Nazaré (Aussprache: [nɐzɐ'ɾɛ]) ist eine am Atlantik gelegene portugiesische Stadt in der Unterregion Oeste der Region Centro und der historischen Provinz Estremadura, ca. 100 km nördlich von Lissabon gelegen. Sie hat Einwohner (Stand ) und eine Fläche von  km².

Nazaré ist als Fischer- und Tourismusstadt sowie Wallfahrtsort bekannt. Sie ist Sitz des gleichnamigen Landkreises (Município da Nazaré) mit Einwohnern und einer Gesamtfläche von  km².

Die Stadt hieß ebenso wie der Landkreis bis 1912 „Pederneira“ – ein Name, den heute noch der das historische Zentrum beherbergende Ortsteil trägt. Pederneira war eine der dreizehn Städte der Coutos de Alcobaça, dem Herrschaftsgebiet der Abtei von Alcobaça.

In jüngerer Zeit hat die große Welle nördlich von Nazaré die Aufmerksamkeit der internationalen Surfelite auf sich gezogen. Die Riesenwellen und die Surf-Events werden als Touristenattraktion vermarktet.

Etymologie Der Name Nazaré leitet sich von der biblischen Übersetzung der heiligen Stadt Nazareth in Israel ab.

Geografie Stadt mini|links|Nazaré

Nazaré verfügt über einen Fischereihafen, der in den 1980er Jahren vollständig erneuert und erweitert wurde. Die Bevölkerung lebt überwiegend vom Fischfang, der Fischverarbeitung und dem Fremdenverkehr, der durch die windgeschützte Lage an einem etwa 2 km langen Sandstrand begünstigt wird. Ein anderer Stadtteil Nazarés ist das auf einem in das Meer hinausragendem Felsplateau, 110 Meter oberhalb der Bucht von Nazaré liegende Sítio. Vom 13. bis Anfang des 20. Jahrhunderts war Sitio mit seinem Santuário de Nossa Senhora da Nazaré (Heiligtum Unserer Lieben Frau von Nazareth) die wichtigste Wallfahrtsstätte Portugals, und daher entwickelte sich Nazaré schon im 19. Jahrhundert zu einer bedeutenden Touristenstadt. Dieser Pilgerstätte entlehnte die Stadt im Jahre 1912 auch ihren heutigen Namen. Nazaré wurde 1936 zur Kleinstadt (Vila) erhoben. Von 1801 bis 1900 nahm die Bevölkerung Nazarés um fast 300 % zu, von 1900 bis 2000 dann nochmals um knapp 175 % und wies damit bei den alten Städten der Coutos de Alcobaça das größte Wachstum auf.

Entstehung des Strands von Nazaré Die Stadt Nazaré besteht aus drei Stadtteilen, den beiden Ortsteilen Sítio und Pederneira sowie dem sich am Strand entlangziehenden modernen Ortsteil, wo mittlerweile der größte Teil der Bevölkerung lebt. Diese Zone war bis zur zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts kaum besiedelt, zumal aufgrund der geologischen Formation das Meer gegen die dort von Pederneira aus steil zur Küste abfallenden Felswände schlug.

Im Laufe der Jahrhunderte wurden die Felsvorsprünge unter dem unablässig anrollenden Wellen geschliffen, zudem versandete die Bucht von Nazaré in gesamter Breite, so dass in geologisch außerordentlich kurzer Zeit vor der einstigen durch Gebirgszüge gebildeten Küstenlinie ein Sandstrand entstand, der sich von der weiterhin steil nach Sítio ansteigenden Felswand weg in südliche Richtung erstreckt, an dem sich heute das moderne Nazeré zum neuen Hafen hinzieht. Südlich des Hafens erreicht das angelandete Gelände eine Tiefe von anderthalb Kilometern. Vor der Mitte des 18. Jahrhunderts besaßen die Bewohner von Pederneira und Sítio am Strand nur ihre Fischerhütten, brachten sich und ihre sonstige Habe auch vor den ständigen Angriffen der Piraten in ihren teilweise befestigten Siedlungen auf den Anhöhen in Sicherheit. Ab Beginn des 18. Jahrhunderts ließen aber auch diese Überfälle nach, so dass nunmehr die Fischer unten am sich neu bildenden Strand zu siedeln begannen. Ende des 18. Jahrhunderts wurden dort bereits 58 Häuser gezählt. Ihre Boote ließen die Fischer nunmehr mit der Brandung in das Meer hineintreiben, die bei ihrer Rückkunft von Ochsengespannen wieder auf den trockenen Strand gezogen wurden. Diese zum Meer hin enge Lage fordert auch heute während der Herbst- und Winterstürme ihren Tribut, wenn an der Uferstraße die Bewohner ihre Läden, Restaurants und sonstige Einrichtungen je nach Wetterlage gegen die heranstürmende Flut mit Brettern verbarrikadieren müssen.

