mini|Luftbild des Firmengeländes der Gerhard Schubert GmbH in Crailsheim Die Gerhard Schubert GmbH ist ein Hersteller von Verpackungsmaschinen mit Sitz in Crailsheim, Baden-Württemberg. Die Gerhard Schubert GmbH fungiert als die Muttergesellschaft und als zentraler Hauptproduzent von Verpackungsanlagen der Schubert-Gruppe. Die Schubert-Gruppe produziert und vertreibt Verpackungsmaschinen in den Bereichen der Sekundär- und Primärverpackung und hält mit ihren Toploadingmaschinen einen Marktanteil von 30 % weltweit.Marius Stephan: Platz für neue Entwicklungen. In: Hohenloher Tagblatt. 4. Februar 2015.
Geschichte 1966 bis 1980er Das Unternehmen wurde 1966 von dem gelernten Mechaniker Gerhard Schubert gegründet.Automatisierung. Wie ein Verhueterli. In: Wirtschaftswoche. 30. April 1993.Mit Robotern an die Weltspitze. In: Handelsblatt. 4. April 2005. Die erste Anlage, die Schubert entwickelte, war eine patentierte Schachtelaufrichte- und Klebemaschine (SKA) zum vollautomatischen Aufrichten und Verkleben von Kartonzuschnitten. In dieser Maschine kam erstmals Hotmelt (Heißleim) zum Verkleben der Schachteln zum Einsatz.Verpackungsmaschinen: Vormarsch der Roboter – Mittelstaendler gibt das Tempo an. Traum eines Unternehmers: „Die Halle ohne Menschen“. In: Handelsblatt. 10. Mai 1993.
In den Anfängen beschäftigte das Unternehmen drei Mitarbeiter und konzentrierte sich zunächst auf den Bau von nur kleinen Aggregaten, Transportbändern und Maschinen. 1968 wurde im Flügelaugebiet eine 800 Quadratmeter große Fertigungs- und Montagehalle gebaut, die bereits zwei Jahre später erweitert werden musste. Schubert fokussierte sich anfänglich auf die Entwicklung von Toploadingverpackungsmaschinen, die damals als unflexibel galten, da für jede Verpackung eine eigene Anlage entwickelt werden musste. Aus der Idee, solche individuellen Verpackungsanlagen in Serie zu bauen, wurde 1972 das SSB-Baukasten-System für Toploadingmaschinen entwickelt (Schubert-Sondermaschinen-Baukasten), das aus rein mechanischen Baugruppen bestand.S. Reifenberger: Der Verpackungs-Meister ohne Titel. In: Handelsblatt. 22. Mai 2006.Schubert Group: Trauer um Gerhard Schubert. In: Packreport. 6. Juli 2023. Aufgrund des stetigen Wachstums zog die Firma 1972 in das Industriegebiet Süd-Ost um. Ebenfalls 1972 wurde die Turnkey- und Consulting-Tochter Internationale Verpackungsmaschinen Systeme GmbH (heute: Schubert Packaging Systems GmbH) in Crailsheim gegründet.
1975 entwickelte die Firma das sog. Hubtelleraggregat. Hierbei handelte es sich um einen Vorläufer der heutigen Pick- and Place-Roboter, d. h. ein Pick- and Place-Aggregat, das zu verpackende Gegenstände aufnimmt und nach einer 180°-Drehung in die Verpackungsschachteln setzt. Die Prozesse der Aufnahme und Ablage geschahen bei diesem Aggregat in einem Arbeitsgang. 1977 kaufte das Unternehmen die Teilefertigungs-Firma Schubert + Edelmann in Bartholomä, die heute als Schubert Fertigungstechnik GmbH firmiert. Nachdem ein US-Unternehmer Schubert Ende der 1970er-Jahre einen ersten Industrieroboter gezeigt hatte, beschloss Schubert, ebenfalls in die Entwicklung von Robotern einzusteigen. 1981 stellte Gerhard Schubert auf der Interpack in Düsseldorf den weltweit ersten vierachsigen Verpackungsroboter namens „Roby“ vor.Rund um die Verpackung. In: Werben & Verkaufen. 3. April 2019.
Im Jahr 1984 wurde für einen französischen Kunden die erste Roboter-Pralinenpackstraße der Welt hergestellt. Die Packstraße bestand aus 12 vierachsigen Robotern sowie 12 mechanischen Zuführbändern für die unterschiedlichen Pralinensorten.
