Freiherr Plato von Ustinow (, transkribiert: Platon Grigorjewitsch Ustinow; * 1840 in Moskau; † 1917 in Pskow) war ein russischer adeliger Gutsherr und später deutscher Edelmann. Seine Eltern waren Marija Iwanowna Panschina () und Grigori Michailowitsch Ustinow (; 1803–1860). Nach dem Verkauf des Gutes Ustinowka (Устиновка) in der Region Saratow und seiner Einbürgerung in Württemberg betrieb Plato von Ustinow das Hôtel du Parc in Jaffa, Osmanisches Reich (heute Israel). Ustinow baute sich eine Sammlung von Antiken und Antiquitäten, vor allem aus heimischen Funden im osmanischen Palästina, auf. Er war Vater des deutschen Diplomaten und später britischen Agenten Jona von Ustinow und Großvater des britischen Schauspielers Peter Ustinov.
Leben Herkunft und frühe Jahre Ustinow entstammte einer Familie des russischen Briefadels. Er erbte das Gut Ustinowka, heute Rajon Balaschow, Oblast Saratow von seinem Vater. Zu Zeiten seines Großvaters Michail Adrianowitsch Ustinow (; 1755–1836) gehörten Dörfer mit 6.000 Leibeigenen zum Gut. TV.com; abgerufen am 30. Dezember 2010.
Platon Ustinow diente in der russischen Kavallerie, wo er bei einem Reitunfall verunglückte und den Dienst quittieren musste.Ejal Jakob Eisler (): Peter Martin Metzler (1824–1907): Ein christlicher Missionar im Heiligen Land [(1907–1824) ; dt.]. ( = Abhandlungen des Gottlieb-Schumacher-Instituts zur Erforschung des christlichen Beitrags zum Wiederaufbau Palästinas im 19. Jahrhundert; Band 2). Haifa 1999, ISBN 965-7109-03-5, S. 33 und In der Rekonvaleszenz zog er sich zudem eine Lungenentzündung zu. Wegen dieses Lungenleidens rieten ihm seine Ärzte zu einem Klimawechsel, weshalb er zunächst nach Italien ging. Dort lernte er den nach Kairo reisenden Wilhelm Rudolf Bühler (* 1835; Missionar der schweizerischen Pilgermission St. Chrischona) kennen, der ihm Ägypten empfahl, dessen stabiles trocken warmes Klima ihm besser bekommen würde. Ustinow reiste mit Bühler mit, stellte aber dort bald fest, dass er die Hitze nicht vertrug, so dass der Kairoter Chrischona-Missionar Johannes Blessing (1834–1871) ihn in die Levante an die Chrischona-Missionsstation in Jaffa weiterempfahl.Ejal Jakob Eisler (): Peter Martin Metzler (1824–1907): Ein christlicher Missionar im Heiligen Land [(1907–1824) ; dt.]. ( = Abhandlungen des Gottlieb-Schumacher-Instituts zur Erforschung des christlichen Beitrags zum Wiederaufbau Palästinas im 19. Jahrhundert; Band 2). Haifa 1999, ISBN 965-7109-03-5, S. 34 und .
Wechsel zwischen Jaffa und Ustinowka Dem Missionarsehepaar Peter Martin Metzler und Dorothea, geb. Bauer (1831–1870), war Ustinow schon angekündigt worden, als sie ihn aufnahmen. Sie unterhielten im Auftrag der Pilgermission St. Chrischona eine protestantische Missionsstation in Jaffa und finanzierten ihre Tätigkeit, wie bei Chrischona-Missionaren (so genannte Missionshandwerker) üblich, durch eigene Gewerbe, wie z. B. eine Dampfmühle, ein Pilgerhospiz und eine Handlung für europäischer Importware.Ejal Jakob Eisler (): Peter Martin Metzler (1824–1907): Ein christlicher Missionar im Heiligen Land [(1907–1824) ; dt.]. ( = Abhandlungen des Gottlieb-Schumacher-Instituts zur Erforschung des christlichen Beitrags zum Wiederaufbau Palästinas im 19. Jahrhundert; Band 2). Haifa 1999, ISBN 965-7109-03-5, S. 34 und .
