Die Planungsgesellschaft Bahnbau Deutsche Einheit mbH (abgekürzt PBDE) war eine Tochtergesellschaft der Deutschen Bahn zur schnellen Realisierung vieler Schienenwegeprojekte der Verkehrsprojekte Deutsche Einheit (VDE). Das Unternehmen wurde 1991 gegründet und ging im Jahr 2000 in die DB Projekt Verkehrsbau GmbH über.

Das Unternehmen verantwortete dabei die Planung und den Bau der ihm übertragenen Eisenbahnprojekte.Planungsgesellschaft Bahnbau Deutsche Einheit mbH (Hrsg.): Info-Brief, , Heft 1/1999, 15. Juli 1999, S. 7–10.

Geschichte Nach der Deutschen Wiedervereinigung beschloss die Bundesregierung im April 1991 die Verkehrsprojekte Deutsche Einheit. Am Bundesverkehrsministerium diskutierten Fachleute aus Bahn, Verwaltung und Wirtschaft, wie die Möglichkeiten der beschleunigten Planungs- und Verwaltungsverfahren durch eine neue Form der Projektsteuerung genutzt werden konnten. Daraus ging die Gründung der PBDE und ihrer Schwestergesellschaft, der Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH (DEGES) hervor. Binnen zehn Jahren sollte der Großteil der Investitionen erfolgt sein.Siegfried Mängel: Wiedervereinigung und Bahn auf neuen Wegen – Was für ein Aufbruch. In: Der Eisenbahningenieur, Heft 9/2011, S. 63–67.

Die Gesellschaft wurde am 15. August 1991 in Berlin als privatwirtschaftlich organisierte Projektmanagementgesellschaft gegründet, um VDE-Vorhaben aus dem Bundesverkehrswegeplan schneller zu realisieren als in den Behördenstrukturen der Staatsbahnen. Sie sollte so lange bestehen, wie die Schienenverkehrsprojekte Deutsche Einheit realisiert würden.

Während hoheitliche Aufgaben und Befugnisse bei den beiden Staatsbahnen verblieben, lag die Aufgabe der PBDE in der technischen, rechtlichen, finanziellen und terminlichen Planung und Bauabwicklung. Sie handelte dabei im Namen und auf Rechnung der beiden Staatsbahnen.

Das Unternehmen war dabei zu gleichen Teilen eine Tochtergesellschaft der beiden deutschen Staatsbahnen. Sie trugen jeweils 500.000 DM des eine Million DM umfassenden Stammkapitals.Planungsgesellschaften für Verkehrsprojekte. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13. August 1991, S. 9. Mitarbeiter der deutschen Bahnen, der österreichischen Bahnindustrie und eines Schweizer Ingenieurbüros waren ebenso beteiligt wie Industriemanager, die Erfahrungen aus dem internationalen Anlagenbau einbrachten. Dem Unternehmen standen drei Geschäftsführer vor: einer für Wirtschaft, einer für Technik und ein Sprecher. Aus der Berliner Zentrale erfolgten Koordination und Controlling der Projekte. Die Geschäftsführung wurde mit Siegfried Mängel (Sprecher), Dieter Weiß (Technik) und Dieter Bantleon (Wirtschaft) besetzt.Autorenverzeichnis. In: Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (Hrsg.): Weitblick, ohne Ort, 2012, ISBN 978-3-00-038025-9, S. 70–71.

Der Aufsichtsrat des Unternehmens wurde aus siebenPlanungsgesellschaft Bahnbau Deutsche Einheit (Hrsg.): Information über die Durchführung der Schienenverkehrsprojekte. Broschüre, 1992, ohne Seitennummerierung. Vertretern der beiden Staatsbahnen, der Wirtschaft und von Vertretern des Bundesfinanzministeriums und des Bundesverkehrsministeriums besetzt. Der Vorsitz oblag DB-Vorstandsmitglied Peter Münchschwander. Zu den weiteren Mitgliedern zählten der ehemalige Vorstandsvorsitzende von Daimler-Benz, Werner Breitschwerdt und der wirtschaftspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Rainer Haungs.Siegfried Mängel, Dieter Weiß, Dieter Bantleon: Nach zwanzig Jahren – Rückschau, Würdigung, Ausblick. In: Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (Hrsg.): Weitblick, ohne Ort, 2012, ISBN 978-3-00-038025-9, S. 67–69.Peter Münchschwander: Der Vorsitzende des Aufsichtsrats erinnert sich. In: Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (Hrsg.): Weitblick, ohne Ort, 2012, ISBN 978-3-00-038025-9, S. 16. Der Aufsichtsrat bestellte die drei Geschäftsführer der Gesellschaft für jeweils fünf Jahre.

Die Gesellschaft nahm zum 1. Oktober 1991 ihre Geschäftstätigkeit auf. Bis Ende 1991 entstanden regionale Projektzentren.Planungsgesellschaft Bahnbau Deutsche Einheit (Hrsg.): Profis für das Projektmanagement: Die Planungsgesellschaft Bahnbau Deutsche Einheit mbH stellt sich vor. 16-seitige Broschüre, Berlin, 1993. Anschließend begann die schrittweise Übernahme der Vorplanung der einzelnen Projekte. Mitte 1992 beschäftigte das Unternehmen 132 Mitarbeiter, die 60 Ingenieurbüros mit 1260 Mitarbeitern steuerten.

