Norman de Garis Davies (* 14. September 1865 in Großbritannien; † 4. November 1941 in Oxford) war ein britischer Ägyptologe. Von 1907 bis 1934 war er Leiter der graphischen Abteilung der Ägypten-Expedition des Metropolitan Museum of Art.
Ausbildung und frühe Jahre Sein Vater war Reverend J. D. Davies und seine Mutter kam aus der Familie de Garis von der Insel Guernsey. Mit einem Stipendium der Dr. William’s Library Stiftung in London begann Norman sein Studium der Theologie an der Universität von Glasgow, das er mit dem M.A. (Master of Art 1889) und B. D. (Bachelor of Divinity 1891) abschloss.Graduate Record University of Glasgow Mit einem Stipendium dieser Universität ging er an die Universität Marburg, die seit 1880 als Ort moderner Theologie galt.
Zurück in England arbeitete er als Pastor der Albion Congregational Church in Ashton-under-Lyne (Lancashire). Hier lernte er Kate Bradbury kennen, die mit Amelia Edwards befreundet war und später Francis Llewellyn Griffith heiratete, und bekam so Kontakt zum Egypt Exploration Fund (EEF) und der Ägyptologie. Bald darauf gab er seine Stelle als Pastor auf.
Arbeit für den Archeolocial Survey of Egypt (ASE) 1897–1907 Obwohl Norman de Garis Davies keine künstlerische Ausbildung hatte, sandte ihn Francis Llewellyn Griffith für den Egypt Exploration Fund 1898 als Zeichner für die dortige Ausgrabung von Flinders Petrie nach Dendera. Hier bewies Davies nicht nur seine zeichnerische Begabung im Kopieren der Inschriften, sondern grub laut Petrie auch viele der am östlichsten gelegenen Mastabas aus.W. M. Flinders Petrie: Dendereh 17th Memoir Egypt Exploration Fund. B. Quaritch, London 1900, S. 14.
Ziel des Archeological Survey war es, die antiken Denkmäler des Niltales aufzunehmen und die ausgewählten Monumente in bestmöglicher Qualität zu dokumentieren. Davies Arbeit war so gut, dass er von Griffith mit der Bestandsaufnahme weiterer Gräber beauftragt wurde. Norman war von kleiner Statur, besaß jedoch eine enorme Energie, mit der er später außerordentliche Vorhaben anging, die selbst größere Männer entmutigt hätten.
In Sakkara – Sheikh Said – Deir el-Gebrawi Im Herbst 1895 hatte Flinders Petrie für die British School of Archaeology in Egypt von Jacques de Morgan vom Antiquitätendienst die Erlaubnis erhalten, die Reliefs in der Mastaba von Ptahhotep in Sakkara zu kopieren. Emil Brugsch ließ den Eingang räumen und erlaubte den beiden Künstlerinnen R. E. F. Paget und A. A. Pirie im ehemaligen Haus von Auguste Mariette zu wohnen. Als nun die Zeichnungen vorlagen, bat James E. Quibell im Frühjahr 1896 Francis Llewellyn Griffith um eine Beschreibung von 10 der Abbildungen für eine Veröffentlichung.James E Quibell: The Ramesseum and the Tomb of Ptah-Hetep. Egyptian Research Account. B. Quaritch, London 1898 Weil die Künstlerinnen von den vier Kammern der Mastaba lediglich Kopien der innersten Kammer anfertigen konnten, beauftragte Griffith für die Wintersaison 1898 Norman de Garis Davies mit der Bestandsaufnahme dieser Mastaba. Davies benötigte allein für die Freilegung aus dem Sand von Dezember 1898 bis Mai 1899, da der von Mariette erstellte Plan sich als irreführend erwies.Norman de Garis Davies: The Mastaba of Ptahhetep and Akhethetep at Saqqareh. Band 1: The chapel of Ptahhetep and the hieroglyphs. Egypt Exploration Fund, London 1900. Die Doppelmastaba des Ptahhotep stammt aus der 5. Dynastie (um 2350 v. Chr.). Sie wurde für den Wesir Achethotep und seinen Sohn Ptahhotep errichtet, dessen besser erhaltene Räume ihr den Namen gaben. Ptahhotep war Wesir und Hoher Richter sowie Priestervorsteher. Entsprechend ihrem Stand war die Ausschmückung der Mastaba von hoher Qualität. Sie ist unter anderem dadurch interessant, dass sie aufzeigt, wie anhand von Gitterlinien die Proportionen der Figuren festgelegt wurden. Nicht alle Reliefs wurden vollendet, so dass die verschiedenen Stadien der Entstehung verfolgt werden können. Die Decke der Grabkammer ist aus Stein, der als Stämme von Palmen behauen wurde. In den zahlreichen Abbildungen der Mastaba von Ptahhotep werden schöne Szenen des Alltagslebens dargestellt, wie z. B. Jagd, Fischfang, Sport, Landwirtschaft und Opferung an die Götter. Davies dokumentierte jetzt, dass die Reliefs an den Wänden noch „exquisit in Farbe“ waren, sie jedoch durch Abdrücke und feuchte Papierabklatsche bereits einiges von ihrer Schönheit verloren hatten. Lediglich die Gemälde an den Scheintüren hatten ihre Farben bewahrt, weil sie nicht als Relief erstellt worden waren.
