mini|Alte Waagen im Museum von Zinacantepec Die alten Maße und Gewichte Mexikos basierten auf den aus dem spanischen Mutterland bei der Conquista mitgebrachten. „Mexiko“ im hier gebrauchten Sinne umfasst den gesamten mittelamerikanischen Teil des Vizekönigreichs Neu-Spanien in seinen jeweiligen Grenzen und die unabhängigen zentralamerikanischen Republiken, d. h. bis zur US-amerikanischen Invasion 1848 auch die Gebiete von Kalifornien bis Texas. Die benutzten Maße blieben, allen Vorschriften zur Standardisierung zu Trotz, wie in Europa, besonders in den Hafenstädten, regional höchst unterschiedlich. Von einem „System der Maße und Gewichte“ kann für 16. – 18. Jahrhundert nicht gesprochen werden. Die in Guatemala, Honduras usw. genutzten Maße können wiederum von den beschriebenen abgewichen haben.

16. und 17. Jahrhundert Erste Versuche einer Regulierung und Eichung begannen früh für die Hauptstadt Mexiko-Stadt. Die erste Regelung erfolgte 1536 durch den Vizekönig Antonio de Mendoza, wobei ein vara gleich drei, ein paso gleich fünf Fuß und ein cabezada 96×192 vara groß sein sollte. 1542 wurden, zunächst nur für die Hauptstadt, 1574 für alle Märkte, arroba, azumbre (für Wein und Öl), fanega, celemín und 1545 pipas (27½ arrobas) als Standard festgeschrieben. Vizekönig Manrique bestimmte 1589 die vara de Burgos zum Standard-Längenmaß.

Nachdem eiserne Standardgewichte beschafft worden waren, mussten Händler seit 1620 die von ihnen benutzten drei Mal jährlich überprüfen lassen. Gewichte aus Holz sowie die Verwendung gewisser Maße wurde durch diese Verordnung ebenfalls untersagt. Erst 1667 wurde die ausschließliche Verwendung gepunzter Gewichte Vorschrift, dies wurde aber weiterhin vielfach umgangen. Ein Grund dafür waren die Zünfte, deren Privilegien ihnen gestatteten nach Körpermaßen zu messen.

18. und 19. Jahrhundert Die Vorschriften von 1787 und 1797 bestätigten im Wesentlichen die Bestimmungen von 1620.

Zur Zeit König Karl IV. wurde mit Dekret vom 26. Januar 1801 bestimmt, dass für Längenmaße die vara de Burgos, für trockene Schüttgüter die halbe fanega von Avila, für Flüssigkeiten der in Toledo übliche cuartillo und für Gewichte die kastilische Mark zugrunde gelegt werden sollten. Von einer Standardisierung der Einheiten in der Region konnte weder nach dieser noch nach der (ersten) offiziellen Einführung des Meters während der Französische Intervention in Mexiko 1867 kaum gesprochen werden. Der zweite Anlauf zur Umstellung auf das metrische System erfolgte zur Jahrhundertwende. Pesos gestückelt in 100 centavos wurden ab 1905 geprägt.

Die Umstellung auf das metrische System begann in Peru und Chile 1848, Spanien 1852 und Costa Rica 1908. Die alten Einheiten, besonders Vara (84 cm) und Quintal (ca. 46 kg) blieben im Handel noch bis weit ins 20. Jahrhundert in Gebrauch.

Regulierung, Eichung Am 13. Januar 1525 wurde für die Märkte von Mexiko-Stadt ein Aufseher (contraste) ernannt, der die Gewichte zu eichen und gegen Gebühr diese zu punzieren hatte. Das Amt wurde jährlich im Januar aufs Neue versteigert, der Ausübende und seine Helfer war üblicherweise Schmiede. Um 1620 kostete diese Lizenz um 600 Pesos ($), ihr Preis stieg später auf etwa 1100. Die Aufseher hatten auch das Recht Strafen bei Verwendung falscher oder nicht standardkonformer Gewichte zu verhängen, jedoch blieb die Vielfalt der gebrauchten Einheiten schwer überschaubar.

Längen- und Flächenmaße Die Basis der Längenmessung war die vara („Rute“), die von Alfons dem Weisen (X. von Aragon, reg. 1252–84) auf drei römische Fuß (à 29,5 cm) festgelegt worden war. Zu Zeiten Heinrich II. und Alfons XI. wurde die Länge neu definiert. Diese war schon bis zur Reform 1801 als vara de Burgos bzw. „kastilische Rute“ der De-facto-Standard. Zu Beginn der Kolonialzeit entsprach die legua 3000 pasos de Salomón mithin 4179 m.