Von Mitte 1861 bis Anfang 1862 war Ustinow Gast in ihrem Hospiz. Die Eheleute Metzler gewannen Ustinow als Freund und Geldgeber für ihre Unternehmungen. Ustinow finanzierte den Metzlers 1862 den Kauf eines größeren Hauses auf der Höhe des Hügels, auf dem die Altstadt Jaffas gelegen ist. Maria Sophie Elisabeth Gobat (1844–1917; Tochter von Bischof Samuel Gobat) begegnete Ustinow im Herbst 1861, als sie bei Metzlers Station machte. „Zu der Zeit unseres Besuches in Jaffa, war der russische Baron ein etwas melancholischer, menschenscheuer Mann, der kaum mit jemand ein Wort sprach, und selbst bei Tisch nichts von den Vorgängen zu bemerken schien.“Maria Kober-Gobat: Skizzen aus meiner Jugendzeit. Kober C.F. Spittlers Nachf., Basel 1917, S. 106 f. Als Ustinow ausgeheilt war, kehrte er nach Ustinowka zurück, hinterließ den Metzlers aber eine beträchtliche Summe Geldes, womit sie sich den lang gehegten Wunsch erfüllen konnten, eine Missionsschule und eine Krankenstation in Jaffa zu eröffnen.
Im Mai 1862 meldeten die Metzlers der Pilgermission, dass sie eine Krankenstation eröffnet haben, woraufhin St. Chrischona erfreut reagierte und zwei Diakonissen vom Diakonissenhaus Riehen als Schwestern entsandte.Ejal Jakob Eisler (): Peter Martin Metzler (1824–1907): Ein christlicher Missionar im Heiligen Land [(1907–1824) ; dt.]. ( = Abhandlungen des Gottlieb-Schumacher-Instituts zur Erforschung des christlichen Beitrags zum Wiederaufbau Palästinas im 19. Jahrhundert; Band 2). Haifa 1999, ISBN 965-7109-03-5, S. 35 und . Ustinow übernahm Reisekosten und Salär der beiden Diakonissen Caroline Weigle und Adele Rappard (1836–1916).Ejal Jakob Eisler (): Peter Martin Metzler (1824–1907): Ein christlicher Missionar im Heiligen Land [(1907–1824) ; dt.]. ( = Abhandlungen des Gottlieb-Schumacher-Instituts zur Erforschung des christlichen Beitrags zum Wiederaufbau Palästinas im 19. Jahrhundert; Band 2). Haifa 1999, ISBN 965-7109-03-5, S. 36 und . Als Ustinow im September 1865 wieder nach Jaffa reiste, war er sehr zufrieden damit, was die Metzlers mit dem Geld angefangen hatten.Ejal Jakob Eisler (): Peter Martin Metzler (1824–1907): Ein christlicher Missionar im Heiligen Land [(1907–1824) ; dt.]. ( = Abhandlungen des Gottlieb-Schumacher-Instituts zur Erforschung des christlichen Beitrags zum Wiederaufbau Palästinas im 19. Jahrhundert; Band 2). Haifa 1999, ISBN 965-7109-03-5, S. 37 und .
Die Metzlers behandelten viele der an Cholera erkrankten Kolonisten um George Adams und Abraham McKenzie, die am 22. September 1866 aus Maine kommend in Jaffa gelandet waren. Sie gründeten die American Colony (, seinerzeit auf , ), heute ein Viertel Tel Aviv-Jaffas zwischen den Straßen Rechov Eilat () und Rechov haRabbi miBacherach (). Sie errichteten ihre Häuser aus Fertigteilen, die sie aus den USA mitgebracht hatten. Krankheiten, das Klima, die unsichere und willkürliche Behandlung durch osmanische Behörden bewogen viele Kolonisten jedoch zur Remigration.Ejal Jakob Eisler (): Peter Martin Metzler (1824–1907): Ein christlicher Missionar im Heiligen Land [(1907–1824) ; dt.]. ( = Abhandlungen des Gottlieb-Schumacher-Instituts zur Erforschung des christlichen Beitrags zum Wiederaufbau Palästinas im 19. Jahrhundert; Band 2). Haifa 1999, ISBN 965-7109-03-5, S. 43 und .
Der Leiter der Gruppe, Adams, enthielt ihnen jedoch ihr Geld vor, das sie ihm zuvor als Gründungsfonds der Kolonie überlassen hatten. So kaufte Peter Metzler fünf Kolonisten 1867 ihre Häuser und Grundstücke ab, wodurch diese zurückwandern konnten.Ejal Jakob Eisler (): Peter Martin Metzler (1824–1907): Ein christlicher Missionar im Heiligen Land [(1907–1824) ; dt.]. ( = Abhandlungen des Gottlieb-Schumacher-Instituts zur Erforschung des christlichen Beitrags zum Wiederaufbau Palästinas im 19. Jahrhundert; Band 2). Haifa 1999, ISBN 965-7109-03-5, S. 44 und . Eines der Häuser veräußerte Metzler später an die London Society for Promoting Christianity Amongst the Jews (LJS)Die LJS ist eine Judenmissionsgesellschaft, die heute unter dem Namen Church’s Ministry among Jewish People, CMJ, firmiert. weiter. Die meisten Kolonisten aus Maine konnten bis 1867 nach Amerika zurückkehren, Metzler erwarb dann 1868 weitere ihrer zurückgelassenen Immobilien.Ejal Jakob Eisler (): Peter Martin Metzler (1824–1907): Ein christlicher Missionar im Heiligen Land [(1907–1824) ; dt.]. ( = Abhandlungen des Gottlieb-Schumacher-Instituts zur Erforschung des christlichen Beitrags zum Wiederaufbau Palästinas im 19. Jahrhundert; Band 2). Haifa 1999, ISBN 965-7109-03-5, S. 44 und .
