Die Ruine Scharfeneck ist die Ruine einer Spornburg nordöstlich des Marktfleckens Oberscheinfeld im Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim in Mittelfranken. Sie befindet sich auf dem Schlossberg, einem 425 Meter hohen Bergsporn des Steigerwaldes. Von der ursprünglichen Burg Scharfeneck existiert heute nur noch der 16 Meter hohe Bergfried, der vom Steigerwaldklub Oberscheinfeld als Aussichtsturm unterhalten wird.

Geschichte Die bis ins 16. Jahrhundert hinein „Veste Scheinfeld“ genannte Burg ScharfeneckW. Ortmann, Historisches Ortsnamenbuch von Bayern: Scheinfeld, München 1967, Nr. 175, S. 162 ff. wurde wahrscheinlich kurz nach 1100 von den Edelfreien von Scheinfeld gegründet, die ursprünglich aus Mönchsondheim stammen.W. Stadelmann, Mönchsondheim und die Edelfreien von Scheinfeld, Mainfränkisches Jahrbuch 60, Würzburg 2008, S. 52–76. Von ihrer ersten Burg über Oberscheinfeld haben sich offenbar keine Spuren mehr erhalten. Die Familie, der auch der Wormser Bischof Lupold (1196–1217) entstammte, lässt sich neuerdings über vier Generationen rekonstruieren und starb mit Friedrich IV. an einem 1. April zwischen 1258 und 1263 aus.Stadelmann, Mönchsondheim, S. 73. Vermutlich Anfang 1197 verpfändete der Edelherr Friedrich III. von Scheinfeld seinen Besitz gegen einen Kredit dem Bamberger Bischof Timo, um sich auf den Kreuzzug vorzubereiten.E. Frhr. v. Guttenberg, Das Bistum Bamberg, Teil I, Berlin 1937, S. 162. Der Anfall der Burg an das Bistum Bamberg ist zeitlich noch nicht näher geklärt. Auf jeden Fall kehrte Friedrich III. vom Kreuzzug zurück und ist noch 1207 in Erfurt bei seinem Bruder Bischof Lupold nachweisbar.A. Schmidt, Urkundenbuch des Eichsfeldes, Teil I, Magdeburg 1933, Nr. 178. Die Übernahme durch das Bistum dürfte aber erst nach 1258 geschehen sein. Der erste Bamberger Amtmann Konrad Zollner ist für das Jahr 1313 nachweisbar.J. Looshorn, Geschichte des Bisthums Bamberg, Teil III, Bamberg 1891, S. 20. Im Jahr 1339 erschien die Burg im Bamberger Burghutverzeichnis, als Johann von Dachsbach, Vogt und Ritter von Scheinfeld, eine Herdstätte „hinter dem Turm“ samt Weinstöcken verliehen bekamConstantin Höfler: Registrum Burghutariorum Ecclesiae Bambergensis. Bamberg 1855, S. 92.. Nach 1366 wechselte die Burg wiederholt den Besitzer, darunter der Bamberger Domherr Graf Albrecht von Wertheim und die Ritter von Kappel. Nachdem die Burg bereits 1504 als baufällig („ein öd schlos trob“) bezeichnet wurde, schritten die Bamberger Amtmänner um das Jahr 1545 zum Abbruch, um mit den Steinen unten in der Ortsmitte von Oberscheinfeld ein neues, bequemeres Schloss zu bauen.Ortmann, Scheinfeld, Nr. 175. Nur der Bergfried blieb als Ausguck auf dem Schlossberg zurück.

Heute ist der Bergfried im Sommerhalbjahr an Sonn- und Feiertagen zugänglich.

Baugeschichte Der älteste Hinweis auf eine Burganlage auf dem Schlossberg datiert vom Ende des 12. Jahrhunderts, vermutlich Anfang 1197. Aufschlussreich ist der Vertrag mit dem Bistum Bamberg, der den 10 Dienstmannen des Edelherrn Friedrich von Scheinfeld ein bestimmtes Einkommen für ihren Dienst auf den acht (!) überdachten Wachplätzen zuschreibt.J. Looshorn, Geschichte des Bisthums Bamberg, Teil II, Bamberg 1888, S. 577. Von der 1504 erwähnten Katharinenkapelle auf dem Schlossberg fehlt ebenfalls jede Spur. Auf dem durch zwei Halsgräben abgetrennten Bergsporn hat sich als einziger aufgehender Burgrest der Bergfried erhalten, dem zu seiner ursprünglichen Höhe von etwa 20 Meter heute nur wenige Meter fehlen. Der wuchtige Bergfried aus Buckelquadern entstammt der Zeit zwischen 1240 und 1250, darauf weisen Form der Buckelquader und die Ausgestaltung des Turmes hin. Mit einer Seitenlänge von 7,2 Meter und einer Mauerstärke von 2,8 Meter wird der Turm wohl als Machtsymbol, Auslug und sicherer Verwahrungsort gedient haben. Er erhebt sich über einem quadratischen Grundriss und schließt mit einer Aussichtsplattform ab. Die Außenmauern bestehen aus sorgfältig behauenen Schilfsandsteinen, die vor allem an den Ecken gebuckelt sind. Auffällig ist die ornamentale Anordnung der unterschiedlich gefärbten Sandsteinquader: Während die Grundstruktur des Turms aus grauem Sandstein besteht, weisen die Eckquader beige-gelbliche Steine auf. Die Westwand enthält in 10 Meter Höhe noch den originalen Hocheingang, der in einen kleinen Raum mit einer romanisch überwölbten Fensterkammer führte. Ein hier geplanter Kamin kam aber offensichtlich nicht mehr zur Ausführung. Ende des 19. Jahrhunderts erschloss man den Turm für den Tourismus, indem man einen ebenerdigen Durchgang in das Mauerwerk brach und eine 77-stufige Holztreppe einbaute. In den Jahren 1972/73 wurde diese Treppe erneuert und auf 74 Stufen reduziert. Die jüngste Sanierung des Turms nahm der Steigerwaldklub, Zweigverein Oberscheinfeld, in den Jahren 1999 bis 2001 mit einer sorgsamen Steinergänzung und Reparaturen an der Aussichtsplattform (442,6 m über NN) vor.

Literatur Constantin Höfler: Friedrichs von Hohenlohe Rechtsbuch (1348). Bamberg 1852. Constantin Höfler: Registrum Burghutariorum Ecclesiae Bambergensis. Bamberg 1855.

Hansjoseph Maierhöfer Oberscheinfeld – Erlesenes und Erlebtes. In: Der Steigerwald. Zeitschrift einer fränkischen Landschaft, 4. Jahrgang, Nr. 3, 1984. Hansjoseph Maierhöfer, Isolde Maierhöfer: Vergangenes und Bewährtes In: Der Steigerwald. Zeitschrift einer fränkischen Landschaft, 6. Jahrgang, Nr. 3, 1986.

Max Bernhard Schwab: Oberscheinfeld und die Burgruine Scharfeneck. In: Die Dorflinde. Heimatgeschichtliche und unterhaltende Beilage zum Scheinfelder Kurier, 2. Jahrgang, Nr. 1–5, 1925.

Weblinks Haus der Bayerischen Geschichte Bayerisches Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst, München

Einzelnachweise

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