Harzgerode ist eine Stadt im Landkreis Harz im Land Sachsen-Anhalt. Die Ortsteile Alexisbad, Dankerode, Stadt Güntersberge, Harzgerode (Hauptort), Neudorf, Mägdesprung und Silberhütte sind staatlich anerkannte Erholungsorte.
Geographie Lage mini|hochkant=1.2|Harzgerode, Luftaufnahme (2021) mini|hochkant=0.7|Fichtenplantagen und Naturwald im Selketal und angrenzende Höhen in Harzgerode Harzgerode liegt im sachsen-anhaltischen Teil des Mittelgebirges Harz. Es befindet sich dabei im sog. Unterharz, der morphologisch aus meist bewaldeten Hochflächen auf Höhen zwischen ca. 250 und ca. 500 m NHN besteht, die durch das Tal der Selke und der zuführenden Seitentäler zergliedert werden. Die Selke entspringt westlich der Gemeindegrenze Harzgerodes und durchfließt es in ostnordöstlicher Richtung. An den Talhängen befinden sich zahlreiche Felsen aus Tonschiefern, Grauwacken, Kalksteinen und Diabasen. Harzgerode ist namensgebend für die regionalgeologische Einheit der Harzgeröder Zone.
Das Gemeindegebiet wird erschlossen durch die Bundesstraßen 242 und 185, von denen kleinere Gebirgsstraßen in die Ortsteile Harzgerodes abzweigen. Durch das Selketal führt außerdem eine Schmalspureisenbahn (Selketalbahn), die hauptsächlich touristische Bedeutung hat.
Stadtgliederung Harzgerode besteht aus der auf einer Hochfläche östlich der Selke liegenden Kernstadt Harzgerode und weiteren eingemeindeten Gebirgsdörfern. Die Kernstadt ist dabei der größte Ortsteil.
Als Ortsteile der Stadt sind ausgewiesen:
Nachbargemeinden Nachbargemeinden und -städte sind (im Uhrzeigersinn): Thale, Quedlinburg, und Ballenstedt im Norden, Falkenstein/Harz und Mansfeld (MSH) im Osten, Sangerhausen (MSH), Südharz (MSH) und Harztor (NDH) im Süden sowie Oberharz am Brocken im Westen.
Geschichte mini|Rathaus mini|Zerfallene Silberhütte im Ortsteil Silberhütte
Vom klösterlichen Marktflecken bis zur Verleihung des Stadtrechtes (10. bis 14. Jahrhundert) Aus der ersten urkundlichen Erwähnung Harzgerodes geht hervor, dass in Hasacanroth (Harzgerode) das Hagananrothe (Hagenrode) im Selketal 993 von König Otto III. verliehene Markt-, Münz- und Zollrecht ausgeübt wurde. Beide Siedlungen befanden sich im Besitz des Benediktinerklosters Nienburg. Für Harzgerode wurde die Verleihung des Marktrechtes zur Voraussetzung seiner Entwicklung zum wirtschaftlichen Mittelpunkt des Unterharzes. Gleichzeitig war es Gerichtsort für eine Reihe von benachbarten Dörfern. Der mit 50 Hufen ausgewiesene Klosterbesitz lässt eine Villikation (Fronhof) des Klosters in Harzgerode vermuten. Ein Präfekt als Vertreter des Abtes führte die Aufsicht über den Besitz der Benediktiner und wahrte deren Rechte. Über die Ausübung des Münzrechtes, das ab 1035 für rund zwei Jahrhunderte auf Nienburg übertragen war, liegen für das Mittelalter keine Informationen vor.
Die weltlichen Schutzvögte des Klosters Nienburg, die Fürsten von Anhalt, verdrängten allmählich den Abt aus der landesherrlichen Position und erhielten in der Mitte des 14. Jahrhunderts die Vogtei zu Harzgerode als kaiserliches Lehen. 1326 erwähnt Fürst Bernhard III. erstmals sein slot (Schloss) in Harzgerode. Wahrscheinlich verlieh er Harzgerode auch das erstmals 1338 bezeugte Stadtrecht. Einige in Harzgerode ansässige von den Fürsten belehnte Ministeriale wie von Harz, von Harzrode, von Röder und von Zweidorf standen im Dienst der neuen Herren.
Zeit der Verpfändung (15./16. Jahrhundert) 1398 verpfändete Fürst Otto III. das Schloss und seinen Anteil an der Stadt an einen Mansfelder Grafen. Erst 1536 konnten die vier damals in Anhalt regierenden Fürsten das Gebiet der Ämter Harzgerode und Güntersberge wieder aus der Pfandschaft lösen, das sich nach mehrfachem Wechsel des Pfandinhabers zuletzt in der Hand des Stolberger Grafen befand. In der Zwischenzeit hatte sich die Gemarkung der Stadt ganz oder teilweise um die Flächen einiger in der Nähe gelegener wüst gefallener Dörfer, deren Einwohner nach Harzgerode verzogen waren wie Osterndorf, Eberschwende, Anhalt, Mizziloke, Bölkendorf und Abtsföhrde vergrößert. Am Ende des 15. Jahrhunderts wurde die eventuell erste Pflasterung einer Straße als „Steinweg“ erwähnt. Ein zu dieser Zeit auch schon vorhandenes Rathaus deutet auf die Existenz einer kommunalen Selbstverwaltung hin. 1525 hatten sich Harzgeröder im Rahmen des Bauernkrieges an einem Plünderungszug beteiligt, der die Propstei Hagenrode und das Ballenstedter Kloster betraf.