Längenmaße EinheitentsprichtPulgadaMeterLegua („Meile“)5000 Varas1800004190Cordel10 Varas3608,38Braza; Estado2 Varas721,67Vara („Rute“)3 Pies,oder 4 Palmos360,838Codo½ Vara180,418Pie12 Pulgadas,oder 16 Dedos120,279Palmo mayorPalmo romano Palmo9,60,2218Palmo9 Pulgadasoder 12 Dedos90,209Pulgada12 Líneas10,0233Dedo9 Líneas0,0175Línea12 Puntos0,0019Punto0,00016

Abweichend davon gebräuchlich waren noch palmo menor zu vier Dedos; jeme (13,9 cm) sowie ein Dedo, der aus drei pajas und vier granos zusammengesetzt war. Besonders für Höhenmessungen fand der estado zu 2⅓ Varas Verwendung.

Flächenmaße Für Landvermessungen und im Bergbau blieb die vara de Toledo (83,59 cm), die in 48 dedos geteilt wurde, im Gebrauch. Für Grundstücke im 17. und 18. Jahrhundert wurde die legua in marcas zu je 2⅞ Varas unterteilt. Die cordel hatte hier 50 oder 69 Varas. Im Hausbau waren auch paso de cuadra von zunächst 141, später 150 Fuß Länge üblich.

Einheit (ggf. im Quadrat)entsprichtQuadratmeterAcre40,468 ArEstadal16 Vara²11,18 m²Cordel10 Vara²6,96 m²Vara1296 Pulgadas²0,70 m²Pie144 Pulgadas²0,0775 m²Palmo81 Pulgadas²0,437Pulgada144 Líneas²0,111 m²Línea0,0027 cm²

Landgüter Die Veteranen den Conquista erhielten nach der Eroberung Ländereien zu ihrer Versorgung:Gesetz 18. Juni 1513; Verordnung des Vizekönigs Mendoza von 1536, ergänzt unter Gastón de Peralta 1574 und 1580. Fußsoldaten eine peonia, Berittene eine deutlich größere Caballería.

Die häufige Änderung der Maße erlaubte es besonders Großgrundbesitzern sich auf Kosten der indianischen Kleinbauern zu bereichern. Die entstehende Missgunst war als „Landfrage“ einer der Ausgangspunkte für die Revolution von 1911.

EinheitAbmessungen(Varras)HektarHazienda5000 × 25000(1 × 5 leguas)8778,05Sitio de genado mayor5000 × 50001755,61Sititio de genado menor3333,3 × 3333,3780,27Fundo legal1200 × 1200101,12Solar1000 × 100070,22Caballería1104 × 552(4 suertes)42,79Fanega (de sembradura)376 × 1843,57Cuartilla (de sembradura)250 × 1001,75Estajo100 × 1000,700Solar para molin, casa o venta50 × 500,35 Ein Viertel eines Sitios war ein criadero. Besonders in der Frühzeit wurde die Caballería auch anders vermessen. Auch floss die Bodenqualität bei der Vergabe mit ein: tierras de negro war gutes Ackerland, tierras de cojer, war Land das noch ohne Bewässerung auskam, Land für Gartenbauzwecke hieß tierra de panllevar.

Indianerdörfer Den bestehenden Indianerdörfern wurde ein kollektiver Grundbesitz in Form eines ejido zugestanden. Dieser sollte nach dem Gesetz 500 Quadrat-Varra groß sein, was 1657 auf 600 erhöht wurde.Bestätigt durch königliches Dekret (cedula) vom 4. Juni 1687. Vielfach wurden jedoch die Ansprüche von den zugewanderten Hazienderos übergangen. Oft war für die Landverteilung die Gemeinde (municipio) zuständig, die die Indianer übervorteilte. Ebenfalls in Gemeindehand blieben die Grundstücke für öffentliche Zwecke (proporio).

Hohlmaße Einheit (Kubik)entsprichtKubikmeterBrazada(für Baumaterial)8 Vara³4,707Vara27 Pies³0,58848Pie1728 Pulgadas³0,21796Palmo729 Pulgadas³0,1059Pulgada0,00037Línea0,000073

Weiter in Gebrauch waren noch für Holz der estero („Ster“) mit ca. 1 m³, für Brennholz und Holzkohle rechnete man in zontle zu 100 manos („Handvoll“) mit je vier trozos („Brocken“) oder in bracina. Alternative Einheiten dafür waren auch saca, raja, cuerda und tequio.

Weitere Einheiten existierten für bestimmte Güter. So bulto für Bohnen und Holz. Cacaxtle, tercio und paxtle für Früchte und Zucker; haz für Weizen und Zuckerrohr; ristra und mancuerna für Knoblauch. Die burrada fand sowohl für Brennholz als auch Zucker Verwendung. Bananen wurden per gajo (11 Stück), racimo (60 Stück), tambache (ca. 25 kg) oder atado (ca. 38 kg) gehandelt. Maiskolben zählte man in canasta oder jiquipil. Botijuela (etwa 10 kg) benutzte man für Honig, eine chiquihuite hatte 230 Früchte etc. pp.

Schüttgut (trocken) Einheit (Kubik)entsprichtLiterCahiz576 Cuartillos12 Fanegas1089,78Carga96 Cuartillos2 Fanegas181,63Fanega48 Cuartillos90,815Cuartilla12 Cuartillos22,704AlmudCelemín4 Cuartillos7,568Cuartillo1,892

Theoretisch war die Fanega de Avila das Standardmaß, je nach Herkunft der Händler wurde jedoch oft den Maßen von Málaga, Oviedo, Bilbao usw. gefolgt.