Anfang 1869 bat Ustinow, der inzwischen wieder in Ustinowka lebte, die Familie Metzler zu ihm nach Russland zu ziehen, da er ihrer unternehmerischen Fähigkeiten auf seinem Gut bedürfe.Ejal Jakob Eisler (): Peter Martin Metzler (1824–1907): Ein christlicher Missionar im Heiligen Land [(1907–1824) ; dt.]. ( = Abhandlungen des Gottlieb-Schumacher-Instituts zur Erforschung des christlichen Beitrags zum Wiederaufbau Palästinas im 19. Jahrhundert; Band 2). Haifa 1999, ISBN 965-7109-03-5, S. 46 und . Der ehemalige Chrischona-Missionar Karl Heinrich Saalmüller (1829–1906), der sich der Tempelgesellschaft angeschlossen hatte, riet Metzler seine Immobilien und Unternehmungen in Jaffa an Templer zu verkaufen. Diesen Anhängern einer pietistisch beeinflussten christlichen Glaubensbewegung, die sich eine Heimstätte im Heiligen Land aufbauen wollten, verkaufte Metzler am 5. März 1869 die meisten seiner Immobilien und Unternehmen. Sie übernahmen auch die Krankenstation und willigten ein, sie weiter nach den karitativen Grundsätzen Ustinows und der Eheleute Metzler zu betreiben. Die Metzlers zogen im April 1869 nach Russland, wo Peter Metzler Verwalter aller Güter Ustinows wurde.Ejal Jakob Eisler (): Peter Martin Metzler (1824–1907): Ein christlicher Missionar im Heiligen Land [(1907–1824) ; dt.]. ( = Abhandlungen des Gottlieb-Schumacher-Instituts zur Erforschung des christlichen Beitrags zum Wiederaufbau Palästinas im 19. Jahrhundert; Band 2). Haifa 1999, ISBN 965-7109-03-5, S. 47 und . Dorothea Metzler starb in Ustinowka nach einer schweren Geburt, auf ihrem Sterbebett hatte sie Ustinow das Versprechen abgenommen, dass er ihre Tochter Marie heiraten werde.
Konversion, Auswanderung und erste Ehe 1875 beschloss Ustinow zum Protestantismus überzutreten.Ejal Jakob Eisler (): Peter Martin Metzler (1824–1907): Ein christlicher Missionar im Heiligen Land [(1907–1824) ; dt.]. ( = Abhandlungen des Gottlieb-Schumacher-Instituts zur Erforschung des christlichen Beitrags zum Wiederaufbau Palästinas im 19. Jahrhundert; Band 2). Haifa 1999, ISBN 965-7109-03-5, S. 49 und . Seine Position als Adliger und begüterter Lehnsmann des russischen Zaren, seines Lehnsherrn, hing aber von seiner russisch-orthodoxen Kirchenzugehörigkeit ab, die in einem jährlichen Treueeid zu beschwören war. Seine Konversion hätte den Verlust von Titel und Lehen bedeutet. Ustinow konnte 1876 sein Gut an einen anderen russisch-orthodoxen Adligen verkaufen, bevor sein Übertritt bekannt wurde.
Metzlers, die des Proselytismus verdächtig waren, verließen fluchtartig Russland und mit ihnen Ustinow und zogen nach Württemberg, wo sie am 28. Mai 1876 in Stuttgart eintrafen. Die russisch-orthodoxe württembergische Königin Olga Romanowa arrangierte, dass Ustinow als Deutscher naturalisiert und sein Titel als Freiherr von Ustinow in Württemberg bestätigt wurde. Nach der Heirat mit Marie Metzler am 4. Oktober 1876 im württembergischen Korntal und zweijährigem Aufenthalt dort beschlossen die Ustinows nach Jaffa zurückzukehren.
Übersiedlung nach Jaffa