Von der Reformation bis zum 30-jährigen Krieg (16./17. Jahrhundert) Nach Übernahme der Landesherrschaft 1536 durch Anhalt wurde die Stadt Verwaltungssitz des Doppelamtes Harzgerode/Güntersberge. In dieser Zeit setzte sich die Reformation durch und erste lutherische Prediger erhielten ihre Anstellung. Mit der 1538 ausgerufenen Bergfreiheit hofften die Fürsten, die desolate wirtschaftliche Situation ihrer Harzbesitzungen schnell überwinden zu können. Harzgerode wurde zum Zentrum bergbaulicher Aktivitäten. Die Stadt wuchs um die Vorstädte Freiheit und Ehrenberg, im Selketal errichtete man eine neue Schmelzhütte, am Ende des Jahrhunderts war auch eine Münzstätte in Betrieb. Nach einem Pestausbruch wurde um 1550 außerhalb der Stadt ein Hospital eingerichtet und daneben ein Friedhof neu angelegt, wohingegen der neben der Kirche befindliche geschlossen wurde. 1549 begann auf Anordnung des Landesherren Fürst Georg III. der Neubau des Schlosses einschließlich eines Vorwerks (Domäne). Die Einbeziehung Anhalts in den Schmalkaldischen Krieg (1546/47) beeinträchtigte vorerst den wirtschaftlichen Aufschwung. Der am Ende des Jahrhunderts von den Fürsten angeordnete Glaubenswechsel, die Annahme des Kalvinismus, stieß anfangs auf heftigen Widerstand der Harzgeröder.
Durch seine geschützte Lage litt Harzgerode selbst wenig unter kriegerischen Auseinandersetzungen, dafür wurde die Stadt immer wieder durch Feuer verwüstet. Um 1500 kam es zu einer ersten überlieferten großen Feuersbrunst. 1635 (am Johannistag) brannten bis auf sieben Häuser alle Gebäude der Stadt ab, 1659 folgte schon das nächste Großfeuer. Am 30. Juni 1722 wurden 42 Häuser ein Raub der Flammen und am 23. Oktober 1817 nochmals 52 Gebäude.
Zu spüren bekam Harzgerode sehr frühzeitig die Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges. 1623 war die Stadt Sammelplatz eines zur Landesverteidigung aufgestellten Fähnleins, das schnell zur Belastung der Bevölkerung wurde. In den folgenden Jahren litt die Stadt unter Truppendurchzügen, Einquartierungen, nicht abreißenden Forderungen des Militärs und zusätzlichen Plünderungen. Nur im Sommer 1631 gelang es den Bürgern, zweimal Angriffe abzuwehren. Zwanzig Jahre nach dem Krieg waren auf Grund der Bevölkerungsverluste 20 Hausstellen in den Vorstädten noch nicht wieder besetzt.
Fürstliche Residenz (17./18. Jahrhundert) mini|Harzgeröder Schloss Bei der Teilung des Fürstentums Anhalt-Bernburg 1635 unter zwei Brüdern wurde Harzgerode Residenz des Fürstentums Anhalt-Harzgerode. Sitz des Fürsten war das Mitte des 16. Jahrhunderts neugebaute Harzgeröder Schloss. Auf Fürst Friedrich folgte 1670 sein Sohn Wilhelm, mit dessen Tod 1709 die Harzgeröder Fürstenlinie wieder erlosch und das Territorium an Bernburg zurückfiel. Aus dem Bestreben der Fürsten, in ihrem Ländchen die Kriegsschäden möglichst schnell zu überwinden, profitierte besonders die Residenzstadt. Schon 1646 hatte Fürst Friedrich gemeinsam mit einem Kaufmann das Eisenwerk Mägdesprung anlegen lassen. Der Fürstenhof und Zuzug einiger Adelsfamilien belebten die Wirtschaft. 1682 wurde der Grundstein für eine neue Vorstadt, die spätere Augustenstadt, gelegt. Die Gründung einer auf Förderung silberhaltiger Erze ausgerichteten Gesellschaft brachte der Stadt einen erheblichen Bevölkerungszuwachs, mit der Bergstadt entstand eine weitere Vorstadt, im Selketal wurde eine Silberhütte eingerichtet und in Harzgerode erfolgte die Prägung von Silbermünzen. Der Zusammenbruch der hochverschuldeten Bergwerksgesellschaft und die bald folgende Auflösung des Fürstenhofes und seiner Institutionen ließen die Harzgeröder Region am Anfang des 18. Jahrhunderts zum Notstandsgebiet werden.