Die Vorstellung des zweiachsigen Verpackungsroboters SNC-F2 auf der Hannover-Messe erfolgte 1985. Mit dem SNC-F2 konnten unter Einsatz von Roboterwerkzeugen Schachteln aufgerichtet, befüllt und verschlossen werden. Die Entwicklung dieses Roboters war neben dem vierachsigen Roboter sowie dem dazugehörigen, von Schubert entwickelten Bildverarbeitungssystem, ein weiterer wichtiger Schritt hin zum Standard-Baukasten für Verpackungsmaschinen.Sehen, zugreifen, einpacken. In: Inspect. 24. April 2014.
Die erste Pralinenpackstraße mit industrieller Bildverarbeitung kam 1987 auf den Markt. Die Technologie erkannte die Form und Lage der Produkte auf dem Band, damit diese zielgenau durch die Roboter aufgenommen werden konnten und ermöglichte ein Aussortieren der Produkte, die nicht den Qualitätsvorgaben des Herstellers entsprachen. Somit wurde erstmals eine vollautomatische Qualitätskontrolle der Produkte möglich. Die Speedline-Anlage mit zwei Robotern mit CCD-Kameras als Augen wurde auf der Interpack 1987 vorgestellt. Basierend auf dieser Technologie, erfolgte von diesem Zeitpunkt an die serienmäßige Nutzung von Bildverarbeitungssystemen in der Industrie.Die Entwicklung von Visionsystemen für automatisierte Verpackungssysteme Die Augen der Roboter. In: dei – die ernährungsindustrie. 14. August 2014.
Gerald Schubert, der jüngste Sohn des Firmengründers, stieg 1989 nach seinem Maschinenbau-Studium ins Unternehmen ein. 1990 trat mit Ralf Schubert der älteste Sohn des Firmengründers nach zweijähriger Tätigkeit als Diplom-Informatiker in einer Software-Firma in die Firma ein und startete die Entwicklung der eigenen Verpackungsmaschinensteuerung (VMS) sowie des eigenen Produktionsplanungssystems (Saturn).Verpackungsmaschine der Zukunft: Wenn Automatisierung digitale Zukunft trifft. In: Process. 6. September 2016.
1990er bis 2010er 1992 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 72 Millionen DM mit 345 Beschäftigten. Der Exportanteil betrug damals 50 % und die wichtigsten Absatzmärkte waren Frankreich, England, die Benelux-Staaten und Skandinavien.Aus den Unternehmen. In: Stuttgarter Zeitung.10. Mai 1993.
Seit 1994 setzt Schubert in allen Verpackungsmaschinen die selbst entwickelte VMS ein, die Grundlage für viele der Verpackungssysteme ist. Die VMS wurde von dem Unternehmen selbst entwickelt, ohne auf Standardanteile von anderen Anbietern zurückzugreifen. Ebenfalls 1994 wurde das Schubert-Casino, das unter dem Namen Hägele Catering firmiert, als Restaurant für die eigenen Mitarbeiter auf dem Firmengelände in Crailsheim eröffnet. Ein Jahr später wurde die erste kontinuierlich arbeitende Pickerlinie mit patentiertem Gegenlaufprinzip vorgestellt.Sven Engelmann: Aus einem Guss – Neue Thermoform-, Füll- und Verschließmaschine sorgt für reibungslosen Ablauf. In: Process. 4. April 2005.
Die erste SMB-Verpackungsmaschine (Schubert Maschinen Baukasten) unter Einsatz der eigenen Maschinensteuerung VMS nahm 1996 ihren Betrieb beim Kunden auf. Durch den Einsatz von VMS wurden die bis dahin üblichen großen, separaten Schaltschränke an den Verpackungsmaschinen vollständig eliminiert und die gesamte Steuerungstechnik der Maschinen ab diesem Zeitpunkt komplett in die Maschine integriert. Daraus resultierte ein bis zu 30 % geringerer Platzbedarf der Anlagen sowie eine wesentlich kürzere Montagezeit und eine schnellere Inbetriebnahme. Im selben Jahr wurde mit dem Bau einer weiteren, 4.000 Quadratmeter großen Montagehalle auf dem Betriebsgelände in der Hofäckerstraße begonnen, die 1998 als Halle 2 in Betrieb ging.Ein Roboter im Himmel. In: Packreport. 11. März 2002.
1998 gründete das Unternehmen eine Tochtergesellschaft in Texas, die Schubert Packaging Systems.Schubert: Neues Headquarters. In: Packreport. 6. September 2015.
2001 übernahm das Unternehmen 30 % der Anteile an der MSC Tuttlingen, einem ausgegliederten Geschäftsbereich der in Insolvenz geratenen Unternehmensgruppe Leukhardt.Neustart für Bereich System-Elektronik. In: Südkurier. 2. November 2001. Ein Jahr später wurde die Tochter Schubert UK in der Nähe von Birmingham gegründet.
