Schlierbach ist, vor Udenhain, Hellstein, Neuenschmidten, Spielberg und Streitberg der nach Einwohnerzahl größte der sechs Ortsteile der Gemeinde Brachttal im hessischen Main-Kinzig-Kreis. Die Gemeindeverwaltung hat ihren Sitz in Schlierbach.

Geographie Geographische Lage Schlierbach liegt am südlichen Rand des Vogelsberges, am rechten Ufer der Bracht. Durch den Ort führt die Bundesstraße 276 (B276). Von 1898 bis 1967 fuhr die Vogelsberger Südbahn durch Schlierbach, die Wächtersbach mit Hartmannshain im Vogelsberg verband.

Nachbargemeinden Schlierbach grenzt im Norden an Neuenschmidten, einen weiteren Ortsteil Brachttals, der an der B276 liegt, die dann weiter nach Birstein führt. Nach Süden, der gleichen Bundesstraße folgend, gelangt man nach Hesseldorf, einem Ortsteil Wächtersbachs. Nach Nordosten führt schließlich die Landesstraße 3443 heraus zu den Brachttaler Ortsteilen Hellstein und Udenhain.

Geschichte Mittelalter Ortsname Die älteste bekannte Erwähnung von Schlierbach erfolgte im Jahr 1276 unter dem Namen „Slierbach“, als der römisch-deutsche König Rudolf I. von Habsburg dem Grafen von Weilnau für seine Burgmannen-Dienste an der Burg Gelnhausen dankte. Weitere historische Erwähnungen erfolgten unter den Ortsnamen (in Klammern das Jahr der Erwähnung): Slirbach (1377) und Schlerbach (1529). Der Name des Ortes wird wie folgt gedeutet: Während der zweite Namensteil auf die Lage an einem Bach oder fließenden Gewässer (der Bracht) hinweist,Martin Schäfer, Heimatbuch des Kreises Gelnhausen, Hrsg. Kreisverwaltung Gelnhausen, 1950, S. 259 wird das „slier“ in Slierbach als Lehm, Ton, schm ieriges Wasser gedeutet.Martin Schäfer, Heimatbuch des Kreises Gelnhausen, Hrsg. Kreisverwaltung Gelnhausen, 1950, S. 261

Die Herrschaft Ab 1332 ging Schlierbach, mit Heinrich II. von Isenburg beginnend, schrittweise in Isenburgischen Besitz über. Diether I. von Ysenburg in Büdingen war es, der 1460 den Auftrag zur Errichtung einer Kapelle gab, der Vorläuferin der späteren Ortskirche.

Vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert hatte der Ort Waldrechte (Holz- und Huterechte) im Büdinger Wald.

1529 zählte man in Schlerbach 65 Häuser. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die seit Graf Anton von Isenburg evangelische Kapelle vernichtet. Bereits 1656 entstand jedoch eine neue evangelische Kirche. Sie erhielt 1865, für den inzwischen gewachsenen Ort, eine Westerweiterung.Die Ortsteile im Internetauftritt der Gemeinde Brachttal 1959 kam im Ort die katholische Herz-Jesu-Kirche hinzu.

Neuzeit Ysenburg bis Preußen Wenngleich Schlierbach auch durchgehend Isenburgisch blieb, so wechselte doch die Verwaltung häufig. Ab 1787 war es innerhalb der Grafschaft Isenburg-Wächtersbach zum Amt Wächtersbach und Gericht Spielberg zugehörig. Ab 1806 zählte es zum Fürstentum Isenburg, Amt Wächtersbach, Gericht Spielberg. Nach der Napoleonischen Zeit und dem Wiener Kongress war es von 1816 bis 1867 beim Kurfürstentum Hessen und nach dem Deutschen Bruderkrieg ab 1867 beim Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau.

Gebietsreform Zum 1. Juli 1970 entstand im Zuge der Gebietsreform in Hessen durch den freiwilligen Zusammenschluss der bis dahin selbstständigen Gemeinden Schlierbach, Hellstein und Neuenschmidten die neue Gemeinde Brachttal. Später kamen am 1. Februar 1971 Spielberg und Streitberg hinzu. Am 1. Juli 1974 wurde, als letzte Teilgemeinde Brachttals, die bis dahin selbstständige Gemeinde Udenhai kraft Landesgesetz in die Gemeinde Brachttal eingegliedert. Für Schlierbach wie für alle eingegliederten ehemals eigenständigen Gemeinden von Brachttal, wurde ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet.

Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011

Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag, dem 9. Mai 2011, in Schlierbach 1686 Einwohner. Darunter waren 162 (9,6 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 288 Einwohner unter 18 Jahren, 708 zwischen 18 und 49, 369 zwischen 50 und 64 und 318 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 696 Haushalten. Davon waren 189 Singlehaushalte, 204 Paare ohne Kinder und 231 Paare mit Kindern, sowie 63 Alleinerziehende und 9 Wohngemeinschaften. In 141 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 471 Haushaltungen lebten keine Senioren.

