Spendin ist ein Ortsteil der Gemeinde Dobbertin im Landkreis Ludwigslust-Parchim in Mecklenburg-Vorpommern.
Geografie Der kleine Ort Spendin liegt am Nordwestrand im Naturpark Nossentiner/Schwinzer Heide, zweieinhalb km nördlich von Dobbertin. Als wichtigste Verkehrsverbindung führt die Landstraße 17 von Goldberg über Dobbertin an Spendin vorbei nach Güstrow. Das Dorf liegt auf einer Höhe von etwa 53 m über NHN. Östlich befindet sich der Spendiner See. Das Klosteramt ließ ab 1866 die sandigen Ackerflächen des Feldes Spandin aufforsten, es sind die heutigen Spendiner Tannen südwestlich um Spendin und südlich um den Spendiner See. Auch dort wurde großflächig aufgeforstet. Im östlichen Verlandungsbereich des Spendiner Sees befindet sich im Erlenbruch ein gut erhaltener Ringwall.
Geschichte Spendin ist eine der jüngsten Gründungen des Klosters Dobbertin. Die Ersterwähnung des Ortes fand im 18. Jahrhundert statt. Doch schon am 23. November 1237 wurde in einer KlosterurkundeMUB I. (1863) Nr. 469. ein See Spandine erwähnt. Um 1600 war dann wieder von einem Feld Spandin die Rede. Die Grenzbeschreibungen des Dobbertiner Kerngebietes von 1237 und 1274 gaben auch Anlass zu einer dortigen slawischen Siedlung.Fred Ruchhöft: Die Entwicklung der Kulturlandschaft im Raum Plau-Goldberg im Mittelalter. 2001. S. 286. Das Dorf soll im Zuge der ersten Klostergründung nach Dobbertin umgesiedelt worden sein, doch außer einem erhaltenen Ringwall gibt es keine weiteren Belege. Die Feldmark war danach wüst und wurde von Dobbertin aus bearbeitet. Der Name Spendin geht auf einen slawischen Personennamen Spad oder Spanda zurück. Die Spendiner Tannen bildeten die Grenze zum Klosterland, der Gerichtsberg stand auf der Dobbertiner Seite. Spendin und auch Lüschow sind Orte, die keine mittelalterliche Überlieferung erfuhren.Fred Ruchhöft: Die Entwicklung der Kulturlandschaft im Raum Plau-Goldberg im mittelalter. 2001, S. 312, 316.
Durch die Spendiner Tannen führt ein Teilstück der alten Heerstraße von Parchim nach Güstrow. Sie trifft im Wald auf den Fahrweg von Dobbertin nach Kleesten, wo heute noch ein alter beschrifteter Wegweiserstein aus dem Klosteramtsgebiet steht. Am 15. November 1728 wurde der Spendiner Schäfer Michael Meseken als bei einer Klage des Klosters Marienfließ in der Stepenitz gegen die Gemeinde Krempendorff als Zeuge vor dem Königlich Preußischen Kammergericht in Berlin verhört.LHAS 3.1-3/1 Landeskloster/Klosteramt Dobbertin. Nr. 4575 Klage des Klosters Marienflies.
Um 1859 soll es in Spendin auch einen Begräbnisplatz gegeben haben.LKAS, OKR Schwerin, Dobbertin, Specialia, Abt. 1 A Nr. 038 Begräbnitsplatz zu Spendin 1859.