Die SMB-Maschinen waren aufgrund ihrer Bauweise – die gesamte Steuerung erfolgte aus dem unteren Bereich der Anlage, dem Maschinenbett – je nach Komplexität der Verpackungsprozesse sehr unübersichtlich, schwer zugänglich und häufig schlecht zu reinigen. Daraus resultierte 2002 die weiterentwickelte Konstruktion der TLM-Toploadingmaschinen. Die gesamte Steuerungstechnik der Anlage wurde bei den TLM-Maschinen in den oberen Bereich der Anlage verlegt. Dadurch entstand eine gute Übersichtlichkeit, Zugänglichkeit und Reinigungsmöglichkeit der Anlagen. Das Ziel, Verpackungsmaschinen aus einer überschaubaren Zahl von Standardaggregaten aufzubauen, war erreicht. Zudem setzte sich das Unternehmen zum Ziel, diese Maschinen auf einem Fließband zu montieren.Die Anforderungen an die Flexibilität einer Verpackungslinie steigen. Gerhard Schubert antwortet mit einfacher Mechanik und intelligenter Steuerung. In: Process. 7. März 2008. Um dies zu erreichen, musste eine zuverlässige und zeitgenaue Versorgung sowohl mit Zukaufteilen als auch eigengefertigten Komponenten sichergestellt werden, weshalb 2002 das Warenlogistikzentrum – ein Hochregallager mit rund 400 Palettenplätzen – in Betrieb ging.Die Lagerwirtschaft einmal komplett umgekrempelt. In: Deutsche Verkehrs-Zeitung. 11. November 2004.
Von September 2004 bis Januar 2006 wurde das neue Verwaltungsgebäude mit fünf Stockwerken gebaut, das Büroflächen für etwa 100 Mitarbeiter bot und das 2006 eingeweiht wurde.Ulrich Schreyer: Unser Geld ist bei uns am besten aufgehoben. In: Stuttgarter Zeitung. 23. Oktober 2008. Mittlerweile betrug der Exportanteil des Unternehmens 70 %. 2008 erfolgte die Einweihung der um 7.000 Quadratmeter erweiterten Montagehalle 2.Gerhard Schubert erhöht die Wettbewerbsfähigkeit seiner Maschinen und bleibt trotzdem in Deutschland „Ich habe eine soziale Verantwortung“. In: dei – die ernährungsindustrie. 1. April 2008.
Das Transmodul, der erste Transportroboter in Verpackungsmaschinen, nahm 2009 seine Arbeit auf. Das Transmodul ist ein schienenbasierter freiprogrammierbarer Transportroboter, der für den schnittstellenfreien Transport von Verpackung und Produkt zwischen den einzelnen Verpackungsprozessen innerhalb einer Anlage sorgt.Martin-Werner Buchenau: Mit Robotertechnik auf dem Vormarsch. In: Handelsblatt. 30. Dezember 2013.Neues Anwendungsfeld erschlossen: Induktive Stromzuführung für Verpackungsmaschine. In: F+H Fördern und Heben. 2. Februar 2011.
2010er bis heute Nach leichten Umsatzrückgängen aufgrund der Finanzkrise beschloss das Unternehmen 2011, einen stärkeren Fokus auf das Geschäft mit der Pharmaindustrie zu legen. Zusätzlich hielt die Gerhard Schubert GmbH 30 % des Weltmarktanteils im Toploadingverpackungswesen, was eine Orientierung hin zu neuen Märkten anregte, speziell auf Primärverpackungen, d. h. Verpackungen für Produkte, die nicht von Hand abgefüllt werden können.Schubert will neue Märkte erobern. In: Stuttgarter Zeitung. 4. Juni 2011. In den frühen 2010er Jahren kamen 70 % des Umsatzes von Kunden aus der Nahrungsmittel- und Süßwarenindustrie und 20 % aus der Pharma- und Kosmetikindustrie.Geschichte: Gegründet wurde das Unternehmen. In: Stuttgarter Zeitung. 26. Juli 2014. 2011 kaufte das Unternehmen das Gelände der benachbarten Firma Eisen Fischer, um dort ab 2013 eine weitere Montagehalle zu errichten.Schubert investiert 30 Millionen. In: Aalener Nachrichten. 4. November 2011.
Mit dem Transmodul wurde es 2012 erstmals möglich, Abfüllprozesse für flüssige Produkte in die Verpackungsprozesse einer TLM-Verpackungsanlage zu integrieren.Manfred Frank: Träumereien von Schubert. In: Packreport. 18. Oktober 2017.Weniger Mechanik – mehr Intelligenz. In: Packreport. 12. April 2013. Ebenfalls 2012 wurden Ralf und Gerald Schubert in die Geschäftsführung der Gerhard Schubert GmbH berufen.