Einwohnerentwicklung 1529: 65 Häuser

Religion Jüdisches Leben in Schlierbach Die relativ kleine Gruppe jüdischer Einwohner Schlierbachs wurde von der Synagogengemeinde in Hellstein mitversorgt. In Hellstein gab es eine jüdische Schule und ein rituelles Bad. Verstorbene jüdische Bewohner wurden auf dem Friedhof in Birstein beigesetzt. 1835 lebten fünf Juden in Schlierbach, 1861 sieben und 1905 waren es 14. Zwei jüdische Mitbewohner, Moses Buxbaum und Meyer Kahn, fielen für Deutschland im Ersten Weltkrieg. 1924 lebten 24 Gemeindemitglieder in Schlierbach (bei über 800 Einwohnern insgesamt). Unter den Gemeindevorstehern Ludwig Moritz und Jonas Grünebaum war der Schlierbacher Max Fürth Schriftführer. Während der NS-Zeit starben Ernst und Rudolf Buxbaum, Sofie Buxbaum geb. Kahn, Emilie Grünebaum geb. Sonn, Rosa Kahn, Irma und Max Kaufmann, Jenny Morgenthau geb. Sonn, Adelheid Oppenheimer, Max Sonn und Else Strauß geb. Sonn.Alemannia Judaica

Nach dem Krieg, im Jahr 1946, lebten in Schlierbach 1422 Menschen, darunter allerdings keine Juden mehr.

Kirchen und Kirchengemeinden Um das Jahr 900 gehörte Schlierbach kirchlich zu Salmünster. Ungefähr vom Jahr 1000 bis zur Reformationszeit war die Kirchengemeinde, wenn auch die Herrschaft zeitweise wechselte, stets mit Udenhain verbunden. 1947 wurden Udenhain und Schlierbach Teil der Kirchengemeinde Unterreichenbach. Später waren Schlierbach und Hellstein eine Gemeinde, bis Schlierbach schließlich im Jahr 1901 kirchlich selbstständig wurde.

Anlässlich der Kirchensanierung 1961 erhielt die Kirche in Schlierbach den Namen Friedenskirche. Vorübergehend in Vergessenheit geraten kam der Name später wieder in Gebrauch. Die Kirchengemeinden Schlierbach, Hellstein und Udenhain sind seit dem 1. Januar 2010 zur evangelischen Martins-Kirchengemeinde Brachttal fusioniertSanierung der Schlierbacher Kirche.

Die Marienglocke der Friedenskirche läutet seit 1520 für die Gläubigen der Gemeinde Schlierbach. Ihr Geläut wurde 2020 in die nationale Glocken-Datenbank aufgenommen. Es kann dort jederzeit aufgerufen werden.Hörst du nicht die Glocken? Doch, GNZ, 8. April 2020

Ab 1904 genehmigte der Fürst von Isenburg der katholischen Bevölkerung in Schlierbach die Feier einer Messe im Monat. Mangels eines Kirchenraumes behalf sich die katholische Gemeinde am Anfang mit einem ehemaligen Geräteschuppen in der Steingutfabrik. Der Zuzug katholischer Flüchtlinge nach dem Zweiten Weltkrieg machte 1947 die Installation eines katholischen Seelsorgers erforderlich. 1959 wurde eine Herz-Jesu-Kirche in Schlierbach eingeweiht. Für die geistliche Betreuung ist die Gemeinde an die Pfarrei Mariä Himmelfahrt in Wächtersbach angegliedert.Herz-Jesu-Kirche in Schlierbach Die Mitte der 1990er Jahre festgestellte Sanierungsbedürftigkeit der Filialkirche führte letztlich zum Beschluss für einen Neubau. Die neu errichtete Herz-Jesu-Kirche wurde am 11. Mai 1997 eingeweiht. Im Jahr 2006 wurde Brachttal dem Pastoralverbund St. Jakob eingegliedert.

Historische Religionszugehörigkeit • 1885: 316 evangelische (= 96,23 %), 15 katholische (= 2,35 %), 9 jüdische (= 1,41 %) Einwohner • 1961: 982 evangelische (= 79,39 %), 236 katholische (= 19,08 %) Einwohner

Politik Ortsbeirat

Für Schlierbach besteht ein Ortsbezirk (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Schlierbach) mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung. Der Ortsbeirat besteht aus fünf Mitgliedern. Seit den Kommunalwahlen 2016 gehören ihm zwei Mitglieder der Freien Wähler, zwei Mitglieder der SPD und ein Mitglied der CDU an. Der Ortsvorsteher ist Christian Klas (FWB)„Bürgerlisten für die sechs Ortsbeiräte der Brachttaler Ortsteile“, Vorsprung, Nachrichten aus der Region Main-Kinzig, Mo. 14. Dezember 2020.

