1525–1577) zu seinem evangelischen Hofprediger in Wien.Vgl. Johannes Scheufler: Der Zug der österreichischen Geistlichen nach und aus Sachsen X. (Fortsetzung). In: Jahrbuch der Gesellschaft für die Geschichte des Protestantismus in Oesterreich 24 (1903), S. 184–235, bes. S. 202 (Google-Books; eingeschränkte Vorschau). Nach der Ausweisung der protestantischen Prediger Mag. Josua Opitz (1542–1585), Mag. Johann Tettelbach d. J. (1546–nach 1586)Auch „Tettelbachius“, „Detelbachius“ u. ä.; aus Dresden, Sohn von Johann Tettelbach d. Ä. (1517–1598), Schüler von Georg Fabricius (1516–1571) in Meißen, Studium in Leipzig, ordiniert in Ansbach, 1565 Kantor und Rektor der Lateinschule in Feuchtwangen, 1574 bis 1578 Prediger im Niederösterreichischen Landhaus in Wien, dann Schlossprediger von Adam von Puchheim, Freiherr von Karlstein (1546–1608) in Karlstein an der Thaya und Pfarrer in Münchreith an der Thaya, nach 1586 als Flacianer vertrieben, Pfarrer in Ottenschlag und vermutlich nach Sachsen oder Bayern abgewandert., Michael Hugo († nach 1584)Auch „Michaelus Hugonus“; aus Weimar, 1557 von Erhard Schnepf (1495–1558) in Jena ordiniert, Prediger in Trockenborn, 1573 als Flacianer abgesetzt, Prediger im Niederösterreichischen Landhaus in Wien, 1578 von Veit Albrecht von Puchheim (um 1532–1584) nach Kühnring berufen, 1584 von dort als Flacianer vertrieben. und des Präzeptors Mag. Paul SesserAuch „Paulus Sesserus“, „Seserus“, „Seser“ u. ä.; aus Altenburg, 1576 als Lehrer an der Landschaftsschule in Wien bestellt, 1578 zunächst ausgewiesen, dann von Rudolph II. pardoniert, 1579 in Horn bei Veit Albrecht von Puchheim, 1581 in Basel zum Dr. med. promoviert, 1583 zusammen mit Dr. med. Jakob Horn Landschafts-Protomedikus („curator sanitatis“) in Wien, 1593 und 1596 als Stadtmedicus in Schemnitz erwähnt. († nach 1596) im Juni 1578 aus der StadtVgl. Bernhard Raupach: Evangelisches Österreich Bd. I, Hamburg: Felginers Witwe 1732, S. 289, 297–299. ließ er im Hof seines Wiener Freihauses in der Seilergasse (Nr. 1089, alte Nr. 1155, später „Göttweiger Hof“, heute Spiegelgasse 9 / Ecke Göttweihergasse)Das Haus war ab 1583 Witwensitz der Erzherzogin Elisabeth von Österreich (1554–1592). heimlich evangelische Gottesdienste abhalten, in denen auch Kinder getauft wurdenStephan Gerlach, Tage-Buch, der von zween glorwürdigsten Römischen Käysern, Maximiliano und Rudolpho … an die Ottomannische Pforte zu Constantinopel abgefertigten, und durch den wohlgebohrnen Herrn Hn. David Ungnad Freyherrn zu Sonnegk und Preyburg … glücklichst-vollbrachter Gesandtschafft [1573–1578], hrsg. von Samuel Gerlach, Frankfurt a. M.: Johann David Zunner 1674, S. 533 (PDF; 180,91 MB der Landesbibliothek Coburg).. Hofkirchen versuchte, den Göllersdorfer Pfarrer Mag. Wilhelm Friedrich Lutz (1551–1597), der diese verbotenen Gottesdienste hielt, als Prediger bei sich in Wien zu behalten. Dies wurde ihm jedoch von Erzherzog Ernst (1553–1595) verwehrt. Als ihm der Erzherzog am 28. September 1578 „mit grossem Zorn“ „Ihr[o] M[ajestät] höchste Ungnade“ in Aussicht stellte, antwortete Hofkirchen, er „wöll … hiermit seinen Dienst aufkhündt haben, dan er GOtt dem Allmächtigen mehr Gehorsam schuldig seye, dan den Menschen“. Erzherzog Ernst erwiderte, „Alleweil ihm sein Predicant lieber seye, dan die Kayserl. Maj. so mög er nur hinziehen, bis man wieder werd nach ihm schicken“. Hofkirchen verließ noch am selben Tage mit seiner Familie die Stadt WienVgl. Georg Kölderer (Kelderer) (um 1550–1607) in seiner handschriftlichen Sammlung merckwürdiger Begebenheiten; zitiert nach Bernhard Raupach: Presbyteriologia Austriaca, Hamburg: Filginer Witwe und Bohn 1741, S. 101f; vgl. Kühne, Dr. Wilhelm Friedrich Lutz, S. 198f..

