mini|Patricia Kaas auf dem Festival in Cannes (2007)
Patricia Kaas (* 5. Dezember 1966 in Forbach, Département Moselle, Frankreich) ist eine französische Sängerin.
Kaas zählt zu den international erfolgreichsten französischen bzw. französischsprachigen Sängerinnen. Stilistisch gehört ihre Musik nicht zum klassischen Chanson, sondern ist eine Mischung aus Popmusik und Jazz. Seit dem Erscheinen ihres Debütalbums Mademoiselle chante… im Jahr 1988 wurden mehr als 15 Millionen ihrer Tonträger verkauft. Ihren größten Erfolg in Deutschland und der Schweiz hatte sie mit ihrem 1993 erschienenen dritten Album Je te dis vous, das Platz 11 bzw. 2 der Verkaufs-Charts erreichte. Kaas ist häufig und in vielen Teilen der Welt auf Tournee. 2002 gab sie ihr Filmdebüt an der Seite von Jeremy Irons in dem Liebesfilm And Now … Ladies & Gentlemen.
Kindheit und Jugend Kaas wurde als jüngstes von sieben Kindern (fünf Jungen und zwei Mädchen) geboren. Ihr Vater, Joseph Kaas (1927–1996), ein Bergmann, war Lothringer, ihre Mutter Irmgard (geb. Thiel, 1930–1989) Saarländerin.Patricia Kaas, in: literaturland saar, abgerufen am 17. Mai 2019.Internetquelle: Geneanet.org; https://gw.geneanet.org/gntstarkaasp?lang=de&n=kaas&oc=0&p=patricia, abgerufen am 3. März 2022. Patricia wuchs in Stiring-Wendel auf, einem Ort zwischen Forbach und Saarbrücken auf der französischen Seite der Grenze. Seit 2006 ist sie Ehrenbürgerin des Ortes. Bis zum Alter von sechs Jahren sprach sie ausschließlich Saarländer Platt.Patricia Kaas im Interview mit Krimhild Waskönig für den TV-Sender 3sat im Jahr 2003. Ihre Herkunft ist auch der Grund für ihr mehrfach ausgezeichnetes Engagement für die deutsch-französische Freundschaft.
Ihre Mutter ermutigte sie schon in sehr jungen Jahren dazu, Sängerin zu werden. Im Alter von acht Jahren sang Kaas auf kleineren Veranstaltungen Lieder von Sylvie Vartan, Dalida, Claude François und Mireille Mathieu, aber auch englischsprachige Titel wie New York, New York. Zu dieser Zeit stand sie häufig auf saarländischen Bühnen, auch mit dem Forbacher Spielmannszug Pax Majorettes, dessen Mitglieder sie und eine ihrer Schwestern waren. Sie gewann zudem einen Schlagerwettbewerb. Schon bei ihren ersten Auftritten fiel Kaas durch ihre raue, leicht rauchige, aber kraftvolle Stimme auf.
Ein erster Schritt ins professionelle Musikgeschäft gelang ihr im Alter von 13 Jahren. Mit der Hilfe ihres Bruders Daniel erhielt sie einen Vertrag, um im Saarbrücker Musiklokal Rumpelkammer aufzutreten. Kaas nannte sich damals Pady PaxDer Name leitete sich von den Pax Majorettes her. und stand dort sieben Jahre mit der Band Dob’s Lady Killers auf der Bühne. Mit 16 Jahren machte sie ein Praktikum bei einer Model-Agentur in Metz. Ihr damaliger Manager, der Architekt Bernard Schwartz, führte sie jedoch bald im Musikgeschäft zu ihrem ersten großen Erfolg.
Die Sängerin Patricia Kaas Jalouse mini|Patricia Kaas (2009)
Im Jahr 1985 wurde Kaas von dem französischen Schauspieler Gérard Depardieu entdeckt. Durch die Bemühungen von Bernard Schwartz wurden der französische Komponist François Bernheim und dann auch Depardieu, der mit Bernheim befreundet war, auf das Nachwuchstalent aufmerksam.Viele Internetbiografien geben irrtümlich an, Depardieu habe Kaas in der Rumpelkammer entdeckt. Angetan von Kaas’ Stimme produzierte Depardieu ihre erste Single, Jalouse (dt. Eifersüchtig), geschrieben von Depardieus Ehefrau Elisabeth und Bernheim. Veröffentlicht wurde die Single beim Plattenlabel EMI, finanziell war sie ein Flop.
