mini|Wappen der Auspitz von Artnegg (1900)

Die Familie Auspitz ist eine der ältesten und bedeutendsten jüdischen Familien aus Mähren, sie nahm den Ortsnamen von Auspitz (Hustopeče) als Namen an.

Auf sie gehen die Mitglieder der Wiener Bankiersfamilie Auspitz und deren Zweige Auspitz Edle von Artenegg sowie Edle von Auspitz zurück.

Frühe Angehörige der Familie mini|Jüdischer Friedhof von Nikolsburg um 1926 mini|Lazar Auspitz (1772–1853)

Löwel Auspitz war bereits 1657Bruno Trapp: Geschichte der Juden in Nikolsburg in: Die Juden und Judengemeinden Mährens in Vergangenheit und Gegenwart, ed. Hugo Gold, Jüdischer Buch- und Kunstverlag Brünn 1929, S. 421 in Nikolsburg (Mikulov) nachweislich, ein Jacob Auspitz im Jahre 1754.Bruno Trapp: Geschichte der Juden in Nikolsburg in: Die Juden und Judengemeinden Mährens in Vergangenheit und Gegenwart, ed. Hugo Gold, Jüdischer Buch- und Kunstverlag Brünn 1929, S. 431

Abraham S. Auspitz und Nachkommen Stammvater der Wiener Bankiersfamilie ist Abraham Shaye Auspitz, 1732 Anwalt,Bruno Trapp: Geschichte der Juden in Nikolsburg in: Die Juden und Judengemeinden Mährens in Vergangenheit und Gegenwart, ed. Hugo Gold, Jüdischer Buch- und Kunstverlag Brünn 1929, S. 429 Judenrichter in Nikolsburg im Jahre 1755Encyclopaedia Judaica: Band 3 Apostel - Beerajim, Eschkol 1972, ISBN 965-07-0235-0, S. 876 und Oberrabbiner in Mähren in der zweiten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts (1769–1774),Leopold Löw: Ben-Chananja, Monatsschrift für jüdische Theologie, Erster Jahrgang, Siegmund Burger Szegedin 1858, S. 413 bestattet in Nikolsburg, Grab VI/8/3.

Abraham Shaye Auspitz hinterließ mehrere Nachkommen, darunter: Samson Auspitz, 1764 bereits erwähnt,Bruno Trapp: Geschichte der Juden in Nikolsburg in: Die Juden und Judengemeinden Mährens in Vergangenheit und Gegenwart, ed. Hugo Gold, Jüdischer Buch- und Kunstverlag Brünn 1929, S. 433 laut Grabinschrift Simson Auspitz ben Rabbi Abraham Auspitz († 15. März 1806), übernahm das Amt des Landesältesten im Jahre 1781. Pessel, seine Frau, starb am 25. November 1807A. Willman: Ausgewählte Grabinschriften des jüdischen Friedhofes in Nikolsburg in: Gedenkbuch Nikolsburg, ed. Alfred Engel, 1936, Mikulov Lazar Auspitz (* 1772 in Nikolsburg; † 1853 in Brünn (Brno)), Kaufmann zu Brünn, gehörte zur wohlhabenden jüdischen Oberschicht, welche sich mit den Patrizierfamilien der Oppenheimer, Wertheimer, Todesco, Gomperz und Lieben wiederholt ehelich verband.Martin Pollack: Des Lebens Lauf. Jüdische Familienbilder aus Zwischeneuropa, C. Brandstätter 1987, ISBN 3-85447-198-X, S. 32ff

Lazar Auspitz war im Jahre 1833 der Gründer der bekannten Woll-Assortierungsanstalt L. Auspitz. Als erster mährischen Hersteller und Großhändler exportierte er Wolle nach England. Lazar Auspitz war ein sakulärisierter Jude, von welchem sein Enkel Theodor Gomperz (1832–1912) später einmal sagte: „Wenn er, was selten genug geschah, in der Synagoge erschien, so lag statt eines Gebetsbuchs eine Naturlehre vor ihm aufgeschlagen.“

Seine Ehefrau war Rosa Weinberger, sie wurde als körperlich und geistig ausnehmend zart beschrieben. Diese Konstitution und ihre Anwandlung zur religiösen ExaltationAnmerkung: Aufgeregtheit, Übererregung, Vorwalten der erregenden, sthenischen Affekte (WUNDT, Gr. d. Psychol.5, S. 327). Mit den Depressionszuständen bilden Exaltationszustände charakteristische Symptome allgemeiner psychischer Störungen (vgl. KRAEPELIN, Psychiatrie I5). Aus: Rudolf Eisler; Wörterbuch der philosophischen Begriffe, Band 1. Berlin 1904, S. 328 machten ein Zusammenleben unmöglich und sorgten dafür, dass in den 18 Ehejahren nur zwei Kinder geboren wurden, ehe die Ehe geschieden wurde. In den folgenden 24 Jahren blieb Lazar allein, ehe er sich in zweiter Ehe mit Babette Gomperz, der Schwester seines Schwiegersohnes Philipp Josua Feibelman Gomperz (1782–1857), verheiratete. Diese Ehe blieb kinderlos und er überlebte seine Frau um viele Jahre.

