Das Lilienthal-Gymnasium ist ein Gymnasium im Süden Berlins mit Schwerpunkt Kommunikation und Medien.Schulprofil auf der Seite des Lilienthal-Gymnasiums Es liegt im Ortsteil Lichterfelde (Bezirk Steglitz-Zehlendorf) an der Ringstraße 2–3 und umfasst die Klassen 7–12.

Die Gründung der Schule geht zurück auf die Errichtung der Villenkolonie Lichterfelde. Mit dem raschen Zuzug der wohlhabenden Bevölkerung wuchs auch der Bedarf an höheren Schulen. 1896 wurde die Realschule zu Groß-Lichterfelde als reine Jungenschule gegründet. Später wurde die Schule zu einer Oberrealschule aufgestockt. Ab 1930 trug sie den Namen Hindenburg-Oberrealschule. Seit 1938 ist der Flugpionier Otto Lilienthal ihr Namensgeber. Den Zweiten Weltkrieg überstand das Schulgebäude ohne größere Beschädigungen. Ab 1951 wurden im Rahmen der Koedukation in Deutschland auch Mädchen aufgenommen. 1985 wurde der Erweiterungsbau der Schule fertiggestellt.

Im Schuljahr 2017/2018 wurden rund 700 Schüler von 74 Lehrern unterrichtet.

Namensgeber mini|hochkant|Otto Lilienthal Der Namensgeber der Schule ist seit 1938 der deutsche Luftfahrtpionier Otto Lilienthal (1848–1896). Zuvor wurden an der Schule seit der Machtübernahme der Nationalsozialisten und der damit beginnenden Aufrüstung bereits Luftfahrtlehrgänge durchgeführt.Erika Reinhold: Lichterfelde: Vom Dorf zum Vorort von Berlin, S. 65 Die Luftfahrt war fester Bestandteil des Schulprogramms, zuerst wurden die entsprechenden Fächer als zusätzliche, freiwillige Fächer angeboten. Später waren sie verpflichtender Bestandteil des Unterrichts. Obwohl Otto Lilienthal in Lichterfelde wirkte und wohnte und sich auch der künstlich aufgeschüttete Fliegeberg, von dem Lilienthal seine Flugversuche unternahm, nur wenige Kilometer von der Schule entfernt befindet, besteht keinerlei Verbindung zwischen ihm und der Schule. Die Schule, die zuvor einen anderen Namen trug, wurde nur kurz nach seinem Tod eröffnet. Lilienthals Sohn Fritz Hans Lilienthal gehörte zu den ersten Schülern der Schule.Fritz Hans Lilienthal (1885–1978) wird im Jahresbericht der Realschule zu Groß Lichterfelde im Alphabetischen Schülerverzeichnis als Schüler der Sexta der Realschule aufgeführt. Nach dem Zweiten Weltkrieg verlor der Namensgeber für die Schule zunehmend an Bedeutung. Unterricht zum Thema Luft- und Raumfahrt wird an der Schule inzwischen nicht mehr erteilt. Das Leitbild der Schule orientiert sich allerdings an Zitaten von Otto Lilienthal. (PDF)

Geschichte Planungen Im Jahr 1865 erwarb der Unternehmer Johann Anton Wilhelm von Carstenn die bei Berlin gelegenen Güter Lichterfelde und Giesensdorf, mit dem Ziel dort eine Villenkolonie für das gehobene Bürgertum entstehen zu lassen. Die Dörfer Lichterfelde und Giesensdorf existierten seit 1877 als Einheitsgemeinde.Erika Reinhold: Lichterfelde: Vom Dorf zum Vorort von Berlin, S. 32 Sowohl in Lichterfelde als auch in Giesensdorf bestanden Dorfschulen.Erika Reinhold: Lichterfelde: Vom Dorf zum Vorort von Berlin. S. 34. Diese befanden sich allerdings in einem schlechten baulichen Zustand und wurden den Ansprüchen der neuen Bewohner nicht gerecht.Die Villenkolonie Lichterfelde: zur Geschichte eines Berliner Vorortes (1865–1920). S. 75 Der Anfang wurde mit der von Adelheid Krahmer im Jahr 1872 gegründeten Krahmerschen höheren Mädchenschule (dem heutigen Goethe-Gymnasium) gemacht. Diese Schule unterrichtete bis zur Gründung des Gymnasiums auch einige wenige Jungen. Nachdem die 1881 gegründete höhere Knabenschule zu einem Gymnasium (Schiller-Gymnasium) aufgerüstet wurde, benötigte die stetig wachsende Gemeinde Groß-Lichterfelde eine weitere höhere Schule. Nach langen Verhandlungen über Ort und Art der Schule, wurde am 3. November 1894 vom Gemeindevorstand sowie von der Schul- und Baukommission beschlossen, der Gemeindevertretung den Bau einer Realschule im Westen der Gemeinde vorzuschlagen. Die Gemeindevertretung akzeptierte den Vorschlag am 19. November 1894.

