hochkant|mini|Erich Viehweger Erich Viehweger (* 29. Januar 1907 in Bremerhaven; † 20. Januar 1992 in Wartenburg) war ein deutscher Maler und Bühnenbildner.
Leben Viehweger wuchs mit drei Geschwistern auf. Ab 1913 besuchte er die örtliche Pestalozzischule. Schon von Kindheit an malte er sehr intensiv und talentiert. Darum hätte er nach Beendigung der Volksschule gern eine Kunstschule besucht. Nachdem sein Vater 1916 in der Skagerrakschlacht gefallen war, erlaubte die ökonomische Situation der Familie das aber nicht. Statt eines Studiums nahm Viehweger 1921 eine Lehre als Dekorationsmaler auf, die er 1925 abschloss. Zusätzlich hatte er in den Jahren wöchentlich bei seinem Lehrmeister Wilhelm Lohaus Privatstunden in Malen genommen.
Auf Viehwegs Antrag gewährte ihm die Stadt Bremerhaven ein Stipendium von monatlich 100 Reichsmark für vier Jahre. Das ermöglichte es ihm ab 1925 ein Studium an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin.Highlight im Schloss Pretzsch: Retrospektive zum Lebenswerk des Malers Erich Viehweger, auf www.salus-lsa.de, abgerufen am 7. November 2018 Seine Lehrer dort waren Richard Böhland, Fischer und Max Friedrich Koch in den Fächern Malerei und Grafik, Otto Dannenberg in Materialkunde sowie Max Kutschmann in Wandmalerei. Letzterer hatte 1927 einen Auftrag erhalten, die Wandmalereien im Wittenberger Rathaus zu restaurieren, wobei ihn auch Viehweger unterstützte, um sich etwas zusätzliches Geld zu verdienen. Daneben beteiligte er sich während der Studienzeit in Bremerhaven an Ausstellungen in der Kunsthalle.
In Berlin lernte er seine spätere Frau Rosa Hannemann kennen, die Tochter eines Wartenburger Gastwirts. 1934 gingen sie die Ehe ein (in der zwei Töchter geboren wurden), blieben aber weiterhin in Berlin. Seit seinem Studienabschluss 1929 war Viehweger als freischaffender Maler tätig. Er lernte des Leiter des Lessing-Museums, Georg Richard Kruse, kennen, der ihn mit einem Bühnenbild für sein Kleintheater beauftragte. Dafür erhielt er viel Zustimmung, und es folgten weitere Aufträge in diesem Genre. Obwohl er ursprünglich daran wenig Interesse hatte, fand er schließlich an dieser Arbeit Gefallen.
In den 1920er und 1930er Jahren besuchte Viehweger öfter seine Verwandten in Bremerhaven. Das nutzte er um von der Stadt, aber auch bei Ausflügen in das weite Umland, viele Aquarelle und Ölgemälde anzufertigen. 1939 besuchte er Fischerhude, wo er die Bekanntschaft der Maler Hans Buch und Otto Modersohn machte.
Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde Viehweger 1939 zum Militärdienst einberufen; sein erster Einsatz erfolgte in Polen. In der Folge führte ihn der Krieg quer durch Europa von der Kanalküste bis nach Stalingrad. Selbstverständlich hatte immer seine Malutensilien dabei und war so auch während dieser Zeit künstlerisch tätig, indem er viele Bilder mit dokumentarischen Wert schuf.
Da seine Berliner Wohnung im Haus Flandernstraße 4 zerstört war, zog er 1945 in den Heimatort seiner Frau, nach Wartenburg. 1946 war es ihm möglich, in der nahen Lutherstadt Wittenberg, in der Lutherhalle, seine erste große Ausstellung zu zeigen. Deren Direktor Oskar Thulin, der Kunstgeschichte an der Universität Leipzig lehrte, beeinflusste ihn in der Folge nicht nur künstlerisch, sondern beauftragte ihn auch mit der Gestaltung von Ausstellungen und Veranstaltungen. Ab 1947 wandte sich Viehweger für das Wittenberger Theater erneut der Bühnenbildgestaltung zu; 1948 erfolgte seine Festanstellung, ab dem Folgejahr als Ausstattungsleiter. Bis 1969, als er aus Krankheitsgründen ausscheiden musste, gestaltete er mehr als 200 Bühnenbilder.