Industrielles Zentrum des Fürstentums/Herzogtums Anhalt-Bernburg (18./19. Jahrhundert) Nach 1710 nahm die Einwohnerzahl ab. Ein neuer Aufschwung begann in der Jahrhundertmitte mit Neuaufnahme der Eisenverhüttung in Mägdesprung, der kontinuierlich arbeitenden Silberhütte und zunehmender Bergbautätigkeit. Die Harzgeröder Region wurde für längere Zeit zum industriellen Zentrum des Fürstentums/Herzogtums Anhalt-Bernburg. Von Kriegshandlungen blieb der anhaltische Harz im Siebenjährigen Krieg verschont, doch seine Auswirkungen zeigten sich mit Truppendurchzügen, Kontributionszahlungen und zwangsweiser Aushebung für das preußische Militär. Über zwei Jahre prägte im Schloss eine mit den preußischen „Münzjuden“ in Verbindung stehende Münzstätte minderwertige Münzen, so dass der kaiserliche Wiener Hofrat Harzgerode zur „Heckenmünzstadt“ erklärte.
Nach dem Krieg beteiligte sich die Mehrheit der Harzgeröder an der von Bernburg ausgehenden Protestbewegung („Verschwörung“), die sich gegen die ungerechtfertigte Weitererhebung der Kontribution und die durch Fürst Viktor Friedrich aufgezwungenen wirtschaftlichen und finanziellen Belastungen richtete. Harzgerode war der einzige Ort des Fürstentums, in dem es 1767 zum offenen Aufruhr kam. Die wirtschaftliche Entwicklung der Region spiegelte sich durch ein reges Marktleben, aus dem drei mehrtägige Jahrmärkte herausragten, und das prosperierende Handwerk wider. Am Ende des 18. Jahrhunderts hatten sich 19 Gewerke zu Innungen zusammengeschlossen, außerdem gab es eine Bruderschaft der Maurergesellen.
Die Einbeziehung Anhalts in das napoleonische Herrschaftssystem bedeutete für Harzgerode erneute wirtschaftliche Belastungen, die Teilnahme von rund drei Dutzend seiner Söhne an den napoleonischen Kriegen, aus denen ein Großteil nicht zurückkehrte. Am 10. September 1810 hatte das Richtfest in dem entstehenden Alexisbad stattgefunden, nach Mägdesprung und Silberhütte der dritte Harzgeröder Ortsteil.
Angeregt durch die von Frankreich ausgehende revolutionäre Bewegung meldeten sich auch die Harzgeröder im März 1848 mit zahlreichen politischen und sozialen Forderungen zu Wort. Im Ergebnis durfte erstmals ein Stadtparlament und der Bürgermeister gewählt werden, weiterhin wurde die Domäne aufgelöst und zahlreiche Familien gelangten in den Besitz von Hauskabeln (kleine Ackerparzellen).
Die Zeit im vereinigten Herzogtum Anhalt (1863–1918) In dem 1863 zu einem Staat vereinigten Anhalt wählte Herzog Leopold IV. Friedrich das Mägdesprunger Direktionshaus zur Residenz im Kreis Ballenstedt. Nach Erschöpfung der Gruben musste allmählich die Verhüttung eingestellt werden. Die Silberhütte beendete ihren Betrieb 1909, die Mägdesprunger Hütte spezialisierte sich unter Verwendung von Fremderz auf Kunstguss und Maschinenbau. Zahlreiche neue Arbeitsplätze entstanden durch das 1872 in Harzgerode gegründete Eisenwerk. Silberhütte wurde zum Zentrum der Holzverarbeitung im Unterharz, daneben bestand hier seit Jahrzehnten eine Pulvermühle mit der 1893 aufgenommenen Produktion pyrotechnischer Erzeugnisse. Der 1888 hergestellte Anschluss an das deutsche Eisenbahnnetz durch die Gernrode-Harzgeroder Eisenbahn-Gesellschaft (schmalspurige Selketalbahn) beförderte die wirtschaftliche Entwicklung des anhaltischen Harzes.
1901 erhielt Harzgerode sein heutiges Rathaus. Der Einzug des technischen Fortschritts zu dieser Zeit zeigte sich mit Installation einer Wasserleitung und Energieversorgung durch ein Gaswerk. Die zahlenmäßig stark gewachsene Arbeiterschaft gründete eigene Vereine und 1904 eine Ortsgruppe der SPD. Harzgerode galt jetzt als das rote Herz des Harzes. Eisenwerk und Pulvermühle wurden nach Beginn des Ersten Weltkrieges, in dem 159 Harzgeröder ihr Leben ließen, schnell auf Rüstungsproduktion umgestellt. Im Rahmen der Novemberrevolution bildete sich umgehend ein Arbeiter- und Soldatenrat.