Im Februar 1895 wurden die Stellen für einen Direktor, einen wissenschaftlichen Hilfslehrer und drei Vorschullehrer ausgeschrieben. Die Wahl des Direktors fiel auf Richard Schröder, der von 1887 bis 1895 Leiter des Realgymnasiums in Naumburg (heute: Alexander-von-Humboldt-Schule Naumburg) war. Das königliche Provinzialschulkollegium gestattete den Bau eines Schulhauses mit Direktorvilla und Nebengebäuden sowie den Bau einer Turnhalle und eines Spielplatzes. Am 2. Juli 1895 startete die Gemeindevertretung einen Wettbewerb um die Errichtung eines Schulgebäudes mit 12 Klassenräumen sowie einer Aula. Als Bauplatz wurde ein Grundstück an der Ecke Ringstraße/Straße IX (Ringstraße/Wüllenweberweg) am Rande der ehemaligen Lichterfelder Dorfaue ausgewählt. Die Baukosten von 225.000 Mark durften nicht überschritten werden und ein Erweiterungsbau musste sich leicht anschließen lassen, da man durch stetiges wachsen der Gemeinde eine baldige Aufstockung der Schule nicht ausschließen konnte. Bis zum 6. August 1895 gingen insgesamt 22 Entwürfe ein. Daraufhin gab es ein Gutachten, welches die Entwürfe der Architekten Heinrich Theising und Reinhold Richard Hintz als die Besten einschätzte. Beide Architekten bekamen die Hälfte des ausgeschriebenen Preises von 1500 Mark.

Am 1. Oktober 1895 beschloss die Gemeindevertretung sowie Schul- und Baukommission, nach dem Entwurf von Heinrich Theising zu bauen, allerdings fragten sie vorher bei ihm an, wann das Gebäude fertiggestellt sein wird. Theising antwortete am 7. Oktober 1895, dass er sich dazu verpflichte, das Bauvorhaben am 20. September 1896 fertiggestellt zu haben. Am 19. Dezember erteilte das königliche Provinzialschulkollegium seine Genehmigung.

(Ober-)realschule (1896 bis 1930) mini|Siegelmarke der Oberrealschule zu Groß-Lichterfelde Die Schule wurde zunächst als Realschule zu Groß-Lichterfelde gegründet und war zuerst eine reine Jungenschule. Gegenstück dazu war das Lyzeum und Oberlyzeum der Gemeinde Berlin-Lichterfelde, welches heute den Namen Goethe-Gymnasium trägt. Abhängig von der Stufe des Schülers musste ein Schulgeld bezahlt werden. Das Schulgeld betrug 1896 für jeden Vorschüler 100 Mark pro Vierteljahr; für jeden Realschüler aus der Gemeinde 80 Mark und für jeden auswärtigen Realschüler 100 Mark pro Vierteljahr. Die Schulordnung besagte, dass neue Schüler nur zu Ostern oder um den Michaelistag aufgenommen werden. Die Schüler mussten dem Direktor zuvor vorgestellt werden und es mussten Dokumente wie die Geburtsurkunde, der Taufschein, der Impfpass und mögliche frühere Abgangszeugnisse vorgelegte werden. Bei einem Abgang von der Schule musste der Vater oder ein Stellvertreter des Vaters noch vor Ende des Schuljahres eine schriftliche Bestätigung aushändigen. Ansonsten musste das Schulgeld ein weiteres Vierteljahr gezahlt werden. Das Ausgangszeugnis wurde nur ausgestellt, wenn das Schulgeld vollständig bezahlt wurde.Jahresbericht der Realschule zu Groß Lichterfelde 1895/96. S. 39. Neben Deutsch wurden als zusätzliche Fremdsprachen auch Englisch und Französisch unterrichtet.Richard Schröder: Jahresbericht der Oberrealschule zu Groß-Lichterfelde, Schuljahr 1902–1903. S. 2–3. Im ersten Jahr nutzte die Schule zuerst noch das Gebäude der 2. Gemeindeschule in der Dürerstraße mit, allerdings konnte die Schule Ende 1896 das neue Schulgebäude in der Ringstraße beziehen.

Im Jahr 1896 besuchten zunächst 76 Schüler die Schule, im Jahr 1897 verdoppelte sich die Zahl auf 153. In den Folgejahren stieg die Schülerzahl aufgrund der Einrichtung von neuen Jahrgangsstufen. Nachdem im Schuljahr 1897/1898 die erste Quarta eingerichtet wurde, stieg die Schülerzahl weiter auf 246. 1898 wurde die erste Tertia eröffnet, die Schülerzahl stieg auf 289.Jahresbericht der Realschule zu Groß Lichterfelde 1898/99, S. 14. 1899 besuchten 355 Schüler die Schule. Im Schuljahr 1900/1901 wurde die erste Reifeprüfung abgelegt. Im Jahr 1902 wurde die Einrichtung einer Obersekundareife genehmigt. Im gleichen Jahr wurde ein Erweiterungsbau mit drei weiteren Räumen fertiggestellt.