1993 betreute die Planungsgesellschaft sieben der neun VDE-Schienenverkehrsprojekte mit einem Gesamtumfang von fast 30 Milliarden D-Mark.Ost-West-Bahnverbindungen zügig ausgebaut. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17. August 1993, Nr. 189, S. 11. (Nicht in die Zuständigkeit der PBDE fielen die Strecken Hannover–Berlin und Bebra–Erfurt.)In vier Stunden von Berlin nach München. In: Süddeutsche Zeitung (Deutschlandausgabe), 3. März 1995, S. 905. Das Unternehmen beschäftigte dabei weniger als 200 Mitarbeiter, die mehr als 60 Ingenieurbüros mit rund 1.200 Mitarbeitern koordinierten. Die VDE-Projekte 1, 2, 3, 5, 6, 8 und 9 wurden aus neun regionalen Projektzentren heraus gesteuert. Neben der PBDE waren zu dieser Zeit die Planungsgesellschaft Schnellbahnbau Hannover–Berlin (PGS) und die DEGES mit der Realisierung der VDE-Projekte betraut.

Von 1992 bis 1994 modernisierte das Unternehmen rund 630 Kilometer Gleis. Als erstes Projekt wurde im Mai 1994 das VDE-Projekt 6 abgeschlossen.

Ende 1994 beschäftigte die PBDE jährlich 80 bis 90 Ingenieurbüros, die mit etwa 2.500 Mitarbeitern Planungsaufträge im Umfang von rund 1,2 Milliarden DM beantragt hatten.Planungsgesellschaft Bahnbau Deutsche Einheit (Hrsg.): Parlamentskreis Mittelstand der CDU/CSU-Fraktion des Deutschen Bundestages: Gespräch mit Herrn Prof. Dr. S. Mängel, Sprecher der Geschäftsführung der Planungsgesellschaft Bahnbau Deutsche Einheit mbH (PB DE) (…). Berlin, 9. Februar 1995, S. 22. Bis Mai 1995 waren 87 Planrechtsverfahren abgeschlossen worden, davon 23 durch Planverzicht (im Durchschnitt nach 2,8 Monaten), 27 durch Plangenehmigung (nach durchschnittlich 6,5 Monaten) und 37 durch Planfeststellung (in durchschnittlich 11,2 Monaten). Die Spannweite reichte von Verfahren im Abschnitt Bitterfeld–Berlin, die nach durchschnittlich 0,8 Monaten abgeschlossen waren, bis zu einem Planfeststellungsverfahren für den bayerischen Teil der Schnellfahrstrecke Nürnberg–Erfurt in Bayern, mit 17,7 Monaten.Planungsgesellschaft Bahnbau Deutsche Einheit (Hrsg.): Verkehrsprojekte Deutsche Einheit: Aufgaben - Wege zur Realisierung - Ergebnisse. Verkehrspolitische Arbeitsgruppe der SPD-Fraktion des Deutschen Bundestages. Gespräch mit Herrn Prof. Dr. S. Mängel, Sprecher der Geschäftsführung der Planungsgesellschaft Bahnbau Deutsche Einheit mbH (PB DE). Berlin, 1995, S. 8, 10, 14. Bis Ende Oktober 1995 waren 147 Planrechtsverfahren abgeschlossen, davon 45 unter Planverzicht (nach durchschnittlich 2,6 Monaten), 40 durch Plangenehmigung (nach durchschnittlich 5,2 Monaten) und 62 als Planfeststellungsverfahren (im Schnitt 11,6 Monate).Rechtsreform beschleunigt Verkehrswegebau in Ostdeutschland. In: Handelsblatt, Nr. 23, 1. Februar 1996, S. 6. Die Verfahrensdauern lagen zwischen 0,7 Monaten (Planverzicht in Thüringen) und 22,9 Monaten (Planfeststellung im VDE-Projekt 8.3 in Sachsen-Anhalt).

Das Unternehmen beschäftigte Mitte 1995 211 Mitarbeiter, darunter 110 Ingenieure, 39 Kaufleute und 12 Juristen. 153 stammten aus den neuen Bundesländern, 58 aus den alten Bundesländern. Neben der Geschäftsführung (in Berlin) wurden acht regionale Projektzentren und zwei Projektbüros unterhalten. Während Strategie, Grundsatzfragen, Projektcontrolling, Vertrags- und Vergabewesen, Recht, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit in der Zentrale betreut wurden, waren operative Aufgaben, Planungs- und Realisierungsmanagement und Projektsteuerung dezentralisiert. Als eine Herausforderung erwies sich die Einbindung zahlreicher Eisenbahningenieure der ehemaligen Deutschen Reichsbahn, die unmittelbar unter marktwirtschaftlichen Bedingungen (z. B. Vergaberecht) arbeiten mussten.Hans Koller: Gesamtgewerkestrategie: eine vergessene PBDE–Innovation. In: Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (Hrsg.): Weitblick, ohne Ort, 2012, ISBN 978-3-00-038025-9, S. 51–56.

