Richard Konwiarz (* 15. Februar 1883 in Kempen, Provinz Posen; † 14. Dezember 1960 in Hannover)Lebensdaten bei OKR war ein deutscher Architekt und kommunaler Baubeamter, der insbesondere für die von ihm geplanten Sportstätten Beachtung fand.

Leben Richard Konwiarz studierte an der Dresdner Kunstakademie bei Paul Wallot und sammelte erste berufliche Erfahrungen in den Architekturbüros Lossow und Kühne (Dresden) und Pfleghard und Haefeli in Zürich. 1909 holte ihn Stadtbaurat Max Berg nach Breslau. Bis 1945 war er dort in leitender Funktion in der Stadtverwaltung tätig. Dabei wirkte er unter anderem am Bau der Jahrhunderthalle mit, deren Ausbau er nach dem Weggang Bergs betreute. Als städtischer Baurat realisierte Konwiarz zahlreiche kommunale Bauprojekte: ein Krematorium, Friedhofshallen, Krankenhausbauten, die Staatenhalle im Forum des Platzes vor der Jahrhunderthalle, Verkehrs- und Werkbauten, Sporthallen und Volksparkanlagen. Nach dem Ersten Weltkrieg erlebte der Breitensport einen Aufschwung, und Anfang der 1920er Jahre wuchs das Stadtgebiet Breslaus durch Eingemeindungen auf die fünffache Fläche. Konwiarz plante für die einzelnen Stadtviertel insbesondere Spiel-, Sport- und Badeanlagen sowie die Schlesierkampfbahn im Sportpark Leerbeutel als zentrale Großanlage. Konwiarz war Mitglied im Deutschen Werkbund und im Bund Heimatschutz, er arbeitete ehrenamtlich beim Tag für Denkmalpflege mit und übernahm bis 1933 einen Lehrauftrag am Institut für Leibesübungen der Universität Breslau.

1945 kam er zurück nach Dresden und arbeitete in der Stadtverwaltung am Wiederaufbau der Stadt. 1947 übernahm er den Lehrstuhl für Städtebau an der Technischen Hochschule Dresden. Ebenso übernahm er die Leitung des Hochschulaufbaus. Im Frühjahr 1949 legte er ein Bauprogramm vor, 1950 einen Raumentwicklungsplan, um für städtebauliche Planungen das Wachstum der Hochschule zu berücksichtigen.Reiner Pommerin: 175 Jahre TU Dresden. Band 1: Geschichte der TU Dresden 1828–2003. Hrsg. im Auftrag der Gesellschaft von Freunden und Förderern der TU Dresden e. V. von Reiner Pommerin, Böhlau, Köln u. a. 2003, ISBN 3-412-02303-5, S. 249. 1950 wurde er emeritiert und zog nach Hannover. Dort übernahm er beratende Tätigkeiten im Sportstättenbau und entwarf gemeinsam mit Heinz Goesmann Anfang der 1950er Jahre die Pläne für das Niedersachsenstadion in Hannover.

Sein Sohn Hans Konwiarz wurde ebenfalls Architekt.

Auszeichnungen 1932: Bronzemedaille im Kunstwettbewerb der Olympischen Spiele in Los Angeles (USA) für den Entwurf der „Schlesierkampfbahn“ in Breslau (so genanntes Olympiastadion)