Dorf und Klostergut Der Hof in Spendin wurde durch das Klosteramt Dobbertin erst nach dem Dreißigjährigen Krieg angelegt und als Meyerey, auch Schäferei bezeichnet.Franz Engel: Deutsche und slawische Einflüsse in der Dobbertiner Kulturlandschaft. 1934. S. 30. 1705 soll im Hof der Meyerei Spendin schon ein Wohnhaus, eine Scheune und ein Viehstall gestanden haben.LHAS 3.2-3/1 Landeskloster/Klosteramt Dobbertin. Nr. 4092 Inventarium Gut und Meyerei 1705–1767, Nr. 4097 Pachtkontrakte 1645–1768. Nach 40 Jahren gab es dort neben dem Wohnhaus, der alten Scheune und dem alten Vieh-Haus noch einen Korn-Speicher und im Garten 51 Obstbäume.LHAS 3.2-3/1 Landeskloster/Klosteramt Dobbertin. Nr. 4551 Pachtkontrakte und Inventare 1744–1852. Von der ersten Verwalterfamilie Wiencken ist in dem vorliegenden Protokoll vom 26. August 1747 zu einem Gerichtsverfahren von Ehezerwürfnissen zu lesen.LHAS 3.2-3/1 Landeskloster/Klosteramt Dobbertin. Nr. 4567 Gerichtsverfahren wegen Ehezerwürfnissen der Verwalterfamilie Wiencken. Das Klosteramtsgericht leitete der Klosterhauptmann, der Geheimrat Henning von Graf von Bassewitz und der Küchenmeister Engelck Paschen Friese. Protokollant war der Amtsactuar Johann Friese. Anwesend waren von den Tagelöhnern Christian Knuttel, Hans Jacob Kapcke, Elisabeth Sulcken und Christa Niexkarcken. 1751 lebten auf dem Hofe Spannin neben dem Verwalter Friedrich Wiencken mit seiner Frau Sophie und den Söhnen Friedrich und Adolph noch der Schäfer Christian Ehlers mit seiner Frau Julia. Der Dobbertiner Pastor Christian Hintzmann nannte im Beichtkinderverzeichnis am 6. Juni 1751 noch Jonas Wegener, Friedrich Möller, Vieck Dunckern, Trien Möllern, Johann Witt und Trien Garling, die in Spendin wohnten. Franz Schubert: Beichtkinderverzeichnis 1751. Dobbertin, Auf dem Hofe Spendin, Pastor Christian Hinzmann, 6. Juni 1751. Im Intelligenzblatt vom 27. August 1757 wurde von einem Verfahren des Klosteramtes wegen aufgehäufter Schulden des ehemaligen Spendiner Pächters Johann Friedrich Wiencken berichtet. Auf dem Hof arbeiteten Sophie Elisabeth Wendten, Ilsabe Garlingen, Ernst Johann Fründt. der junge Berkenthin und der Schäfer Solf Ernst. 1757 wurde schon ein Pferdestall, ein Schafstall und ein Schweine-Koben erwähnt. Wie aus Gerichtssachen zu erfahren, hatte 1763 der Pensionär Wienecken wieder finanzielle Probleme, dass hier das Klosteramt Dobbertin sogar die Juristische Fakultät der Universität Greifswald um Hilfe bat.LHAS 3.2-3/1 Landeskloster/Klosteramt Dobbertin. Nr. 4573 Gerichtssachen Joachim Friedrich Wienecken 1758–1831.