Zum 1. April 1996 wurden die Planungsgesellschaft Schnellbahnbau Hannover–Berlin (PGS) und die PBDE zusammengeschlossen. Zum Sprecher der neuen Geschäftsführung wurde der DB-Konzernbeauftragte für Thüringen, Siegfried Knüpfer, ernannt. Die zum Jahresende 1996 auslaufenden Verträge der Geschäftsführer Siegfried Mängel, Dieter Bantleon und Hans-Dieter Weiß wurden nicht verlängert und die Führung abberufen. Laut einem Pressebericht hätten die Manager ein zu großes Tempo an den Tag gelegt, indem beispielsweise die S-Bahn von Berlin-Tegel nach Heiligensee/Hennigsdorf binnen eines Jahres wieder aufgebaut werden sollte. Dabei seien behördliche Finanzierungswege ignoriert worden. Mit der Reorganisation habe sich die Deutsche Bahn AG ferner mehr Einfluss gesichert.Bahn sichert sich wieder mehr Einfluss. Projektgesellschaft neu organisiert. In: Der Tagesspiegel, 6. Februar 1996. Bis Herbst 1996 war Weiß noch Geschäftsführer Technik.

Neben Knüpfer als Sprecher der Geschäftsführung stand 1996 und 1997 der Kaufmann Günter Haass an der Spitze der PBDE.Planungsgesellschaft Bahnbau Deutsche Einheit (Hrsg.): Wirtschaftlich bauen. Schneller fahren. Broschüre, Berlin, 30. November 1997, S. 8 f, 14 f, 28.

Im Januar 1997 wurden der PBDE die Projekte der Schnellfahrstrecke Nürnberg–Ingolstadt–München (NIM) sowie der Bahnstrecken Hof–Leipzig/Dresden übertragen. Im Oktober 1997 übernahm die PBDE Planung und Realisierung der Ausbaustrecke Berlin–Dresden. Ende 1997 zählte auch das Projekt Berlin-Schönholz – Berlin-Tegel – Hennigsdorf der S-Bahn Berlin zum Portfolio. Anfang 1999 folgten die Bahnstrecke Berlin–Frankfurt (Oder), der Knoten Magdeburg und weitere Bauprojekte der Deutschen Bahn. Die Deutsche Bahn begründete die Übernahme der NIM-Planungen mit einer besseren Wirtschaftlichkeit.Bahn AG gibt Planung in neue Hände. In: Süddeutsche Zeitung (Deutschlandausgabe), 20. August 1996, S. 32.

Mitte 1996 beschäftigte das Unternehmen 210 MitarbeiterRund 210 Mitarbeiter steuern den Bahnbau. In: Planungsgesellschaft Bahnbau Deutsche Einheit mbH (Hrsg.): Info-Brief, , Heft 2/1996, 15. Juli 1996, S. 11., Anfang 1997 waren es 273 MitarbeiterRund 270 Mitarbeiter steuern den Bahnbau. In: Planungsgesellschaft Bahnbau Deutsche Einheit mbH (Hrsg.): Info-Brief, , Heft 1/1997, Januar 1997, S. 10., Mitte 1997 286Rund 290 Mitarbeiter steuern den Bahnbau. In: Planungsgesellschaft Bahnbau Deutsche Einheit mbH (Hrsg.): Info-Brief, , Heft 2/1997, 31. August 1997, S. 10. und Ende 1997 rund 300.

1999 beschäftigte das Unternehmen rund 360 Mitarbeiter. Neben der Zentrale in Berlin koordinierten acht Projektzentren die Arbeit mehrerer Dutzend Ingenieurbüros und Baufirmen: Das Projektzentrum Schwerin war für das VDE-Projekt 1 zuständig. Das Projektzentrum Hamburg/Berlin koordinierte das VDE-Projekt 2 (Berlin-Hamburger Bahn). Das Projektzentrum Wittenberg/Magdeburg zeichnete für das VDE-Projekt 3 sowie die Elbebrücken Wittenberg und den Umbau des Knotens Magdeburg verantwortlich. Das Projektzentrum Hannover war für das VDE-Projekt 4 zuständig. Das Projektzentrum Berlin steuerte den Abschnitt Labetz–Berlin des VDE-Projekts 8 sowie die Ausbaustrecke Berlin–Frankfurt (Oder). Das Projektzentrum Leipzig steuerte die Bahnstrecke Halle/Leipzig–Bitterfeld, die S-Bahn Halle/Leipzig sowie den Umbau der Knoten Halle und Leipzig. Das Projektzentrum Erfurt koordinierte die Arbeiten im Raum Erfurt. Das Projektzentrum Dresden steuerte das VDE-Projekt 9 (Ausbaustrecke Leipzig–Dresden) sowie den Ausbau der Franken-Sachsen-Magistrale. Das Projektzentrum Nürnberg steuerte die Projekte der Schnellfahrstrecke Nürnberg–Ingolstadt sowie der Ausbaustrecke Nürnberg–Ebensfeld.