Mademoiselle chante le blues Durch Jalouse wurde der französische Komponist Didier Barbelivien auf Kaas aufmerksam. Sein Lied Mademoiselle chante le blues (dt. Das Fräulein singt den Blues) wurde ihr erster Hit. Die Single erschien 1987 bei Polydor und erreichte Platz 14 der französischen Singlecharts. Im folgenden Jahr erschien ihre zweite Single, D’Allemagne (dt. Aus Deutschland), geschrieben von Barbelivien und Bernheim. Bemerkenswert ist, dass der Text dieses Chansons eine kleine gesprochene Passage auf Deutsch enthält. Wenig später wurde auch Mademoiselle chante…, Kaas' erstes Musikalbum, veröffentlicht. Es stieg auf Platz 2 der französischen Charts, wo es sich mehr als zwei Monate hielt; insgesamt war Kaas damit 64 Wochen in den Top 10 und 118 Wochen in den Top 100 notiert. Bereits kurz nach dem Erscheinen erhielt sie dafür eine Goldene Schallplatte (für mehr als 100.000 verkaufte Tonträger) und nach drei Monaten Platin (für mehr als 350.000 verkaufte Tonträger). Insgesamt wurde das Album bis heute weltweit mehr als 2,5 Millionen Mal verkauft. Im selben Jahr gewann Kaas den Victoire de la Musique in der Kategorie „Entdeckung des Jahres“. Außerdem erhielt sie für Mademoiselle chante… Platin in Belgien und der Schweiz sowie Gold in Kanada.
1990 begann Kaas ihre erste Welttournee, die 16 Monate dauerte. In 196 Konzerten in zwölf Ländern sang sie vor ungefähr 750.000 Besuchern. Im Olympia in Paris sang sie eine Woche lang täglich, die Konzerte waren vier Monate im Voraus ausverkauft. Des Weiteren gab Kaas erfolgreiche Konzerte in den USA, in New York und Washington. Am Ende der Tournee hatte sich Mademoiselle chante… in Frankreich mehr als eine Million Mal verkauft und erreichte somit Diamantstatus. Kaas erhielt außerdem die Goldene Europa.
Scène de vie 1991 wechselte sie von ihrer bisherigen Plattenfirma, Polydor, zu CBS/Sony. Ständige Begleiter an Kaas’ Seite sind seitdem Cyril Prieur und Richard Walter von der Firma Talent Sorcier aus Paris, die als Manager Bernard Schwartz ersetzten. Kaas selbst bezeichnet sie als ihre „Familie“.
Mit neuer Plattenfirma und neuem Management erschien 1991 das Album Scène de vie (dt. Bühne (Szene) des Lebens). Es stand zehn Wochen auf Platz 1 der französischen Charts und erreichte Diamantstatus. Bei dem Rose Kennedy gewidmeten Lied Kennedy Rose arbeitete Kaas wieder mit Elisabeth Depardieu und François Bernheim zusammen.Diesmal erfolgreicher als zuvor, die Single erreichte immerhin Platz 34 der französischen Singlecharts.
Die Tournee zu Scène de vie führte Kaas durch 13 Länder (210 Konzerte, 650.000 Zuschauer), darunter Japan, Kanada und die UdSSR (Moskau und Leningrad). Ende 1991 erschien ihr erstes Live-Album Carnet de scène (dt. Erinnerungen). Fortan wurde von nahezu jeder ihrer Tourneen ein Live-Album veröffentlicht. 13 Jahre danach veröffentlichte Sony zum ersten Mal auch eine Live-DVD.
1991 bekam Kaas mit dem World Music Award und einem Bambi zwei weitere Musikpreise. Im folgenden Jahr belegte sie bei der ersten Echo-Verleihung in Köln den dritten Platz in der Kategorie „Beste internationale Sängerin“.
Je te dis vous Als endgültiger Durchbruch im internationalen Musikgeschäft gilt das 1993 erschienene Album Je te dis vous (dt. Ich sage Sie zu Dir), das in 47 Ländern über 2,5 Millionen Mal verkauft wurde. Produziert wurde das in London im Eel Pie Studio von Pete Townshend aufgenommene Album von Robin Millar, der auch für Sade und die Fine Young Cannibals tätig war. In den USA und Großbritannien erschien es unter dem Titel Tour de charme (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Live-Album). Unter anderem singt Kaas darauf erstmals einen Titel auf Deutsch: Das Lied Ganz und gar stammt aus der Feder von Marius Müller-Westernhagen. Daneben finden sich drei Titel in englischer Sprache, darunter der James-Brown-Titel It’s a Man’s World. Der britische Rockmusiker Chris Rea begleitete Kaas bei den Titeln Out of the Rain und Ceux qui n’ont rien (dt. Jene, die nichts haben) auf der Gitarre.