In vorgerücktem Alter wandte er sich der Tucherzeugung zu und eröffnete mit einer 8 PS starken Dampfmaschine, einem Meister und einigen Arbeitern einen Betrieb, welchen er für zwei seiner Enkel einrichtete und der unter ihrer Leitung im Laufe der Zeit als Fabrik L. Auspitz Enkel sehr bekannt wurde.

Die Juden durften bis 1852 nicht in Brünn bestattet werden, Lazar wurde als erster Brünner Jude in der Stadt beigesetzt. Der jüdischen Friedhof befindet sich heute im Stadtteil Židenice.Weimarer historisch-genealoges Taschenbuch des gesamten Adels jehudäischen Ursprunges, Volume 1, Kyffhauser-Verlag 1912, S. 261

Besonders stolz war er auf den ihm verliehenen Bürgerbrief, und gern fügte er seinem Namen bei feierlichen Anlässen das Prädikat Bürger von Brünn hinzu. Seinen nach Adel strebenden Verwandten gab er die Warnung an die Hand: „Werden Sie Ihre Kinder mit Bekanntmachung großer Bedürfnisse beglücken?“ Ohne an eine Republik zu denken, war er seinem innersten Wesen nach Republikaner. Sich vor niemandem zu beugen, um niemandes Gunst zu werben, war tief in seiner Natur begründet. Daher gab ihm sein Enkel Theodor die folgenden Worte mit ins Grab:

„Ein Freund des Lichts, ein Fels des Rechtes, Der Gleißnerei und Lüge feind; Schutzgeist und Gründer des Geschlechtes, Das hier an seinem Grabe weint.“

Nachkommen des Lazar Auspitz mini|Henriette Auspitz (1792–1881) mini|Josephine Gomperz (1820–1894) mini|Denkmal für Franziska von Wertheimstein (1844–1907) im Wertheimstein-Park, Wien 19 mini|Theodor Gomperz (1832–1912) mini|Rudolf Auspitz (1837–1906)

Linie Auspitz von Artenegg mini|1917 in Besitz des Stefan Edler von Auspitz von Artenegg mini|Besitz des Stefan Edler von Auspitz von Artenegg

Österreichischer Adelsstand, verliehen am 4. Februar 1900 in Wien für den Enkel des Lazar Auspitz, Carl Auspitz (1824–1912), Generalrat der Österreichisch-Ungarischen Bank, Großhändler, Besitzer der Firma S. Auspitz und Teilhaber des Bankhauses Auspitz, Lieben & Co., sowie ehemaliger Reichsratsabgeordneter. Die Familie ist israelitisch, katholisch und evangelisch. Träger des Ordens der Eisernen Krone III. Klasse.

Wappen Blasonierung: Geviert: 1) In Gold ein aufrechter schwarzer Greif. 2) und 3) In Rot je zwei silberne Balken. 4) In Grün (oder Gold) ein roter Schrägbalken, belegt mit einer goldenen Lilie. Auf dem gekrönten Helm mit rechts schwarz-goldenen und links rot-goldenen Decken ein wachsender goldener Greif.

Genealogie

Linie Edle von Auspitz Abraham Edler von Auspitz aus dem Stamme Aaron, nobilitiert 1891 in Wien, Ururenkel des Rabbiners Abraham Shaye Auspitz. Mosaisch katholischen Glaubens.

Weitere Namensträger mini|Heinrich Auspitz

Auspitz, Ignatz, Tabakhändler (* in Nikolsburg), in Pest seit 1830 Auspitz, Adolf († 5. Oktober 1868), bestattet auf dem Währinger Friedhof 19/154Friedhofsdatenbank