Am 22. September 1767 schlossen der Klosterhauptmann Johann Diedrich von der Osten mit seinen beiden Provisoren August Friedrich von Stralendorff und Hans Friedrich Christian von Krakewitz mit Johann Hinrich Arenholtz einen neuen Pachtvertrag über die Höfe Kleesten und Spendin.LHAS 3.2-3/1 Landeskloster/Klosteramt Dobbertin. Nr. 4568 Licitationsprotokoll und Inventarium 1767. Neben dem Wohnhaus, dem Schäfer-Haus mit Schafstall, dem Vieh-Haus und dem Schweine Kofen gab noch den Korn-Speicher und ein Back-Haus. 1769 klagte der Güstrower Kaufmann Anton Crotogino gegen den Pächter Arenholtz wegen Nichtbezahlung seiner Schulden vor dem Klosteramtsgericht.LHAS 3.2-3/1 Landeskloster/Klosteramt Dobbertin. Nr. 4574 Klage des Güstrower Kaufmann Anton Crotogino 1769. Am 18. September 1772 wurde der Pachtkontrakt mit der Witwe Sophia Dorothea Arenholtz bis 1773 verlängert. Am 29. Juni 1773 heiratete sie als geborene Sophia Dorotheas Schröder den Pächter Johann Christian Lierow, dessen ältester Sohn Hartwig Christian Lierow (1794–1838) das Gut Spendin 1801 übernahm. Ihr zweiter Sohn Ludwig Lierow (1800–1874) wurde Amtsschreiber und Amtsaktuar im Klosteramt DobbertinListe der Persönlichkeiten des Klosters Dobbertin und der jüngste Sohn Gustav Lierow (1813–1891) war in der Patronatskirche zu Lohmen 53 Jahre Pastor und nebenbei auch Dichter und Schriftsteller.Horst Alsleben: Lohmens dichtender Pfarrer. Von Fritz Reuter bis Ludwig Reinhard: Gustav Lierow pflegte Kontakte zu zahlreichen Persönlichkeiten seiner Zeit. SVZ, Mecklenburg-Magazin vom 23. April 2018. Pächter Lierow starb mit 60 Jahren an der Gicht.LHAS 3.2-3/1 Landeskloster/Klosteramt Dobbertin. Nr. 4571 Nachlass Pensionär Johann Christian Lierow 1796–1809. Die Meyerei Kleesten übernahm der Schäfer Johann Bohnhoff.
Doch schon am 21. Oktober 1773 erfolgte die Übergabe des Hofes einschließlich der Pferde, Ochsen, Kühe, Schweine und dem Feder-Vieh an Johann Christian Lierow.LHAS 3.2-3/1 Landeskloster/Klosteramt Dobbertin. Nr. 4559 Nachlaß Pensionär Arenholtz 1770–1779. Nr. 5161 Pachtcontract Witwe Ahrenholtz und Übergabe an Johann Christian Lierow 1772/73. Der Pachtkontrakt mit Johann Christian Lierow wurde am 11. Januar 1793 durch die Provisoren Rittmeister Gottfried Hartwig von Weltzien und Hauptmann Bernhard Christoph von Bücher verlängert. Den handschriftlichen Pachtvertrag mit 31 § hatte der Amtsaktuar Johann Heinrich Giesecke aufgesetzt. Am 20. November 1793 beschloss das Klosterkomitee auf dem Landtag zu Sternberg: Da der Pächter Lierow zu Spendin zum gerechten Mitleyden, sowohl durch Hagelschlag als bey der neuen Einrichtung ansehnlich gelitten hätte, so würde demselben die Schuld von 190 rthl. womit er zum Rest eingesetzt stünde, erlaßen.LHAS 5.11-2 Landtagsprotokoll. 20. November 1793, Nr. 8. Ab 24. Juni 1822 übernahm Ökonom Carl Simoni aus Lüschow die Höfe in Spendin und in Kleesten.LHAS 3.2-3/1 Landeskloster/Klosteramt Dobbertin. Nr. 4550 Verpachtung des Hofes 1848. 1840 sollen auf dem Hof 28 Einwohner gelebt haben. 1845 wurde eine neue massive Scheune errichtet.