Je te dis vous ist das bisher erfolgreichste Album von Kaas im deutschsprachigen Raum. In Deutschland stand es zwei Wochen auf Platz 11 als höchste Notierung und hielt sich insgesamt 36 Wochen in den Top 100. In der Schweiz erreichte Kaas mit diesem Album Platz 2 der Charts, in Frankreich Platz 1. Es war Kaas' drittes Album, das in Frankreich Diamantstatus erreichte, elf Monate nach seinem Erscheinen; keiner anderen französischen Sängerin war dies zuvor mit ihren ersten drei Alben gelungen. Bis heute gilt Je te dis vous als eines der besten Alben des modernen Chansons, das Internetportal musicline.de zählt es zu den „Alben mit Schlüsselqualitäten“.Aus dem von musicline.de. Mit der Single Il me dit que je suis belle (dt. Er sagt mir, ich sei schön) von Sam Brewski (alias Jean-Jacques Goldman) gelang Kaas 1993 auch ihr erster Top-10-Single-Hit in Frankreich. Ein Remix von Reste sur moi (dt. Bleib auf mir) schaffte es in die Top 20 der US-Dance-Charts.
Die folgende Welttournee führte sie in 19 Länder. Unter anderem trat sie als erste westliche Sängerin nach dem Vietnamkrieg in Hanoi auf und gastierte des Weiteren in Korea, Japan, Kambodscha und Thailand. Zudem gab sie ein Benefizkonzert in Tschornobyl vor 30.000 Zuschauern. In insgesamt 150 Konzerten sang sie vor 750.000 Zuschauern. 1994 erschien ihr zweites Live-Album, Tour de charme (dt. Charmeoffensive und Bezaubernde Tour), die zugehörige Live-DVD erschien 2004.
Café noir 1995 wurde in New York für den amerikanischen Markt mit ausschließlich englischen Texten das Album Café noir (auch als Black Coffee bezeichnet) produziert. Die Gründe für die nie erfolgte Veröffentlichung sind nicht bekannt. Mit dem Titelsong, Black Coffee, greift Kaas auf einen Jazzstandard zurück, der in Versionen berühmter Vorbilder wie Billie Holiday und Ella Fitzgerald weltbekannt ist; die eigene Neuinterpretation wurde von Kaas auf dem ebenfalls 1997 erschienenen Sampler Jazz à Saint-Germain veröffentlicht. Zudem befinden sich auf dem Album Coverversionen von Klassikern wie dem Bill-Withers-Titel Ain’t No Sunshine und If You Leave Me Now von Chicago.
Dans ma chair Im Jahr 1997 erschien außerdem Dans ma chair (dt. In meinem Leib), produziert in New York von Kaas und Phil Ramone, der schon mit Ray Charles, Billy Joel und Paul Simon gearbeitet hatte. Erstmals arbeitete die Sängerin dabei offiziell mit dem französischen Komponisten Jean-Jacques Goldman zusammen. Diese Zusammenarbeit dauert bis heute an und gilt als eine der wichtigsten ihrer Karriere.
Einen Beitrag zum Erfolg des Albums lieferten auch die amerikanischen Komponisten und Sänger Lyle Lovett mit dem Titel Chanson simple (dt. Einfaches Lied) und James Taylor mit Don’t Let Me Be Lonely Tonight, bei dem er selbst als Duettpartner auftrat. Der Titel Quand j’ai peur de tout (dt. Wenn mir alles Angst macht), geschrieben von Diane Warren, wurde 2003 von der Band Sugababes unter dem Titel Too Lost in You herausgebracht.
Von der Tournee zu Dans ma chair erschien 1998 ein Live-Album und Kaas’ erste Live-DVD, Rendez-vous, damals allerdings noch als Videokassette. Zu hören ist unter anderem der Titel L’Aigle noir der französischen Sängerin und Komponistin Barbara.
Im Dezember 1998 sang Kaas zusammen mit den Tenören Plácido Domingo und Alejandro Fernández im Rathaus von Wien. Begleitet wurden sie von den Wiener Philharmonikern. Das Konzert erschien 1999 als Christmas In Vienna Vol. VI als CD und DVD.
Le Mot de passe 1999 erschien mit Le Mot de passe (dt. Das Passwort) ein weiteres Studioalbum (produziert von Pascal Obispo), auf dem Kaas bei vielen Stücken von einem Orchester begleitet wird. Wieder lieferte Jean-Jacques Goldman mit dem Titel Une fille de l’Est (dt. Ein Mädchen aus dem Osten) einen Beitrag, in dem Kaas sich auf ihre Herkunft bezieht. Die französische Sängerin Zazie schrieb den Titel J’attends de nous (dt. Ich erwarte von uns). Les Éternelles (dt. Die Zeitlosen) wurde in Deutschland auch im Duett mit dem schweizerischen Tenor Erkan Aki unter dem Titel Unter der Haut veröffentlicht; es diente als Titellied der fünfteiligen ZDF-Serie Sturmzeit.
Im Juni 1999 trat Kaas neben Mariah Carey, Luther Vandross und Status Quo bei den beiden Benefizkonzerten zu Gunsten der UNESCO, des Roten Kreuzes und des Nelson Mandela Children’s Fund in Seoul und München, Michael Jackson & Friends, auf, die in 39 Länder übertragen wurden.