Um die Verwirrung zu vervollständigen, bezeichnete eine Fanega im landwirtschaftlichen Bereich eine rechteckige Fläche von 184×276 Varas (3,57 Hektar).

Weitere zeitweise gebräuchliche Einheiten waren: Zurrón für Weizen, paca für Baumwolle (beide je ca. 45-6 kg). Eine sarta Kaffee oder Chili wog zwischen 2 und 4 kg. Ein mazo Zucker war ein Kilo, das mano gab 2–2½ kg. Wie viel Schüttgut ein costal, maquila, mogote, pancle, tercio oder saco wirklich enthielt, lässt sich nicht mehr klären.

Papier Papierbogen wurden folgendermaßen gezählt: 10000 waren ein balón zu 20 resmas, welche wieder in 20 manos (25 Stück) geteilt wurden. Fünf Bogen waren ein cuaderno.

Pergament wurde in embotijado zu acht Dutzend gezählt.

Flüssigkeiten Besonders alkoholische Getränke wurden in botijas gemessen, deren Volumen im Kleinhandel zwischen fünf bis acht Litern schwankte. Gerade für die zahlreichen Maße für Wein und Schnaps lässt sich keine genaue Aussage machen. Gebräuchlich waren: Damazana und Garafa (beide um 20 l), galón (um 3,5 l), damajuana und chochocol (17–20 l), garrafón (17–25 l). Dazu kamen für andere Getränke noch tepachi, cantáro castellana, chinguirito, charaje de piña usw. Ein Fass Branntwein wurde in den Regionen von Córdoba, Orizaba, Jalapa und Coatepec mit 160 cuartillos, anstatt der sonst üblichen 150 gerechnet. Quelli eine Einheit für den Schnaps der Eingeborenen hatte 15 l in Oaxaca, aber nur 13,850 im Gebiet von Tehuantepec.

Milch wurde traditionell per azumbre verkauft, dem jedoch 1½ Azumbres Wein entsprachen.

Einheit (Kubik)entsprichtLiterPipa6 Barriles456Botija(Großhandel)435Barril („Faß“)(10 Jarras)76CántaraÖl: 16,14 (de Avila zu 8 Azumbres)Anderes: 12,56Jarra („Krug“)16 oder 18 Cuartillos8,22Cuartillo2 medios0,456Öl: 0,562Medio4 cuartos0,228

Hydraulische Maße Hydraulische Maße waren zur Berechnung des Verbrauchs von Bewässerungsanlagen, Wasserrädern und öffentlichen Brunnen wichtig. Die einem Landbesitzer zustehende Wassermenge wurde durch Vermessung (reconocimiento oder inquisición) bestimmt. Zugrundegelegt wurde der buey („Ochs,“ 9831,2 l/min), der eine Fläche von 1296 Quadrat-Pulgada bewässerte. Der Surco war ein 8 Dedos tiefer Graben, der an der Basis 6 Dedos breit war, was 194,4 l/min entsprächen. Kleinere Einheiten waren: Naranja (64,8 l/min), limón oder real 8,10 l/min (= 18 pajas). merced 2,25 l/min und paja 0,45 l/min = ein cuartillo pro Minute.

Gewichte Für Zölle im Überseehandel war die tonelada (de buque) die Grundeinheit. Im Zolltarif waren die Relationen bestimmter Güter pro Tonelada (t) fixiert. So entsprachen z. B. 1 t, 10 Säcke Geschirr oder 5 botijas Wein. Paila war eine Einheit für Kupfer. Das Real proyecto de comercio von 1720 berechnete den Zoll auf Kubik-Palmo.

Besonders die carga („Last“) wich regional oder im Bezug auf das jeweilige Gut stark voneinander ab. Für Kalk und Kies enthielt sie 12 Arrobas, bei Sand wurden 14 Arrobas gerechnet, Getreide 16 Arroba und wenn Honig in Oaxaca, Valladolid oder Mexiko-Stadt gemessen wurde, waren es 18 Arrobas. Koschenille wurde beim Export jedoch nur mit 9 Arrobas pro Carga angesetzt.

Edelsteine wurden in Karat (quilate) gewogen, jedoch wurde nicht das weit verbreitete Amsterdamer Karat zu 0,1997 g, sondern ein etwas schwereres von 0,2058 g benutzt.

EinheitentsprichtkgCarretada oder, Guallín10 Cargas1380Tonelada86,08 Arrobas1000Tonel macho82,5 Arrobas(3 Pipas zu 27½ arrobas)920,2Carga doble181,6Carga138,0Getreide: 103,5Quintal100 Libras46,025Arroba25 Libras11,506Libra16 Onzas0,46025Libra romana0,3275Onza16 Adrames0,2876Adrame3 Tomines0,0018Tomín12 Granos0,00059Grano0,00005

Edelmetallgewichte mini|Waage für Edelmetalle im Bergwerksmuseum von Pachuca