Nach Besichtigung des Hofes am 10. Februar 1848 im Beisein des Klosterhauptmanns Johann Carl Peter Baron von Le Fort mit seinem Syndicus, dem Rechtsanwalt Kanzleirat Carl Jacob Heinrich Burmeister übernahm Fritz Friedrich Christian Franz Seemann am 8. August 1848 das Pächterhaus, die Scheune, den Schafstall und das zugehörige Land mit dem Spendiner See.LHAS 3.2-3/1 Landeskloster/Klosteramt Dobbertin. Nr. 4550 Verpachtung Hof und Inventar 1848–1861. 1848 heiratete er die Pächtertochter Louise Bade. Nach Pachtrückständen bat er schon 1849 beim Klosteramt in Dobbertin um Pachterlass. Von 1850 bis 1851 soll Christoph Bühring mit seinen 11 Kindern von Spendin aus seit 1836 noch Jellen und seit 1837 Kleesten bewirtschaftet haben.LHAS 5.11-2 Landtagsprotokoll. Nr. 15, 17. November 1851. Am 13. Februar 1862 unterschrieb Fritz Seemann in Anwesenheit des Klosterhauptmanns Otto Julius Freiherr von Maltzan und den Provisoren Vice-Landmarshall Johann Heinrich Carl von Behr auf Hindenberg und Landrat Josias von Plüskow auf Kowalz einen Pachtvertrag von 65 Seiten mit Karten vom Hof und den Ländereien von 1861.LHAS 3.2-3/1 Landeskloster/Klosteramt Dobbertin. Nr. 4549 Verpachtung Gut 1862–1876. 1866 waren die Tagelöhner Köpke und Ehlert aus Kleesten, Garling aus Jellen, Meyer, Cord und Schäfer Wienke in Spendin. Der Forstinspektor Julius Garthe vom Klosterforstamt Dobbertin ließ ab 1866 die wenig brauchbaren Bruch- und Sandflächen zwischen Spendin und Kleesten aufforsten. 1876 hatte Spendin 39 Einwohner. Auf dem Landtag zu Sternberg empfahlen die Klostervorsteher den Pachtvertrag für die Höfe Spendin und Kleesten mit dem Pensionär Seemann zu verlängern, da die tüchtige Wirtschaftlichkeit Seemanns gegeben war.LHAS 5.11-2 Landtagsprotokoll. Nr. 25, 18. Februar 1876. 1883 übernahm dann sein 27-jähriger Sohn Hugo Seemann die Pachtung in Spendin und Kleesten und wirtschaftete dort bis 1890. Er hatte schon vier Jahre lang seinen Vater unterstützt.LHAS 3.2-3/1 Landeskloster/Klosteramt Dobbertin. Nr. 4548, 4556 Pachtkontrakt über die Klostergüter 1876–1890. Nachdem Fritz Seemanns Frau verstorben war, sei er nach 35 Jahren Bewirtschaftung der Klostergüter Spendin und Kleesten wirtschaftlich unlustig geworden und starb ein Jahr später in Rostock.LHAS 5.11-2 Landtagsprotokoll. Nr. 35, 21. November 1883. Auf dem Hof Spendin sollen nach einer Gebäudebeschreibung von 1888 neben dem Wohnhaus noch das Milchhaus, das Schweinehaus, das Viehhaus, der Schafstall, die Scheune, das Federviehhaus und der Pferdestall gestanden haben.LHAS 3.2-3/1 Landeskloster/Klosteramt Dobbertin. Nr. 4558 Beschreibung des Hofes 1888.
Nach Ablauf der Pachtverträge hatte 1889 bei einer öffentlichen Ausschreibung der Ökonom Fritz Voss aus Gnoien den Zuschlag der Neuverpachtung des Klostergutes Spendin für 8400 Mark abzüglich der Ackerflächen mit der Neuansamung von Kiefern erhalten.LHAS 5.11-2 Landtagsprotokoll. Nr. 23, 13. November 1889. Der Kontrakt wurde durch den Klosterhauptmann Landrat Thedwig von Oertzen und seinen Provisoren Landrat Josia von Plüskow und Erblandmarschall Carl Friedrich Ludwig von Lützow für die Klostergüter Spendin und Kleesten auf vierzehn Jahre abgeschlossen. Fritz Voss bewirtschaftet die 322,6 ha mit einem Schäfer und sechs Tagelöhnern. mini|Ehemaliger Speicher, heute Wohnungen (2011)