Im 2006 eröffneten Imhotep-Museum in Sakkara befindet sich eine beschädigte Holz-Statue von Ptahhotep, die den Kopf mit stolzem Gesichtsausdruck sehr schön darstellt.Imhotep Museum
An der nördlichen Grenze der alten Stadt Armana, dort wo die Felsen der Ostwüste an den Nil stoßen, befindet sich das Grab des islamischen Heiligen Shaykh Said. Dieser Name wird seit Karl Richard Lepsius als Bezeichnung benutzt für ein archäologisches Gelände, das sich etwa 2 km weiter nördlich befindet. Weil das Gelände für den Bau von Mastabas ungeeignet war, wurden hier die Gräber in den Fels des Berges hineingehauen. In der Nekropole von El-Sheikh Said wurden Gaufürsten der V. und VI. Dynastie sowie hohe Beamte des 15. oberägyptischen Gaues (Hasen-Gau) mit ihrer auf der andern Nilseite liegenden Hauptstadt Hermopolis in Felsgräbern bestattet. Hier kommt bei Norman de Garis Davies jetzt Griffith Maxime zum Tragen, bereits verfügbare Quellen, wie z. B. die Beschreibungen früherer Reisender als Hintergrundmaterial mit einbeziehen. Lepsius hatte 1843 die Inschriften des Grabes von Tehutinekht kopiert, von denen bei Davies Besuch nur noch Fragmente erhalten waren, sowie Teile der Stelen von Uau und Imhotep, die bei Davies Untersuchung bereits verschwunden waren.Lepsius: „Denkmäler – Textband“, Band II - Mittelägypten, Seite 120 Émile Prisse d’Avesnes besuchte die Gräber im gleichen Jahr und kopierte die Stele von Meru mit dem anschließenden Relief und den Titeln, sowie denen von Urarna. Dies war interessant, weil er Meru den Titel Governor of the House of Teta zuschreibt, der bei Lepsius fehlte. Flinders Petrie und Francis Llewellyn Griffith besuchten die Gräber 1887 und Petrie erwähnt sie in seinem Buch A season in Egypt. Percy und John NewberryPlan der Gräber in El Shaik Said von John Newberry 1893 sowie Howard Carter hatten hier 1893 ihr Camp aufgeschlagen in Erwartung einer Grabungslizenz für Tell el-Armana, die Jacques de Morgan, der damalige Leiter des Service d'Antiquités, jedoch verweigerte und welche der EFF erst für Norman de Garis Davies von Gaston Maspero erhielt. Davies beschäftigte sich in El-Shaik Said mit den größeren Gräbern. Insgesamt listete er 102 Gräber auf, die terrassenförmig in verschiedenen Höhen liegen und teilweise nur mit Leitern erreichbar waren. Davies beschreibt sie „wie Vogelnester an einer Felswand“. Durch die Erosion waren die meisten in schlechtem Zustand.
Die Hauptstadt des 15. Nome war el-Ashmunein (Hermopolis) auf der Westseite des Nils. Die Nekropole von el-Sheikh Said ist deshalb interessant, weil von der Provinzhauptstadt nichts erhalten geblieben ist und es sich hier um die frühesten Felsengräber handelt. Ausführlich dokumentierte Davies die Gräber Nr. 15, 18, 19, 20, 24 und 25.Memoir vol. 10: N. de G. Davies, The Rock Tombs of Sheikh Saïd. London 1901, S. 10ff.
Nachdem Davies seine Arbeit in Sheik Said beendet hatte, verlegte er sein Camp am 23. Februar 1900 nach Deir el-Gebrawi, einer entlegenen Ecke des Niltals. Das winzige Dorf Deir el-Gebrawi war einzig von Kopten bewohnt und erschien ihm wenig ansprechend, so dass er sich auf dem Gipfel des Hügels im unbeschrifteten Grab Nr. 10 häuslich einrichtete. So fühlte er sich ungestört und konnte sich ganz der Arbeit widmen.