Mittelalterlicher Hafen, Lagune von Pederneira mini|Nazaré mit Pederneira und dem Berg São Brás

Zum Süden hin öffnet sich die enge Zone, in der das moderne Nazaré liegt, und hinter dem weitläufigen Hafengelände befindet sich eine Ebene, die ebenfalls noch vor dem ansonsten die Küstenlinie bildenden Höhenzug liegt und die durch die in den letzten zwei bis drei Jahrhunderten eingetretenen Versandung dieses Bereichs entstanden ist.

Dort, wo der ansonsten die Küstenlinie verriegelnde Höhenzug in einer Breite von etwa zweihundert Metern unterbrochen wird, tritt der Fluss Alcoa durch diese Pforte aus einer hinter dem Höhenzug ebenfalls noch auf Meeresniveau liegenden Ebene aus und fließt nunmehr durch die neue knapp 1,5 km vorgelagerte versandete Ebene in das Meer. Noch bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts reichte die Meeresbucht von Nazaré bis zu dieser Öffnung des Höhenzuges, die sich dann landeinwärts zu einer etwa 4 km tief ins Land reichenden und sich etwa 10 km nach Norden erstreckenden Lagune, der Lagune von Pederneira (Lagoa de Pederneira), weitete, teilweise dort wo heute das Bett des Flusses Alcoa verläuft. In diesem Bereich des Übergangs der Bucht zur Lagune befand sich noch bis zum 17. Jahrhundert der Hafen von Pederneira, der selbst von den größten hochseetauglichen Schiffen der damaligen Zeit genutzt werden konnte.Vgl. zur Verlandung des Hafens: Célia Quico: Lagoa da Pederneira: como desapareceu um dos principais portos Portugueses do período áureo dos Descobrimentos? – Lagune von Pederneira: Wie verschwanden einige der Haupthäfen Portugals aus der goldenen Periode der Entdeckungsreisen? 2008 (portugiesisch) Er war bereits ab dem 12. Jahrhundert ein Hafen der Abtei von Alcobaça und spielte auch noch zu Zeiten der portugiesischen Entdeckungsreisen des 15. und 16. Jahrhunderts eine wichtige Rolle. Hiervon kann man heute noch eine Vorstellung gewinnen, wenn man etwa 10 km südlich von Nazaré nach São Martinho do Porto blickt, wo hinter dem Gebirgszug, der das Land vom Meer bis auf eine schmale Öffnung von ebenfalls knapp zweihundert Metern Breite abriegelt, eine Lagune mit einem Ausmaß von etwa 1,4 Kilometer mal 900 Metern liegt, die im Mittelalter etwa 3 km ins Binnenland hinein bis nach Alfeizerão reichte und sich 10 km nach Süden erstreckte, die Lagoa de Alfeizerão. Diese Lagune wurde von der Lagune von Pederneira von einer schmalen, nur wenige hundert Meter breiten sich von Alfeizerão nach Famalicão hin ziehenden Geländeerhebung getrennt.

Auch die Lagune von Alfeizerão wurde von der Abtei von Alcobaça als Hafen genutzt. Der Hafen bei Pederneira war aber in den ersten Jahrhunderten der Herrschaft der Abtei der größere und die Bevölkerung von Pederneira hatte offenbar bereits im 12. Jahrhundert eine solche Eigenständigkeit, dass sie in den Urkunden des jungen portugiesischen Königreichs schon unter dem zweiten König von Portugal Sancho I. (1154–1211) Eingang fand, weil sie sich – erfolglos – gegen die königlich verfügte Abhängigkeit von der Abtei zur Wehr setzte. Die ursprünglich auch zur Salzgewinnung genutzte Lagune bildete sich im Laufe der Jahrhunderte zurück, deren Sümpfe von den Mönchen der Abtei Alcobaça, die im ganzen Lande für diese Kunst berühmt waren, mit großem Erfolg trockengelegt wurden. Noch heute durchzieht die gesamte Fläche ein Netz von Gräben. Im 17. Jahrhundert wurde der Hafen dann aus der Lagune zum offenen Meer hin verlegt, wo er noch eine Zeitlang als Porto da Vila de Pederneira betrieben wurde und wovon aus man mit flachen Booten auch noch Teile der Lagune befahren konnte. (portugiesisch)