Während dieser Jahre war er jedoch auch ansonsten künstlerisch tätig. In der Lutherstadt Wittenberg gab es insgesamt sieben Ausstellungen seiner Werke.
Viehweger gehörte dem Verband Bildender Künstler der DDR (Ortsgruppe Halle) an. Dadurch war es ihm möglich, in den 1970er Jahren Studienreisen nach Bulgarien, Ungarn und die Sowjetunion zu unternehmen; viele Bilder mit Ansichten dieser Länder waren das Ergebnis.
1972 und erneut 1982 verlieh ihm die Lutherstadt Wittenberg den Lucas-Cranach-Preis.
Werk Erich Viehweger dokumentierte mit seinen Ölgemälden, Aquarellen, Zeichnungen (kolorierte Feder-, Kohle und Bleistiftzeichnungen) sowie Grafiken seine Umwelt. Durch eine klare Strukturierung und oft vereinfachten Bildgegenständen sowie einer zumeist sanften, zarten Abstufung der Farben weisen seine Werke eine große Harmonie auf. Ab den 1950er Jahren wurde seine Handschrift temperamentvoller. Ende der 1980er Jahre entfernte er sich in seiner Arbeit von der gegenständlichen Malerei und schuf abstrakte Werke, deren Charakteristika Formen sowie Linien und gebrochene Farbaufträge sind.
Viehwegs umfangreiches Werk befindet sich heute überwiegend in Privatbesitz, aber auch in verschiedenen öffentlichen Galerien. Seiner Geburtsstadt Bremerhaven schenkte er 1990 alle Bilder, die er über die Stadt sowie deren umliegende Region angefertigt hatte. Die Arbeiten sind im Historischen Museum Bremerhaven zu sehen.
1967 erfolgte aus Anlass des 450-jährigen Jübiläums der Reformation die Herausgabe einer Mappe mit 15 Originallithografien mit Ansichten der Lutherstadt Wittenberg.
2008 brachte das Augustinuswerk e. V. (Wittenberg) einen Stadtführer Lutherstadt Wittenberg in Deutsch und Englisch heraus, in dem zahlreiche Lithografien und Bilder Viehwegers enthalten sind.
Die Stadtwerke Wittenberg gaben für das Jahr 2011 einen Kalender mit Zeichnungen und Malereien von Erich Viehweger heraus.Kreis Wittenberg Pilgergruppe steigt aufs Fahrrad, auf www.mz-web.de, abgerufen am 7. November 2018 Mit diesen Veröffentlichungen existiert eine gedruckte Auswahl seiner besten Werke der Lutherstadt Wittenberg.
Bühnenbildentwürfe (Auswahl) Auf verlorenem Posten (um 1954, Elbe-Elster-Theater Wittenberg)
Ausstellungen (unvollständig)
Personalausstellungen 1973: Wittenberg, Staatliche Lutherhalle („Malerei, Grafik, Bühnenbild: Erich Viehweger“) 1990: Bremerhaven, im Morgenstern-Museum
Postum 2007: Wittenberg, Stadtkirche Wittenberg 2010: Wartenburg 2018: Bad Schmiedeberg, Schloss Pretzsch („Erich Viehweger – Retrospektive“)
Teilnahme an Ausstellungen 1954: Dresden, Albertinum („Das Bühnenbild“) 1974 und 1979: Halle/Saale, Bezirkskunstausstellungen
Literatur Elke Grapenthin: Erich Viehweger (geb. 1907). In: Künstler und Künstlerinnen in Bremerhaven und Umgebung 1827–1990. Bremen 1991, ISBN 3-926598-40-9, S. 267–271.
Einzelnachweise
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