Bankhaus Auspitz, Lieben & Co Samuel Auspitz (1795–1867) war im Jahre 1842 Gründer des Bankhauses Auspitz, Lieben & Co., seine Söhne Rudolf und Carl führten es als Teilhaber weiter, ehe es von Stefan Auspitz als Mitgesellschafter übernommen wurde. Bis 1931 war das Bankhaus, Wien I., Oppolzergasse 6, als offene Handelsgesellschaft eingetragen. Seit 1926 hatte das Bankgewerbe den Gesellschaftern gestattet, gemeinsam und mit anderen Teilhabern in persönlicher Haftung die Bank zu betreiben. Infolge der Weltwirtschaftskrise stellte das Bankhaus am 23. Mai 1931 die Zahlung ein und ging in Konkurs. Dieser war damals ungewöhnlich, da man auf Insolvenzen der Kundschaft verwies, es sich jedoch herausstellte, dass unbelastete Kundendepots in Höhe von 6 Millionen öS verpfändet waren. Kurz vor Einstellung der Zahlungen waren noch für über eine Million öS Auslandsschecks verkauft und Schillingvaluta eingenommen worden, ohne diese gutzuschreiben. Der Österreichische Volkswirt titelte Betrug und Veruntreuung und forderte zur vollen Entschädigung auf. Die bisherigen Gesellschafter Stefan Auspitz, Heinrich Lieben und Ludwig Zweig, wobei letzterer der eigentliche Chef war, stellten den Antrag auf Insolvenz und bezifferten den Schaden auf etwa 31 Millionen öS, wobei etwa sechs Millionen zur Deckung fehlten. Ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen wurden die Eisen- und Metallmöbelfirma Quittner & Kitschelt AG und der Lederer-Konzern.

Auspitz verlor zu diesem Zeitpunkt etwa zehn Millionen öS an Einlagen. Um die Folgen der Insolvenz abzufangen, löste Auspitz im Jahre 1931 einen Teil seiner privaten Kunstsammlung auf und veräußerte diese an den Kunsthändler Kurt Walter Bachstitz in Den Haag. Die Sammlung enthielt u. a. Werke von Peter Paul Rubens, Cranach und Rembrandt. Im September 1931 ersuchte er beim Bundesdenkmalamt um eine Ausfuhrbewilligung, welche jedoch nur teilweise bewilligt wurde. Bachstitz veräußerte zwischenzeitlich Teile der Sammlung innerhalb Österreichs, zahle jedoch die letzten Kaufpreisraten nicht, weshalb Stefan Auspitz einen Teil seiner Kunstsammlung als Pfand zurückbehielt. Der darauf folgende Rechtsstreit ab 1935 wurde in Form eines Reichsfluchtsteuer-Sicherstellungsbescheides von deutschen Behörden 1938 beendet, man entzog ihm sein Eigentum und es fiel im Jahre 1942 dem Deutschen Reich zu. Auch eine umfängliche Bibliothek und Anteile an dem Mietshauses in Wien I., Marco-d'Aviano-Gasse 1, sowie das Grundstück Wien XIX., Wallmodengasse 10, nannte er sein Eigen, allein aus dem Erbe seines Vaters erhielt er 1906 ein Vermögen von 160 Millionen GK. Nun musste er die mit Hypotheken belasteten Häuser veräußern und versuchte zumindest die Bibliothek vor dem Verkauf zu retten. Daher übertrug er diese auf dem Mann seiner Nichte Lilian, Harald Reininghaus. Dieser stempelte alle Bücher als sein Eigentum.

Das Handelsgericht ersetzte am 22. August 1939 die Liquidatoren und bisherigen Gesellschafter durch Rudolf Jekel und 1941 durch Wilhelm Komareck, die Löschung von Auspitz, Lieben & Co i.L. erfolgte am 14. Juli 1961.

Ludwig Zweig emigrierte nach Amerika und lebte nach 1945 in den USA. Heinrich Lieben und Stefan Auspitz wurden deportiert, Lieben starb am 13. März 1945 im KZ Auschwitz nur Auspitz überlebte das Ghetto Theresienstadt und das KZ Dachau um wenige Monate.

Liebens Tochter Eva-Maria von Lieben, verehelichte Loudon, führte gegen den Schweizerischen Bankverein in Zürich Klage. Da die Privatbank Auspitz, Lieben & Co. am 13. April 1944 ihre Ansprüche an dem Aktiendepot in der Schweiz an sie abgetreten hatte, forderte sie die Herausgabe der Aktien der a) Mundus Allgemeine Handels- und Industrie A.-G. Zürich, der b) Banca Italiana di Sconto, der c) Motor-Columbus A.-G. für elektrische Unternehmungen und der d) Ersten Wiener Hotel A.-G. Wien, ferner SBB-Obligationen im Nominalwert von 12,000.- Fr.Da sie das Depot nicht frei bekam, reichte sie im Oktober 1950 gegen den Schweizerischen Bankverein beim Handelsgericht Zürich Klage ein. Durch Urteil vom 18. Oktober 1951 nahm das Handelsgericht des Kantons Zürich Vormerk von der teilweisen Klageanerkennung, verpflichtete den Beklagten zur Herausgabe der Wertpapiere (a und c) und wies den Forderungsanspruch zu den SBB-Obligationen ab.Auszug aus dem Urteil der I. Zivilabteilung vom 13. Mai 1952 i. S. Loudon gegen Schweiz. Bankverein. (PDF; 731 kB)

Restitution