Anthony Charles Harris (1790–1869) ein britischer Kaufmann und Antikensammler in Alexandria, hatte die Gräber 1850 wiederentdeckt. Auch John Gardner Wilkinson besuchte die Nekropole um 1855 und seine Tagebücher enthalten Kopien aus dem Grab des Zau. Seit diesem Besuch wurden die Gräber mit Beni Mohammed el Kufur assoziiert, obwohl das Dorf einige Meilen entfernt ist. 1886 suchten Flinders Petrie und Francis Llewellyn Griffith die Gräber auf und 1890 publizierte Archibald Henry Sayce die Inschriften des Grabes von Zau. Im Winter 1892/93 kopierte Percy Newberry für den Archeological Survey die Gräber von Zau und dessen Sohn Aba und beschrieb die Fragmente. Seine Arbeit blieb jedoch unveröffentlicht. Glücklicherweise besuchte John Newberry, ein Architekt, seinen Bruder dort auf der Weiterreise zu Edouard Naville nach Deir el-Bahari und zeichnete einige exzellente Pläne von den beschrifteten Gräbern, auf die Norman de Garis Davies zurückgreifen konnte. Denn 1893 wurden die Grabschächte von Einheimischen zerstört und der Schutt gegen die verzierten Wände aufgetürmt, so dass er sich gerne dort bediente und das auch jeweils ausführlich erwähnt.
Über den 12. Nomen ist wenig bekannt und Davies konnte aus Fragmenten den Namen Net-en-bek (city of the hawk) oder Per-ho-nub (city of the golden hawk) entnehmen. Die Hauptstadt oder deren Lage konnte Davies nicht nachweisen. Neben der Verehrung von Horus gab es auch nach den Listen auch einen Mati-, eine Art Hathor-Kult. Mati wurde besonders im Alten Reich verehrt. Erwähnt wird König Neferkara (= Pepi II.) aus der VI. Dynastie (2278–2184 v. Chr.) oder der 7. und 8. Dynastie mit verschiedenen Königen, darunter Neferkara (2200–2168 v. Chr.)
Von den 52 Gräbern der Südgruppe beschreibt Davies ausführlich die der Erbprinzen Aba und Zau, Vater des Aba.
Nr. 8 = ABA war erpati hatio (Erbprinz) und Sohn des ZAU. 40 Titel sind aufgeführt sowie Ehefrau und KinderMemoir 11: N. de G. Davies: The Rock Tombs of Deir el Gebrâwi. Part I: Tomb of Aba and Smaller Tombs of the Southern Group. London, 1902.
Nr. 12 = ZAU SHMAA war erpati hatio (Erbprinz) und Vater von ABA. 23 Titel sind aufgeführt sowie Ehefrau und Kinder mit einem Sohn namens ZAU.Memoir 12: N. de G. Davies: The Rock Tombs of Deir el Gebrâwi, Part II. Tomb of Zau and Tombs of the Northern Group. London,1902.
Nr. 14 = UHA ? Nr. 16 = TEKHYT Nr. 28 = SENEBSEN Nr. 33 = MERUT Nr. 41 = NEFER-TET-WA Nr. 42 = NEFER-nef-KHETU
Von den 104 Gräbern der Nordgruppe benannte und beschreibt Davies
Nr. 38 = NEBAB das Grab liegt östlich von Nr. 39 und die Zwischenmauer ist zur Hälfte eingebrochen. Die Namen der Familie konnten nicht mehr entziffert werden.
Nr. 39 = HENQU-KHETETA war ha-Prinz (?). 11 Titel sind aufgeführt sowie Ehefrau und Söhne.Memoir 12: N. de G. Davies: The Rock Tombs of Deir el Gebrâwi, Part II
Nr. 46 = ASA-RAHENEM Königl. Kanzler. 5 Titel sind aufgeführt sowie Ehefrau und 2 Söhne.Memoir 12: N. de G. Davies: The Rock Tombs of Deir el Gebrâwi, Part II. Tomb of Zau and Tombs of the Northern Group. London 1902.
Nr. 67 = HENQU war erpati hatio (Erbprinz). 12 Titel sind aufgeführt sowie Ehefrau und KinderMemoir: N. de G. Davies: The Rock Tombs of Deir el Gebrâwi, Part II. Tomb of Zau and Tombs of the Northern Group. London 1902.
Nr. 72 = RAHENEM-ASA war erpati hatio (Erbprinz) 23 Titel sind aufgeführt sowie Ehefrau und KinderMemoir 12: N. de G. Davies: The Rock Tombs of Deir el Gebrâwi, Part II. Tomb of Zau and Tombs of the Northern Group. London 1902.
In Tell el-Armana von 1903 bis 1907