Gründe für die starke Verlandung in der Neuzeit mini|Blick auf das verlandete Gelände mit neuem Hafen

Das Verschwinden des Hafens und die gleichzeitig starke Verlandung auf der Seeseite des ansonsten die Küstenlinie bildenden Höhenzugs während der letzten 300 Jahre lässt auf eine schlüssige Erklärung noch warten. Ein Erklärungsversuch bringt dies mit der im Jahre 1772 stattgefundenen großen Flut, vermutlich durch einen Tsunami ausgelöst, in Zusammenhang, die selbst das etwa zehn Kilometer im Hinterland liegende Kloster von Alcobaça so im Schlamm der zurückflutenden Wassermassen versinken ließ, dass es Jahre für die Freiräumung benötigte.José Pedro Duarte Tavares: Mosteiro de Alcobaça, O Claustro Sul no Mosteiro de Alcobaça. Relatório CB 25, Instituto Português do Património Arquitectónico, 1999, S. 62; José Pedro Duarte Tavares: Hidráulica, Linhas Gerais de Sistema Hidráulico Cisterciense em Alcobaça. in: Roteiro Cultural da Região de Alcobaça. S. 39–109, Alcobaça 2001, ISBN 972-98064-3-8, S. 94–95. Die aus dem Hinterland zurückströmenden Wassermassen konnten aber in einer Breite von jeweils zehn Kilometer sowohl nach Süden wie nach Norden hin nur durch die etwa 200 Meter weite Pforte der alten Lagune abfließen, ansonsten ist der Zugang durch den geschlossenen Höhenzug verriegelt. Die sich hierbei in die Bucht ergießenden Schlammmassen können zur Beschleunigung der seither bekannten Verlandung erheblich beigetragen haben.

Ein Tiefseegraben vor Nazaré gilt als Ursache für sehr große Brandungswellen, die sich nach Stürmen vor Nazaré auftürmen. Extremsportler nutzen die Wellen zum Wellenreiten.Der Canyon auf Spiegel Online, vollständig in: Der Spiegel Heft 13/2014

Verwaltung Der Kreis Nazaré rechts|75px

mini|hochkant=1.3|Kreis Marinha Grande

Nazaré ist wesentlicher Teil und Sitz des gleichnamigen kleinen Kreises, dem Município da Nazaré. Dieser Kreis wird mit Ausnahme seiner Küstenlinie vollständig von dem Nachbarkreis Alcobaça umschlossen, zu dessen historischem Herrschaftsgebiet er bis zur Schließung der Abtei von Alcobaça im Jahre 1833/34 – mit Ausnahme des Stadtteils Sítio – gehörte. Der Kreis besteht seit 1895 und bestand zuvor schon einmal von 1834 bis 1855. Ihm gehören noch zwei andere Gemeinden (Freguesias) an, die sich östlich anschließende Gemeinde Valado dos Frades mit 3100 Einwohnern (Stand 2001) und einer Fläche von 19,2 km² und die sich südlich anschließende Gemeinde Famalicão mit 1.600 Einwohnern (Stand 2001) und einer Fläche von 21,8 km². In Famalicão liegt nahe dem Meer mit der Kirche von São Gião eines der ältesten christlichen Gotteshäuser der iberischen Halbinsel.

Bevölkerungsentwicklung Einwohnerzahl des Kreises von Nazaré (1801–2011) 1801 1849 1900 1930 1960 1981 1991 2001 2011 2 877 4 277 8 393 10 406 13 511 15 436 15 313 15 060 15 158

Städtepartnerschaften : Badajoz : Nogent-sur-Marne : Zushi

Ascensor de Nazaré mini|hochkant|rechts|Ascencor – Verbindung Nazaré-Strand und Sítio