Die erste Ruderriege der Schule wurde im Jahr 1910 von dem Oberlehrer Albert Wüllenweber aufgestellt. Genutzt wurden zuerst zwei schuleigene Boote, die Preußen (Baujahr 1911) und die Kurbrandenburg (1913). 1925 kamen der Doppelzweier Deutschland und 1929 der Doppelvierer Friedrich Schubotz hinzu.

Die Schule fungierte seit 1896 als zweizügige Schule. Das bedeutet, dass es in jeder Stufe jeweils zwei Klassen gab. Die Schuljahre starteten allerdings nicht parallel, sondern der erste Zug startete um das Osterfest und der zweite Zug um den Michaelistag. Ab 1913 wurde dieses System langsam aufgelöst, sodass die Schuljahre später parallel starteten. 1912 trat der neue Direktor Moritz Weinberg an die Stelle des ersten Direktors Richard Schröder.

Von 1914 bis 1918 gab es, wie an den meisten anderen Schulen im Ersten Weltkrieg, die freiwillige Möglichkeit, eine Notreifeprüfung abzulegen, um früher in das Militär eintreten zu können. Ein Großteil der Schüler, hauptsächlich aus den oberen Klassen, nutzte diese Gelegenheit. Im Laufe des Schuljahres 1914/1915 verminderte sich die Zahl der Schüler von 460 auf 408. Während des Krieges meldeten sich insgesamt 97 Schüler und rund die Hälfte des Lehrerkollegiums freiwillig beim Heer. Es sind etwa 90 Schüler dokumentiert, die während des Ersten Weltkriegs in Kampfhandlungen zu Tode kamen. Außerdem fiel der Oberlehrer Ludwig Fuhrmann. In den letzten Monaten des Krieges und in den Nachkriegsjahren kam es immer wieder zu Krankheiten und Mangelernährung. Es sind 73 Schüler dokumentiert, die in den Folgejahren des Krieges ärztlich bescheinigten Erholungsurlaub nahmen. Die Schülerzahl sank in den Nachkriegsjahren von 630 im Jahr 1920 auf unter 500 im Jahr 1929. Die Räumlichkeiten des heutigen Lilienthal-Gymnasiums, des im Zweiten Weltkrieg zerstörten Schillergymnasiums, der heutigen Clemens-Brentano-Grundschule und zwei weiteren wurden gegen Ende des Krieges im Jahr 1918 als Massenunterkünfte für heimkehrende Soldaten genutzt. Das hatte zur Folge, dass der Unterricht erheblich eingeschränkt wurde. Die Schüler der damaligen Oberrealschule wurden im Zeitraum von Dezember 1918 bis Februar 1919 an drei Tagen in der Woche in den Räumlichkeiten des Realgymnasiums unterrichtet.Verwaltungsbericht der Gemeinde Berlin-Lichterfelde 1919, S. 23–26.

Im Jahr 1920 wurde die Schule aufgrund der Eingemeindung von Groß-Lichterfelde nach Berlin zur Oberrealschule in Berlin-Lichterfelde. Am 2. September 1921 wurde die Gedächtnistafel für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Schüler und Lehrer enthüllt. auf den Seiten von Schulen im Nationalsozialismus. Ein Überblick über die Gymnasien in Steglitz-Zehlendorf. Im Schuljahr 1928/1929 wurde Englisch zur ersten Fremdsprache und Französisch zur zweiten Fremdsprache.

Hindenburg-Oberrealschule (1930 bis 1938) mini|Otto Lilienthal bei einem Flug mit dem Normalsegelapparat vom Fliegeberg Lichterfelde mini|Nachbau des Normalsegelapparats in der Aula des Gebäudes Die erneute Umbenennung der Schule gab der Direktor Moritz Weinberg am Verfassungstag des Jahres 1930 bekannt. Zu Ehren des damaligen Reichspräsidenten Paul von Hindenburg wurde die Schule in Hindenburg-Oberrealschule umbenannt. Die Schule hatte zu dieser Zeit einen massiven Rückgang der Schülerzahlen, sodass es nötig wurde, einige Klassen zusammenzulegen. Kurze Zeit später wurde der erste Elternbeirat und die erste Schülerselbstverwaltung gegründet, die der heute üblichen Schülervertretung ähnelt. Zu den Aufgaben dieser Vertretung zählte hauptsächlich das Planen von Festen, Veranstaltungen und Feierlichkeiten.