Infrastruktur und Wirtschaft Verkehrsanbindung Straße Quer durch den gesamten Ort verläuft die Bundesstraße 276, die Deutsche Ferienroute Alpen–Ostsee, die von Mücke im Vogelsberg bis Lohr am Main im Spessart führt. Sie verbindet den Ort im Süden mit Hesseldorf, einem Ortsteil von Wächtersbach, im Norden über den Ortsteil Neuenschmidten mit Birstein. Der nächste Autobahnanschluss ist (AS 45) Bad Orb-Wächtersbach an der A 66 (Frankfurt–Fulda).

Bahn Der nächste Bahnhof befindet sich in Wächtersbach an der Bahnstrecke Frankfurt–Göttingen. Hier verkehrt die Regionalbahn, im Bereich Wächtersbach–Frankfurt im Stundentakt. Der Bahnhof ist behindertengerecht ausgebaut. Bis zu deren Stilllegung 1967 besaß Schlierbach einen eigenen Bahnhof an der Vogelsberger Südbahn.

Fahrrad Schlierbach liegt am Vogelsberger Südbahnradweg, der Wächtersbach mit Hartmannshain verbindet. Es besteht Anschluss an den Hessischen Radfernweg R3. Dieser führt als „Rhein-Main-Kinzig-Radweg“ von Rüdesheim nach Tann in der Rhön. Weiterhin besteht Anschluss an den Vulkanradweg.

In Schlierbach besteht auch Anschluss an den Vogelsberger Vulkan Express, einem Fahrradbus. In Bad Orb beginnend, verkehrt er entlang des Vulkanradweges, von Anfang Mai bis Ende Oktober an Samstagen, Sonn- und Feiertagen. Die Endhaltestellen der Linie sind Bad Orb und Hoherodskopf. Es gelten die Tarife des Rhein-Main-Verkehrsverbundes.

Nahverkehr Ganzjährig verkehren in Schlierbach mehrere Buslinien der KVG. Sie schaffen mit den Linien MKK 71, MKK 72 und MKK 73 öffentliche Verkehrsanschlüsse zu allen Ortsteilen der Gemeinde Brachttal, nach Wächtersbach mit der Kinzigtalbahn (Hessen) (Bahnhof Wächtersbach) sowie nach Bad Soden-Salmünster, weiterhin zum Bahnhof GelnhausenKVG-Service, aufgerufen am 6. Januar 2022. Es gilt der Tarif des Rhein-Main-Verkehrsverbundes.

Dorfgemeinschaftshaus Das Dorfgemeinschaftshaus in Schlierbach verfügt über einen großen bis zu 122 Personen fassenden Saal, mit 122 m² und einer 36 m² großen Bühne sowie eine Rathaus-Schänke. Ein Nebenraum hat 26 m² . Neben der kommunalen Nutzung kann die Einrichtungen auch für private Veranstaltungen aller Art, Familienfeiern, Präsentationen, Seminare und Ähnliches gebucht werden.

Freiwillige Feuerwehr Die Freiwillige Feuerwehr Schlierbach wurde ursprünglich 1875 als „Schutzwache der Steingutfabrik“ gegründet. Später wurde sie organisatorisch zur örtlichen Feuerwehr mit eigenem Stützpunkt umgestaltet. Sie ist damit eine der ältesten Feuerwehren des Kreises Gelnhausen. Schon 1964 kam eine Jugendfeuerwehr und 2010 die „Bambinifeuerwehr“ (Kinderfeuerwehr) hinzu. Heute verfügt die Einsatzabteilung über 35 Personen, die Jugendfeuerwehr über 8 Personen und die Kindergruppe zählt 15 Mitglieder.

Unternehmen Die Keramik mini|Verwaltungsgebäude der Waechtersbacher Keramik mini|Waechtersbacher Keramik, Dekor-Tanzendes Hessenpaar, Design Ursula Fesca

Nachdem man 1829 im Revier Leite des Forstes Schlierbach weißen Ton entdeckteJ. Ackermann, „Von Mühlen und Müllern bei Hesseldorf“, Samml. Gesch. Wächtersbach, 40. L., August 2002, Nr. 262, ISSN 0931-2641, S. 5, gründete Graf Adolf II. zu Ysenburg-Wächtersbach, gemeinsam mit anderen Teilhabern am 8. Juni 1832 in Weilers eine keramische Fabrik, die Waechtersbacher Keramik. In der Nähe fanden sich auch weitere, für die Herstellung von Keramik notwendige Mineralien, wie Kiesel, Kalktuff und weißer Sand. 1833 gelang den Gesellschaftern der Erwerb der Schlierbacher Mühle. Zum 1. Januar 1834 wurde die Produktion des Werkes von Weilers nach Schlierbach verlegt. Zu dieser Zeit hatte der Ort 372 Einwohner. 1856 übernahm Graf Ferdinand Maximilian III. von Ysenburg-Wächtersbach alle Gesellschafteranteile der Firma. Geschichte der Steingutfabrik Wächtersbach