hochkant=1.4|mini|Die Europaflagge ist durch Deklaration Nr. 52 zum Vertrag von Lissabon von 16 Mitgliedsstaaten als Symbol der Europäischen Union förmlich anerkannt. Bereits 1955 hatte der Europarat das „Identitätsemblem Europas“ als sein Zeichen angenommen. hochkant=1.4|mini|Karte verschiedener Ebenen der Europäischen Integration: hochkant=1.4|mini|Mitgliedstaaten der Europäischen Politischen Gemeinschaft (EPG) mini|Zwei Personen, die mit Mützen in den EU-Farben am 20. Oktober 2018 für ein zweites Referendum über den EU-Austritt des Vereinigten Königreichs demonstrierten mini|Europa Prima Pars Terræ in Forma Virginis (Europa als erster Erdteil in Form der Jungfrau), eine Europakarte von Heinrich Bünting, 1582, zeigt ein christlich geprägtes, eurozentrisches Bild Europas. mini|Karte Europas, 1589: Nach dem Verständnis des Renaissance-Geografen Gerhard Mercator, der durch Kartografie und den Vertrieb von Karten dazu beitrug, ein europäisches Raumbewusstsein zu schaffen, bildete eine Linie von der Karasee entlang der Flüsse Ob, Irtysch, Don und Dnepr bis zum Schwarzen Meer die Ostgrenze Europas. mini|Reiterstandbild Karls des Großen von Agostino Cornacchini in der Petersbasilika in Rom, 1725: Karl schuf durch die Ausdehnung des Fränkischen Reichs über große Teile Europas einen Herrschaftsraum, zu dessen Beherrschung es notwendig war, eine einheitliche Schriftart vorzugeben, die karolingische Minuskel. Aus ihr entwickelten sich später die Kleinbuchstaben der lateinischen Schrift. An seinem Hof versammelte Karl Gelehrte aus ganz Europa, von deren Austausch und Wissen die karolingische Bildungsreform und ein europaweiter Aufschwung der frühmittelalterlichen Kultur ausging. Dadurch hat er wichtige Grundsteine für die weitere Entwicklung Europas gelegt. Er selbst wurde als „Pater Europae“ (Vater Europas) idealisiert. mini|Darstellung der mittelalterlichen europäischen Reichsidee in einer Buchmalerei aus dem Evangeliar Kaiser Otto III., um 1000: Sclavinia, Germania, Gallia und Roma, die die Völkergruppen der Slawen, der Germanen, der Gallier und der Römer personifizieren, huldigen Otto III., ihrem christlichen Kaiser. mini|William Penn (1644–1718) entwickelte Ende des 17. Jahrhunderts das Konzept eines europäischen Staatenverbundes mit einem Parlament der Staaten Europas. mini|Die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte von 1789 ist die erste Menschenrechtserklärung in Europa. Als Grundlagentext der Aufklärung prägte sie die kulturelle Identität und das Menschenbild der Neuzeit in Europa wesentlich. Vor dem geschichtlichen Hintergrund des griechisch-persischen Gegensatzes ordnete bereits Herodot das Merkmal der Freiheitsliebe den „Europäern“ zu, während er den „Asiaten“ die Neigung zur Despotie zuschrieb.Heiner Timmermann: Identitäten in Europa – Aus der Vergangenheit in die Zukunft. In: Michael Salewski, Heiner Timmermann (Hrsg.): Europa und seine Dimensionen im Wandel. Dokumente und Schriften der Europäischen Akademie Otzenhausen, LIT Verlag, Münster 2005, ISBN 3-8258-8473-2, S. 42 (online) Als europäische Identität wird jener Teil der Identität oder des Bewusstseins einer Person oder Personengruppe bezeichnet, der sie befähigt, sich als Europäer zu begreifen und eine bejahende Haltung zu einer gemeinsamen IdentitätSiehe hierzu auch: Kollektive Identität und das Fremde (Oswald Schwemmer) („Wir-Gefühl“) und zum Zusammenleben der Menschen und Völker in EuropaÜbersicht zur Geschichte, Vielschichtigkeit und Dynamik des Europabegriffs siehe: Dominik Kremer: Der Europabegriff auf außereuropäischen Webseiten. Ein Vergleich