Hofkirchen stellte Lutz anschließend als Nachfolger des verbannten Johann (Hanns) Behem (* 1549)Aus Brieg in Schlesien, studierte in Wittemberg, 1573–1578 Pfarrer in Vösendorf, 1578 auf Betreiben von Bischof Johann Caspar Neubeck (um 1545–1594) verhaftet, 1579 in Oberhollabrunn, flacianisch gesinnt; vgl. Bernhard Raupach: Presbyteriologia Austriaca, Hamburg: Filginer Witwe und Bohn 1741, S. 9. zur Versorgung seiner Schlossgemeinde in Vösendorf und der umliegenden Dörfer ein. 1580 standen fünf protestantische Prediger unter Hofkirchens Schutz, darunter Rudolph Michael in Vösendorf und Paul Binder (* 1542)Aus Koblenz, zunächst Klosterbruder, 1568 in Wien ordiniert, 1568 bis 1574 Diakonus in Schweiggers, 1574 Diakonus und 1580 Pfarrer in Puch. in Puch (Buch) bei Waidhofen an der ThayaVgl. Gerhard Robert Walter von Coeckelberghe-Dützele, Anton Köhler: Curiositäten- und Memorabilien-Lexicon von Wien, Bd. II, Wien 1846, S. 394; Bernhard Raupach: Presbyteriologia Austriaca, Filginer Witwe und Bohn, Hamburg 1741, S. 9..

Familie Wilhelm von Hofkirchen war seit 1553Vgl. Josef von Zahn (Hrsg.): Das Familienbuch Sigmunds von Herberstein, nach dem Originale herausgegeben. In: Archiv für österreichische Geschichte 39 (1868), S. 293–415, bes. S. 407f (Google-Books). verheiratet mit Eva Pögl (Begl)In der Sekundärliteratur wegen Verlesung des Frakturbuchstabens „ (P)“ als „ (V)“ gelegentlich fälschlich mit „Vögl“, „Vöglin“ wiedergegeben. († vor 1591), Freiin von Reiffenstein, Tochter von Siebald Pögl (um 1490–1540), Freiherr von Reifenstein, und Cordula von Herberstein zu Neuberg (1500–1543), mit der er 15 Kinder hatte: Barbara (* um 1553/54; † nach 1592)1592 Einträgerin im Stammbuch einer unbekannten (vermutlich protestantischen österreichischen) Dame auf demselben Blatt wie einige ihrer Schwestern (Germanisches Nationalmuseum Nürnberg, HS 6037a, Blatt 89).Nach David Reuss, Zwo leich und trostpredigten ober dem seligen abschied und begrebnis des wolgebornen herrn, herrn Feliciani, freyherrn zu Herberstein. Beyer, Leipzig 1595, ist Barbara eine Tochter und nicht, wie gelegentlich angenommen wird, eine Nichte von Wilhelm von Hofkirchen; der Text der Grabrede ist wiedergegeben bei Dóra Bobory: Felician von Herberstein (1540–1590) stájer főúr rövid életrajza és magyar kapcsolatai David Reuss gyászbeszéde alapján. In: Lymbus 3 (2005), S. 5–26 (PDF; 168 kB)., ⚭ 1570 Felician (Felix) I. von Herberstein zu Neuberg und Gutenhaag (1540–1590), Bergwerks- und Münzpächter von Nagybánya, Sohn von Georg Andreas (Andre) von Herberstein (1514–1543) und (⚭ 1539) Helena von Pötschach (Petschach) zu Gutenstein († 1553), 1578 kaiserlicher Hofkriegsrat Wolfgang (Wolf) II. (* 1. September 1555; † 15. Juni 1611), ⚭ 1582 Anna Dorothea Gräfin von Oettingen-Oettingen (1563–nach 1624), Tochter von Ludwig XVI. Graf von Oettingen (1508–1569) und (⚭ 1562) Susanne Gräfin von Mansfeld († 1565), führender protestantischer Ständepolitiker und Statthalter von Niederösterreich; dessen Söhne Wilhelm III. (* 1583; † um 1630), ⚭ 1609 Anna Sabina von Auersperg (1585–1627), ab 1627 Kämmerer Ferdinands II.,Franz Karl Wißgrill: Schauplatz des landsässigen niederösterreichischen Adels, Bd. IV. Schuender, Wien 1800, S. 360f (Google-Books).