Werk Bauten und Entwürfe 1911 – Bismarckturm in Kempen, nicht erhaltenhttp://www.bismarcktuerme.de/ - Vom Bismarck- zum Kosciuszkoturm 1914 – Entwurf der Siedlung für Arbeiter und Angestellte der Firma C. W. Regel Söhne in Luisenhain bei Posen (heute Poznań-Starołęka), nicht realisiertOstdeutsche Bauzeitung Jg. 20 Nr. 45, 7. Juni 1922, S. 179–180. 1919–1920 – Städtebaulicher Entwurf der Altstadtsanierung in Breslau sowie Entwürfe für vier Hochhausentwürfe für die Stadtverwaltung, 1919–1920 (mit Max Berg und Ludwig Moshamer)Jan Harasimowicz: Atlas architektury Wrocławia. Tom 2, ISBN 83-7023-679-0, S. 298–299; Jerzy Ilkosz, Beate Störtkuhl (Hrsg.): Wieżowce Wrocławia, Wrocław 1997, ISBN 83-908067-0-3, S. 137, 153–156. 1924–1927 – Schlesierkampfbahn, genannt Olympiastadion, in Breslau 1925–1927 – Krematorium auf dem Friedhof Breslau-Gräbschen, nicht erhaltenzeitgenössische Abb. der Trauerhalle in: Walter Müller-Wulckow: Deutsche Baukunst der Gegenwart. Bauten der Gemeinschaft. Langewiesche Verlag, Königstein/Taunus / Leipzig 1929, S. 101. 1926 – Zwei Fußgängerbrücken über den Grüneicher Weg in Breslau, als Verbindung zwischen der Jahrhunderthalle und dem südlichen Teil des Ausstellungsgeländes. 1927–1929 – Strandbad Nordend Breslau-RosenthalKonstanze Beelitz, Niclas Förster: Breslau|Wrocław. Die Architektur der Moderne. Ernst Wasmuth Verlag, Berlin/Tübingen 2006, ISBN 3-8030-0660-0. 1929 – Kindererholungsheim (mit Änderungen erhalten) und temporäres Theater für Puppenspiele für die Werkbundsiedlung Breslau 1929 – Umformestation Beblostraße, Breslau-DürrgoyWas in Breslau 1929 gebaut wird. In: Schlesische Monatshefte : Blätter für Kultur und Schrifttum der Heimat. Jahrgang VI, Januar 1929, Nummer 1. 1929 – Sporthalle Brückenaue, Breslau-Oswitz 1929 – Waldbad Breslau-Cosel 1929 – Badesportpark Breslau-Opperau 1930–1931 – Umformestation Brüderstraße (heute Pułaskiego) 1933–1934 – Gebäude für die Schurtzmann & Wiesner-Stiftung an der Roonstraße (heutzutage Aleja Pracy) Nr. 30, 32, 34 und ein Wohngebäude an der Roonstraße 27–29 1935 – SA-Ehrenmal in Ostpark (heute Park Wschodni), Breslau 1936–1939 – Erweiterungen der Schlesierkampfbahn 1936–1939 – Torgebäude des südlichen Ausstellungsgeländes (jetzt Eingangstor des Zoologischen Gartens Breslau) 1937–1938 – Staatenhalle in BreslauOstdeutsche Bauzeitung Jg. 38 Nr. 21, 23. Mai 1940, S. 95–98. 1941–1943 – Hochbunker in Breslau: Striegauer Platz (heute pl. Strzegomski), Elbingstr. (Ołbińska), Gräbschener Str. (Grabiszyńska), Fritz-Geisler-Str. (Ładna),Janusz Leszek Dobesz: Wrocławska architektura spod znaku swastyki na tle budownictwa III Rzeszy. 2005, ISBN 83-7085-911-9, S. 60–67 (online) Weissdornweg (Białodrzewna) 1952–1954 – Niedersachsenstadion Hannover mit Heinz GoesmannHannoversche Stadttafeln: Niedersachsenstadion (Tafel 26)

Schriften Alt-Schlesien. Architektur, Raumkunst, Kunstgewerbe. Stuttgart, Hoffmann 1913. Alte Stadtbaukunst in Oberschlesien. In: Städtebau: Zeitschrift der Deutschen Akademie für Städtebau, Reichs- und Landesplanung (1920), S. 91–97. Neue Baukunst in Breslau. In: Wasmuths Monatshefte für Baukunst und Städtebau. Bd. 9 (1925), Heft 4, S. 125–164 (Digitalisat). Hrsg.: Die Baukunst Breslaus. Ein architektonischer Führer. Grass, Barth, Breslau 1926. Der Sportpark Breslau-Leerbeutel. Grass, Barth, Breslau 1928. mit Karl Brandt: Deutscher Sportbau, ein Überblick über Form und Plan deutscher Übungsstätten; aus Anlaß des Olympischen Kongresses, Berlin 1930. Grass, Breslau 1930. Die neuen Freibadeanlagen in Breslau. In: Deutsche Bauzeitung: DBZ. Zeitschrift für nationale Baugestaltung (1931), S. 365–372. Hrsg.: Ausstellungspark, Jahrhunderthalle Breslau. Breslau 1931. Bauten für Spiel, Sport und Turnen. Müller, Eberswalde / Berlin 1932 (Handbuch der Jugendpflege; 12). Breslau: neue städtische Bauten. In: Deutsche Bauzeitung: DBZ. Zeitschrift für nationale Baugestaltung (1937), S. 106–116. Das Hermann-Göring-Sportfeld in Breslau. In: Zentralblatt der Bauverwaltung (1940), S. 735–745. Schlesische Gartenkunst. In: Günther Grundmann (Hrsg.): Schlesien. Verlag Bild und Buch Schuhmacher, Berlin / Wiesbaden 1952, S. 144–153.

Literatur T. E.: Richard Konwiarz 75 Jahre. In: Baumeister. Bd. 55 (1958), S. 282. Akademie der Künste (Hrsg.): Arbeitsrat für Kunst, Berlin 1918–1921. (Ausstellungskatalog mit Dokumentation) Berlin 1980, S. 142. Konstanze Beelitz, Niclas Förster: Breslau, Wrocław. Die Architektur der Moderne. Wasmuth, Tübingen/Berlin 2006, ISBN 3-8030-0660-0.

Weblinks

– mit Porträtfoto

Einzelnachweise

Kategorie:Architekt (Deutschland) Kategorie:Architekt im Nationalsozialismus Kategorie:Teilnehmer der Olympischen Sommerspiele 1932 Kategorie:Olympiateilnehmer (Deutschland) Kategorie:Hochschullehrer (Universität Breslau) Kategorie:Hochschullehrer (Technische Universität Dresden) Kategorie:Stadtplaner (Dresden) Kategorie:Person (Hannover) Kategorie:Mitglied des Deutschen Werkbundes Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1883 Kategorie:Gestorben 1960 Kategorie:Mann