des semantischen Kontextes ausgewählter Domains mithilfe rechnergestützter Textanalysemethoden. Dort: Kapitel 2: Sichtweisen auf Europa. Diplomarbeit im Studiengang Geografie, Bamberg 2007, PDF-Datei im Portal uni-bamberg.de, abgerufen am 24. September 2013 im Sinne einer Gemeinschaft einzunehmen. In einem breiten Identitätsdiskurs bezieht sich der Begriff auch auf Haltungen zur Verfasstheit Europas, zur europäischen Öffentlichkeit oder zur Rolle und zum Selbstverständnis Europas und der Europäer in der Welt.Stefan Seidendorf: Europäisierung nationaler Identitätsdiskurse? Ein Vergleich französischer und deutscher Printmedien. Nomos, Baden-Baden 2007, ISBN 978-3-8329-2268-9 (Reihe Regieren in Europa, Bd. 13). , PDF-Datei im Portal sozialwiss.uni-hamburg.de, abgerufen am 22. Oktober 2013Beate Janosz, Wolfgang Hessberger, Melanie Tatur: Diskursive Generierung „europäischer Identität“? Resonanzen auf die Habermas/Derrida-Initiative in Deutschland und Polen. In: Melanie Tatur: Nationales oder kosmopolitisches Europa?, VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2009, ISBN 978-3-531-16317-8, S. 97 f.
Begriffe In den Diskursen des 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts herrschte noch das Synonym Europäertum vor. Wird eine europäische Identität allein auf den Raum oder den Staatenverbund der Europäischen Union (EU) bezogen, so werden manchmal auch die Begriffe EU-Identität oder Identität der EU verwendet.Etwa bei Annika Laux: Die Identität der EU – Die EU als Identität. PDF-Datei, Magisterarbeit am Seminar für Wissenschaftliche Politik der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Freiburg i.Br. 2007, Veröffentlichung 2009, abgerufen am 10. April 2013 im Portal freidok.uni-freiburg.de Um zustimmende Haltungen zum Gedanken der europäischen Integration und zur Entwicklung einer europäischen Identität zu kennzeichnen, werden die Termini Europäismus oder Europhilie benutzt, bei ablehnenden Haltungen der Begriff Antieuropäismus oder Europhobie (siehe auch: EU-Skepsis); eine Mittelposition nimmt der Hesperialismus ein, der sich positiv zur europäischen Einigung, aber kritisch zur gegenwärtigen Europäischen Union verhält. Personen, die eine europäistische Überzeugung ausdrücken, werden häufig als überzeugte Europäer oder Europhile bezeichnet.
Entstehung und Inhalte Nach Theorien der SozialpsychologieVgl. auch Carl August Emge: Die geistige Bewältigung der sogenannten Europaidee, ein sozialpsychologischer Versuch (= Abhandlungen der geistes- und sozialwissenschaftlichen Klasse der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz. Jahrgang 1965, Nr. 1). entsteht eine Anschauung der europäischen IdentitätÜberblick über das Thema europäische Identität als Gegenstand wissenschaftlichen Interesses in: Achim Trunk: Europa, ein Ausweg: Politische Eliten und europäische Identität in den 1950er Jahren. Oldenbourg Wissenschaftsverlag, München 2007, ISBN 978-3-486-58187-4, S. 53 ff. als Konzept von sich selbst in der Eigengruppe der „Europäer“ (Erweiterung des Selbstkonzepts, des Selbstbildes und des Selbstbewusstseins durch Identifikation mit Merkmalen der sozialen Gruppe „Europäer“)
oder als Zuschreibung von typischen Wesensmerkmalen von außen (Konstruktion eines Fremdbildes über „Europäer“ durch Individuen und Gruppen, die sich selbst nicht zu den „Europäern“ zählen).Siehe hierzu Theorie der sozialen Identität: Henri Tajfel, John C. Turner: The social identity theory of intergroup behavior. In: Stephen Worchel, W.G. Austin (Hrsg.): Psychology of intergroup relations. Nelson Hall, Chicago/IL 1986, S. 7–24.